“Dinge erfahren, die einem ansonsten verborgen bleiben”

16. September 2013 von Marlene Knoche in Computer Science

Stefano V. Albrecht

Als einer der deutschen Nachwuchsforscher ist Stefano Vittorino Albrecht einer der 200, die am 1. Heidelberger Laureate Forum teilnehmen. In einem kurzen Interview berichtet er über seinen Werdegang, seine Forschung und seine Erwartungen an das Forum.

MK - Erzählen Sie doch kurz etwas über Ihre Person.

SVA - "Meinen ersten Abschluss (B.Sc.) in Informatik erhielt ich im Jahr 2010 von der Technischen Universität Darmstadt. Anschließend ging ich nach Großbritannien und erhielt dort im Jahr 2011 meinen zweiten Abschluss (M.Sc.) in Künstliche Intelligenz von der University of Edinburgh. Seither promoviere ich dort auf dem Gebiet der Intelligenten Robotik."

MK - Wie sind sie dazu gekommen Informatik zu studieren und jetzt im Bereich der Forschung tätig zu sein?

SVA - "In meiner Kindheit interessierte ich mich sehr für Rechner und deren Funktionsweise. Dies führte dann zu einem Interesse an Programmierung, automatischer Informationsverarbeitung, abstrakte Problemlösung – also den Kerngebieten der Informatik. Was mich an dem Fach fasziniert ist einerseits, dass Probleme mit beinahe unbegrenzter Kreativität gelöst werden können, und andererseits, dass dies auf eine disziplinierte mathematische Weise geschieht. In die Forschung ging ich schließlich, um mich am Fortschritt unserer Gesellschaft zu beteiligen, und um mich selbst auf dem Gebiet weiter zu entwickeln."

MK - Sie sind derzeit in Großbritannien. Was macht für Sie gerade diesen Standort für Ihre Forschung attraktiv?

SVA - "Die künstliche Intelligenz hat tiefe Wurzeln in Großbritannien, insbesondere mit Vordenkern wie Alan Turing, dem Namensgeber des Turing Preises. Edinburgh war und ist maßgeblich am Fortschritt der künstlichen Intelligenz beteiligt, in der Informatik ebenso wie in der Philosophie. Die dortige „School of Informatics“ ist heute eines der größten Forschungsinstitute für Informatik in Europa."

MK - An welchem Projekt forschen Sie aktuell?

SVA - "Eines der Ziele in der intelligenten Robotik ist es, Robotern die Fähigkeit zu geben, mit anderen Robotern autonom zusammen zu arbeiten. Dies geschieht heute hauptsächlich mit Hilfe von Mechanismen zur vorherigen Verhaltenskoordination. Beispiele hierfür sind Kommunikationsprotokolle, synchronisierte Zustandsdaten, sowie zentrale Mechanismen zur Arbeitsaufteilung. Das Thema meiner Forschung ist die Ad-hoc-Koordination, d.h. Zusammenarbeit von Robotern ohne Mechanismen zur vorherigen Koordination. Mensch-Maschine-Interaktionen können oft auf diese Weise modelliert werden, da zwischen Mensch und Maschine typischerweise keine vorherige Koordination besteht. Daher adressiere ich in meiner Forschung auch dieses Gebiet."

MK - Welche Prognosen und Erwartungen begleiten Sie bei Ihrer Forschung?

SVA - "Schon heute werden immer mehr intelligente autonome Systeme (z.B. in Form von Robotern) in immer mehr Gebieten eingesetzt. Da die Systeme oft von verschiedenen Organisationen entwickelt werden, findet ohne weiteres (z.B. Standardisierung) keine vorherige Koordination statt, wodurch eine Zusammenarbeit erschwert oder verhindert werden kann. Dies betrifft insbesondere zeitkritische Anwendungen wie etwa in der Katastrophenhilfe (z.B. 9/11 oder Fukushima), in denen Roboter ad hoc aus unterschiedlichen Quellen eingesetzt werden. Die in meiner Forschung gewonnen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, dass Roboter künftig auch ohne explizite vorherige Koordination effektiv kollaborieren können."

MK - Mensch-Maschine-Interaktion ist ein sehr spannendes Forschungsgebiet - was fasziniert Sie daran?

SVA - "In erster Linie interessieren mich die möglichen Anwendungen. Intelligente autonome Maschinen, in Form von Robotern und virtuellen Software-Agenten, können die Art und Weise wie wir leben und arbeiten revolutionieren. Autonome Maschinen könnten in privaten Heimen eingesetzt werden, um Familien bei einer Vielzahl an Aktivitäten zu assistieren. Beispielsweise gibt es bereits Forschung in der Altenpflege und Kinderbetreuung. Außerdem könnten autonome Maschinen auch in der Arbeit eingesetzt werden, etwa in Büros oder auf Baustellen, um dort bei wichtigen Aufgaben interaktiv zu assistieren."

MK - Mit welchen Erwartungen und Hoffnungen kommen Sie in das HLF?

SVA - "Ich freue mich auf interessante Unterhaltungen mit den Laureaten sowie den anderen Besuchern. Das HLF bietet eine hervorragende Gelegenheit um formell (in Reden und Podiumsdiskussionen) sowie informell (in privaten Gesprächen) von einigen der führenden Denker unserer Zeit zu lernen. Meine Erfahrung mit solchen Treffen ist, dass man dort nützliche Dinge erfahren kann, die einem ansonsten eher verborgen bleiben."

MK - Gibt es unter den Laureaten für Sie Vorbilder oder gar Helden?

SVA - "Die Laureaten sind in gewisser Weise alle Vorbilder, und zwar in dem Sinne als dass sie wegweisende Forschung betrieben und ihre jeweiligen Gebiete maßgeblich vorangetrieben haben. Die Arbeit der Laureaten ist heute Grundlage weiterer Forschung, wie beispielsweise in meinem Fall mit Robin Milner und Judea Pearl. In meiner Forschung möchte ich ebenfalls versuchen, einen nützlichen Beitrag zum Fortschritt meines Fachs zu leisten."

MK - Vielen Dank für das Interview!

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