Der Mensch, geschaffen nach Gottes Bild – Was soll das denn heißen?

4. September 2011 von Michael Blume in Bibel

Wieder einmal haben mir Sven Oswald und Daniel Finger von Zweiaufeins auf RBBeins eine knifflige Frage und Aufgabe gestellt: Laut Bibel sei der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen - was das denn heißen solle?

Eigentlich sind Auslegungsfragen natürlich die Domäne von Theologen, nicht von Religionswissenschaftlern. Aber gerade auch diese Vorstellung ist religionsgeschichtlich so interessant, dass sich ein zweiter und dritter Blick lohnt! Hier eine Darstellung des Schöpfungsaktes Adams durch Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. (Für Freunde der Hirnforschung - man beachte, dass Gott in einem Umhang in Form eines menschlichen Gehirnes dargestellt ist.)

Fangen wir mit der Fundstelle an. In Genesis 1,26 & 27 heißt es:

Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild (zelem), das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib.

Der hebräische Bild-Begriff "zelem" ist dabei verwandt mit dem akkadischen "Salmu", das Bild wie auch Statue bedeutet und für menschengestaltige Götterstatuen verwendet wurde. Der (Ein-)Gott hat keine Statue mehr - sondern macht sich wenigstens annähernd im Menschen sichtbar! Das damit auch ein Anklang zu menschlicher Elternschaft geschlagen wird, wird schon in Genesis 5,3 deutlich, wo es entsprechend heißt:

Und Adam war 130 Jahre alt und zeugte einen Sohn, ihm gleich und nach seinem Bilde (zelem), und nannte ihn Set.

Auch ethische Forderungen nach dem ersten Menschenrecht auf Leben werden aus der Gottesebenbildlichkeit "aller" (!) Menschen bereits in Genesis 9,6 gemacht:

Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde (zelem) gemacht.

Aber - wo kommt dieser Gedanke eigentlich her?

Steinzeit: Wer das Leben nicht ehrt, ehrt die Urahnin nicht

Aus Sicht der Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen ist völlig einsichtig, dass sich Menschen überempirische Akteure von Anfang an in den Formen vorstellten, die sie als belebt kannten: Also als Menschen und Tiere, oft auch in Mischformen. Eine entscheidende Rolle spielte sicher von Beginn an der Ahnenkult - oder genauer: der Ahninnenkult, da die mütterliche Linie eindeutiger, erkennbarer und auch wunderbarer erschien und auch die Gründung erster religiöser Gemeinschaften mit hoher Wahrscheinlichkeit von Frauen ausging

Und so stellen schon nahezu alle der ersten Figurinen und Menschendarstellungen, die wir bislang kennen, die Große Mutter dar: Frauen bzw. "die Frau" als Schenkerinnen des Lebens.

Die Traditionen von Muttergottheiten reichen nicht nur bis in die Antike und Gegenwart (etwa im Hinduismus, oder der Anbetung der "Gottesmutter" Maria etc.), sondern auch noch in die Philosophie und Naturwissenschaft. Der Ur- und Grundstoff allen Seins ist selbstverständlich die Mater-ie, der Mutterstoff. (Wenn auch viele heutige Materialisten von dieser Begriffstiefe nicht einmal mehr ahnen...)

Metallikum (Bronze- und Eisenzeit): Wer den Herrscher nicht ehrt, ehrt die Gottheit nicht!

Mit der Entstehung von Agrarwirtschaft und sehr viel später der Metallbearbeitung setzt auch eine zunehmende Entwicklung von Hierarchien (Hier-Archie wörtlich: Heilige Herrschaft) ein: Aus Stammesführern werden Fürsten und Könige, die für die Aufrechterhaltung einer funktionierenden Ordnung zuständig sind und dabei (in Zusammenarbeit oder auch in Konkurrenz zu Priestern) mit den Göttern verkehren. Zunehmend werden die Herrscher selbst als Abkömmlinge und Abbilder der Gottheiten gedeutet, wobei der Sonnengottheit als Verkörperung von Zeit, Ordnung, später aber auch Feuer und Metall zunehmende Bedeutung zukommt. Hier eine altägyptische Darstellung, in dem die Götter Seschet und Thot den Namen des Pharaos - Sohn und Vertreter des Sonnengottes - in den Baum des Lebens eintragen.

 

Alles längst verflossen und vergangen? Von wegen! Gerade auch das Christentum nahm Traditionen des Sonnenkultes in sich auf, u.a. den Sonnenkalender, Jesus als Sol Invictus (unbesiegter Sonne), geboren in der Zeit der Wintersonnenwende (Weihnacht), der und dessen Gottvater am Sonntag verehrt wird usw. Und der japanische Kaiser Akihito wird auch heute noch als ein direkter Nachkomme der Sonnengöttin Amaterasu verehrt, obwohl sein Vorgänger nach der Niederlage im 2. Weltkrieg den Anspruch auf Göttlichkeit offiziell aufgeben musste.

Achsenzeit: Wer den Menschen nicht ehrt, ehrt die Gottheit nicht!

Die zunehmende Verdichtung und Vernetzung der Hochkulturen von Europa bis China begünstigte schließlich im letzten Jahrtausend vor Christus auch die Suche nach und den Durchbruch von neuen "universalen" Glaubensvorstellungen, in denen nicht mehr regionale Gottheiten, sondern höchste Prinzipien bzw. der Eine Gott (Monotheismus) ausgeprägt wurden. So erhob sich in Griechenland eine lebendige Philosophie, aus der heraus Xenophanes die vermenschlichten Darstellungen der etablierten Götter verspottete: „Wenn aber die Rinder und Pferde und Löwen Hände hätten und mit diesen Händen malen könnten und Bildwerke schaffen wie Menschen, so würden die Pferde die Götter abbilden und malen in der Gestalt von Pferden, die Rinder mit der Figur von Rindern. Sie würden solche Statuen meißeln, die ihrer eigenen Körpergestalt entsprechen." Xenophanes vertrat dagegen einen strikt bildlosen Monotheismus.

In China versuchte Konfuzius, eine neue Qualität wechselseitigen Respekts und gegenseitiger Verantwortung zwischen den Menschen zu lehren. In Indien verwarf der Buddha das gewachsene Kastenwesen und predigte eine besondere Würde des Menschen: Selbst Götter müssten als Menschen wiedergeboren werden, wenn sie die Erlösung im Nirwana erlangen wollten!

Und in Israel, Ägypten und Babylon arbeitete sich ein kleines Volk vom Stammespolytheismus zu einem universalen Monotheismus hervor, dessen Gott "alle" Menschen als Frau und Mann geschaffen habe und daher z.B. ungerechte Herrschaft, Menschenopfer, aber auch Kindesaussetzung und Mädchenmord verbiete

Was für eine bahnbrechende Aussage im entstehenden Judentum: Nicht nur die Herrschenden, nicht nur die Männer und auch nicht nur die Angehörigen des eigenen Volkes gelten direkt als Gottes Geschöpfe und Nachfahren - sondern alle Menschen!

Und so wird in der Mischna, Sanhedrin 4,5 auch ausgelegt:

Wenn Staatsoberhäupter Münzen mit ihren eigenen Abbildungen prägen, so gleichen alle Münzen einander. Aber Gott, der über alle Oberhäupter regiert, prägt jeden Menschen mit dem Abbild des ersten Menschen der Menschheit, und doch gleicht nicht einer dem anderen.

 

 

Ein (einziger) Gott, der einerseits die Einheit des Menschengeschlechtes betont, andererseits aber auch die Vielfalt liebt und zuläßt - das ist auch heute noch ein Gedanke, den Fremdenfeinde nicht fassen können. Und dass diese Wertschätzung des Menschen auch Herrschende binden soll, wird verdeutlicht, indem König David der Psalm 8 zugeschrieben wird (hier ab Vers 5):

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.
Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan:
Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht. HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Und im Talmud (Sprüche der Väter 3,18) lehrt Rabbi Akiba:

Der Mensch wird geliebt, denn er ward erschaffen nach dem Ebenbild; noch größere Liebe aber ist es, dass ihm offenbart ward, dass er nach dem Ebenbild geschaffen worden ist; denn es steht geschrieben: denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht.

Auch der erste biblische Gottesbund - mit Noah, beglaubigt durch den Regenbogen - wird nach biblischer Lehre mit "allen" Menschen geschlossen. Mit diesem Argument sieht das spätere Judentum keinen Zwang zur Mission: Auch Nichtjuden können im Rahmen des Noachidischen Bundes vor Gott bestehen und Anteil an der kommenden Welt erhalten.

Im Christentum wird die Gottesebenbildlichkeit noch einmal zugespitzt: Im Menschen Jesus lebt und leidet Gott selbst mit den Menschen. Und auch hier wieder das anti-hierarchische Motiv: Nicht in einem Palast oder Tempel, sondern in eine im Stall hausende, verarmte Familie hinein wird Gottes Sohn geboren.

Im Islam wird die Bildlosigkeit Gottes dagegen wieder zentral, der Mensch ist hier nicht Ab- oder gar Ebenbild Gottes, sondern dessen Stellvertreter (Khalifa). Seine besondere Würde wird aber auch hier in einer dramatischen Geschichte deutlich: Jene Engel, die sich weigern, sich vor dem Menschen (!) nieder zu werfen (!) wie vor Gott oder einem Herrscher werden zu den Bewohnern der Hölle. Aufruhr im göttlichen Hofstaat! So heißt es im Koran, Sure 2:34:

Und als wir zu den Engeln sprachen: "Werft euch vor Adam nieder", da warfen sie sich nieder bis auf Iblis; er weigerte sich und war hochmütig. Und damit wurde er einer der Ungläubigen.

In Sure 38:73 wird der Wortwechsel zwischen Gott und Iblis dargestellt - der auch den bleibenden Hass des Teufels auf die aus seiner Sicht schwache Menschheit erklärt:

Gott: „Iblis, was hat dich gehindert, dass du dich niederwirfst vor dem, was Ich mit meinen Händen geschaffen habe? Wähnst du dich groß, oder bist du einer von den Überheblichen?“ Iblis erwiderte: „Ich bin besser als er. Du erschufst mich aus Feuer, und ihn (den Menschen) hast Du aus Ton erschaffen.

Ideale und Wirklichkeiten

So ansprechend die höchsten Gedanken religiöser Traditionen auch erscheinen mögen, so ist doch darauf hinzuweisen, dass Religionen (und Weltanschauungen) gestern und heute selten in der Lage waren, ihre höchsten Ideale zu verwirklichen: Auch schon die Jäger und Sammler der Steinzeit rotteten zahlreiche Tierarten aus, das Bild vom grundsätzlich "edlen Wilden" war und ist eine Fiktion. Ebenso waren viele der Herrschenden in Hierarchien alles andere als "heilig" oder gar "göttlich", der Aufbau staatlicher Ordnungen ging regelmäßig mit Gewalt und Unrecht einher. Und wenn man in der Genesis-Geschichte von der Gottesschöpfung und Gottesebenbildlichkeit aller Menschen auch einen zentralen Vorläufer für spätere Menschenrechtsvorstellungen erkennen mag, so ist doch zugleich darauf hinzuweisen, dass Sklaverei, Kriege, Frauenverachtung sowie die Verfolgung Anders- und Nichtglaubender noch Jahrtausende überdauerten.

Wenn jedoch einerseits immer mehr Völker Menschenrechte und Demokratie erkämpfen und andererseits auch bei uns Rassismen wieder versuchen salonfähig zu werden, so kann es nicht schaden, daran zu erinnern, dass laut den Lehren schon der Achsenzeit der Mensch auch in Verantwortung füreinander steht. So schlossen jüdische Gelehrte aus der Nähe des Menschen zu Gott auch, dass wir Sterblichen zu Mit-Schöpfern und Mit-Gestaltern berufen seien - zur Tikkun Olam, der "Vervollkommnung der Welt".

Literaturtip:

Die Tora in jüdischer Auslegung. (Band 1 - Bereschit), herausgegeben von W. Gunther Plaut, Gütersloher Verlagshaus 2008

Das Radiointerview ist jetzt hier online:

RBBeins_Gleich_Gottesgleich.MP3


24 Kommentare zu “Der Mensch, geschaffen nach Gottes Bild – Was soll das denn heißen?”

  1. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Wiebe

    Vielen Dank! Ja, durch die oft überraschenden Fragestellungen des Radiosenders bringen mich immer wieder auf Trab. Das macht richtig Freude! :-)

  2. Sebastian Voß Antworten | Permalink

    "Zusammenfassung"

    Ich kann mich Wiebe anschließen; der Artikel ist (wie quasi immer) sehr interessant!
    Ich bin mir aber immer noch unschlüssig, was die Erschaffung des Menschen nach Gottes Ebenbild nun heißen soll. Ich glaube, der Text stellt vor allem die theologischen Schlussfolgerungen aus dieser Passage vor... oder habe ich an der entscheidenden Stelle nicht aufgepasst?
    Und da es hier ja immer um Evolution geht: Nach der Evolutionstheorie sind ja alle Lebewesen miteinander verwandt, wenn auch irgendwann seehr entfernt. Trotzdem besteht ein kontinuierlicher Übergang zwischen Affen und Menschen (und allen weiteren Tieren, bis hin zur leblosen Welt eigentlich, zumindest glauben wir das heute). Da frage ich mich, ab wann man von einer Ebenbildlichkeit sprechen kann? Muss dann nicht die gesamte Schöpfung als Ebenbild Gottes verstanden werden? Oder kann man argumentieren, dass erst bestimmte Eigenschaften ab einer gewissen Ausprägungsstufe eine Ebenbildlichkeit ausmachen? Welche sind das dann?
    Fragen über Fragen...

  3. Kasslerin Antworten | Permalink

    @Voss & Dr. Blume

    Das sind wirklich super Fragen! Ich habe den Beitrag so verstanden, dass der bibl. Gott auf eine Statue verzichtet und stattdessen im Menschen gesehen wird. Und da wir heute wissen, dass der Mensch mit allem Leben verwandt ist, erweitert sich das auf die ganze Schöpfung, oder? Gibt es denn im Bereich dieser Verse auch schon erste Hinweise darauf, z.B. Natur- oder Tierschutz?

  4. Rüdiger Sünner Antworten | Permalink

    Novalis

    Zur Frage, ob nicht die gesamte Schöpfung als Ebenbild Gottes verstanden werden müsste, ein Zitat des Dichters Novalis:

    "Wenn Gott Mensch werden konnte, so kann er auch Stein, Pflanze, Tier und Element werden, und vielleicht gibt es auf diese Art eine fortwährende Erlösung der Natur."

    Würden Anhänger einer monotheistischen Religion diesen Gedanken unterstützen?

    Hiesse seine aktuelle Fassung u.a.,auch Menschenaffen Menschenrechte zuzugestehen, wie es etwa der Primatenforscher Volker Sommer fordert?

  5. Eric Djebe Antworten | Permalink

    Erkenntnis und Ebenbild

    Die angesprochene Frage ist in der Tat interessant: Was soll es bedeuten, dass Gott (oder ein Gott) den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat? Meine Antwort darauf führt allerdings in Gefilde, in denen kein rechtes Vokabular zur Verfügung steht (noch?). Also, probieren wirs:

    Erstens: Xenophanes hat natürlich völlig recht. Pferde hätten Pferdegötter, Rinder hätten Rindergötter. Aber was bedeutet das?

    Antwort 1: Götter sind dazu da, um Ängste abzubauen und eine illusionäre Manipulierbarkeit der Welt herzustellen, durch Opfer, Gebete usw. an eine zuständige Gottheit. Und zu einem Gott der eigenen Gestalt hat man natürlich mehr Vertrauen. Mir ist das definitiv zu platt.

    Antwort 2: Götter sind dazu da, um die Welt zu begreifen (ich würde sagen: vor allem, um die Kontingenz der Welt zu begreifen, die sich relativ zwanglos durch das willkürliche Eingreifen personaler Mächte erklären lässt). Mit diesem Akt des Begreifens verwandle ich mir die Welt an, wird die Welt in gewissem Maße menschenförmig (pferdeförmig, rinderförmig, für etwaige intelligente Exemplare dieser Spezies).
    Die Vorstellung, (ein) Gott habe mich nach seinem Ebenbild geschaffen, ist dann sozusagen die objektive Bestätigung dieser sympathetischen Beziehung zwischen mir und der Welt. Ich bastle mir nicht die Welt (mit Göttern als oberstem Bezugspunkt) auf meine Kragenweite zurecht, sondern ich bin ursächlich, von meinem eigenen Beginn her, von der Welt als der Welt ebenbildlich gestaltet worden. Ich bin mit vollem Recht Bürger dieser Welt.

    So weit. Natürlich sehr spekulativ, aber notwendigerweise spekulativ (s.o.). Um jetzt noch ein bisschen zu maulen: Insbesondere aus dem verlinkten Material dieses Posts scheint mit sehr Vieles unnötig spekulativ zu sein. Z.B. zum Thema „Große Mutter“ kann ich die folgende Publikation nur sehr warm empfehlen; die wissenschaftlichen Grundlagen sind tadellos, boshafte Seitenhiebe haben den Autorinnen herbe Kritik eingebracht (nicht von mir!):

    Röder, Hummel, Kunz
    Göttinnendämmerung. Das Matriarchat aus archäologischer Sicht.
    Droemer 1996

  6. einer Antworten | Permalink

    Selektiv?

    Ist es nicht sehr selektiv ausgewählt, wenn man ein paar Verse aus der Bibel bzw. dem AT zitiert und die anderen Bücher Mose nahezu vollständig ignoriert?

  7. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Voß, Kasslerin, Sünner

    Danke für die Kommentare und Anregungen.

    Interessanterweise gibt es schon in der Genesis und ihrer Auslegung tatsächlich zahlreiche Bezüge auch zum Tierschutz. So wird dem Menschen Verantwortung für die Geschöpfe übertragen und eines der sieben Noachidischen Gebote - an denen sich nach jüdischem Glauben alle Menschen halten sollten - bekräftigt den Schutz von Tieren vor Schmerz. Auch der Aufruf der Menschen zur Vervollkommung der Welt schließt das Wohlergehen von Flora und Faune einschließlich ein. In "Judaism in Biological Perspective" weisen gleich mehrere jüdische Autoren auf den monontheistischen Monismus - ein Schöpfer, eine Schöpfung, in der der Mensch zwar eine hervorgehobene, aber doch in der gleichen Natur verwurzelte Stellung einnehme - hin.
    http://www.scilogs.eu/...spective-by-rick-goldberg

    Wenn einmal Zeit ist, kann ich da nochmal tiefer gehen. Das interessante Phänomen der Noachidischen Gebote wollte ich eh mal in einem Blogpost vorstellen.

  8. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Eric Djebe

    Wie schon so oft ein vorzüglicher Kommentar mit eigenen Gedanken auf höchstem Niveau, danke! :-)

    Nur in der Sache "Matriarchat" bin ich nicht einverstanden. Eine solche Hypothese vertrete ich ausdrücklich nicht und nirgends und wie Ihr Literaturhinweis von 1996 (!) zeigt, gilt die Matriarchatsthese längst nicht mehr als allgemein haltbar. Vielleicht wollen Sie den oben verlinkten Artikel doch nochmal etwas sorgsamer lesen? Oder das (streckenweise ebenfalls polternde) religions-, theologie- und patriarchatskritische "Die Erfindung der Götter" von Gerhard Bott, das zu Denken gibt. :-)

    Beste Grüße!

  9. Michael Blume Antworten | Permalink

    @einer aka Sascha B. Klar selektiv!

    Klar kann ein Blogpost nur einen ausgewählten Aspekt eines größeren Themas darstellen!

    Wenn Dir ein auch vom Umfang her lesbarer Blogpost gelingt, der garantiert nicht-selektiv alle Aspekte der mosaischen Bücher differenziert und sachlich darstellt, schicke ihn mir bitte rüber, ich poste ihn gleich! :-)

  10. Eric Djebe Antworten | Permalink

    @Michael Blume

    Vielen Dank für die freundliche Aufnahme! Jetzt wieder eine Richtigstellung von meiner Seite: Ich wollte Ihnen auf keinen Fall die Theorie eines Matriarchats unterschieben!
    Vielleicht hat der Titel der Publikation den Eindruck erweckt. Es geht darin aber ganz allgemein um die methodische Unmöglichkeit, aus archäologischen Funden der Vorgeschichte geistesgeschichtliche Einzelheiten wie Religion usw. abzuleiten.

  11. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Eric Djebe

    Es geht darin aber ganz allgemein um die methodische Unmöglichkeit, aus archäologischen Funden der Vorgeschichte geistesgeschichtliche Einzelheiten wie Religion usw. abzuleiten.

    Wie oft man Evolutionsforschern schon gesagt hat, diese oder jene Frage könnten sie ohnehin nie beantworten... Klar ist: Evolutionäre Theorien und Hypothesen sind immer empirisch, also stets nur überprüf- und widerlegbare Annäherungen an die komplexe Wirklichkeit. Dass wir aber begründete Annahmen über Saurierarten vor Jahrhundertmillionen machen, Religiosität und Religionen unserer Vorfahren vor wenigen Jahrtausenden aber nicht einmal in Annäherungen erkunden könnten, halte ich für eine kaum überzeugende Haltung. Die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen erblüht ja erst seit wenigen Jahren, und doch sind die Befunde und Fortschritte schon überaus ermutigend...

  12. einer Antworten | Permalink

    @Michael

    Ich meinte, dass die Aussagen, die aus diesen wenigen Versen gezogen wurden, so gar nicht zum Rest des AT passen wollen.

    z.B. den Menschen "ehren" sollen, aber schon für Nichtigkeiten die Todesstrafe fordern oder gar Völkermord befehligen.

  13. Rüdiger Sünner Antworten | Permalink

    Archäologie und Religion

    @Djebe: Sie sprechen von der "methodischen Unmöglichkeit, aus archäologischen Funden der Vorgeschichte geistesgeschichtliche Einzelheiten wie Religion usw. abzuleiten". Ich würde eher sagen, das kommt auf die Sensibilität und Vorsicht an, mit der man das macht.
    Wozu sollte Archäologie überhaupt dienen, wenn wir uns mit ihrer Hilfe nicht wenigstens ein Stück weit auch in den "Geist" früherer Zeiten einleben könnten?
    Nur um zu sagen: diese Scherben sind 4500 Jahre alt, mehr wissen wir nicht. Das wäre eher ein "Scherbenhaufen" des Geistes als spannende Forschung. Der südafrikanische Archäologe David Lewis-Williams hat in drei grandiosen Büchern bewiesen, dass man über die spirituelle Bilderwelt der altsteinzeitlichen Höhlenmaler sowe der Megalithkulturen einiges wissen kann, ohne in matriarchale oder sonstige Ideologien zu verfallen:
    The mind in the cave (2002), Inside the neolithic mind (2005), Conceiving God (2010). Gerechterweise muss man sagen, dass er neben der Archäologie noch andere Wissenschaften mitbemüht, etwa Ethnologie, Psychologie, Neurologie, Kunstgeschichte. Auch er ein wahrhaft interdisziplinärer Forscher.

  14. Eric Djebe Antworten | Permalink

    @Blume; schwierig, schwierig

    Ich glaube einfach, dass wir unser eigenes Verständnis von Religion und Religiosität verbessern müssen, um uns das Vokabular zu erarbeiten, mit dem wir erst einmal etwas tiefer gehende Hypothesen aufstellen könnten. Ich meine, das sieht man gerade an diesem Post. Wie schwer fällt es, eine solche Frage zu beantworten über etwas, das wir direkt unter unserer eigenen kulturellen Nase haben ...
    Ich schätze im Übrigen die Erkenntnisse über die Religiosität der Steinzeit keineswegs gering ein! Nur mit Aussagen über die Religion tue ich mir schwer.

  15. Michael Blume Antworten | Permalink

    @einer

    Woher nimmst Du die Annahme, dass Mythologien überhaupt oder Heilige Schriften im Besonderen kohärent und eindeutig sein müssten? Das sind ja auch wir Menschen - an die sich diese Traditionen - richten, nicht.

  16. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Eric Djebe

    Nun, und ich glaube, dass wir unsere Begriffe und Hypothesen nur durch konkrete Forschung verbessern können - immer wieder neue Befunde (z.B. Experimente, archäologische Entdeckungen etc.) integrierend und alte Hypothesen und Begriffe (z.B. Religionsdefinitionen) überprüfend, verwerfend oder verbessernd. Absolute Sicherheiten kann es in empirischen Wissenschaften - wie der Evolutionsforschung - m.E. ohnehin nie geben, nur eine immer weiter zu verbessernde Annäherung an die Realität. Evolutionsforschung ist in diesem Sinne nie "fertig", also kein Grund zum Abwarten. :-)

  17. Michael Blume Antworten | Permalink

    @all

    So, nun ist das mp3-File vom Radiointerview oben auch wieder eingestellt. Wer mag, viel Spass beim Hören. :-)

  18. Tim Antworten | Permalink

    Like!

    Schade,
    dass es keinen "Gefällt mir" Button gibt, wie auf Facebook.
    Auch wenn ich nicht annähernd so viel Ahnung von Religion, wie sie habe, so ist dennoch ihre Begeisterung, immer wieder ansteckend! Also wenn ich etwas Motivation zum lernen brauche, schaue ich immer wieder hier vorbei. :-)

    Zum Thema:
    Beim Gottesbild haben sicherlich viele Emotionen eine Rolle gespielt, ein Wiki-Zitat:

    "Emotionen lassen sich grob in angenehme (euphorische) und unangenehme (dysphorische) Gefühle einteilen. Sie haben meist eine Qualität („Welche Art von Emotion?“) und eine Stärke („Wie intensiv ist die Emotion?“)."

    Haben Emotionen, nicht auch mit körpereigenen Drogen zu tun?
    Diese haben bestimmt, auch einen Einfluss auf die Denkweise der Menschen gehabt.
    Es kam mir nämlich ein Gedanke, der vielleicht interessant sein könnte:

    Der Grund dafür, dass Drogen auf uns eine Wirkung haben, ist: weil wir die Rezeptoren dafür haben. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass unser Körper früher diese Stoffe selbst produziert hat.
    Wie chaotisch das Leben wohl war und haben wir durch das rationale Denken etwas Ordnung geschaffen?

    Jedoch bin ich mir nicht sicher, wie lange das zurücklag.

  19. Sebastian Voß Antworten | Permalink

    @Tim

    Dem ersten Teil kann ich mich durchaus anschließen ;)
    Aber danach sind, soweit ich informiert bin, ein paar Fehler dabei.
    Emotionen haben zwar ganz sicher bei dem Gottesbild eine Rolle gespielt und Emotionen haben auch mit "körpereigenen Drogen" zu tun, allerdings würde ich vorsichtigerweise erst einmal von Hormonen sprechen. Und was die Rezeptoren angeht, würde ich gar nicht zustimmen, denn die Andockstellen der Moleküle von Drogen und körpereigenen Hormonen sind meistens nicht gleich, sondern ähneln sich nur so weit, dass auch die Drogen andocken können. Blöderweise blockieren sie dadurch die Hormone, die dort eigentlich andocken und nach dem Andocken dann ihre Funktion erfüllen sollen, die die Drogen nicht ersetzen können. Und das führt dann unter anderem zu den schädlichen Wirkungen.
    Auch wenn die Andockstelle von Droge und körpereigenem Hormon/Enzym sich tatsächlich gleichen sollten, muss das auch noch nicht heißen, dass tatsächlich auch der restliche Aufbau übereinstimmt.
    So weit mein Wissen als Nicht-Biologe ;)
    Aber in Einzelfällen magst du bestimmt auch Recht haben, dass ursprünglich/vor langer Zeit körpereigene Stoffe inzwischen giftig (/schlecht) auf uns wirken können...

  20. Tim Antworten | Permalink

    @Sebastian Voß

    Obwohl es schon spät ist, quäle ich mich gerade ab, ( da meine kognitiven Fähigkeiten gerade im Keller sind. :-) ) hier doch etwas zu antworten, denn deine Erklärung finde ich logisch und schlüssig, nur bin ich noch neugierig für etwas Neues gewesen und habe es erst einmal geglaubt und biete hier meine Flaszifikation an die noch ein offendes Ende hat.
    Ich beziehe mich hier auf den Film, den ich letztens sah: Ecstasy Bandits
    http://www.amazon.de/...;qid=1315424745&sr=8-1

    Der Film ist eine Reportage über das Leben des Wissenschaftlers Alexander Shulgin und die Droge Ecstasy. Der Pharmakologe und Chemiker hat in seinem Leben mehr als 100 Drogen an sich selbst getestet. Den Stoff MDMA http://de.wikipedia.org/wiki/MDMA hat er zwar nicht erfunden, jedoch ist er zufällig auf ihn gestoßen und hat ihn populär gemacht.
    Wieder Wikipedia: "MDMA, insbesondere Dextro-MDMA, wirkt im Zentralnervensystem als Releaser (Ausschütter) der endogenen Monoamin-Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin, und mit etwas schwächerer Wirkung auch Dopamin, was zu einem unüblich erhöhten Spiegel dieser Botenstoffe im Gehirn führt."
    Methylendioxy-N-methylamphetamin ist in diesem Fall eine freie Base.
    Es gibt auch bekannte Rezeptoren für Drogen siehe hier:
    http://de.wikipedia.org/.../Cannabinoid-Rezeptor_1
    "Die endogenen Cannabinoide wie z. B. Anandamid beeinflussen während der Hirnentwicklung die Wanderung und Vernetzung der Nervenzellen.
    Sie werden bei Stress vermehrt im Mittelhirn ausgeschüttet und bewirken über den CNR1 eine opiatunabhängige, stressinduzierte Analgesie (Schmerzhemmung)."
    und hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Opioidrezeptor
    "Die endogenen Opioide gehören i.S. der Hypothese von O. Schaumann zu einem protektiven System, dessen evolutionärer Sinn darin bestünde, die unter einer Belastungssituation ausgelösten Reaktionen zu dämpfen, da diese dem Überleben des Individuums hinderlich sind. "
    Das heisst ja schon mal, dass wir Drogen selbst produzieren können und schliesst nicht aus, dass wir noch Rezeptoren für andere Drogen haben könnten, die nicht mehr endogen produziert werden.
    Es ist eine Behauptung von Shulgin, dass wir diese Rezeptoren besäßen, leider wird nicht genauer in dem Film darauf eingegangen.
    Seine Frau stellt danach den Vergleich auf, dass Liebe oder verliebt sein, ebenso ein psychedelischer Zustand sei, womit man sich anfreuden kann denke ich.
    Desweiteren stellt er folgende Situation dar, wenn wir über eine Strasse gehen, blenden wir automatisch 90% unserer Umgebung aus, um uns nur noch um die überlebenswichtigen Dinge wie: Autos, grünes Licht und andere Fußgänger zu konzentrieren. In diesem Sinne sollen Drogen eine Bewusstseins erweiternde Wirkung verleihen, weg vom Alltag um mehr wahr zu nehmen. Ob das stimmt oder nur eine verzerrte Wahrnehmung ist, kann ich nicht sagen.
    Doch scheinbar schaltet sich der rationale Teil im Gehirn aus, denn beim verliebt sein ist man wenig rational. Ausserdem glaubt er durch Drogen, Zugang zu reinem Atlruismus und Liebe haben. Ebenfalls könnte man doch Spiritualität als ein ähnliches Werkzeug verstehen, der damals vermehrt unter endogenen Drogen statt fand.
    Ebenso ist es auch bestimmt in der Vergangenheit so gewesen, dass unser Körper viel ausprobieren musste, um eine stabile Chemie zu besitzen, ich habe die Vermutung , dass diese schwer erarbeitet werden musste. Wenn diese doch noch immer bei vielen Menschen aus den Ruder läuft und man mit Medikamenten nachhelfen muss, damit der Neurotransmitterhaushalt wieder stabil läuft. Umwelteinflüsse haben eine starke Wirkung darauf, genauso wie Erbkrankheiten.

    Und die Chemie, bzw. indirekt durch die angepasste Nutzung unseres Gehirns, die sich stetig weiterentwickelt, hat auch Auswirkungen auf unser Gottesbild. Wie auch Herr Blume behauptet hat: http://www.scilogs.de/...abete-die-linkesche-these

  21. Sebastian Voß Antworten | Permalink

    @Tim

    Ok, nachdem ich mir jetzt alles angeguckt habe, muss ich sagen: Da hast du wohl weitgehend Recht. Ich hab mir bei Wikipedia auch noch mal die "Definition" von Droge angeguckt und dort steht: Im deutschen Sprachgebrauch meint man damit stark wirksame psychotrope Substanzen. Wenn man dann z.B. an den Endorphin-Schub beim Sport denkt (falls du sowas auch schon mal hattest ;) ), dann kann man wohl wirklich von körpereigenen Drogen sprechen. Selbstverständlich besteht dann immer noch ein Unterschied zwischen körpereigenen Drogen und Drogen aus Pflanzen u.ä., die stark abhängig machen, auch wenn dieser Effekt bei Extremsportlern ebenso auftritt, wie mir gerade einfällt. Allerdings wird das nicht so stark sein... nun ja, aber um solche Haarspaltereien soll es hier jetzt nicht gehen: Es gibt körpereigene Drogen.

    Dass der Zustand des "Frisch-verliebt-Seins" sich manchmal als psychedelischer Zustand aufgrund der Wirkung von körpereigenen Drogen und Hormonen beschreiben lässt, stimmt wohl. Allerdings bezeichnen wir ja nicht nur diesen Zustand als Liebe, sondern auch die innere Verbundenheit, das Vertrauen usw, das sich weit über den "psychedelischen Zustand" in der Anfangsphase erhält. Ich denke, die Wirkung der körpereigenen Drogen und Hormone ist so etwas wie eine "biologische Starthilfe", damit die Beziehung zwischen den meist noch relativ fremden Menschen gelingen kann.
    Zusammengefasst: Ich denke, Liebe ist mehr als ein "psychedelischer Zustand", weil diese Bezeichnung wohl nur auf die Anfangsphase und auch dann nicht immer (in dieser Stärke) zutrifft. Damit daraus aber etwas Dauerhaftes entsteht, muss sich in dieser Anfangsphase eine andere Form von Liebe aufbauen, die auf Vertrauen und Verbundenheit beruht.

    Spirituelle Erlebnisse stehen auch bestimmt unter anderem im Zusammenhang mit körpereigenen Drogen. Einige der verschiedenen Hypothesen hat Herr Blume in seinem Buch "Gott, Gene und Gehirn" vorgestellt ;) Man kann wohl behaupten, dass es spirituelle Erlebnisse wie Trancetänze u.ä. gibt, bei denen körpereigene Drogen eine große Rolle spielen. Außerdem können solche Erlebnisse durch externe Drogen hervorgerufen werden, wie z.B. durch Psilocybin im Karfreitagsexperiment. Das muss allerdings nicht für alle Menschen gelten (nicht alle Versuchsteilnehmer hatten spirituelle Erfahrungen durch die Droge)! Gleichzeitig gibt es aber auch spirituelle Handlungen wie Meditation, bei denen körpereigene Drogen keine große Rolle spielen dürften.
    Für die spirituellen Erlebnisse unter Einfluss von körpereigenen wie externen Drogen ist die Hypothese aufgestellt worden, dass das Gehirn unsere Sinneswahrnehmungen zur Orientierung sortiert, kategorisiert, ordnet und dass dies bei solch einem Erlebnis aufgehoben wird, sodass wir die Welt und uns selbst als unteilbares Ganzes wahrnehmen können, was uns offenbar tief bewegt.
    Nun ja, dies sind jetzt nur ein paar kurze Erklärungen, also falls dich das interessiert, solltest du das Buch lesen :)

  22. Klaus Deistung Antworten | Permalink

    Hintergründe

    Die Bibel basiert in einigen Kapiteln/Teilen auf sumerischen Keilschriften. Als G. Smith die ersten Tafeln 1872 übersetzte, kam ihm die Geschichte bekannt vor: heute ist es Teil des Gilgamensch Epos - die Sintflutgeschichte: http://terra-x.zdf.de/.../0/0,1872,7127648,00.html
    Die Uni Essen befasst sich u. a. mit einem Teil des Enuma Elisch: http://www.uni-due.de/...urse-stuff/meso-enuma.htm
    Und im Gesamt-Epos (Homepage der Universität Duisburg-Essen, Fachgebiet Evangelische Theologie) heist es in der Überschrift der Tafel 6: „Marduk erschafft die Menschen als Diener der Götter (6,1-120)“. Sie brauchten Arbeiter für die Goldminen. Das Gold sollte in Nano-Strukturen die Nibiru-Atmosphäre stabilisieren, dem Heimatplaneten der Anunnaki in unserem Sonnensystem.
    Hier haben wir auch schon eine vorgefasste Eingott-Religion, da Marduk auch Taten auf sich bezog, der er selber nicht, aber Mitglieder der Familie unter Leitung des Anunnaki-Gottes Ea/Enki/Ptah (sein Vater) realisiert haben.
    Dieser Vorgang – Schaffung des Homo sapiens aus dem Homo erectus – fand im Süden Afrikas statt. Das ist mittlerweile ein wissenschaftlicher Fakt. Bisher – seit 6 Jahren - war man davon ausgegangen, dass es den Homo sapiens seit 200.000 Jahren gibt. Neuere Forschungen 2010 von Prof. Pääbo belegen: Es geht um „Die Alleinstellungsmerkmale der Spezies Homo sapiens, all die genetischen Einzigartigkeiten, die sich in den vergangenen 300.000 Jahren in unserem Genom fixiert haben.“ http://www.mpg.de/286644/Neandertaler?page=5 . Das deckt sich mit den sumerischen Überlieferungen.
    Dass die Anunnaki-Götter physische Entitäten auf der Erde waren, belegt Prof. S. N. Kramer in seinem Buch „Die Geschichte beginnt mit Sumer“. Zitate (aus Kap. 10 und 11) unter: Klaus Deistung @ Michael Blume @ Michael Khan 04.06.2010, 01:09 http://www.scilogs.de/...10-05-18/lilith-und-lolth

  23. Miss_Understood Antworten | Permalink

    Abbild statt Ebenbild

    Zelem bedeutet nicht Ebenbild und hat nichts mit dem Aussehen zu tun. Es heißt "Abbild" und bezeichnet etwas Schattenhaftes.

    Um nun den Aspekt der Gottabbildlichkeit zu verstehen, muss man wissen, dass für die Entstehung des Menschen zwei verschiedene Verben benutzt werden. Zuerst asah (etwas aus Vorhandenem zubereiten) und erst dann das berühmte "Erschaffen" (bara). Bara bezeichnet immer die Entstehung von etwas grundsätzlich Neuem. Der Schöpfungsbericht ist ein Stammbaum (Toledot), was nahelegt, dass der Mensch aus dem vorhandenen Material der Landtiere entstand, die zuvor die Erde besiedelt hatten. Mit diesem Insiderwissen liegt die Bedeutung des "Abbild Gottes", zu dem der Mensch erschaffen wurde, auf der Hand: Der menschliche Geist war neu entstanden. In den vorigen 2 Schöpfungsakten wurden das Universum (Raum, Zeit und Materie) und die Tierseelen erschaffen.

    Das berühmte Gemälde von der "Erschaffung Adams" basiert auf dem Irrglauben, dass Gen. 1:26/27 und 2:7 ein und dasselbe Geschehen bezeichnen würden und Adam der erste Mensch im Sinne von Gen. 1:26/27 wäre. Jedem normal denkenden Menschen ist aber klar, dass die Weltbevölkerung niemals aus nur einem Menschen hervorgegangen sein kann. Aus diesem Dilemma versuchten Bibelausleger zu entkommen, indem sie Adam zum symbolischen Stellvertreter für die ganze Menschheit machten. Aber auch das haut nicht hin, denn Adam ist tatsächlich eine konkrete Einzelperson wie Moses oder Abraham. Allerdings wurde er nicht aus Lehm erschaffen, sondern entstand auf demselben Weg wie du und ich (hebr. jatzar). Adam hatte Eltern, die wiederum zu den Menschen des 6. Schöpfungstages gehörten. Gen. 1:26/27 ist ein Kollektivbegriff für die Menschheit, in Gen. 2:7 geht es um die natürliche Entstehung eines einzelnen Menschen namens Adam. In dieser Paradiesgeschichte geht es nicht um die Entstehung der Welt oder des Menschen, sondern um die Neolithische Revolution im Fruchtbaren Halbmond.

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