Die Hoffnung schwindet

30. November 2013 von Jan Hattenbach in Allgemein, Sonnensystem

Komet ISON ist auf den letzten LASCO C3-Bildern der Sonnensonde SOHO weit schwächer als C/2011 W3 Lovejoy zu diesem Zeitpunkt nach dem Perihel: +5mag und weiter abnehmend (hier in einer Animation der Bilder sehr gut zu sehen). Die Chancen auf eine Sichtbarkeit mit bloßem Auge sind damit wohl ziemlich gering. Ich persönlich denke nicht, dass es überhaupt viel zu sehen gibt, außer für ein paar Spezialisten. Noch bis heute Abend, 24 Uhr MEZ, ist der Komet auf den LASCO C3-Bildern zu sehen, danach werden wir eine Weile nicht viel von ISON erfahren. Eine Sichtbarkeit am Morgenhimmel wird - wenn überhaupt - voraussichtlich Mitte der kommenden Woche möglich sein. Es sei denn, es passiert noch etwas!

ESA/NASA/SOHO

ESA/NASA/SOHO

Genießen wir statt dessen die gelungenen Aufnahmen des Periheldurchgangs vom Donnerstagabend - etwa in diesen beiden Animationen der COR2-Koronografen von STEREO A und B, aus zei unterschiedlichen Perspektiven (Klick auf die Bilder)!  Mehr dazu im heutigen Blogeintrag des CIOC.

NASA/STEREO

NASA/STEREO

NASA/STEREO

NASA/STEREO

 

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UPDATE, 01.12. 14:00: Inzwischen hat ISONs Trümmerwolke das Bildfeld des LASCO C3-Koronografen von SOHO verlassen. Dafür ist er jetzt wieder im HI-Imager von STEREO A sichtbar. Offenbar ist die Nasa bei ihrem Plan geblieben, die Sonde ein wenig zu verkippen, um die Überbleibsel des gescheiterten Jahrhundertkometen zu verfolgen. ISON ist auf den (noch rohen, daher qualitativ nicht besonders guten) Bildern auch nur noch als ein geisterhaftes Etwas zu erkennen:

NASA/STEREO

NASA/STEREO

Die Forscher sind sich inzwischen einig, dass der Komet keinen neuen Staub mehr freisetzt. Was wir sehen ist also eine sich weiter ausbreitende Staub- und Trümmerwolke, aber kein aktiver Komet mehr. Sofern es keine Überraschungen mehr gibt, können wir ISON als Kometen abschreiben. Schade - aber aus wissenschaftlicher Perspektive waren es spannende Tage und Monate!

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UPDATE 2.12. 11:30: Diese Animation zeigt die komplette Perihelsequenz vom 27.11. bis zum 30.11., aufgenommen mit SOHOs LASCO C3. Deutlich zusehen: schon vor Erreichen des sonnennächsten Punkts seiner Bahn nahm die Helligkeit des Kometen wieder ab. Kurz bevor er hinter der Blende verschwand, war ISON bereits zu einem lang gestreckten, kopflosen Schweif zerrissen.


19 Kommentare zu “Die Hoffnung schwindet”

  1. Stellar Antworten | Permalink

    Das wird wohl nichts mit dem "schönen Kometen", weder am Morgen- noch am Abendhimmel. Wenn man sich die aktuellen LASCO C3 Aufnahmen von heute (12:54 MEZ) anschaut fällt sofort auf, dass die Helligkeit weiter rapide abgenommen hat und die Reste sich wohl auflösen. Sicher kein "Jahrhundert-Flop", aber ganz gewiss kein "Jahrhundert-Komet" oder gar "Großer Komet"... War aber auch schon immer recht unsicher, ob er selbiges wird bei dem sonnennahen Perihel...
    Macht nix: Der nächste schöne Komet kommt bestimmt.

  2. Michael Khan Antworten | Permalink

    Ich denke, es ist mal an derr Zeit, Jan für seine ISON-Berichterstattung Anerkennung und Dank auszusprechen. Nicht nur wegen der Aktualität und Qualität seiner Artikel: Ich habe in den letzten Tagen immer zuerst in den "Himmelslichtern" nachgelesen, was es neues zu ISON gibt. Ich fand es hier viel kompakter, zuverlässiger und besser zusammengefasst als in der teilweise widersprüchlichen und verwirrenden Vielfalt der Berichte im Web.

    Aber Jan hat zusätzlich auch noch - und das zeichnet seine Artikel besonders aus - nicht nur das Material anderer interpretiert, sondern auch selbst den Kometen fotografiert und das eigene, professionell aufbereitete Bildmaterial Allen verfügbar gemacht. Da auch ich ab und zu astrofotografisch zugegen bin, allerdings lange nicht auf dem Level von Jan, kann ich zumindest recht gut beurteilen, was bei seinen Bildern an Arbeit, Können und nicht zuletzt kalten Fingern und Schlafmangel hineingesteckt wurde.

    Also, von meiner Seite: Hut ab und Danke!

    • Jürgen Bolt Antworten | Permalink

      Da schließe ich mich natürlich an. Danke, Jan!

  3. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Noch eine Laienfrage:

    Hatte ISON bei seinem langen Anflug auf die Sonne eine elliptische, parabolische, oder hyperbolische Bahn?

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      @The Karl Bednarik:

      JPL Horizons gibt erschöpfend Auskunft über den Bahnzustand zu jedem Zeitpunkt. ISONs Bahn ist ganz knapp hyperbolisch. Schon seit Oktober 2012. Bei der Exzentrozitzät kommt immer erst 1.0000 und noch mehr Nullen, dann irgendwann andere Zahlen. Anfang November stand da tatsächlich mal 0.999999xxxx, aber das kann auch ein Artefakt der Berechnung sein.

      Notabene: Dass ISONs Bahn im Sonnensystem ganz knapp überparabolisch war, sagt noch nicht, dass sei ganz weit draußen auch so gewesen sein muss.

  4. Gunnar Glitscher Antworten | Permalink

    Hallo Jan,

    auch von mir ein herzliches Dankeschön für die aktuellen Berichte zu ISON!

    Stereo-A hat ihn seit gestern im Bildfeld (wird eigens dafür um einige Grade gedreht). Als längliches Nebelchen ist ISON rechts oben erkennbar ('mäßige' Bildqualität, da aktuelle Rohaufnahmen):

    http://stereo-ssc.nascom.nasa.gov/browse/2013/12/01/ahead/hi1/1024/thumbnail.shtml

    Noch bis 7. Dezember wird der Komet im Feld stehen, ob auch sichtbar, wird sich zeigen...

    CS,

    Gunnar

  5. Jan Hattenbach Antworten | Permalink

    Vielen Dank für die lobenden Kommentare! Es hat großen Spaß gemacht, die Entwicklung des Kometen mehr als ein Jahr lang zu verfolgen, auch wenn ich natürlich, wie die meisten, auf ein anderes Finale gehofft hatte. Aber gerade die letzten Tage waren ein wirklich spannendes Stück Live-Science!

    Eventuell schreibe ich demnächst mal einige noch ungeordnete Gedanken zu ISON und dem Hype darum zusammen.

    @Gunnar: danke für den Tipp, ich mache gleich mal ein Update dazu!

  6. KurtSchaefer Antworten | Permalink

    Hallo Jan,
    auch von mir höchstes Lob! Ich habe auch als erstes immer auf Deinen Blog geschaut, um zu sehen, was ISON macht.
    Übrigens - es ist noch nicht überstanden:
    Die Trümmer des Zombie-Kometen werden als "Snegurotschka" die Erde heimsuchen ;-) Siehe hier:
    http://de.ria.ru/society/20131130/267388165.html

  7. Jan Hattenbach Antworten | Permalink

    Lieber Kurt,

    danke auch dir für das Lob, auch wenn du mich mit dem Link zwingst, eine kleine Extraschicht am Sonntagabend einzulegen ;-)

    Die wirren Äußerungen des Herrn Smirnoff sind natürlich Quark, davon kann sich jeder selbst überzeugen. Man muss einfach nur einen Blick auf die Bahnkurve des Kometen (bzw.. seines Überrests) werfen, um zu sehen, dass er nach seinem Perihel steil aus der Ekliptikebene aufsteigt. Ergo: *Nach* dem Perihel kommt es nicht mehr zu einer Begegnung der Erde mit der Kometenstaubwolke: http://www.solarsystemscope.com/ison/

    *Vor* dem Perihel bewegte sich ISON bekanntlich in Ekliptiknähe, daher kreuzt die Erde Mitte Januar tatsächlich die Kometenbahn. Nur stammen die dort befindlichen ISON-Staubteilchen vom letzten Oktober. Das Thema "möglicher Meteoritenregen durch ISON" hatten wir demzufolge auch schon vor einer Weile. Bitte zu Ende lesen und nicht von der irreführenden, NASA-Hype-mäßigen Überschrift irritieren lassen: http://science.nasa.gov/science-news/science-at-nasa/2013/19apr_isonids/

    An der Situation ändert ISONs Zerfall genau gar nichts. Die Bahn des Kometenrests *nach* dem Perihel ist natürlich auch i.W. identisch mit der *vor* dem Perihel berechneten Bahn des Kometen.

    Keine Ahnung, wie so ein Artikelunfall wie auf dieser Website der "Russischen Agentur für internationale Informationen" passieren kann - wäre 1. April und der Herr Smirnow schiebe sich tatsächlich mit doppel-f wie ein geistiges Getränk aus seinem Heimatland, hätte ich nur geschmunzelt.

    "Dank" sog. News-Seiten wie http://news.astronomie.info/ai.php/201311105 kann ich mir aber durchaus vorstellen, dass aus meinem Kommentar noch ein extra Blogeintrag wird. Generell die Empfehlung: Lieber bei Leutchen lesen, deren Tastatur mehr Knöpfe hat als "Strg", "c" und "v" ;-)

  8. Andreas Schnabel Antworten | Permalink

    Ich habe schon vorher vermutet, dass der Herr Smirnow(ff) etwas zu tief in die Wodka-Flasche geschaut hat. ;)

  9. Jörg Antworten | Permalink

    Hallo,

    vielen Dank Herr Hattenbach für die Dokumentation von ISON in den vergangenen Monaten, wie meine Vorredner bereits anmerkten: tolles Material, gut rezipierbar aufbereitet und präsentiert. Schade dass es um ISON nun steht wie es steht - aber das war immer eine der bestehenden Optionen. Warten wir, was da noch angeliefert wird, der Vorrat weit draussen sollte noch für einige Durchläufe reichen.

    JW

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