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Es gibt keine kulturellen Ökosystemdienstleistungen

22. August 2014 von Ludwig Trepl

Die Notwendigkeit des Natur- und Umweltschutzes begründet man heute mehr und mehr mit „Ökosystemdienstleistungen“. Unter diesen „Dienstleistungen“ werden im allgemeinen auch „kulturelle“ genannt. Kulturelle Ökosystemdienstleistungen kann es aber nicht geben.   In der Umweltpolitik und in den ihr unmittelbar zuarbeitenden Teilen der Wissenschaft ist seit einigen Jahren viel von „Ökosystemdienstleistungen“ die Rede. Unter diesem Begriff versucht man so gut wie alles zu fassen, was eine Begründung für den Umwelt- und Naturschutz abgeben könnte, sofern man nicht einen „Eigenwert der Natur“ geltend... weiter

 

„Naturbewußtsein 2013“. Einige Nachfragen zu einer repräsentativen Umfrage „zu Natur und biologischer Vielfalt“.

10. Juni 2014 von Ludwig Trepl

In der Süddeutschen (28. April 2014) wird über eine repräsentative Umfrage des Bundesamts für Naturschutz[1] berichtet: „Je wilder die Wälder, desto besser gefallen sie den Deutschen. Das geht aus einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz hervor. Beliebte Waldtiere sind demnach Biber, Luchse und Wildkatzen – bei zwei anderen Raubtieren sieht das ganz anders aus.“ Diese anderen sind Waschbär und Wolf. Die Frage war: „Wie finden Sie es, wenn sich die folgenden Tiere in Deutschland verbreiten?“ Beim Luchs haben 64 %... weiter

 

Naturalismus und Schöne neue Welt

8. Mai 2014 von Ludwig Trepl

Der Naturalismus, und zwar der sogenannte szientifische, war schon in mehreren Artikeln dieses Blogs Thema (siehe z. B. hier, hier und hier). Es ging darum, ob er wahr ist. Dabei interessierte vor allem die Frage, ob seine Behauptungen über die Reduzierbarkeit aller Wissenschaft und Philosophie auf Naturwissenschaft (im methodologischen Sinne verstanden) haltbar sind. Nun frage ich anders: nicht ob er wahr, sondern ob er wünschenswert ist. Die negative Beantwortung dieser Frage macht natürlich die nach seiner Wahrheit nicht überflüssig. Nähme man das an, könnte man einwenden, man argumentiere nach dem Muster, daß nicht sein kann, was nicht sein darf, oder es würde eine Strategie empfohlen, die der in konservativen Kreisen des 20. Jahrhunderts so verbreiteten Haltung zur Religion ähnelt: Wir glauben nicht, was die Kirche predigt, aber es ist nützlich, daß es geglaubt wird. Wenn man die Kritik an der Wünschbarkeit des szientifischen Naturalismus in einem Satz zusammenfassen will, dann vielleicht in diesem: Weder gegen die furchtbaren alten Welten noch gegen die Schöne neue Welt läßt sich aus dieser Denkweise heraus ein Einwand erheben. Meist diskutiert man über ersteres. Der Naturalismus – im folgenden ist damit immer der szientifische gemeint – führt unausweichlich zu einem radikalen Relativismus in Fragen der Ethik. ... weiter

 

Roboterquälerei als Straftatbestand

26. April 2014 von Ludwig Trepl

Vor einigen Monaten[1] brachte Zeit-online einen Artikel mit der Überschrift „Brauchen wir Roboterschutz-Gesetze?“ Berichtet wird über die Arbeit einer Wissenschaftlerin (ihr Fach wird nicht genannt) namens Kate Darling, die am MIT in Boston arbeitet, und über Folgerungen, die sie aus ihren Ergebnissen zieht: „Darling ... ließ ihre Probanden eine Stunde lang mit einem süßen Dino-Roboter spielen. Anschließend gab sie ihnen die Anweisung, den Roboter zu zerstören. Die meisten weigerten sich. ‚Eine Teilnehmerin umklammerte den Dino und entfernte die Batterie. Als... weiter

 

Ist anthropozentrisches Denken die Ursache der Naturzerstörung?

21. März 2014 von Ludwig Trepl

Wir leben in einer Zeit der Umweltkrise. Nur wenige meinen, sie sei lediglich ein ideologisches Phänomen, sei Ausdruck von Ängsten anderer Herkunft, z. B. auf irgendwelche soziale Verwerfungen zurückzuführen, oder sie sei nur von interessierter Seite herbeigeredet. In der Regel dürfte man glauben, diese Krise sei verursacht durch eine reale, physische Bedrohung der Menschheit von nie dagewesenem Ausmaß. Unter denen, die das glauben, ist man sich weitgehend einig über die Ursache: Es ist der „Anthropozentrismus“ unseres, des „westlichen“, Denkens. ... weiter

 

Sind Tiere auch Menschen?

18. Februar 2014 von Ludwig Trepl

Die Wissenschaft hat bekanntlich nicht nur aufklärend gewirkt, sondern auch einen neuen Aberglauben hervorgebracht, nämlich den an die Wissenschaft, heute insbesondere die Naturwissenschaft. Während früher der Aberglaube vornehmlich darin bestand, etwas zu glauben, was den Erkenntnissen der Naturwissenschaft zufolge nicht möglich ist, besteht er heute vornehmlich darin, der Naturwissenschaft Antworten auf Fragen zuzutrauen, die prinzipiell außerhalb ihrer Reichweite liegen. Das folgende ist ein Beispiel dafür, auch wenn diejenigen, die so denken, wie es in dem Beispiel vorgeführt wird, in der Wissenschaft und speziell der Naturwissenschaft eher die Wurzel allen Übels zu sehen pflegen. Iris Radisch schrieb auf Zeit-Online: ... weiter

 

Gedanken sind nicht biologisch bedingt – naturalistische Argumente gegen den Evolutions-Biologismus.

29. Januar 2014 von Ludwig Trepl

„Naturalismus“ ist ein Thema, das die Scilogs-Leser besonders zu interessieren scheint – weit mehr als den Rest der intellektuellen und akademischen Öffentlichkeit. Das mag daran liegen, daß Scilogs-Leser größtenteils eine Naturwissenschaft studiert haben oder studieren und die naturalistische Philosophie ihnen schmeichelt. Vielleicht liegt es auch daran, daß diese für jemanden, der naturwissenschaftlich ausgebildet ist, relativ leicht verständlich ist; von Philosophien anderen Zuschnitts – beispielsweise absoluter Idealismus, Phänomenologie, Existentialismus – kann man das ja keineswegs sagen. Jedenfalls: Wann immer hier oder in anderen Scilogs-Blogs das Thema Naturalismus angeschnitten wird (z. B.: a, b, c, d, e, f), schnellt die Zahl der Kommentare in die Höhe und der Tonfall wird aufgeregter. Den Naturalismus habe ich neulich in einem Blogartikel mit Geert Keil (2007) so charakterisiert: „Die naturwissenschaftlichen Methoden sind der Königsweg zur Wahrheit, sie können überall angewandt werden und verschaffen Wissen über alles, worüber es überhaupt etwas zu wissen gibt.“ Nun werden die Naturalisten immerzu darauf hingewiesen, daß es doch Dinge gibt, über die es etwas zu wissen gibt, bei denen uns aber die naturwissenschaftlichen Methoden kaum oder gar nicht zu Wissen verhelfen. ... weiter

 

Was an der Liebe zur Biodiversität christlich ist

7. Januar 2014 von Ludwig Trepl

Daß wir die Vielfalt des Lebens oder die „Biodiversität“, wie es im einschlägigen Fachjargon heißt (mißverständlich, wie man sehen wird), erhalten und steigern sollen, gilt in der Umweltdiskussion als völlig selbstverständlich. Es ist wie bei der Erhaltung der Atemluft: Da geht es nicht um individuelle Vorlieben oder Vorlieben von Gruppen, sondern das müssen wir tun, weil wir Menschen sind und jeder Mensch atmen muß. Die Biodiversität braucht, meint man, ebenfalls jeder, zumindest mag sie jeder. So selbstverständlich ist das aber nicht.... weiter

 

Willensfreiheit – Nachtrag: Schicksal, Götter, Wissenschaft.

25. November 2013 von Ludwig Trepl

In meinem vorigen Blogartikel ging es um ein Gedankenexperiment („Hirne im Tank“), das von Hilary Putnam stammt und von Olaf Müller interpretiert wurde im Hinblick auf die heute in den Medien breitgetretene Behauptung, die Hirnforschung habe die Auffassung widerlegt, unser Wille sei frei. Vor aller bewußten „Entscheidung“ stehe schon fest, wie diese ausfallen wird, das wüßten wir heute. Dagegen argumentiert Müller – und zwar ohne die naturalistischen Voraussetzungen (d. h. die Verabsolutierung der Naturwissenschaften) zu verlassen, von denen die Freiheitsleugner ausgehen –, daß selbst ein naturwissenschaftlicher Nachweis der Vorwegbestimmtheit von allem in der Welt, auch der „Entscheidungen“, der weit über das hinausgeht, was die Hirnforschung tatsächlich zeigen kann und je zeigen können wird, für die Frage der Willensfreiheit unerheblich ist. Er werde „zeigen, dass die deterministische Neurowissenschaft in dieser gedachten Situation gar nichts für oder gegen die Entscheidungsfreiheit des Subjekts austrägt, weil sich die Entscheidungen des hypothetischen Subjekts nicht dort abspielen, wo seine Naturwissenschaft hinzielt.“ ... weiter

 

Eine naturalistische Argumentation gegen die naturalistische These, es gebe keinen freien Willen

6. November 2013 von Ludwig Trepl

„Der Naturalismus hat die öffentliche Meinung nicht nur erreicht, er hat sie in einer konzertierten publizistischen Aktion besetzt,“ so der Philosoph Peter Janich (2004). Naturalismus, genauer der szientifische, setzt zulässiges Denken mit naturwissenschaftlichem gleich. „Die naturwissenschaftlichen Methoden sind der Königsweg zur Wahrheit, sie können überall angewandt werden und verschaffen Wissen über alles, worüber es überhaupt etwas zu wissen gibt“, so charakterisiert Geert Keil  (2007) diesen Naturalismus. Das „deutsche Zentralblatt für Evolutionsbiologie, Genom- und Hirnforschung“,  nämlich der  SPIEGEL, habe, so Janich, der... weiter