Ja, wir sind wirklich zum Mond geflogen

7. September 2011 von Gunnar Ries in Raumfahrt

Es kommen harte Zeiten auf alle Anhänger der Mondlandungsverschwörung zu. Also die Leute, die der felsenfesten Meinung sind, die Amerikaner wären niemals zum Mond geflogen und die Bilder der Apollo-Missionen wären samt und sonders alle in irgendwelchen Filmstudios gedreht worden. Allerlei angebliche Ungereimtheiten werden da ins Feld geführt, von fehlenden Sternen und flatternden Flaggen ist da die Rede, oder von "nichtparallelen Schatten". Doch nun, in Zeiten des Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO), ist es uns möglich, exzellente Aufnahmen der Landestellen der Apollo Missionen zu machen. Und siehe da, da sind wirklich die Überbleibsel der Landungen zu finden. Faszinierende Bilder, die uns an eines der größten Abenteuer der Menschheit erinnern wollen. Dazu wurde die Umlaufbahn des LRO, der normalerweise in rund 50 Kilometern über der Mondoberfläche seine Bahn zieht, verändert. Der Orbit wurde elliptischer, so dass er auf seinem Mondnächsten Punkt nur noch 21 bis 25 Kilometer über der Oberfläche lag und dieser Punkt lag auf der Tagseite des Mondes. Ideal für Aufnahmen der Landestellen von Apollo 12, 14 und 17.

Apollo 12

Landestelle von Apollo 12.Credit: NASA's Goddard Space Flight Center/ASU

Hier beispielsweise ist die Stelle, an der gezeigt wurde, dass die Mondlandung eben keine einmalige Sache war. Apollo 12 war das zweite bemannte Raumschiff, welches auf einem anderen Himmelskörper aufsetzte. Deutlich sind die Spuren der beiden Astronauten, Charles Conrad und Alan Bean, zu erkennen. Die meisten Spuren deuten in von der Abstiegsstufe der Intepid (die auf dem Mond zurückblieb) Richtung des Apollo Lunar Surface Experiments Package (ALSEP), aber auch zur Mondsonde Surveyor 3, die am 20. April 1967, also 2 Jahre zuvor, auf dem Mond gelandet war. Der Landeplatz von Apollo 12 wurde extra aus diesem Grund ausgesucht, damit Experimentergebnisse von der unbemannten Sonde abgeholt werden konnten. Bemerkenswert ist der kleine, vielleicht 5 bis 6 Meter durchmessende Krater, der auf der Spur zu Surveyor 3 liegt. Die Astronauten haben auf ihrem Hinweg einen anderen Weg um ihn herum gewählt aus auf ihrem Rückweg zur Landefähre Intepid. Fast wie Wanderer auf der Erde, die um einen interessanten Punkt herumgehen, um ihn auch von einer anderen Seite aus zu beobachten. Irgendwie macht das die Sache für mich noch sehr viel greifbarer. Ich kann mir die beiden Astronauten fast bildlich vorstellen, wie sie dort um den kleinen Krater herummarschieren. Hier waren also wirkliche Menschen unterwegs, keine Maschinen oder anderes. Echte, wirkliche Menschen von der Erde.

Apollo 14

Landestelle von Apollo 14. Credit: NASA's Goddard Space Flight Center/ASU

Auch die Landestelle von Apollo 14 auf dem Fra Mauro Hochland wurde fotografiert- auch hier sind die Spuren der Astronauten Alan Shepard und Edgar Mitchell sehr gut zu erkennen, die von der zurückgebliebenen Abstiegsstufe in Richtung des ALSEP führen. Mich würde interessieren, ob die einsame Spur, die vom ALSEP nach unten führt, vom ersten Golfabschlag auf einem fremden Himmelskörper herrührt. Alan Shepard hat, bevor die Antares wieder in Richtung Kommandokapsel abhob, zwei Golfbälle mit einem aus dem Stiel eines Probenentnahmewerkzeugs und einem mitgebrachten Eisen-6-Kopf gebauten Golfschlägers mehrere hundert Meter weit geschlagen.

Apollo 17 LRO

Landestelle von Apollo 17. Credit: NASA's Goddard Space Flight Center/ASU

Bei Apollo 17 kann man nicht nur Fußspuren, sondern auch die Spuren des Mondrovers (LRV) erkennen. Und auch den letzten Parkplatz dieses Fahrzeuges.

Heute, wo sogar unsere Fähigkeiten, den erdnahen Orbit zu erreichen schon stark eingeschränkt erscheinen, mutet dieses Abenteuer fast wie aus einer anderen Zeit an. Ich war, zumindest für die ersten Mondlandungen, noch viel zu klein, um die Tragweite der Ereignisse voll zu begreifen (ja, aber ich habe sie tatsächlich live gesehen). Meine Eltern haben mich aber geweckt, um mir diesen wirklich historischen Moment nicht vorzuenthalten. Ich nehme mal an, dass die Menschheit schon seit ihrem Anbeginn davon geträumt hat, einmal auf dem Mond zu stehen. Zumindest seit sich der erste unserer Artgenossen über die große, helle und pockennarbige Kugel da oben gewundert hat. Und wir haben es geschafft. Ja, werden jetzt wieder einige sagen. damals. Heute aber, in Zeiten der Finanzkrise müssen wir halt andere, billigere und näher liegende Ziele haben. Wissenschaft, Forschung, dafür ist eben kein Geld da. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass dieses größte Abenteuer unserer Zeit (und wohl fast aller Zeiten) eben nicht in einer Zeit glänzenden Wohlstandes und Friedens erreicht wurde, sondern auch in Krisenzeiten. Mitten im Kalten Krieg, während wirtschaftlich unsicherer zeiten und starker Inflation. Vielleicht sind wir heute einfach auch zu kleinmütig. Vielleicht lassen wir uns auch nur einreden, heute könnten wir das oder ähnliches nicht mehr erreichen. Heute sei einfach kein Geld mehr für Forschung, für Wissenschaft und Horizonterweiterung da.

Außerdem bin ich auf die Anhänger der Mondverschwörungstheorien gespannt. Wie werden diesmal die deutlich für jedermann sichtbaren Fakten ignorieren wollen? Denn Faktenresistenz gehört ja zu einer anständigen Verschwörungstheorie.


11 Kommentare zu “Ja, wir sind wirklich zum Mond geflogen”

  1. Thomas Antworten | Permalink

    Wahrscheinliche Reaktion

    Die Bilder kommen von der NASA. Also sind sie allesamt gefälscht. In Zeichen von Photoshop etc. überhaupt kein Problem.
    Das wir die Antwort der Verschwörungsanhänger sein.

  2. Martin Huhn Antworten | Permalink

    @ Thomas

    Selbstverständlich sind die Bilder alle gefälscht. Sonst gäbe es auch ein Huhn auf dem Mond. ;-)

    huhnonmoon

  3. A.S. Antworten | Permalink

    Nun ja.

    Man kann ein Raumfahrzeug und ein paar Reifenspuren erkennen. Daraus können wir aber nicht schließen, dass die Amerikaner auf dem Mond waren, sondern nur, dass irgendjemand auf dem Mond war.

    Oder irgendetwas...

  4. Elmar Diederichs Antworten | Permalink

    @all: andere Verschwörung

    Schade, daß bei Verschwörungstheorien immer nur die Verrückten unter ihnen erwähnt werden.

    Meine Verschwörungstheorie lautet nämlich anders: Natürlich ist es physikalisch nicht weiter wild, nachzuweisen, daß die 400Kilo Gestein, die mitgebracht wurden nicht von der Erde stammen. Es gibt auch ein seit 30 Jahren funktionierendes Laserexperiment auf dem Mond.

    Nein, die ernstzunehmende Verschwörung besteht darin, daß die meisten Bilder gefakt wurden, um das gewünschte mediale Echo zu erzeugen.

  5. Michael Khan Antworten | Permalink

    Harte Zeiten für Hoax-Theoretiker

    LRO liefert schon seit über zwei Jahren aussagekräftige Bilder der Mondlandestellen, siehe u.a. hier (Juli 2009) und hier (September 20009, Tranquillity Base) und hier (September 2009) und hier (Oktober 2009) und hier.

    Neu ist diesmal nur die geringe Höhe, die nur etwa die Hälfte der bisherigen Überflugshöhe beträgt. Das wertet die aktuellen Bilder nicht ab und macht sie nicht weniger beeindruckend, aber es setzt sie in den richtigen Kontext.

    Anders als Gunnar bin ich aber auf die Reaktion der Hoax-Theoretiker nicht gespannt. Wichtiger ist für mich, wie vernünftige Menschen reagieren, die einfach nur aus Unwissenheit irgendwelchen abstrusen theorien Glauben schenkten.

  6. Ano Nym Antworten | Permalink

    Ich war nicht auf dem Mond.

    'Only Kings, Presidents, Editors, And People With Tapeworms Have The Right To Use The Editorial "we".'

  7. pëll Antworten | Permalink

    faszination

    Nun, sie werden behaupten, dass es sich dabei um Fälschungen handelt.

    Ich finde diese Fotos faszinierend. Ich kann auch nicht aufhören, sie mir anzusehen. Ich wundere mich oft, wenn Menschen dieses Ereignis nicht bewundern. Da waren Menschen AUF DEM MOND. Herrje, man hat diesen Planeten verlassen, man ist da hochgestiegen. Es gibt doch nichts faszinierenderes! Ich würde alles geben, alles dafür geben.

    Danke für den Post, vielen vielen Dank.

  8. Michael Khan Antworten | Permalink

    @pëll

    Ich wundere mich oft, wenn Menschen dieses Ereignis nicht bewundern. Da waren Menschen AUF DEM MOND. Herrje, man hat diesen Planeten verlassen, man ist da hochgestiegen. Es gibt doch nichts faszinierenderes! Ich würde alles geben, alles dafür geben.

    Vielen Dank. Sie haben verdammt Recht. Endlich sagt's mal einer. Es ist so wichtig, dass man sich einfach auch mal naiv und uneingeschränkt zu der Faszination bekennt, die untrennbar mit dem großen Abenteuer Mondfahrt verbunden ist.

    Ich war dabei. 7 Jahre alt und todmüde vor dem Fernseher meiner Großtante - meine Eltern hatten damals noch keinen Fernseher - aber ich war dabei. Das kann mir keiner nehmen, die Erinnerung an das erste Mal spät aufbleiben (sonst musste ich schon nach dem Sandmännchen ins Bett), an die Spannung, die Aufregung meiner Familie, die ernsthaften Stimmen aus dem Fernseher. Die offenen Fenster in den Häusern ringsumher, in denen überall Licht brannte und Menschen noch auf waren.

    Das Wir-Gefühl. Wir hier unten und die dort oben, Leute wie wir.

  9. Armin Quentmeier Antworten | Permalink

    „Buzz“ Aldrin hatte es auf den Punkt geb

    Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond, hat mit wenigen Worten wunderbar klar gemacht, warum bei der Mondlandung alles mit rechten Dingen zugegangen ist und eine Fälschung unmöglich ist: „Hören Sie mal, wenn zwei Amerikaner ein Geheimnis bewahren sollen, geht doch mindestens einer zur Presse!“ Wenn auch nur eine einzige Mondlandung (immerhin gab es sechs erfolgreiche Landungen von 1969 bis 1973) getürkt worden wäre, hätte dieses Geheimnis niemals lange bewahrt werden können – da wären aber einige Leute zur Presse gegangen und hätten alles ausgepackt!

  10. Ulrich Klaas Antworten | Permalink

    Ich kann es nicht mehr hören

    Wie vor einer Weile ein Herr Lesch schon mal im Fernsehen sagte : "Irgendetwas anzweifeln und Pseudoargumente zu schaffen ist einfach", sich Sachkenntniss zu verschaffen und zu verstehen was passiert ist ist schwer. Fakt ist das es unter den Mondlandungszweiflern keine technisch oder wissenschaftlich gebildeten Personen gibt. Allesamt Pfeifen die von nix eine Ahnung haben, aber auch mal wichtig sein wollen. Das ist genau wie die ganze Bande von Esoterikern und Astrologen : "WIR WISSEN NIX, ABER WIR WOLLEN AUCH MITREDEN".
    Ich werde nie vergessen wie mir eine Esoterikerin und Astrologiegläubige mir mal ein über hundert Jahre altes Standartwerk der Astrolgie vorlegte (ein Orginal) in dem der Einfluss des Pluto eine große Rolle spielte. Nur : Zur angeblichen Drucklegung des Buches kannte auf der Erde noch niemand den Pluto. Das ist wahre Intelligenz !!

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