Kanzelrede am Berliner Dom: Die Religion als Gefahr und Chance für die Eine Welt


Religionswissenschaftler werden auf Manches vorbereitet - aber nicht aufs Predigen. Und so sehr ich mich also über die Einladung freute, am Berliner Dom am 14.2.2016 die Kanzelrede zum Thema "Die Religion als Gefahr und Chance für die Eine Welt" zu halten, so vermag ich doch Lampenfieber nicht zu verschweigen...

Der Berliner Dom vor Sonnenuntergang, 10/2015

Credit: Thomas Wolf, www.foto-tw.de. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE Der Berliner Dom vor Sonnenuntergang, 10/2015

Nun begegne ich Aufregung aber am liebsten mit Arbeit - und auf Anfrage auch von Verwandten und Freunden, die heute nicht in Berlin sein können, habe ich daher den Text der Kanzelrede nicht nur verschriftet, sondern auch in eine Audioblog-Folge umgewandelt. Meine Tochter Melissa war so freundlich, die zugrundeliegende Schriftlesung - Matthäus 4, 1-11 ("Die Versuchung Jesu") - beizutragen.

Die Versuchung Jesu nach Ary Scheffer um 1854

Falls es Sie also interessiert, so wünsche ich Ihnen viel Freude und alles Gute.

Und der Text zum Download (pdf):

BlumeBerlinerDom0216Kanzelrede


11 Kommentare zu “Kanzelrede am Berliner Dom: Die Religion als Gefahr und Chance für die Eine Welt”

  1. Hans Antworten | Permalink

    Sehr interessant!
    Insbesondere die Art und Weise, wie Sie den Herr der Ringe und Star Wars an passender Stelle eingebaut haben, fand ich gut. Da musste ich doch glatt auch ein bischen Grinsen. :-D
    Aber auch sonst ein guter Vortrag, da ich endlich mal klar vorgefunden habe, was mir persönlich zwar schon irgendwie klar war, das ich aber nicht so richtig in Worten zu fassen wusste: nämlich die pro-Religion-Argumente.

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      Vielen Dank, @Hans. Es freut mich sehr, dass Ihnen die Kanzelrede etwas gebracht hat - es war ja "mein erstes Mal" (Predigen). :-)

      Danke also für die ermutigende Rückmeldung!

  2. Ingo Antworten | Permalink

    Hallo Herr Blume,

    man Antwortet in der Regel nicht auf eine Predigt,- aber nun ist hier so eine schoene Komentarfunktion. Ich betrachte daseinmal als Einladung es trotzdem zu tuen.

    Ich weiss nicht ob ich mit allen einverstanden was ich in dem verlinkten PDF gelesen habe.

    Da ist zunaechsteinmal die Tendez zu lesen viele Probleme auf den "pathologischen Dualismus" zu schieben.

    Der Teufel wird ploetzlich zu einer Art Konkurrenz-Gottheit,- und viele die dies glauben, geraten dadurch in die Gefahr radikalisiert zu werden, da sie ploetzlich den Teufel an jeder Ecke vermuten und die 'Bessessenen' bekaempfen wollen.

    Nur wie soll man nun diesen Leuten begegnen?

    Wenn ich mich hinstelle und diese Leute als Opfer eines falschen Glaubens an 'das Boese' bezeichne, dann bin ich selber schon den ersten Schritt in genau diese Richtung gegangen.
    'Opfer eines falschen Glaubens an das Boese' -> 'Opfer eines falschen Glaubens an den Teufel' -> 'Teufelsanbeter'.
    Wenn ich diese Begriffskette so beschreite,- dann bin ich genau dort wo ich nicht sein will.
    Leider scheint es einen Konflikt inherent zu sein, dass man dem Gegner immer aehnlicher wird.

    Die Aufklaerung ist das, was uns von einem angsterfuellten Glauben an den strafenden Gott zu einem aufgeklaerten Glauben gebracht hat.
    Die Aufklaerung, die Wissen vom Glauben trennt.
    - "Der Regen kommt aus Wolken die aus Wasserdampf bestehen." Dies ist Wissen.
    - "Ich bin lebendig.". Dies ist mehr ein Glaubensbekenntnis als ein Wissen.
    Gott verschwindet aus physikalischen Vorgaengen, und wird zu einem Teil des persoenlichen Wertesystems.
    "Ich bin ein Mensch" - als Bekenntnis zum Menschsein, und gleichzeitig auch als Triebfeder anderen Menschen menschlichkeit zuzusprechen.

    Diese Aufklaerung fordert eine sekulaere Gesellschaft.
    Es gibt kein weltweit einheitliches Glaubenssystem, auf das sich alle Menschen berufen koennen.
    Wenn ich trotzdem mit anderne Menschen zusammenleben moechte (und das moechte ich), dann muss der Glaube Privatsache bleiben.
    Ich moechte mich nicht nur in der Geselschaft der Gleichglaeubigen bewegen.

    Auch dass ist natuerlich nur ein Glaube, kein Wissen. Aber es ist eben mein persoenlicher Glaube, den ich hier nur schreibe, weil Sie mich ueber die Kommentarfunkion eingeladen haben.

    Sie schreiben aber
    [Zitat: Dr. Michael Blume,
    Kanzelrede zur Fastenpredigtreihe „Die Reformation und die Eine Welt“
    14.2.2016 Berliner Dom]:
    "Wo immer sich der religioese Glauben verduennt, loesen sich auch
    Gemeinschaften und Familienstrukturen auf. Saekularisierung findet
    weiterhin statt, derzeit sogar verstaerkt – doch sie fuehrt
    immer wieder ins demografische Verebben."

    Und dieser Satz verstoesst nun gegen meinen Glauben.

    Zunaechsteinmal bin ich nicht damit einverstanden 'Sekularitaet' und 'Religion' als gegenteilige Begriffe darzustellen.
    Ich bin davon ueberzeugt, dass ein religioeser Mensch auch sekulaer sein kann.

    Weiterhin:
    Das sdie sekulaere Gesellschaft nicht ausgestorben ist, kann man leicht beobachten indem man zur Kenntnis nimmt, dass sie noch da ist.
    Das nicht sekulaere Gesellschaften Probleme haben, ist leicht zu beobachten indem man einmal versucht sich in einer zu bewegen, die nicht zu dem eigenen Glaubenssystem passt.
    Ich wage sogar zu behaupten, dass die Konflikt- und Kriegswahrscheinlichkeit in einer nicht sekulaeren Geselschaft groesser ist. Der von ihnen zitierte IS ist nur ein Beispiel von meheren.

    Grade nicht sekulaere Gesellschaften sind anfaellig fuer den "pathologischen Dualismus"

    Und damit schliesse ich meinen Ueberlangen Kommentar, und freue mich auf Antwort.

    Beste Gruesse
    Ingo

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      Lieben Dank für den durchdachten Kommentar, @Ingo! Die vielen Gedanken darin rechtfertigen die "Überlänge" m.E. durchaus.

      Zum "pathologischen Dualismus" gebe ich Ihnen nicht nur Recht, sondern freue mich über das erkennbare Ringen. Denn der Clou des Arguments - gerade auch von Rabbi Sacks - ist ja gerade: "Das Böse" lässt sich nicht externalisieren, ist immer auch "unser Problem". Und für gewöhnlich sind wir viel schneller und "besser" darin, die Fehler anderer zu erkennen als unsere eigenen. Die Rückschleife zum Eigenen, die Ihnen gelang, freut mich daher sehr!

      Was die Frage der Säkularität anging, hätte ich ggf. klarer formulieren können, was sich im Text durchaus findet: Die Unterscheidung zwischen dem "säkularen Staat" (der Religionsgreiheit gewährleistet) und "säkularen Populationen" (Menschen, die keine auf höhere Wesen bezogenen Überzeugungen teilen). Das ist ganz und gar nicht das Gleiche und man kann z.B. das Eine begrüßen und das Andere bedauern.

      Hier ein ausführlicherer Blogpost zum demografischen Verebben säkularer Populationen: http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/die-anthropodizee-frage-wer-himmel/

      Ihnen Dank für das Interesse, den konstruktiven Kommentar und alles Gute!

      • Ingo Antworten | Permalink

        Zum verlinkten Text (http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/die-anthropodizee-frage-wer-himmel/):

        Nicht nur sekulaere Geselschaften haben das Problem sinkener Geburtsraten.
        Die Statistikfunktion fuer Google sagt, dass auch in Saudi Arabien (der nicht sekulaerste Staat der mir innerhalb von einigen Sekunden eingefallen ist) die Geburtenrate sinkt.

        https://www.google.de/search?q=geburtenrate+saudia+arabien&oq=geburtenrate+saudia+arabien

        (Auch andere reiche nicht-sekulaere Geselschaften weisen diese Tendenz auf)

        Nun ist die Rate immer noch hoch im Vergleich zu Europa,- jedoch ist bemerkenswert wie schnell sie innerhalb kurzer Zeit gefallen ist.
        Saudi Arabien ist religioes und reich.

        Ich vermute (Bauchgefuehl !), dass der Zusammenhang Religion->Geburtenrate eher indirekt ist.
        Sekulaere Geselschaften sind oft (aber nicht immer) relativ wohlhabend.
        Menschen in wohlhabenen Geselschaften haben oft eine Wertekriese. (Wohlhabende Geselschaften -> viel Konsum -> Keine tiefgreifende Befriedigung durch Konsum -> Sinnfrage -> Wertekriese)
        Menschen in einer solchen Wertekriese haben oft weniger Kinder.

        Saudi Arabien ist die Ausnahme von der Tendenz das nicht-Sekulaere Geselschaften oft weniger wohlhabend sind, einfach durch hohe Oel-Einnahmen. Daher trifft die obere vermutete Kausalitaetskette in diesen Fall nicht,- aber auch dort scheint sich eine Wertekriese aufgrund von zuviel Konsum breit zu machen, welche auch nicht durch die dortige extreme Religion aufgefangen wird.

        Dies ist nun alles nur Bauchgefuehl, und nicht durch eine Studie hinterfuettert.

        Ein weiterer Punkt ist, dass der Text naheliegt, dass sich religioese Menschen einfach so stark vermehren bis alle sekulaeren Menschen verdrengt sind.
        Auch diesen Punkt kann ich nicht nachvollziehen.
        Zwar stimmt mein Bauchgefuehl dabei zu, dass religioese Menschen mehr Kinder haben,- das heisst aber nicht, dass alle diese Kinder dann auch religioes werden.
        Ich kenne viele Menschen die sagen "Oh jee,- meine Eltern sind/waren so religioes. Ich bin das nicht"

  3. Ingo Antworten | Permalink

    Zitat aus dem PDF:
    "Hier spitzt sich die Auseinandersetzung so zu, dass sie auch noch in unseren heutigen Mythen von Mittelerde bis Star Wars mitschwingt: Jesus muss sich zwischen der dunklen und der hellen Seite der Macht entscheiden, den verführerischen Ring der Macht von sich weisen"

    Interesant finde ich, dass grade in modernen westlichen Geschichten "das Boese" oft verstofflicht wird.
    "Der Ring" aus "Herr der Ringe" ist nicht nur ein Symbol des Boesen,- sondern er IST "das Boese" als Objekt,- dem die Menschen/Hobbits/Elben/Magier etc. automatisch verfallen, wenn sie ihn Benutzen.
    Bei StarWars werden teilweise sogar Videoeffekte benutzt um dazustellen wir "die dunkle Macht Besitz ergreift"
    Die handelnen Personen sind dadurch nicht mehr selber verantwortlich fuer ihr Handeln, sondern werden gleichsam gezwungen boese zu sein.

    Solche Geschichten koennen zu einem (falschen) Glauben fuehren, dass das Boese "ausgerottet" werden kann, wenn man nur die richtigen Personen bzw. Objekte aus dem Verkehr zieht.
    Dieser Glaube zieht sich sogar durch die Art- und Weise wie Polizei uns Justizarbeit gemacht wird,- und hier wird es kritisch.
    Soetwas fuehrt schnell dazu, dass vergessen wird die tatsaechlichen Ursachen von Kriminalitaet zu erforschen, da faelschlicher Weise angenommen wird es gaebe "boese Menschen" die einfach nur aus dem Verkehr gezogen werden muessen.

    Interesannt finde ich auch, dass in asiatisch gepraegten Geschichten diese Unterteilung nach "Guten Menschen" und "Boesen Menschen" seltener vorzukommen scheint als in westlcihen Geschichten.
    In den dortigen Geschichten gibt es natuerlich auch immer Konflikte,- jedoch folgenden die Aktoere einfach nur ihrer Natur, ohne das dieses bewertet wird.
    In nicht wenigen Anime-Serien sitzen die Gegner der einen Folge in der naechsten Folge ploetzlich bei Kaffee und Kuchen zusammen ohne das dieses unnatuerlich wirken wuerde.

    Ist hier ein Zusammenhang zu asiatischen Religionen?

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      Ja, @Ingo, religiöse Traditionen im asiatischen Raum (wie Buddhismus, Taoismus etc.) haben oft stärkere Betonungen der Innenwelten ausgeprägt, die abrahamitischen Religionen erfahren die göttlichen Offenbarungen stärker von außen. Selbstverständlich gibt es aber auch starke Gegenbeispiele und Überschneidungen (z.B. in der Mystik), zunehmend auch gegenseitige Einflüsse (z.B. Bildungsideale, Sozialarbeit etc.).

  4. Störk Antworten | Permalink

    > "Jesus muss sich zwischen der dunklen und der hellen Seite der Macht entscheiden, den
    > verführerischen Ring der Macht von sich weisen"

    Das Interessante an der Stelle ist ja, was genau der Teufel an der Stelle anbietet: die weltliche, politische und militärische Macht eines Warlords, Fürsten, Pharaos, Großkönigs oder Kaisers. Es heißt ja, Macht korrumpiert.

    Als die Geschichte bei uns in der Gegend das letzte mal auf dem plan stand, meinte der Prediger "eigentlich sind das doch alles ganz vernünftige Vorschläge, aber die Bibel nennt es 'Versuchung': Brot aus Steinen hilft doch gegen den Hunger in der Welt; von Engeln getragen das Tempeldach herunterschweben, wäre eine Show gewesen, die noch mehr Leute überzeugt hätte als das Pfingstwunder später; und hey Messias, übernimm die Regierung und räum mit dem ganzen politischen Durcheinander auf - wer wäre für den Job besser geeignet? Aber solche bequemen Abkürzungen nennt die Bibel 'Versuchung'..."

    Meine Frau dagegen fand die Versuche des Teufels einfach nur albern - wenn eh klar ist, daß Jesus als Gottes Sohn, Gottes Rechte Hand und König der Könige die Fäden in der Hand hat, was soll er da mit irgendeinem Kaiserthron? Die Macht des mächtigsten Imperators ist und bleibt lächerlich verglichen mit der Macht Gottes.

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