Ralph reichts – Ein knuddeliges Hohelied auf Arkadengames

11. Dezember 2012 von Michael Blume in Geheiligte Orte

Manche Leute behaupten ja, wir würden in einer besonders rationalen Zeit und Kultur leben. Man kann es freilich auch genau anders herum sehen: Wohl noch nie in der Geschichte hatten vor allem jüngere Menschen so viel Zeit und Gelegenheit, in völlig unrealistisch-fantastische Welten einzutauchen, die mit aus allen Mythologien der Welt zusammengeklaubten Wesen bevölkert und mythisch nach Gut und Böse gegliedert sind.

Heute (bzw. gestern) hatte ich die Gelegenheit, mit einem meiner Söhne mal einen Kinofilm zu genießen, der all die Wesenheiten, Geschichten und Welten der Arkade-Spielkonsolen liebevoll aufgreift und humorvoll durchbuchstabiert - vom Super Mario-Verschnitt über pinkfarbene Autorennen bis zur apokalyptischen Ego-Shooter-Schlacht. Beim Gesprächskreis der Anonymen Bösewichter ("Hallo, Zombie!") muss man einfach mal dabeigesessen haben!

Hier also mein Filmtip für den Dezember - garantiert ohne Weihnachtsmann!

 

Natürlich kann man den Film einfach so genießen. Aber wer mag, kann ggf. auch über die evolutionären Vorzüge unserer mythisch aufgeladenen Fantasie nachsinnen. Wie arm (und kurz...) wäre unser Leben, wären wir nur rational!


4 Kommentare zu “Ralph reichts – Ein knuddeliges Hohelied auf Arkadengames”

  1. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Mythologie

    Ene besonders rationale Zeit und Kultur erkennt man daran, dass in ihr die mythologischen Wesen zwar konstruiert werden, aber dass in ihr niemand an die reale Existenz von mythologischen Wesen glaubt.

    Nach einem denkbaren dritten Weltkrieg könnte es genau umgekehrt sein, und dann könnte Superman die historische Rolle von Herkules übernehmen, und Spartan John-117 die Rolle von Odysseus.

    Der Unterschied zwischen konstruieren und glauben entspricht auch dem Unterschied zwischen Science-Fiction und UFO-Logie, denn Science-Fiction-Autoren glauben selten ihre eigenen Geschichten.

    Auch Admiral Graf Frederik von Hombug besucht ab und zu die Feen von Winx Club, was manchmal zu kulturellen Missverständnissen führt:

    http://members.chello.at/....bednarik/OPERWINX.txt

  2. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Karl Bednarik

    Tatsächlich kennen alle Kulturen (auch die von Wildbeutern) bereits den Unterschied zwischen nur unterhaltenden, fantastischen Erzählungen und "echten" heiligen Mythen (mit damals wie heute fließenden Grenzen, wie von Ihnen zu Recht erwähnt).

    Neuzeitlich wirklich neu scheint mir der Versuch zu sein, religiöse Mythen einerseits wissenschaftlich zu durchdringen und dennoch zu glauben (Theologie). Auch dürfte die Zahl der Menschen noch nie so hoch gewesen sein, die mit Bezug auf religiöse Mythen "oben ohne" leben.

    Gleichwohl gab es das auch schon einmal in der griechisch-römischen Antike, in der es unter Gebildeten chic war, die überlieferten Mythen als lächerliche, bestenfalls unterhaltsame Fabeln abzutun. Mit den bekannten (auch demografischen) Folgen. Bewährt und gehalten hat sich die Glaubenslosigkeit nicht und ob sie das heute tut, scheinen die Daten doch eher zu bezweifeln.
    http://www.scilogs.de/...nsdemografie-im-diesseits

    Auf jeden Fall viel Spaß beim Schauen, falls es sich einrichten läßt! :-)

  3. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Hallo Michael Blume,

    zu Ihrem Artikel
    "Kinderflaute bei den Säkularen.
    Religionsdemografie im Diesseits"
    habe ich schon damals einige Kommentare beigesteuert, aber ich diskutiere dieses Thema auch gerne weiter.

    Mit freundlichen Grüssen, Karl Bednarik.

  4. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Karl Bednarik

    Genau deswegen hatte ich ja dorthin verlinkt, jede Debatte an ihrem Platz. ;-)

    Hier ging es einfach nur um die grundlegende Beobachtung: Unterhaltsame Mythologien, die sich gerne auch im Fundus gewachsener Überlieferungen bedienen, nutzen wir fast alle, auch die erklärten "Rationalisten" unter uns. Religiös geglaubte Mythologien weisen darüber hinaus sinn-, gemeinschafts- und familienbildendes Potential auf.

    Der o.g. Film feiert die Unterhaltungsmythen auf goldige Weise.

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