Was ist vom Islam zu halten? Vortrag an der Uni Köln


Es hätte eigentlich ein einfacher, religionsvergleichender Vortrag über "Gott und der Mensch im Islam" vor einem überschaubaren, religiös & weltanschaulich bunt gemischten Publikum werden sollen, als mich Hana Fischer vom jüdischen Kulturverein "Milch & Honig" an die Universität Köln einlud. Und da sich herausstellte, dass wir mit Vanessa und Detlef Fetchenhauer nicht nur gemeinsame Kollegen, sondern auch gemeinsame Freunde haben, sagte ich gerne zu und nutzte die Chance, gemeinsam mit meiner Frau Zehra die traditionsreiche Domstadt zu besuchen.

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Und dann verübten Extremisten wenige Tage vor dem Vortrag die Attentate von Paris gegen die Redaktion von Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt. Uns war klar, dass der Vortrag unter diesen Vorzeichen neu gestaltet werden musste und angesichts der starken Anfragen wurde er auch in den größeren Hörsaal verlegt. Weil per Facebook und Twitter entsprechende Bitten eingingen, entschieden wir außerdem, ihn aufzuzeichnen und hier online zu stellen - für alle Interessierten, die nicht dabei sein konnten oder ihn noch einmal sehen wollen. Ein Dank auch an Andreas Popescu vom IT-Service der Universität Köln, der dies noch kurzfristig ermöglichte. Erwähnen möchte ich schließlich auch, dass mich am Ende der Veranstaltung drei junge, muslimische Bloggerinnen ansprachen, denen Vortrag & Debatte gut gefallen hatten und von denen wir in Zukunft hoffentlich noch manches hören bzw. lesen werden. Auch an den Universitäten unseres Landes geht der interreligiöse & interkulturelle Austausch voran!

Hier ist also wie zugesagt der Vortrag auf dem linken Schirm, ergänzt um eine Darstellung der Folien rechts.

ExtremismusFundamentalismussciebookBlume


37 Kommentare zu “Was ist vom Islam zu halten? Vortrag an der Uni Köln”

  1. Mona Antworten | Permalink

    "Was ist vom Islam zu halten?"

    Interessanter Vortrag! Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung haben über fünfzig Prozent der Deutschen Vorbehalte gegen des Islam, das kann man nicht so einfach wegdiskutieren, selbst wenn man persönlich ein anderes Islambild vertritt. Muslime sind zudem keine einheitliche Gruppe und manche sind einem vielleicht weniger fremd (oder wir ihnen) als andere.

    Während meiner Zeit am Kings College in Bournemouth (einer Sprachschule), saß ich mehrere Wochen neben einem angehen Ingenieurstudenten aus Saudi-Arabien, der dem Königshaus angehörte, das liest sich allerdings pompöser als es ist, denn aufgrund der Vielweiberei gibt es dort (nach damaliger Zählung) an die 5000 Prinzen. Er hatte vor seinem Aufenthalt in England, außer seiner Mutter und den Schwestern, noch nie eine unverschleierte Frau gesehen. Ich saß erst neben einer Spanierin, aber die Klassenleitung setzte uns auseinander damit wir neben der Sprache auch noch eine möglichst fremde Kultur kennenlernen konnten. Dazu wurden uns Themen gestellt, über die wir uns mit unserem Nachbarn austauschen sollten. Anfangs sah er mich immer von der Seite an und schaute schnell weg, wenn ich es bemerkte. Ich stellte ihm natürlich viele Fragen über sein Land und erzählte auch von meinem. Am meisten wunderte er sich über unser Arbeitsleben, denn für ihn waren alle Menschen Slaven, die nicht frei über ihre Zeit verfügen konnten. Er selbst lebte in einem Land, das seinen Bürgern wegen der hohen Öleinnahmen keine Steuern abverlangt und ein kostenloses Gesundheitssystem bietet. Für sämtliche anfallende Arbeiten gibt es Angestellte. Trotzdem studieren viele reiche Araber im Ausland und da die arabische Sprache so gut wie keine technischen Ausdrücke kennt muss Englisch gelernt werden. Nach dem Unterricht trafen sich alle "Students" meist in einem Pub, die Araber gingen natürlich nicht mit, sondern ließen sich in ihre teuren Hotels chauffieren, während wir Normalos in einfachen Häusern oder bei Familien zur Miete wohnten. Einmal sollten wir uns ein Grammatikbuch besorgen und ich ging in die örtliche Buchhandlung. Mein Banknachbar und ein anderer Araber waren auch dort. Während andere Kunden und ich sofort bedient wurden ließ man die Araber erst mal stehen. Mir war vorher nie bewusst gewesen, dass es in England diese Art von Rassismus gibt. Auf der anderen Seite sind auch viele Saudi-Araber rassistisch, weil sie sich für etwas Besseres halten. Ausländische Arbeitskräfte müssen in Saudi-Arabien in speziellen Wohnsiedlungen wohnen und haben außerhalb ihrer Arbeit so gut wie keinen Kontakt zu den Einheimischen. Zudem sind sie durch das Kafala-System total von ihrem Arbeitgeber abhängig. Ein Dialog mit Saudi-Arabischen Bürgern ist dementsprechend schwierig, selbst wenn man sie im Ausland trifft. Ich wurde von meinem Mitschüler zwar immer respektvoll behandelt, in seinem Land möchte ich trotz des Reichtums nicht leben - schon gar nicht als Frau. (In Saudi-Arabien sind die Rechte der Frauen eingeschränkt, sie müssen sich gänzlich verschleiern und unterstehen in der Regel einem gesetzlichen männlichen Vormund ohne den sie keine Rechtsgeschäfte etc. tätigen können. Saudi-Arabien ist das Zentrum des Islam und die Scharia ist in der Verfassung des Landes verankert. Zusammen mit Pakistan gilt es als Zentrum des Islamischen Fundamentalismus. Die Pressefreiheit ist stark eingeschränkt. Für Christen gibt es ein Missionierungsverbot und auf Apostasie (Abfall vom Islam) steht die Todesstrafe. Saudi-Arabien ist für Muslime jedoch von großer Bedeutung, da sich die heiligen Städte Mekka und Medina dort befinden. Man kann den Islam aus diesem Grund nicht so ohne weiteres von seinen arabischen Wurzeln trennen, genausowenig wie sich das Christentum von Jesusalem und Bethlehem trennen lässt.

    Und damit kommen wir wieder an den Anfang zurück. Viele Menschen in Deutschland haben offensichtlich Angst vor dem Islam, besonders wenn sie Berichte über Hinrichtungen oder Selbstmordattentate im Fernsehen sehen. Auch wenn wir in Deutschland davon nicht betroffen sind sollten wir uns im Klaren darüber sein, dass es keine Deutungshoheit über den Islam gibt und die verschiedenen Richtungen innerhalb des Islams oft heillos zerstritten sind. In Teilen der islamischen Welt kennt man häufig nur eine Theologie des Gehorsams und der Angst, die Ungläubige von vornherein ausschließt. Da helfen dann auch keine persönlichen Begegnungen. Mouhanad Khorchide, der in Saudi-Arabien aufwuchs, beschreibt das in seinem Buch "Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion" sehr eindrucksvoll anhand seiner eigenen Biografie, die hier gleich am Anfang zu finden ist: http://tinyurl.com/pco4k7q
    Khorchide möchte mit seinem sein Buch den Lesern einen barmherzigen Islam nahebringen (Teile seiner Argumentation sind ebenfalls in der verlinkten Leseprobe enthalten). In Saudi-Arabien wird das allerdings niemanden beeindrucken.

    Wie man dem Vortrag von Michael Blume entnehmen kann soll Deutschland keine Waffen mehr nach Saudi-Arabien verkaufen und auf (arabisches ?) Öl verzichten. Die Einsicht bezüglich der Waffen kommt reichlich spät, wir wissen doch nicht erst seit gestern, dass man es in Saudi-Arabien mit den Menschenrechten nicht immer so genau nimmt. Etwas irritierend finde ich die Forderung auf Öl zu verzichten. Zumal ich vor kurzem mal las, dass der niedrige Ölpreis indirekt den Amerikanern geschuldet ist, die mit ihrem Fracking-Öl in kürzester Zeit zum weltgrößten Ölproduzenten aufgestiegen sind. Nun muss sich der Ölpreis jedoch auf einem gewissen Level befinden, damit sich die teure Technik bezahlt macht. Man erwartete deshalb von der Opec, dass sie bei fallenden Ölpreisen die Fördermengen reduziert und so die Preise wieder steigen lässt. Doch Ende November beschloss die Opec ihre Fördermengen unverändert hoch zu halten. Der Ölpreis fällt seitdem steil nach unten und die USA sind sauer, weil durch den fallenden Ölpreis ihre Fracking-Industrie nicht mehr mithalten kann. Siehe dazu auch:
    http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/wdr/sendung-vom-07012015-108.html
    Ist das der Grund, warum man wieder mal den moralisch Überlegenen herauskehrt und die Nichteinhaltung der Menschenrechte etc. anprangert?

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      Lieben Dank für die freundliche Rückmeldung und die Erfahrungsberichte & Gedanken, @Mona!

      Zur einen Nachfrage: Ja, ich gehe tatsächlich davon aus, dass der sinkende Ölpreis eine Vielzahl positiver Auswirkungen hat - u.a. die Schwächung von Rentierstaaten-Regimen (Saudi-Arabien, aber auch z.B. Russland und Venezuela), auch die Einkünfte deren "westlicher" Verbündeter schmälert und damit mehr Raum schafft, Menschenrechte und Demokratie stärker einzufordern. Auch der so genannte "Islamische Staat" finanziert(e) sich nicht zuletzt durch Ölschmuggel und Ölfelder sind bis heute heftig umkämpft.
      http://web.de/magazine/politik/is-erobert-oelfeld-nahe-kirkuk-30412678

      Diese Chance des niedrigen Ölpreises kann aber auch verschleudert werden, beispielsweise durch politische, gesellschaftliche und wissenschaftlich-technologische Bequemlichkeit - wenn etwa der Ölverbrauch wieder (auch auf Kosten der Umwelt) ansteigt, weil Sparmaßnahmen abgesetzt werden. Das wäre m.E. ökonomisch, aber auch politisch, gesellschaftlich und schließlich sogar religiös fatal! Es wird Zeit, den "Fluch des Öls" zu überwinden und die entsprechenden Regime zu verändern oder abzulösen.

      #FreeRaifBadawi

  2. Peter Aschoff Antworten | Permalink

    Vielen Dank für den anregenden und informativen Vortrag! Ich hatte das mit dem "Hokuspokus" übrigens bisher so verstanden, dass diese Worte im weiteren Zusammenhang der "Wandlung" bei der Eucharistie stehen und da ist für jemanden, dem das magische Denken nicht fremd ist, ja durchaus eine Art von Parallele zum "Zaubern" denkbar, auch wenn die katholische Theologie sich gegen ein solches (Miss-)Verständnis vielfach verwahrt hat. Dann ist es aber weniger den fehlenden Lateinkenntnisses des Klerus zu verdanken, sondern einer Verselbständigung der Transsubstantiationslehre in der Volksfrömmigkeit.

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      Lieben Dank umgekehrt für die freundliche Rückmeldung, @Peter Aschoff!

      Ja, es spricht sehr vieles dafür, dass "volksmagische" Vorstellungen bei der Entstehung von "Hokuspokus" eine große Rolle gespielt haben. Denn nach diesen - theologisch zwar verworfenen, aber bis heute präsenten - Vorstellungen muss ein Ritual "richtig" vollzogen werden, um "Wirkung" zu erzielen. Konnte also ein Geistlicher nicht einmal gut genug Latein, um die Wandlungsworte "richtig" zu sprechen, war aus volksmagischer Sicht zunächst fragwürdig, ob die Transsubstiation "wirklich" vollzogen war. Und auch wenn die katholische Tradition betonte, dass auch die Sakramente aus "unwürdigen" Händen ihre Wirklichkeit behielten, so schwingt in der Zuschreibung von "Hokuspokus" doch immer noch der Spott mit, den wenig gebildete Geistliche immer wieder auf sich gezogen haben dürften.

      • Mona Antworten | Permalink

        Letzteres halte ich für unwahrscheinlich, da die kath. Kirche in solchen Dingen keinen Spaß versteht und dies als Gotteslästerung gewertet und entsprechend bestraft worden wäre.

        • Michael Blume Antworten | Permalink

          @Mona

          Aber die katholische Kirche war längst nicht so allmächtig, wie man heute gerne glaubt - Spott und Satire gerade auch aus den Reihen der "einfachen Leute" durchziehen die Jahrhunderte.

          Am Dienstag spreche ich bei der Alevitischen Gemeinde in Stuttgart und vor einer interreligiösen Podiumsdiskussion zum Thema "Satire und Religion(en)". Vielleicht kann ich auch das dann online stellen (lassen).

          • Mona | Permalink

            Du schriebst aber oben: "so schwingt in der Zuschreibung von "Hokuspokus" doch immer noch der Spott mit, den wenig gebildete Geistliche immer wieder auf sich gezogen haben dürften."

            Das hieße im Klartext, dass die "einfachen Leute" ein besseres Latein gesprochen haben als die Geistlichen, denn sonst hätten sie "die fehlenden Lateinkenntnisse des Klerus" kaum bemerkt. Unter diesen Umständen tat die kath. Kirche gut daran, die Messe nur mehr auf Deutsch abzuhalten. :-)

            Und ja, für "Satire und Religion(en)" hat man hier sicher ein offenes Ohr. ;-)

          • Michael Blume | Permalink

            Ja, @Mona, mit der Ausbreitung der Städte samt Entstehung einer "gebildeten" Bürgerschaft verloren die Geistlichen ihre Unantastbarkeit. Ein schönes Beispiel für diese Entwicklung war der Kaufmannssohn Franz von Assisi, der zeitlebens nie zum Priester geweiht wurde, nach dem sich aber heute ein Papst benennt... ;-)

  3. Paul Stefan Antworten | Permalink

    An Fastnacht gab es Verspottung des Klerus durch das Volk, aber ich weiß nicht, wie viel Sicheres man über Fastnacht im MA genau weiß und wie verlässlich z.B. die Infos hier sind:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Karneval,_Fastnacht_und_Fasching#Mittelalter

    Man muss nicht viel Latein können, um über das verballhornte "hoc est corpus" zu lachen, es genügt, die Geistlichkeit bei einer Dummheit zu ertappen. Das funktioniert in etwas so wie heute bei dem Spott: "Die können noch nicht einmal das Wetter in der nächsten Woche vorhersagen, wollen aber das Klima in hundert Jahren kennen."

    In mittelalterlichen Darstellungen des Jüngsten Gerichts findet man auch immer wieder Kleriker dargestellt, die in der Hölle landen. Deswegen kam der Künstler nicht auf den Scheiterhaufen.
    Gefährlicher war es, wenn man konkret an Macht und Besitz des hohen Klerus rührte.

  4. Hans Antworten | Permalink

    Ein sehr interessanter Vortrag, muss ich sagen.
    Das mit dem "Hokuspokus" hatte ich schon mal irgendwo gelesen, das "Simsalabim" und "Abrakadabra" ähnliche Wurzeln haben, wusste ich noch nicht. Sehr interessant fand ich auch die Stelle, wo Sie gezeigt haben, wie sich der Koran aufs Judentum bezieht. Obwohl ich bei der Nachfrage mit einer Stelle im Neuen Testament geantwortet hätte, wenn ich da gewesen wäre. Ich weis es jetzt nicht genau wo, aber ich meine, irgendwo in den 4 Evangelien findet sich auch so eine Aussage von Jesus. - Kann natürlich auch sein, dass er sich da selbst auf die Schriften bezieht, aber das kann ich gerade nicht genau sagen.
    Zu Ihrem Einwurf bezüglich Harry Potter hätte ich noch anzumerken, das Frau Rowling da etwas mit der Sprache gespielt hat, weil sie nach meiner Einschätzung aus dem "Abrakadabra" einen der 3 unaussprechlichen Flüche machte, nämlich "Avada Kedavra", jenen Fluch der alle tötet, die davon getroffen werden. Soweit mal dieser Einwand.

    Die Sache mit der Schrift fand ich auch interessant. Hat man da schon ähnliche Untersuchungen mit den asiatischen "Bilderschriften" wie Chinesisch oder Japanisch gemacht? Die werden ja im allgemeinen von oben nach unten gelesen. Ob danach dann in der rechten oder in der linken Spalte weiter gelesen wird, weis ich gerade nicht.

    Insgesamt war das so viel Stoff, dass kann ich gar nicht alles behalten...

    @Mona:
    Die Forderung, keine Waffen mehr an Regime wie Saudi Arabien zu liefern, wird aus "interessierten Kreisen", etwa der Friedensbewegung doch schon seit langer Zeit erhoben. Wenn ich mich nicht irre, war das auch mal eine Forderung der Partei "die Grünen" während der 80er Jahre. - Nur interessiert das die gerade amtierenden Regierungen leider nicht, und den Herstellern scheint es ja auch völlig egal zu sein. - Hauptsache, sie können verkaufen.

    Und was das Öl angeht, so bin ich grundsätzlich auch dafür, dass wir davon weniger brauchen würden. Aber ich hab auch nichts dagegen, wenn die US-Konzerne mit ihren aus Fracking gewonnenen Öl mittel bis langfristig auf die Nase fallen, weil diese Fördertechnik ja auch nicht gerade umweltfreundlich ist. U.a. weil sie ein grosses Geheimnis daraus machen, was für Chemikalien sie dazu in den Boden pressen und die Regierungen offenbar nicht in der Lage (oder nicht willens) sind, diese Blockadehaltungen im Rahmen von Genemigungsverfahren aufzubrechen und klar sagen: "Wenn ihr uns nicht sagt, was Ihr da in den Boden pressen wollt, dann bekommt Ihr sowieso keine Betriebserlaubnis. Wenn Ihr es uns sagt, können wir drüber reden, ob ihr eine bekommt." (Falls jemand daraus liesst, dass ich von Fracking nichts halte, liesst er/sie richtig.) - Aber die Sache mit dem Fracking und dem drum herum ist ein weiteres Fass, dass ich jetzt nicht weiter ausschöpfen möchte.

  5. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Werter Herr Dr. Blume, nur kurz hierzu angefragt:

    Können Sie auch gesellschaftlich-diskursive Ideen und Konzepte vorschlagen, wenn es um den sogenannten Islamismus geht, der wohl dadurch definiert ist, dass er nicht dialogbereit oder nicht fähig zum Dialog, zum kritischen, ist?

    MFG
    Dr. W

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      @Webbaer

      Dialog, wo immer möglich, um Deradikalisierungspotentiale auszuloten. Dazu durch Aufklärung und Gegenmaßnahmen Aktionen, Finanzierung und Nachwuchsgewinnung erschweren, letztlich isolieren und ggf. überwachen und strafrechtlich sanktionieren. Ob gegen Rechtsextremisten, Islamisten o.a. - unsere Demokratie sollte streitbar sein.

      • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

        Da wäre wohl womöglich in einer Zeit angekommen, als Sie entstanden zu versucht haben oder entstanden sind.

        IdT gilt es zu 'sanktionieren', gar 'einzudämmen', wenn pädagogisch nichts mehr zu machen ist. - Dieser Sprung scheint wichtig, manche lehnten ihn seinerzeit ab, als es gegen das Stalinistische ging, oder wie der Schreiber dieser Zeilen noch beobachtet hat, gegen das Marxistisch-Leninistische, im Hintergrund schwang auch das Bolschewistische mit, Roter Terror und so, und auch damals konnte in der BRD verlautbart werden, dass dieser Terror nichts, aber auch gar nichts, mit dem Sozialismus zu tun hat, dass die RAF selbstverständlich nicht dem Ostblock nahe steht und die sogenannte Friedensbewegung erst recht nicht. [1]

        Später kam dann heraus, dass die RAF im Ostblock gehostet oder gehegt und gepflegt worden ist und weite Teile der bundesdeutschen Linken („Friedensbewegung“ etc.) ebenso.

        Das sind historisch nachweisbare Fakten, seinerzeit war es ungehörig derart zu vermuten oder festzustellen.

        Insofern scheint sich im Bundesdeutschen Geschichte zu wiederholen, der sogenannte Islamismus ist im Kern ein Kollektivismus.

        MFG
        Dr. W (der für Ihre Reaktion dankt)

        [1] Helmut Schmidt hat sich Mitte der Siebziger diesbezüglich schwer erregt, es handele sich bei der RAF und anderen linksextremistischen Gruppen um gewöhnliche Verbrecher, die eben nichts, aber auch gar nichts mit dem Sozialismus gemein hätten. *

        * Blöderweise ist die SPD selbst eine sozialistische Partei, bei der sich aber idT, im Sinne von Tucholsky sicher sein kann, 'dass die Revolution nicht kommt'. - In den frühen Siebzigern war aber gar nicht klar, dass die Revolution 'nicht kommt', lol.

        [1] Helmut „moralisch geistige Erneuerung“ Kohl folgte dann zur Überraschung des Schreibers dieser Zeilen dieser Sprachregelung im Jahr 1982.

  6. Paul Stefan Antworten | Permalink

    Gewaltbereite Islamisten entstehen immer wieder neu, deswegen ist Prävention chronisch notwendig, auch bezüglich anderer radikaler Richtungen.

    Im Deutschlandfunk gab es vor kurzem (28. 1. 2015, 18.40, "Hintergrund") einen sehr interessanten Beitrag von Ina Rottscheidt über Selbstradikalisierung im Netz, angeregt durch hippe Propagandavideos im Stil der Jugendkultur (oder -unkultur). Islamwissenschaftler helfen dabei, die Videos zu sichten und zu bewerten.

    http://www.deutschlandfunk.de/selbstradikalisierung-im-netz-dschihad-2-0.724.de.html?dram:article_id=310037

    Über die Zielgruppe der Propaganda sagt Marwan Abou-Taam:
    "Ich würde sowieso nicht von Verlierern und Gewinnern in einer Gesellschaft sprechen, sondern von Personen, die Teilhabe an einer Gesellschaft haben oder nicht. Das heißt, die Frage ist: Welche Bedingungen existieren, damit ich mich mit meiner Umgebung solidarisiere? Und wenn ich ausgeschlossen werde aus meiner Umgebung, ist es nicht wahrscheinlich, dass ich mich mit meiner Umgebung solidarisiere. Und genau an dieser Stelle setzt Propaganda an."

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      So ist es, @Paul Stefan! Und wirklich tückisch ist, dass sich damit Islamophobe und Islamisten gegenseitig stärken, indem sie die Entsolidarisierung und Entfremdung wechselseitig vorantreiben. Dem müssen sich die vernünftigen Mehrheiten gemeinsam entgegenstellen...

  7. Ingo Damith Antworten | Permalink

    Vortrag soeben gehört. Sehr informativ, umfangreich, breit und dabei hoch verdichtet, dabei eloquent vorgetragen. Danke!

    Deine Sprechgeschwindigkeit erfordert eine große Aufmerksamkeit damit das eigene Mit- und Nachdenken noch einigermaßen mitkommt. ;-)
    Macht jedenfalls Lust auf mehr (Fakten).

    Frage: Hast Du schon mal daran gedacht als "Slamer" aufzutreten um diese wichtigen Infos gerade jenem jüngeren Publikum angedeihen zu lassen, welches nicht unbedingt hier vorbeisurft?

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      Danke sehr! Und Ja, das würde mich reizen. Bislang wurde ich aber noch nicht zu einem Slam eingeladen. Nur zum Peer-Review am "Rap Guide to Religion" von Baba Brinkman! :-)

  8. Freund Antworten | Permalink

    Mit dem Kopftuchurteil ist wieder ein Schritt Richtung Islamisierung getan.
    Ich denke Hr. Blume wird es freuen ( natürlich nicht offiziell ) .
    Wenn die Lehrerin bei den jüngsten Schulkinder in islamischer Trachtauftritt ist eine Prägung in jedem Fall sehr wirksam ( man kann sich nicht an alle Lehrer in seiner Schulzeit erinnern , die Lehrperson in der 1. Klasse vergisst man meist nicht mehr ).
    Weiter werden natürlich islamische Mädchen noch mehr unter Druck gesetzt .

    • zabki Antworten | Permalink

      ich versteh das nicht, dieses Gewese um das Kopftuch. Die eine trägts aus diesen Gründen, die andere aus jenen, was soll's? Will man alle 68er Langhaar-tragende Lehrer nachträglich noch aus dem Schuldienst entfernen? Das war auch ein politisches und ein Abgrenzung signalisierendes Symbol.

  9. Freund Antworten | Permalink

    Was ist davon wohl zu halten ?
    ( alles nur Einzelfälle)

    Astrid Korten hatte aus ihrem aktuellen Krimi gelesen, bevor ihr in Leipzig zwei Moslems auflauerten. Sie beschimpften Korten, weil es im Buch um Ehrenmorde geht und schlugen danach auf sie ein. Einer rief: „Jeder Mann hat das Recht, dich mit Füßen zu treten, wenn du behauptest, dass islamische Männer ihre Töchter töten!“ Anstelle eines Ehrenmordes, beließen es die beiden schließlich bei Ehrenschlägen und ließen von der Verletzten ab.

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      @Freund

      Oh ja, das gibt es - und es sind ebensowenig "Einzelfälle" wie die Gewalttaten und sogar Morde Ihrer braunen "Freunde"... Pöbelnde, zu Hass aufstachelnde Frustrierte gibt es leider überall zuviel...

      PS: Bitte hier keine Behauptungen mehr ohne seriöse Quelle. Dies ist ein scilog, keine Klowand...

  10. Kai Antworten | Permalink

    Pöbelnde, zu Hass aufstachelnde Frustrierte gibt es leider überall zuviel...
    Das ist richtig aber im linksislamischen Kulturkreis ist dies inzwischen die Regel.
    Die seriösen Quellen stehen in allen Mainstramnachrichten .
    Es vergeht so gut wie kein Tag ohne islamische Gewalt .
    Schauen sie die nächsten Tage und sie werden sehen.

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      @Kai

      Den Begriff "linksislamischer Kulturkreis" habe ich noch gar nicht gehört bzw. gelesen. Handelt es sich hierbei einfach um die Verbindung Ihrer Lieblings-Feindbilder oder steckt mehr dahinter?

      Würde mich über etwas Erläuterung freuen.

  11. Kai Antworten | Permalink

    Hier noch eine Nachricht von den Nachrichten des zweites Programmm.
    " Drei Anschläge in drei Kontinenten , gibt es einen Zusammenhang ? "

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      Die meisten Opfer auch dieser Anschläge sind übrigens andersdenkende Muslime. Bringt Sie das ins Grübeln und Ihre Feindbilder ins Wanken, @Kai?

  12. Kai Antworten | Permalink

    Die Frage wurde , wie fast wie immer , nicht beantwortet.
    Außerdem gab es bisher noch keine offiziellen Aussagen über die Opfer.
    Das bringt einen schon ins Grübeln.

  13. Angsthase Antworten | Permalink

    Fundsache

    Muslime schikanieren christliche Flüchtlinge in deutschen Asylbewerberheimen

    Kommentar von Helmut Frank

    Viele orientalische Christen haben in ihrer Heimat unendliches Leid erlebt. Die Flucht ist für sie die einzige Möglichkeit, dem Terror islamistischer Milizen zu entkommen. Das Ungeheuerliche: In deutschen Flüchtlingsheimen müssen sie wieder Schikane und Anfeindungen erdulden.

    Christliche Flüchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten sind in deutschen Asylantenheimen häufig Opfer muslimischer Gewalt. Das berichtete das ARD-Magazin »Report München«. Eine christliche Familie aus dem Irak, die in einem Aufnahmelager in Bayern untergebracht war, sprach von Schlägen und Drohungen eines syrischen Islamisten. »Meine Frau war schwanger und hat die Situation nicht mehr ertragen«, sagte der Vater.

    • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

      Das Wesen mohammedanischer Veranstaltung könnte beizeiten näher erläutert werden, auch von der hiesig vorrätigen Kraft. [1]

      MFG
      Dr. W

      [1]
      Dass Kulturwissenschaftler, Anthropologen, der Schreiber dieser Zeilen, der Webbaer, ist einer davon, mal ihrer Aufgabe entsprechen können, wäre schon gu-ut:
      Klar, das, was zu D normativ gehören soll, wie der bundesdeutsch erste Vogel meint, ist erkennbar: problematisch, dennoch hegt der Schreiber dieser Zeilen Hoffnung.

  14. Angsthase Antworten | Permalink

    @dr.webbear
    ...hegt ... Hoffnung.
    Wie soll sich diese Hoffnung sich manifestieren ?

    • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

      In etwa so wie alles, was nicht direkt tötet, hilfreich sein könnte, altes Indianersprech.

      Wobei "die Deutschen", Herr Dr. B hier zitiert, womöglich schlicht ein Problem haben den Mohammedanismus als das, was er ist, zu akzeptieren.
      Bei Herr Dr. B geht der Schreiber dieser Zeilen von Befangenheit aus, denn ansonsten ist der hier vorrätige bundesdeutsche Kollege schon sehr OK, verständiger als die meisten und so... [1]

      MFG
      Dr. W

      [1]
      Der Schreiber dieser Zeilen könnte ansonsten, von dieser kleinen Unpässlichkeit einmal abgesehen, durchaus Fan * werden oder geworden sein.

      *
      'Fan' und so etymologisch oder i.p. Semantik "nicht ganz" klar, korrekt.

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