Laser und Quanten am Himmel: “Lichtverschmutzung” mal anders

22. Juli 2011 von Jan Hattenbach in Atmosphäre

Grüne Laser am Nachthimmel - da krich isch normalerweise dr Plack, wie man im Rheinland so sagt. Vor allem an kanarischen Himmeln, die ja doch unter besonderem Schutz stehen: Auf La Palma beispielsweise ist der Gebrauch von sogenannten Skybeamern verboten, für den Erhalt der Dunkelheit sorgt hier ein Gesetz. Was also war es dann, was ich am Morgen des 4. Juli auf der auch bei Hobbyastronomen so beliebten Insel ablichtete?

Eindeutig ein grüner Laserstrahl, der da horizontal über den Himmel lief! Unbeweglich stand er am Himmel, bis die Dämmerung einsetzte. Zu sehen außerdem: die Milchstraße in den Sternbildern Kassiopeia und Perseus, das Morgenzodiakallicht, Jupiter - das ist der helle "Stern in der Bildmitte, sowie das "Siebengestirn" links unter Jupiter. Blickrichtung ist Ost, am Horizont sind "Wolken" aus Saharastaub zu sehen (Anklicken zum Vergrößern).

Richtung Südwesten, das andere "Ende" des Strahls vor der Sommermilchstraße mit dem Sommerdreieck aus Deneb, Wega und Altair (astronomisch gesehen ist übrigens zur Zeit auch in Deutschland Sommer!)

Ich dachte natürlich gleich weniger an eine Werbemaßnahme der Bespaßungsindustrie, zumal der Strahl direkt von dem astronomischen Observatorium auf dem Roque de los Muchachos zu stammen schien. Eher erinnerte ich mich düster an einen Artikel über ein Experiment, den ich vor ein paar Jahren mal gelesen hatte. Und tatsächlich: ein wenig Recherche ergab, dass es sich bei dem grünen Laserstrahl um den sichtbaren Teil einer höchst ungewöhnlichen Versuchsanordnung handelt.

Vom Roque wurden nämlich einzelne UV-Photonen zur etwa 150 Kilometer entfernten Nachbarinsel Teneriffa geschickt, wo sie mit dem Teleskop der optischen Bodenstation der ESA aufgefangen wurden. Diese Photonen waren "verschränkt", was so viel heißt wie dass der quantenmechanische Zustand des einen Photons am einen Ende der "Leitung" mit dem des anderen identisch ist. Kennt man daher den Zustand des einen Photons, so weiss man auch über den des anderen, entfernten bescheit. Mit diesem Prinzip sollen einmal kryptografische Schlüssel entwickelt werden, die eine prinzipiell abhörsichere Kommunikation ermöglichen sollen. Eine derartiger optischer Link könnte bespielsweise zur Satellitenkommunikation eingesetzt werden. Ohne das Ganze jetzt zu vertiefen (und den Anschein zu erwecken, ich würde das alles en Detail verstehen) verweise ich auf diese Website des österreichischen Instituts für Quantenoptik und Quantenkommunikation.

Die UV-Photonen sind natürlich unsichtbar. Was man aber sieht, ist der sogenannte Trackinglaser, der im Grunde nichts anderes als einen überdimensionalen Laserpointer darstellt.

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Ein Kommentar zu “Laser und Quanten am Himmel: “Lichtverschmutzung” mal anders”

  1. Rainer Schnell Antworten | Permalink

    Super

    Unsere Existenz ist doch wirklich etwas wunderbares! Danke für die tollen Bilder!

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