Energiewende und die Illusion der selbsternannten Realisten

16. Oktober 2011 von Björn Lohmann in Energie

Kohlekraftwerk Lippendorf (Foto: Marco Barnebeck/Pixelio) „Die Illusion zerplatzt“, schreibt Frank Drieschner in der „Zeit“, und meint damit die Annahme, klimafreundliche Energiewende und Atomausstieg seien vereinbar. Was durch viele Zahlen seriös wirken soll, ist letztlich eine Farce, weil sich der Autor Annahmen und Zahlenreihen beliebig zurecht biegt.

Zu hinterfragen, ob die Ziele der Energiewende trotz des Atomausstiegs zu erreichen sind, ist legitim – wenngleich auch etwas naiv, um gleich mit der ersten Kritik zu beginnen: Die Ziele zur CO2-Reduktion stammen, wer sich erinnert, nicht erst von der aktuellen Regierungskoalition, und ihre Machbarkeit haben Regierung und unabhängige Institute gleichermaßen durchgerechnet und entsprechende Szenarien erstellt. Jetzt aber hat ja unsere Regierung den Atomausstieg beschlossen, und damit sind ganz neue Rechnungen notwendig geworden, folgert Drieschner. – Moment mal. War da nicht etwas, was eine rot-grüne Regierung vertraglich mit der Energiebranche vereinbart hat und das zu Zeiten all der Studien zur Energiewende noch galt – weil erst Schwarz-Gelb aus dem längst beschlossenen Atomausstieg ausgestiegen ist?

Doch nicht nur bei der Annahme, die Annahmen der meisten Studien seien überholt, irrt der Zeit-Autor. Alle drei weiteren impliziten wie expliziten Grundannahmen von Drieschner darf man getrost kritisieren. Als da wären:

  • Anreize zum Energiesparen werden weitgehend wirkungslos verpuffen.
  • Die Stromproduktion wird bis 2020 auf 770 Terawattstunden ansteigen.
  • Die erneuerbaren Energien können unmöglich den Wegfall des Atomstroms kompensieren und gleichzeitig weitere fossile Stromquellen ersetzen.

Der Reihe nach.

Gewinne bei der Energieeffizienz kann es Drieschner zufolge anscheinend nur geben, wenn der Gesetzgeber die Bürger dazu zwingt – und dazu gebe es keine politische Mehrheit. Doppelfehler, möchte ich meinen. Noch vor wenigen Jahren verbrauchte ein Fernseher dreimal so viel Strom wie heute, und selbst die günstigen Geräte haben ihren Energiehunger halbiert. Computer beziehen ihren Leistungsgewinn nicht mehr aus immer höheren Frequenzen mit extremen Wärmeverlusten, sondern aus cleverer Technik und höherer Effizienz. Von Haushalts- bis Unterhaltungselektronik machen die Geräte Effizienzsprünge, ganz ohne Zwang. Und auch der Zwang existiert und funktioniert mal unter mehr (Effizienzverordnung bei Leuchtmitteln), mal unter weniger Protest (Vorgaben zum Standby-Strom).

Zwar konterkariert die höhere Anzahl elektrischer Geräte teilweise die Einsparungen, doch das ist nicht das Argument Drieschners, und es dürfte auch nur ein temporärer Effekt sein: Die Sättigung ist heute schon abzusehen.

Besonders begeistert hat mich die Berechnung Drieschners, wie sich Stromverbrauch und -produktion bis 2020 entwickeln werden. Ihm liegen dazu Datenreihen von 1990 bis 2010 vor. Was macht der gute Mann, um Zahlen für 2020 zu erhalten? Er interpoliert einen linearen Trend – zwischen 1993 und 2007! Warum ausgerechnet diese Jahre, ist leicht zu beantworten: 1993 erreichte die Stromproduktion einen Tiefpunkt, 2007 ein Rekordhoch. Rechnet man mit den Werten von 1990 bis 2010, ergibt sich ein deutlich flacherer Trend (und mit 1990 bis 2009 ließe der sich noch einmal erheblich abschwächen).

Die selektive Auswahl des Betrachtungszeitraums ist aber nur der eine Fehler. Tatsache ist, dass die meisten Maßnahmen zur Verringerung des Energiebedarfs erst ab 2000 auf den Weg gebracht wurden, viele erst seit wenigen Jahren greifen. Nötig wären Technologie- und Wirtschaftsentwicklungsprognosen, die völlig zurecht das übersteigen, was ein Journalist leisten kann – was aber jene Studien von Wissenschaftlern getan haben, die der Zeit-Autor für „Illusionen“ hält.

Weiter geht es mit den erneuerbaren Energien, die Drieschner eigentlich kaum erwähnt, da er vor allem auf geplante fossile Kraftwerke schaut – sonst könnte man ja auch die CO2-Emissionen nicht so schön hoch rechnen – dass der Bau (und erst recht die bloße Planung) fossiler Kraftwerke noch keine zusätzlichen CO2-Emissionen für den Strommix bedeutet, dürfte klar sein: Vorrang hat a) der Ökostrom, und b) aus wirtschaftlichen Gründen das CO2-ärmere Kraftwerk. Gut ein Drittel des Strommix 2020 soll aus erneuerbaren Quellen stammen, plant die nicht für grünen Idealismus bekannte Bundesregierung. Die bisherige Entwicklung und technologische Prototypen lassen das realistisch erscheinen – von Offshore-Windkraft über Geothermie an hyperkritischen Quellen bis zu Solarkraftwerken.

Der Stromüberschuss, den Deutschland seit fünf Jahren kontinuierlich produziert (und der so hoch ist, dass sieben AKW von heute auf morgen problemlos abgeschaltet werden konnten), wird von Drieschner ebenfalls vorsorglich ignoriert.

Ein weiterer kapitaler Fehler beim Betrachten der CO2-Bilanz ist die Fixierung auf den Strom. Wärme und Kraftstoffe gehören schließlich genauso in die Betrachtung, und da liegt sogar das größte Potenzial durch Wärmedämmung, Kraft-Wärme-Kopplung und effizientere Fahrzeuge. Aber wenn ein Kraftwerk etwas elektrischen Wirkungsgrad verliert, um Wärme zu Heizzwecken abzuführen, dann ist das für Drieschner gleich wieder ein Punkt gegen den Klimaschutz.

Nein, das Ziel, trotz Atomausstiegs an den Klimaschutzvorgaben festzuhalten, ist keineswegs eine Illusion. Richtig ist nur, dass das Projekt kein Selbstläufer ist, wie auch Joachim Nitsch in einer Replik betont (bei deren Beantwortung Drieschner verbissen auf seine alten Fehler beharrt). Aber wenn ich auf den Preisverfall bei Photovoltaik und Solarthermie schaue, wenn ich sehe, wie schnell sich Wärmepumpen als Heizungen etablieren, wie sehr die Stadtwerke auf kleine Kraftwerke mit lokaler Wärmenutzung setzen – und auch Betriebe mit hohen Energiebedarf solche Entwicklungen einleiten, wie sich Effizienzkennzeichnungen durch die gesamte Elektrotechnik ziehen, dann sind wir mitten in einer Zeit des Umbruchs – und wer das nicht sieht, hat nicht nur Illusionen von der Zukunft, sondern lebt bereits in einer Scheinwelt.

Wenn ich dann noch die Publikationen sehe, die tagtäglich über meinen Schreibtisch wandern: Da stellen Forscher Solarzellen vor, die dramatisch effizienter oder günstiger sind als heutige Modelle; Energiekonzerne präsentieren Energiespeicher ebenso für den Hausgebrauch wie im Megawattbereich für Kraftwerke; da wird die Windkraft noch einmal komplett neu gedacht durch andere Rotoren; da entstehen Bioraffinerien, um aus der nachhaltig verfügbaren Biomasse das Maximum herauszuholen; da gehen selbst in Deutschland die ersten tiefen Geothermiestandorte in die Realisierung; und auch die strittige CCS-Technologie, um Kohlendioxid abzuscheiden und zu lagern, könnte reizvoll werden, da immer mehr Chemiekonzerne Nutzungskonzepte für Kohlendioxid präsentieren. Übrigens taucht CCS in der Betrachtung der CO2-Bilanz bei Drieschner gar nicht auf.

Hinsichtlich Energieeffizienz und der Möglichkeiten der CO2-freien Stromerzeugung ist Deutschland durchaus auf einem gutem Weg, der sein Ziel erreichen kann. Der wesentliche Knackpunkt – vor allem über das Jahr 2020 hinaus und auf dem Weg zu 100 Prozent erneuerbarer Energie – steht jedoch wirklich auf der Kippe: ein modernes, leistungsfähiges Stromnetz, das es ermöglicht, in jedem Land die dort besonders effektiven erneuerbaren Energien anzuzapfen und daraus resultierende regionale Schwankungen auszugleichen. Dass das technisch und wirtschaftlich möglich ist, zeigt beispielsweise die Roadmap 2050, doch dazu braucht es den politischen Willen zu einem gemeinsamen europäischen Projekt. Die aktuelle Schuldenkrise kann das kolossal scheitern lassen (wenn die EU-Gegner gewinnen), oder ihm richtig Schub verleihen (wenn die Politik mit mehr Europa die Flucht nach vorn wagt).

Fazit: Es ist ein ehrenwertes Vorhaben, als Journalist die Entwicklung der deutschen Kohlendioxid-Emissionen prognostizieren zu wollen - aber das sollte man besser Experten überlassen. Selbst die dürften - trotz quantifizierter Prognoseungenauigkeit -von mancher Entwicklung überrascht werden, die heute schlicht nicht abzusehen ist. Fakt ist, es gibt plausible Szenarien, wie die Energiewende auch ohne Atomstrom zu meistern ist. Arbeiten wir lieber daran, anstatt heute schon verzweifelt im Bett zu bleiben, weil wir weniger Erfolg haben könnten, als erhofft.

Foto: Marco Barnebeck/Pixelio


37 Kommentare zu “Energiewende und die Illusion der selbsternannten Realisten”

  1. Anton Maier Antworten | Permalink

    @all

    Mal ne Frage in die Runde:
    Gibt es ein/en Begriff/Konzept zu der Idee, dass sich investierte Arbeit anhäuft?
    Ich denke da bspw. an den Vergleich zwischen einem klassischen redaktionellen Angebot und einem Wikisystem. Wäre der Artikel ein Wikiartikel der Zeit mit dem Titel: Ist die "Energiewende in Deutschland möglich?" wäre das nicht passiert.
    Vielleicht "Pile Up" oder so?

    Nebenbei: Quantitativ>>Qualitativ

    Danke für die Arbeit, es ist sicher anstrengend und langweilig solche obsoleten zu analysieren...

  2. Anton Maier Antworten | Permalink

    Korrektur

    Danke für die Arbeit, es ist sicher anstrengend und langweilig solche obsoleten Artikel zu analysieren...

  3. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Auch das Machbare kann Illusion werden

    Die nötigen Veränderungen für eine von Erneuerbaren, Effizienzgewinnen und Einsparungen bestimmten Energiezukunft können nicht nur an der technischen und finanziellen Machbarkeit scheitern, sondern allein schon am Widerstand breiter Bevölkerungsschichten gegen den Ausbau der Stromnetze und der "Endlagerung" von CO2. Dazu kommt, dass Effizienzgewinne tatsächlich sehr häufig über Mehrverbrauch verloren gehen. Dazu gibt es unzählige Beispiele: So sind heutige Autos auch mit konventionellen Verbrennungsmotoren deutlich effizienter als noch vor 20 Jahren, sie sind im Durchschnitt aber auch grösser und schwerer. Das gleiche gilt für TV-Geräte, der heute mit LCD-Screen zwar deutlich sparsamer mit Strom umgehen (gerechnet auf eine bestimmte Bilddiagonale) dafür doppelt oder 3 Mal so gross sind. Die Ferien ins Ausland sind in Deutschland zwar schon jahrzehntelange Tradition, aber jetzt fliegen die Leute viel weiter als vor 30 Jahren, als es noch nach Oberitalien oder Spanien ging. Sogar die vom Autor angeführten Beispiele eignen sich gut für die Belegung dieses Rebound-Effekts: Computer leisten heute viel mehr pro Watt verbrauchten Stroms sind aber auch um vieles stärker "motorisiert", weiter verbreitet und erfassen immer mehr Lebensbereiche. Der Strombedarf von Serverfarmen und Datenzentren (für das Internet und Cloud-Computing) wächst jährlich deutlich über 10% und würde bei linearer Extrapolation von heute 1% des weltweiten Stromverbrauchs auf 10% 2020 ansteigen.

    Rechnet man mit den heutigen Trends weiter so kommt man tatsächlich zum Ergebnis, dass Deutschland wie auch viele andere Länder ihre selbstgesteckten Klimaziele nicht erreichen, selbst wenn alle geplanten Ofshore-Windparks und voraussehbaren PV-Zuwächse realisiert werden. Auch darum, weil ein Energiesystem immer als Ganzes gesehen werden muss und beispielsweise der Überschussstrom aus Solaranlagen und Offshore-Windparks auch noch abgeführt und gespeichert weren muss. Und das wird schon 2020 ein Problem sein.

    Es ist aber tatsächlich problematisch Trends einfach linear in die Zukunft zu verlängern. Fiele Deutschland nächstens in einen langanhaltende Rezession würde der Stromverbrauch beispielsweise eher sinken anstatt steigen. Es gibt sehr viele Unsicherheitsfaktoren, die eine Prognose schwierig machen - auch die Politik gehört dazu. Sie müsste beispielsweise die deutsche und europäische Energieinfrastruktur um- und ausbauen - hat aber eventuell andere Prioritäten. Auch die Förderung der energetischen Sanierung im Gebäudebau kann jederzeit gekippt werden, wenn eine Mehrheit die dazugehörige finanzielle Mehrbelastung der Bürger und des Staates nicht mehr für tragbar hält. Prinzipiell unvorhersbar sind zudem technologische Entwicklungen und Umbrüche wie deutlich kostengünstigere Batterien.

    Mit Gewissheit kann man jedoch sagen, dass Deutschland und andere reiche Industrieländer noch am ehesten in der Lage sind ihre Energieversorgung grundsätzlich umzustellen, denn bei diesen Ländern machen die Ausgaben für Energie nur einen Bruchteil der Gesamtausgaben aus. China und Indien werden den Grossteil ihres Energiehungers jedoch mit fossilen Energien decken. Dass China inzwischen der grösste Produzent von Windenergie ist, ändert daran nichts. Übrigens ist auch in China (nicht nur in Deutschland) das Hautproblem für die Nutzung der Windenergie der fehlende Netzausbau.

  4. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    @Holzherr: Bevölkerung

    Danke für den wichtigen Hinweis darauf, dass auch meine Betrachtung einen wesentlichen Aspekt außen vor gelassen hat: die Akzeptanz in der Bevölkerung.

    Da gilt für mich allerdings: Wenn die überwältigende Mehrheit von der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit der Energiewende überzeugt ist, dann sollten erst recht nicht Beiträge wie dieser Zeit-Artikel latent vorhandene Ängste schüren, sondern - bei aller gebotenen Transparenz der Risiken - die Machbarkeit betont werden. Wer will denn eine Energiewende mittragen, wenn es regelmäßig heißt, ein so hoher Anteil EE sei technisch nicht machbar und bezahlbar sowieso nicht? Im letzten Jahr hat das EEG den Durchschnittshaushalt durch die Förderung der EE mit drei Euro zusätzlich belastet. Das ist eine andere Größenordnung als die gern bemühte Horrorzahlen aus der Photovoltaik.

  5. Physiker Antworten | Permalink

    @Björn Lohmann:
    "Wer will denn eine Energiewende mittragen, wenn es regelmäßig heißt, ein so hoher Anteil EE sei technisch nicht machbar und bezahlbar sowieso nicht?"

    Wie hoch?
    30%-40% Erneuerbare Energien sind sicher machbar und auch noch halbwegs bezahlbar. Alles was darüber hinausgeht dürfte exponentiell teurer werden. Mit EE die CO2-Bilanz von Frankreich im Stromsektor zu erreichen, ist für Deutschland technisch unmöglich und praktisch unbezahlbar.

  6. Michael Khan Antworten | Permalink

    Bedenkliche Aussage

    dann sollten erst recht nicht Beiträge wie dieser Zeit-Artikel latent vorhandene Ängste schüren, sondern - bei aller gebotenen Transparenz der Risiken - die Machbarkeit betont werden. Wer will denn eine Energiewende mittragen, wenn es regelmäßig heißt, ein so hoher Anteil EE sei technisch nicht machbar und bezahlbar sowieso nicht?

    Soso. Da hat die Presse sich gefälligst zu fügen und die Machbarkeit zu betonen, und die nicht etwa zu hinterfragen. Na, dann wissen wir ja jetzt Bescheid.

  7. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Energiewende machbar aber illusionär

    Wenn die überwältigende Mehrheit von der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit der Energiewende überzeugt ist, dann sollten erst recht nicht Beiträge wie dieser Zeit-Artikel latent vorhandene Ängste schüren, sondern - bei aller gebotenen Transparenz der Risiken - die Machbarkeit betont werden.

    Die Energiewende als Umstellung auf die unregelmässig anfallende Sonnen- und Windenergie ist machbar. Genau so wie ein Flug zum Mars in den nächsten 20 Jahren machbar wäre. Doch unter realistischen Annahmen wird das ein Murks sondergleichen. Die Gründe dafür hat Thomas Grüter in seinem Beitrag Wunschdenken - die ausgeblendeten Probleme der Energiewende sehr klar dargelegt. Zusammengefasst liegt es daran, dass es heute schon eine anspruchsvolle Aufgabe ist, das Stromnetz stabil zu halten und dass es mit der Dominanz von unregelmässig einspeisenden Energiequellen zum artistischen Kunststück wird. Zwischenfälle - aka Stromausfälle - sind da garantiert.

    Mit heutiger Technik wäre ein Supergrid für Hochspannung für mindestens ganz Europa die beste Lösung um die täglichen und wöchentlichen Produktionsschwankungen auszugleichen. Für diese Lösung wirbt beispielsweise auch die WBGU in ihrem Konzept zur Transformation der Energiesysteme.

    Dass ein solches EU-weites Hochspannungsnetz in den nächsten 20 Jahren aufgebaut wird ist aber unwahrscheinlich. Nicht einmal in den USA gibt es einen starken Stromaustausch zwischen dem "Eastern", "Western" und "Texas Grid" und auch dort spricht man schon seit vielen Jahren davon wie wichtig eine besser integriertes Netz wäre. In Europa ist es noch viel schwieriger so etwas aufzugleisen zumal die Energieversorgung bei vielen Staaten als nationale Aufgabe angesehen wird, wo es gilt, möglichst viel Autonomie zu wahren.

    Die deutsche Regierung (besser gesagt ihre Fachleute) scheinen das aber zu wissen. Deshalb verwundert es einen nicht, dass parallel zum starken Ausbau von Wind- und Solarkraft in D auch viele neue Kohlenkraftwerke gebaut werden. Die müssen später einspringen, wenn zu wenig Sonne scheint oder/und zuwenig Wind bläst. Allerdings können sie nicht verhindern, dass es Phasen von Überschussstrom gibt. An heissen Sommertagen nämlich und wenn es an der ganzen Küste stürmt. Dieser Überschussstrom wird wohl nicht abgeführt werden können, weil auch in 10 und 20 Jahren noch die Leitungen dazu fehlen. Man könnte allenfalls mit dem Überschussstrom Wasserstoff oder Methan herstellen und ins Erdgasnetz einspeisen.

  8. torben hoffmeister Antworten | Permalink

    Björn Lohmann

    „Da gilt für mich allerdings: Wenn die überwältigende Mehrheit von der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit der Energiewende überzeugt ist, dann sollten erst recht nicht Beiträge wie dieser Zeit-Artikel latent vorhandene Ängste schüren, sondern - bei aller gebotenen Transparenz der Risiken - die Machbarkeit betont werden.“
    Den Antworten von Khan, Holzherr und Physiker ist nicht viel hinzuzufügen, nur noch eines: Bei jemanden, der schon ein Gesellschaftssystem erlebt hat, dem alles einer großen Vision untergeordnet wurde und den durch-ideologisierten Alltag erleben durfte, hinterlassen solche Losungen tiefstes Misstrauen. Ich finde es gerade einer Demokratie angemessen, solche Entwürfe wie der „großen Transformation“ ständig kritisch zu hinterfragen. Das ist eine Errungenschaft und kein Hemmnis !
    Im Übrigen sollte die Machbarkeit solcher Visionen nicht an denkbaren Szenarien belegt werden, sondern an Zahlen unter Berücksichtigung natur- und ingenieurwissenschaftlicher Kenntnisse. Und daran hapert es gewaltig, es sei denn den Zukunftsszenarien werden wiederum heute nicht verfügbare und in der Umsetzung ungewisse Technologien unterstellt.
    Ihr Vorwurf der Autor in „Die Zeit“ biege sich die Zahlen im Interesse seiner Argumentation zurecht, gilt damit erst recht für die flammenden Befürworter von 100 % EE ohne Kernkraft.
    Auch das Argument der „nur“ 3 Euro mehr für EE im Durchschnittshaushalt ist eine Milchmädchenrechnung, denn das sind nur die bezifferbaren Mehrkosten für die Energienutzung. Die infolge der Energieverteuerung gleichsam steigenden Verbraucherpreise auch für Nahrungsmittel werden bei einer solchen Betrachtungsweise nicht berücksichtigt !

  9. W.G Antworten | Permalink

    „Mit heutiger Technik wäre ein Supergrid für Hochspannung für mindestens ganz Europa die beste Lösung um die täglichen und wöchentlichen Produktionsschwankungen auszugleichen.“

    Was spräche eigentlich im Prinzip gegen ein „Weltstromnetz“ und „Wasserstoffnetz“?

    Mal abgesehen von politischen Problemen, wäre das technisch machbar?

    „Die Stromproduktion wird bis 2020 auf 770 Terawattstunden ansteigen.“

    Mein Gott, muss das denn wirklich sein, dass man immer wieder auf derart grauenhafte Energieangaben zurück greift?

    Klein wenig Nachhilfe für Physiklaien: Ein Watt ist definiert als ein Joule pro Sekunde.

    Und eine Wattstunde pro Jahr wäre dann Ein Joule geteilt durch eine Sekunde, multipliziert mit einer Stunde und dann wieder geteilt durch ein Jahr. Was soll denn der Schmarrn? Wieso diese völlig unsinnige Vermischung von Sekunde, Stunde und Jahr???

    Also, ich teil jetzt obige Angabe einfach mal durch die 8766 Stunden des Jahres und komme auf 88 Millionen Kilowatt, macht bei 80 Millionen Bundesbürgern etwas mehr als ein Kilowatt.

  10. JanG Antworten | Permalink

    Stromimport vs Export

    Zitat aus dem Text:
    "Der Stromüberschuss, den Deutschland seit fünf Jahren kontinuierlich produziert (und der so hoch ist, dass sieben AKW von heute auf morgen problemlos abgeschaltet werden konnten) ..."

    Das ist so nicht richtig. Seit die KKW's abgeschaltet wurden, sind die Importe extrem gestiegen. Richtig wäre also Ihr Satz wie folgt:
    "Der Stromüberschuss, den Deutschland seit fünf Jahren kontinuierlich produziert hat reichte nicht, dass sieben AKW von heute auf morgen problemlos abgeschaltet werden konnten. Das war nur möglich, da wir genug (Atom)Strom von unseren Nachbarn bekamen."

    Wie das im kommenden Winter wird, wenn die dann ihre Energie selber brauchen, werden wir sehen.

    Quelle: http://www.wirtschaftsblatt.at/...-487669/index.do

  11. pikarl Antworten | Permalink

    @MK

    Wobei auch hier zu hinterfragen wäre, auf welcher Grundlage diese schwergewichtigen "Experten aus 21 Ländern" für diese Umfrage auf ihr Urteil kamen. Wenn das so eine 50-Seiten-Umfrage war, die ich regelmäßig von hilfesuchenden Psychologiestudenten zugeschickt bekomme (und die ich versuche in Rekordzeit durchzuklicken), glaube ich nicht an ein profundes Ergebnis. Überzeugen würde mich eher eine gemeinsame Studie dieser 21 Experten mit offen nachvollziehbaren Methoden.

    Und selbst dann: Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist weltgeschichtlich ein einmaliger Vorgang, deren Dynamik zumindest bis 2007 jede einzige Studie unterschätzt hat:
    http://blog.pikarl.de/.../2009/11/ee-prognosen.jpg

    Insofern bleibe ich gerne optimistisch und lasse mich von klar nachvollziehbaren Studienergebnissen und um Zweifel von der Realität überzeugen.

  12. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @pikarl: viele Windräder->viel Erfolg?

    Viele verbaute Windräder und PV-Panels sind kein Indikator für den Erfolg der Erneuerbaren Energien wie immer noch viele glauben. Nur ein realisiertes und funktionierendes Energiesystem mit einem hohen Anteil von Wind-und Sonnenstrom bei gleichzeitiger Einsparung bei den fossilen Energien ist ein Beweis dafür, dass Erneuerbare Energien funktionieren. In so einem Energiesystem sollte es keine Stromausfälle und nur wenig verlorenen Strom durch Zwangsabschaltungen von überproduzierenden Windturbinen und PV-Anlagen geben.

    Die Realität sieht bis jetzt anders aus. Nicht nur in Deutschland gibt es bereits Phasen, in denen der Überschussstrom aus Windturbinen (während Starkwind) verloren geht. Noch häufiger kommt das in China vor. Der Artikel Growing pains of China's wind power industry beschreibt die Realität. Dort liest man beispielsweise: "Ever since Su's wind farm was connected to China's power grid last May, only about 60 percent of the farm's turbines have been in operation. The rest of the turbines must remain idle to avoid overloading the grid."

    Und warum baut Deutschland so viele Kohlekraftwerke, wenn die Zukunft doch in den Erneuerbaren liegt? Ganz einfach, weil die fossilen Kraftwerke weiterhin in der Lage sein müssen, einen völligen Ausfall von Wind- und Sonnenstrom mit fossiler Produktion zu überbrücken.

    Zwar gibt es theoretisch andere Lösungen. Zum Beispiel ein europaweites Hochspannungsnetz, das für den Ausgleich von Produktionsschwankungen sorgt. Doch niemand scheint zu glauben, dass ein solches Netz in den nächsten 20 Jahren zur Verfügung steht.
    Die von Michael Kahn zitierten Experten, die nicht an die Erfüllung der Ziele der deutschen Energiewende glauben, extrapolieren wahrscheinlich nur die Entwicklung in Deutschland, z.B. den Bau von Kohlekraftwerken und die sogar innerhalb Deutschlands fehlenden Transmissionslinien vom Norden in den Süden und kommen dann zum Schluss, dass D seine Ziele nicht erreicht, wenn es so weitermacht wie bis anhin.

  13. pikarl Antworten | Permalink

    @MH

    Ich bin skeptisch, bei diesen Energieexperten. Ich mutmaße, dass diese 21 befragten Leute überwiegend aus Energiekonzernen kamen, die allesamt noch auf Großkraftwerks-Technologien setzen und damit auf eine völlig andere Logik des Energiesystems. Wenn solche Experten Skepsis äußern, unterstelle ich ihnen Befangenheit.

    Oder, um es mit Hermann Scheer zu sagen:

    "Es ist die größte Naivität überhaupt, auf diejenigen zu setzen [...], die als einzige ein Verzögerungsinteresse haben."

    Mein Optimismus bezog sich im Übrigen nicht darauf, dass wir den weiteren Ausbau der EE schaffen werden. Das zeigt ja schon die reale Ausbaugeschwindigkeit. Nein: Sie bezieht sich auf die Speichertechnologien und die Netzprobleme, die wir unbestritten derzeit haben. Und wo gerade massiv Institute gegründet werden und viel Forschung getrieben wird und technologische Lernkurven und einsetzende Massenproduktion dazu führen können, dass die Preise fallen.

    Das hat bei Windkraft oder Fotovoltaik gut funktioniert, genauso bei der Computertechnik. Warum nicht hier?

  14. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @pikarl Wer ist verantwortlich?

    "Warum nicht hier?" Warum also soll in der Energieszene nicht die gleiche Erfolgsgeschichte stattfinden wie bei der PC-Revolution? Anstatt wenige Grossrechner viele persönliche Computer, anstatt wenige Grosskraftwerke, viele Stromselbstversorger.

    Doch dass derjenige ein Stromselbstvesorger ist, der ein paar Solarpanels auf dem Dach hat, ist eine Illusion. Mindestens heute noch wo nicht nur die lockende Einspeisevergütung sondern auch das Fehlen von kostengünstigen Batterien eine wirkliche Selbstversorung mit Strom verunmöglicht. Und weil es keine rein dezentrale Stromversorgung geben kann, die zugleich funktioniert, stellt sich die Frage, wer denn ein Funktionieren der neuen Energieinfrastruktur verantwortet. Denn nur ein gut orchestriertes Zusammenspiel aller Komponenten, die ein Energiesystem bilden, führt zu einem funktionierenden System.
    Mit den Grosskraftwerken war die Frage der Verantwortlichkeit viel leichter beantwortet. Derjenige der ein Grosskraftwerk baute musste auch dafür sorgen, dass der Strom zur rechten Zeit bei den richtigen Kunden ankam. Diese Aufgabe muss im Zeichen der dezentralen Produktion wohl der Staat oder (delegiert) der Netzbetreiber übernehmen. Und der kann wenig vorausplanen sondern muss auf die Entwicklung reagieren. Dort wo sich viele Leute Solarpanels auf das Dach setzen oder entlang der Küsten, an der viele Windräder errichtet werden, gilt es neue Stromtrassen zu bauen. Ähnliches gilt für den Bau von Speichern. Zudem gibt es anders als beim Bau von Solarpanels und Windrädern wenig Anreize für den Bau von Leitungen und Speichern, denn für diese gibt es ja keine Einspeisevergütung.

    Man darf gespannt sein wie dieses Problem gelöst - oder auch nicht gelöst - wird.

  15. pikarl Antworten | Permalink

    Ich stimme voll und ganz zu:

    > Man darf gespannt sein wie dieses Problem
    > gelöst - oder auch nicht gelöst - wird.

    Denn lösen muss man noch so einige Probleme, die Sie skizziert haben. Ich glaube aber nicht daran, dass die bisherigen Spieler im Energiebereich eine tragfähige Lösung einer dezentralen Energieversorgung (vorausgesetzt sie wäre möglich) mitentwickeln *werden*. Denn das verstieße fundamental gegen ihre Interessen.

    Zu einer Lösung braucht es viel mehr kreative Energien und Politiker (bzw. Bürger), die wagen, sich dafür einzusetzen. Das EEG war für das Ziel, dem Ausbau der Erneuerbaren einen Schub zu geben, ideal (und wurde im Übrigen von den großen Konzernen belächelt oder bekämpft).

    Nun geht es um den nächsten Schritt: Wie lässt sich das Netz durch geschickte gesetzliche Vorgaben stabilisieren, wie das EEG entsprechend umbauen (http://www.klimaretter.info/...de-der-eeg-anarchie), wie auch der private Ausbau von Energiespeichern fördern? Denn hätten viele eine Batterie im Keller, wäre der Netzausbau tatsächlich obsolet.

    Solarworld denkt übrigens gerade darüber nach, im Erzgebirge Lithiumerze abzubauen:
    http://www.faz.net/...ge-nach-lithium-1609018.html

  16. torben hoffmeister Antworten | Permalink

    pikarl

    Pikarl: "Zu einer Lösung braucht es viel mehr kreative Energien und Politiker"
    Nein, es braucht Experten ! Visionäre technische Lösungen scheitern selten an Kreativität, sondern an den Rahmenbedingungen von Natur- und ökonomischen Gesetzen.
    Grundsätzlich machbar ist vieles heute, nur um welchen Preis ?
    http://www.bdew.de/...on-der-Grundlast-zum-Back-up
    http://www.kraftwerkstagung.de/...erksstruktur.pdf
    Und bitte jetzt nicht wieder die Mär, die Probleme-Aufzeiger oder Kritiker sind aus der Kraftwerksszene und stehen damit per se im Interessenkonflikt. Man kann natürlich auch Laien an die Problemlösung setzen, sollte dann aber auch zugleich festlegen, wer die Konsequenzen zu verantworten hat.
    Wenn Deutschland das als Alleingang macht, wird die Wettbewerbsfähigkeit übel leiden. Ein Vorgeschmack ist ja bereits gegeben worden mit der Produktion von Solarmodulen. China macht die Wertschöpfung und wir konsumieren und subventionieren das Ganze noch. Kein Wunder, dass Europa finanzpolitisch da steht wo es jetzt ist. EE und das EEG ist im Übrigen ein Erfolgsmodell für die, die daran Geld verdienen. Volkswirtschaftlich gesehen, ist es bestenfalls eine Umverteilung und muss seine Tauglichkeit bei einer Vision von 50 % Anteil erst noch beweisen.

  17. pikarl Antworten | Permalink

    Prognosen sind schwierig, besonders...

    > Nein, es braucht Experten ! Visionäre
    > technische Lösungen scheitern selten an
    > Kreativität, sondern an den Rahmenbedingungen
    > von Natur- und ökonomischen Gesetzen.

    Selbstverständlich braucht es die Experten, da wir nicht von heute auf morgen alle fossilen Kraftwerke abschalten werden und auch das Netz, wie wir es heute kennen, nur stückweise transformieren können. Da gibt es Leute bei der Bundesnetzagentur, die extreme Sorgen haben, dass die Netze in diesem Winter mit sieben AKW weniger am Netz stabil gehalten werden können. Und sie machen eine gute Arbeit und tun auch gut daran, ihre Expertenmeinung Politikern kundzutun.

    Und doch stelle ich mir die Frage, wie etwa ein Fusionsforscher behaupten kann, dass wir in unserem Energiemix 2060 definitiv noch große Grundlastkraftwerke brauchen werden (http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1125607). Herr Klinger könne sich nicht vorstellen, dass bis dahin eine intelligente Verbrauchssteuerung bzw. ausreichende Speicherung zur Verfügung stehen. - Wie kann jemand behaupten, die technologische Entwicklung von 50 Jahren vorhersehen zu können? Stellen wir uns die Welt vor 50 Jahren vor: Damals endete die Dampflokära, es gab keine wirklich stromproduzierenden AKWs, es gab nur halb so viele Menschen auf dem Planeten, deren Ergiebedarf bei einem Bruchteil des heutigen Werts lag.

    Diese Experten meine ich: Bei Herrn Klinger weiß ich zumindest, dass er in seiner Zukunftsvision Aktien hat. Dass er das Ziel seiner Forschung verteidigt, verstehe ich. Aber man muss sich schon gut angucken, wer da vorgibt, dass eine Vision nicht "Natur- und ökonomischen Gesetzen" gehorcht. Vor allem wenn von ungenannten "21 Energie-Experten" die Rede ist.

    Disclaimer: Es ist nicht meine Absicht, wieder einen Flamewar zur Grundlagenforschung im Allgemeinen und der Fusionsforschung im Besonderen anzuzetteln. Ich finde Grundlagenforschung wichtig, aber natürlich sollte man sie dann auch als Forscher als solche darstellen.

  18. pikarl Antworten | Permalink

    PS

    Öhm. Und natürlich haben auch die Befürworter von Solarenergie irgendwelche Aktien irgendwo und sind keine Gutmenschen.

    Mein Punkt war zu erklären, warum ich optimistisch bleibe, was den dezentralen Ausbau des Energiesystems angeht. Und dass es zumindest ebenso legitim ist 50 Jahren funktionierende Fusionskraftwerke zu sehen wie massentaugliche Speicherlösungen.

    Wahrscheinlich kommt am Ende sowieso alles ganz anders..

  19. torben hoffmeister Antworten | Permalink

    pikarl

    „Klinger könne sich nicht vorstellen, dass bis dahin eine intelligente Verbrauchssteuerung bzw. ausreichende Speicherung zur Verfügung stehen. - Wie kann jemand behaupten, die technologische Entwicklung von 50 Jahren vorhersehen zu können? Stellen wir uns die Welt vor 50 Jahren vor: Damals endete die Dampflokära, es gab keine wirklich stromproduzierenden AKWs, es gab nur halb so viele Menschen auf dem Planeten, deren Ergiebedarf bei einem Bruchteil des heutigen Werts lag…Und dass es zumindest ebenso legitim ist 50 Jahren funktionierende Fusionskraftwerke zu sehen wie massentaugliche Speicherlösungen.“
    Es ist schon ein Unterschied, ob ich wie im Fall der Kernfusion ungefähr weiß wie es funktionieren könnte oder wie im Fall EE bei der Speicherung auf ein Wunder der Zeit hoffe. Und 50 Jahre ist nicht viel Zeit.
    Eben: Vor 50 Jahren lag der Energiebedarf bei einem Bruchteil von heute. Um die mit dem heutigen Energiebedarf verbundenen Annehmlichkeiten und die hohe Lebenserwartung zu erhalten (wie war das doch gleich ? Der google-server benötigt allein die Energie einer Stadt wie Aachen) und auch in Zukunft zu sichern, bedarf es schon mehr als nur Visionen.
    Die intelligente Verbrauchssteuerung klingt sehr nach Sozialismus und Planwirtschaft. Das ist schon mal rein wirtschaftlich in die Hose gegangen.
    Deutschland ist gerade dabei alles zugunsten nur einer und noch dazu sehr teuren und zudem Umwelt-zerstörenden Option zu opfern (Windparks verbrauchen nicht nur Landschaft sondern z.B. auch tonnenweise die seltene Erde Neodymium, gewonnen durch Kochen von Erz in Säure). Und das kann im Fall des Scheiterns bedeuten, es gibt keinen Rückfahrtschein.

    Wie heißt das Zauberwort des Überlebens ? Diversifizierung und eben nicht Spezialisierung

  20. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @pikarl: Operation am offenen Herzen

    Bei ihrer Vision der im Aufbau begriffenen Energiezukunft "Mein Punkt war zu erklären, warum ich optimistisch bleibe, was den dezentralen Ausbau des Energiesystems angeht. ...Wahrscheinlich kommt am Ende sowieso alles ganz anders.." fühle ich mich an eine Operation am offenen Herzen erinnert, bei dem der Chirurg noch nicht weiss was er genau machen soll, wo er aber optimistisch ist, dass ihm schon etwas einfällt.

    Bis jetzt hat man die Energieinfrastruktur immer auf bewährte Technik gegründet und nicht Milliarden in etwas investiert das nur Sinn macht wenn vieles - wie die kostengünstige Speichertechnik - erst noch erfunden, bezugsweise gefunden wird.
    Ich bin mir nicht sicher ob die Bevölkerung an einem Experiment mit offenem Ausgang teilnehmen möchte. Andererseits verstehe ich diejenigen gut, die darauf brennen, einfach mal auf den Horizont zuzubrausen um sich überraschen zu lassen.

  21. pikarl Antworten | Permalink

    Nein, es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Klingers Vision und der intelligenten Verbrauchssteuerung. Für die ist nämlich schon heute die Technologie vorhanden: Immer mehr Geräte verstehen heute das IP-Protokoll und sind vernetzt. Viele sehr stromfressende Geräte ließen sich ohne den Verlust an Lebensqualität sofort an das verfügbare Stromangebot koppeln (Beispiele Waschmaschine, Trockner, Wärmepumpen). Und auch wenn man hier beliebig viel unken könnte (Datenschutz, Anfälligkeit gegenüber Terror etc.): Es ist mit *heute verfügbarer* Technik möglich.

    Und, btw: Soweit ich weiß, war Elektronik im Sozialismus unerschwinglich.

    > Deutschland ist gerade dabei alles zugunsten
    > nur einer und noch dazu sehr teuren und
    zudem Umwelt-zerstörenden Option zu opfern
    > (Windparks verbrauchen nicht nur Landschaft
    > sondern z.B. auch tonnenweise die seltene
    Erde Neodymium, gewonnen durch Kochen von
    > Erz in Säure). Und das kann im Fall des
    Scheiterns bedeuten, es gibt keinen
    > Rückfahrtschein.

    Wo bitte gibt es denn heutzutage noch Rückfahrscheine? Gab es die jemals? Und wohin wollen Sie zurück?

    Das fossile Zeitalter hat ein Haltbarkeitsdatum. Der Klimawandel ist real und unumkehrbar. Das Bevölkerungswachstum ist real. Der Rohstoffwettlauf ist real. Die globalen Gegensätze nehmen zu. Der Kampf um Ressourcen ebenso. Daran ändert der Status quo nichts, ebenso wenig wie die Fusionsenergie oder erneuerbare Energien.

    Aber wir müssen uns überlegen, welcher Weg der nachhaltigste ist. Natürlich wird keine industrialisierte Gesellschaft ohne Metalle auskommen. Aber die Erneuerbaren bieten die Möglichkeit, einen Stand zu erreichen, wo unser Ressourcenbedarf massiv abnehmen wird (nämlich dann, wenn wir nahezu 100% damit decken). An diesem Zeitpunkt wird auch das Metallrecycling massiv an Bedeutung gewinnen, weil der globale Bedarf danach sinkt. Insofern ist auch der Engpass bei seltenen Erden dann kein Problem mehr. (Es ist sowieso kein Problem, weil es weltweit Ressourcen gibt. Nur die Handelspolitik Chinas macht sie derzeit zum Mangelprodukt.)

    Das gleiche Fazit würde vielleicht ein Befürworter der Fusionsenergie auch ziehen. Dem halte ich aber entgegen, dass es hier einen gewissen Technologievorsprung gibt, der die Energiestrukturen (Netze usw.) für das 21. Jahrhundert bereits vorgibt.

  22. Armin Quentmeier Antworten | Permalink

    Kaum zu glauben...

    ...daß in der „Zeit“, diesem Leib- und Magenblatt linksliberaler Schwätzer, mal ein intelligenter und sachlicher Artikel erschienen ist. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben – und hier hat mal jemand ins Schwarze getroffen! Wer Atomkraftwerke nicht will, muß Kohle- und/oder Gaskraftwerke bauen. Punkt, aus! Die hochgelobten „erneuerbaren“ Energien Wind und Sonne liefern wertlosen Flacker- und Zufallsstrom mit bescheidenem Anteil an der gesamten Stromversorgung, der noch dazu mit aberwitzigen Milliardensubventionen erkauft worden ist. Und für jedes MW installierte Wind- und Solarstromkapazität muß exakt ein MW zuverlässige Stromerzeugungsleistung in Reserve bereitgehalten werden, also Kohle-, Kern- und Gaskraftwerke.
    Zur Erinnerung ein paar Zahlen zur deutschen Stromversorgung in 2010:
    Braunkohle 23,7%
    Kernenergie 22,4 %
    Steinkohle 18,7 %
    Erdgas 13,8 %
    Heizöl/Sonstiges: 5 %
    „Erneuerbare“ 16,5 %, davon:
    Wind 6,0 % (aus 21.000 Windrädern!!)
    Biomasse 4,6 %
    Wasserkraft 3,1 %
    Hausmüll 0,9 %
    Photovoltaik = „Sonnenstrom“ 1,9 %
    Konventionelle Energien: 83,5 % -Erneuerbare Energien: 16,5 %!

    Die installierte Windkraft-Leistung lag in 2010 bei 26.000 MW (aus ca. 21.000 Windrädern!), die der Solarenergie bei ca. 17.000 MW, die Kernkraft bei ca. 21.000 MW. Obwohl die installierte Windenergie-Leistung höher ist als die der Kernkraftwerke, erzeigen die Kernkraftwerke fast vier mal so viel Strom die 21.000 Windmühlen und fast 10 mal so viele wie die extrem subventionsfressende Solarstromerzeugung, deren installierte Leistung fast die der Kernenergie erreicht hat. Und wenn die Kernenergie nicht mehr zur Verfügung steht, müssen eben (s. oben!) Kohle- und Gaskraftwerke für eine gesicherte Stromversorgung bereitgestellt werden – und damit es genügend dieser Kraftwerke gibt, müssen zahlreiche neue Kohle- und Gaskraftwerke gebaut werden und zusätzlich alte Kohlekraftwerke weiterbetreiben werden So einfach ist das –auch wenn es vielen Traumtänzern nicht gefällt!

    PS. Der „Stromüberschuss, den Deutschland seit fünf Jahren kontinuierlich produziert (und der so hoch ist, dass sieben AKW von heute auf morgen problemlos abgeschaltet werden konnten)...“ ist gar nicht so groß. Der Stromexport aus Deutschland betrug in 2009 ca. 2,5 % und 2010 ca. 2,8% des gesamten deutschen Stromverbrauchs, ist also im Gesamtmaßstab eher gering und resultiert zumeist aus dem Export von Überschußstrom aus der Grundlastversorgung. Und der fehlende Strom aus den sieben abgeschalteten AKW wird ebenfalls durch Kohlekraftwerke ersetzt – durch längere Jahreslaufzeiten und Reaktivierung von alten Anlagen, die noch als Reservekapazität vorhanden waren.

  23. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    Kritischer Journalismus

    ...ist schön und gut und richtig. Aber wenn ich nicht in der Lage bin, ein seriöses Fazit zu ziehen, weil das Thema zu komplex ist, dann sollte ich es nicht so darstellen, als sei mir das gelungen. Im konkreten Fall also hätte man mit Fug und Recht aufzeigen können, wo die Schwierigkeiten liegen. Daraus zu folgern, die Energiewende sei illusorisch, ist jedoch das Gegenteil von gutem Journalismus, es ist Meinungsmache. So was, was auch Herr Quentmeier unter jedem Beitrag zum Thema versucht, indem er immer wieder ein Puzzleteil aus dem Gesamtbild herausgreift, dass zu seiner Lobby passt, anstatt das Gesamtbild zu betrachten - vor allem das Gesamtbild, das morgen möglich sein kann.

    Persönlich bin ich übrigens nicht überzeugt, dass die deutsche Energiewende durch den Atomausstieg notwendig später kommt. Um zu prognostizieren, dass ohne AKW der CO2-Ausstieg langsamer sinkt, muss man keine Umfragen machen. Aber da die Atomenergie auch den Ausbau der EE blockiert hat, gibt es m.E. schwer prognostizierbare Effekte auf Investitionsbereitschaft und Technologieförderung. Außerdem kann jetzt die Windenergie mehr ihrer theoretischen Leistung tatsächlich erzeugen, weil sie nicht dauernd wegen der AKW vom Netz muss. Mindestens einen Teil der Verzögerung werden diese Effekte abfangen. Und wenn es nach 2022 letztlich durch den Ausstieg schneller voran geht, dann ist das auch eine gewisse Verzögerung vor 2022 möglicherweise wert. Wie gesagt, es gibt viele Unwägbarkeiten, aber gewiss ist, dass es sich die Skeptiker zu einfach machen.

  24. Michael Khan Antworten | Permalink

    Meinungsmache

    Daraus zu folgern, die Energiewende sei illusorisch, ist jedoch das Gegenteil von gutem Journalismus, es ist Meinungsmache.

    Nur zur Erinnerung, für die, die den Artikel, um den es geht, gar nicht gelesen haben, aber trotzdem darüber herziehen: Dort stand, es sei illusorisch, zu glauben, dass die vorgeblichen Klimaschutzziele der Bundesregierung eingehalten würden. Warum das illusorisch ist, dafür gibt es belastbaren Begründungen, nälich die Anzahl der bereits begonnenen oder vorgesehenen Neubauten von Kohlekraftwerken. Es wäre wohl eher verbohrt, wolle man diese harten Tatsachen einfach ignorieren, bloß weil sie einem nicht passen.

    Das Verdrehen von Aussagen Anderer erfüllt übrigens den tatbestand der Meinungsmache. Ich kann ja verstehen, dass Ihnen Ihre überzeugungen ganz wichtig sind. Aber Sie können sie halt auch nicht mit Gewalt herbeibeschwören.

  25. Michael Khan Antworten | Permalink

    Billige Argumentation

    Wobei auch hier zu hinterfragen wäre, auf welcher Grundlage diese schwergewichtigen "Experten aus 21 Ländern" für diese Umfrage auf ihr Urteil kamen. Wenn das so eine 50-Seiten-Umfrage war, die ich regelmäßig von hilfesuchenden Psychologiestudenten zugeschickt bekomme (und die ich versuche in Rekordzeit durchzuklicken), glaube ich nicht an ein profundes Ergebnis.

    Mehr fällt Ihnen dazu nicht ein?

    Ich setze mal voraus, dass besagte Experten aufgrund ihres Wissens zu ihrer Einschätzung gekommen sind. Ich teile Ihre Ansicht, dass es wenig aussagekräftig gewesen wäre, hätte man Sie (oder auch mich) zu diesem Thema befragt, sehe aber keine Anhaltspunkte dafür, dass das so ist. Allerdings gehe ich davon aus, dass es durchaus Aussagekraft besitzt, wenn die Bundesnetzagentur die Stromversorger nach deren Plänen für den Kraftwerksneubau befragt.

    Dass Ihnen nichts Besseres einfällt, als - übrigens ohne konkretes Argument - die Qualifikation der Betreffenden anzuzweifeln (auch Herr Lohmann schlägt in dieselbe Kerbe), werte ich als starken Beleg dafür, dass Sie die Aussage des zitierten Artikels, dass nälich die Klimaschutzziele nicht erfüllt werden, im Grunde auch nicht widerlegen können, auch wenn Ihnen das offenbar nicht gefällt.

  26. pikarl Antworten | Permalink

    @HK

    Eigentlich möchte ich vor allem den Journalisten in dem von Ihnen eingebrachten Wirtschaftswoche-Artikel kritisieren, der nicht hinterherrecherchiert hat, wer genau diese 21 Experten waren, aber mit einer stark wertenden Aussage seinen Artikel beginnt:

    "Das geballte Urteil internationaler Fachleute ist eindeutig"

    Weiter unten wird klar, dass es um Aussagen von Experten des Weltenergierates geht, einer vor knapp 90 Jahren gegründeten Organisationen, die die gesamte Breitseite aller an Energie interessierten Gruppen beinhaltet:

    "Energieproduzenten, -verbraucher, -händler, Umweltschutzorganisationen, Forschungsorganisationen, Regierungsorgane"
    http://de.wikipedia.org/wiki/World_Energy_Council

    Wenn jetzt "die Mehrheit" solcher Experten zu einer Einschätzung kommt, würde mich schon interessieren, wie genau die befragte Gruppe zusammengesetzt ist. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass all diese Experten aufgrund ihres Wissens Einschätzungen abgeben.

    Oder, um mal bei der Lobby der Erneuerbaren zu zitieren:

    "Der Weltenergierat, der die Rolle eines Sachverständigenrates für dieses Weltenergiesystem spielt und in dieses integriert ist, hat dafür eine Mitverantwortung. Er hat jahrzehntelang daran mitgewirkt, die Möglichkeiten Erneuerbarer Energien zu ignorieren und herunterzuspielen. Er hat diese stets so bewertet, dass es die Interessen der fossilen und atomaren Energieanbieter nicht stört."
    http://www.eurosolar.de/...mp;id=320&Itemid=72

    Vor so einer Einschätzung finde ich es schon angebracht, kritische Fragen zu stellen und nicht blind einer nicht näher beschriebenen Expertengruppe zu vertrauen.

  27. Michael Khan Antworten | Permalink


    Eigentlich möchte ich vor allem den Journalisten in dem von Ihnen eingebrachten Wirtschaftswoche-Artikel kritisieren, der nicht hinterherrecherchiert hat, wer genau diese 21 Experten waren,

    Wenn Sie schon kritisieren, was ihnen ganz zweifellos zusteht, dann lesen Sie doch bitte wenigstens vorher den Text, den Sie kritisieren. Noch einmal: Der Artikel in der Wirtschaftswoche bezog sich auf eine Umfrage unter seinen Mitgliedern in 21 Ländern. Nicht um 21 ominöse Experten. Das steht, falls Sie es doch einmal lesen möchten, gleich im ersten Absatz. Der Fragebogen, mit dem diese Umfrage erfolgte, ist hier.

    Aber ich verstehe schon, es lohnt sich nicht, über irgendetwas nachzudenken, was der World Energy Council sagt, denn schließlich hat die von finanziellen Erwägungen vollkommen unbelastete Lobbygruppe Eurosolar, mitbegründet vom hochkarätigen Energiexperten (die bösen Zungen, die in ihm einen reinen Dampfplauderer sahen, hatten selbstverständlich Unrecht) und studierten Politikwissenschaftler Herrmann Scheer, über den WEC bereits den Stab gebrochen. Das war ganz gewiss eine vollkommen unparteiische Wertung und sieht bestimmt nur rein zufällig aus wie die übliche Strategie der Verteufelung all derer, die es wagen, die reine Lehre von Königsweg der EE durch ihr lästiges "Moment mal ..." anzuzweifeln.

    Sie haben vollkommen recht, wenn Sie sagen, dass man kritische Fragen stellen und nicht blind Expertengruppen vertrauen sollte. Das gilt dann aber generell. Es ist schon auffallend, wie sehr Artikel, die für die EE Postion ergreifen, reinen Leitartikel gleichen. Da fragt man sich schon, warum offenbar diese Art von Argumentation notwendig ist. Ich würde eine technische Argumentation vorziehen.

  28. pikarl Antworten | Permalink

    Technische Argumentation, @MK

    In der Tat, technische Argumente hätten uns von Anfang an diese Diskussion erspart. Leider liest sich der Artikel der WiWo wie eine Sonntagsumfrage zur nächsten Bundestagwahl. Denn ich kann leider nicht "über etwas nachdenken was der World Energy Council sagt", wenn ich nicht weiß, was die technischen Argumente der befragten Experten sind.

    Aber ich sehe ein, dass wir diese Diskussion nicht weiterbringen, wenn qualitative Aussagen der WiWo auf solche von Eurosolar prallen. Ohne Belege bzw. offen einsehbare Studien lohnt diese Diskussion nicht.

    Alles was ich wollte, war deshalb klar zu machen, dass wir keinem Experten trauen sollten, der seine Argumente nicht nachvollziehbar macht (und das ist das tolle an Wissenschaft: Das geht!).

  29. Armin Quentmeier Antworten | Permalink

    Harte Fakten, Herr Lohman!

    Jetzt haben Sie es mir aber gegeben: „Meinungsmache“, „Puzzleteil aus dem Gesamtbild herausgegriffen; „paßt zu meiner Lobby“.
    Wer sich über die Energieversorgung der Zukunft Gedanken machen möchte, sollte erst einmal die harten Fakten kennen: wie wird unser Strom erzeugt und welche Energieträger leisten welchen Beitrag. Ohne die Kenntnis dieser Fakten ist doch jede Diskussion sinnentleertes Geschwafel! Diese Fakten müssen im Mittelpunkt der Energiediskussion stehen, das sind nicht irgendwelche belanglosen „Puzzleteile“! Was hat die Darstellung dieser Fakten denn bitte mit „Meinungsmache“ zu tun? Das hätte ich gerne einmal erklärt!
    Meinungsmache ist doch wohl eher die völlig unkritische Verherrlichung der erneuerbaren Energien, weil die Kosten und der gewaltige Aufwand gerade für Wind- und Sonnenstrom in der öffentlichen Diskussion keine Rolle spielt und regelmäßig verschwiegen wird. Welche Zeitung, welcher Fernsehbericht zu den erneuerbaren Energien erwähnt denn z. B. daß man ca. 7000 Windmühlen mit 1 MW Leistung oder immer noch 800 offshore-Windmühlenmonster mit je 5 MW Leistung braucht, um die gleiche Strommenge wie ein Kernkraftwerk vom Typ Biblis, Brokdorf oder Grohnde pro Jahr zu erzeugen? Oder daß 5000 dieser Windmühlen notwendig sind, um die gleiche Strommenge wie das so vehement bekämpfte Kohlekraftwerk Datteln am Nordrand des Ruhrgebiets zu erzeugen? Und selbst wenn diese riesige Zahl von Windmühlen gebaut wird, muß trotzdem die entsprechende Leistung durch konventionelle Kraftwerke als Reserve bereitgehalten werden. Die Unterschlagung dieser Zahlen ist die wahre „Meinungsmache“, das ist pure Volksverdummung!
    PS. Ich vertrete keine „Lobby“ und ergreife auch nicht für eine solche Partei; ich wünsche mir aber, daß solche wichtigen Entscheidungen wie die über die zukünftige Energieversorgung auf der Basis von Zahlen, Daten und Fakten getroffen werden und nicht durch grün-alternatives Wunschdenken eine wichtige Basis unseres Wohlstandes gefährdet wird: eine sichere Energieversorgung.

  30. ama Antworten | Permalink

    Die Grünen überwintern im Kohlenkeller..

    Das Textfeld ist zu kurz!

    Die Grünen überwintern im Kohlenkeller mit kaltem Hintern?

    "Armin Quentmeier Kaum zu glauben...
    23.10.2011, 22:20
    [...]
    Wer Atomkraftwerke nicht will, muß Kohle- und/oder Gaskraftwerke bauen. Punkt, aus!"

    Quark!

    Kohle und Gas sind sehr wertvolle Rohstoffe, viel zu wertvoll, als daß man sie für Heiz- oder Stromkraftwerke verschwenden darf. Es sei denn, die Nachwelt ist einem schnurzpiepegal. Aber solche asozialen Existenzen gibt es ja leider auch auf diesem Planeten.

    Die Vorräte an Kohle und Öl sind begrenzt. Die Menschheit muß, so sie nicht, wie in dem berühmten Spruch über die Grünen, im Dunklen kalt dastehen will, SOWIESO neue Methoden der Energiegewinnung finden und bauen. Je schneller, desto besser.

    Und um das Essen sollte man sich auch kümmern, SCHNELLSTENS!!! Die Ozeane sind fast leer, und verseucht verseucht sind sie auch. Auf großen Flächen gibt es RIESIGE MENGEN Plastikabfälle, die zum Beispiel die Vögel töten. Wieviele Jahrzehnte wird es wohl dauern, diesen Unrat wieder zu beseitigen? Er verfault ja nicht, das Zeug hält nahezu ewig. Aber bis dahin ist die Natur längst daran gestorben.

  31. Physiker Antworten | Permalink

    Zum Netzausbau

    Der so dringend notwendige Netzausbau für die EE wird an der grünen Ideologie der "dezentralen Energieversorgung" scheitern. Denn jetzt plötzlich wird auch dem letzten Öko klar, dass das bisherige Stromnetz mit den Grosskraftwerken in praktisch unmittelbarer Nähe zu den Verbraucherballungszentren ja absolut dezentral war im Vergleich zu den mehreren 1000km langen Höchstleistungsleitungen die in Zukunft gebraucht werden um die Fluktuationen in einem europäischem Netz mit grossem EE-Anteil auszugleichen.
    Ich sehe da ein grosses Konfliktpotential. Ich glaube nämlich nicht, dass jemand, der 40 Jahre lang von "dezentraler Energieversorgung" gepredigt hat, plötzlich seine Meinung ändert.

  32. ama Antworten | Permalink

    "Physiker Zum Netzausbau
    09.11.2011, 16:24

    Ich glaube nämlich nicht, dass jemand, der 40 Jahre lang von "dezentraler Energieversorgung" gepredigt hat, plötzlich seine Meinung ändert."

    Warum sollte er denn auch? An der dezentralen Versorgung führt kein Weg vorbei. Was HIER im Moment als dezentral verkauft wird ("Ballungszentren") ist doch gar nicht dezentral! Es sind doch VIEL kleinere Flächen und Netzwerke, um die es geht: Flächen von mehreren Tausend Quadratmeter mit EIGENEN Versorgungsnetzen drauf. DAS ist die Zukunft.

  33. Physiker Antworten | Permalink

    q.e.d.

    @ama:
    Danke für die Bestätigung.
    Leider lassen sich die physikalischen Gesetze nicht durch Zukunftsvisionen beeindrucken. Sie sollten es aber trotzdem ihren progressiveren Kollegen so schwer wie möglich machen, indem Sie am besten auch gegen Offshore-Windparks Stellung beziehen. Denn immerhin stehen diese doch der Ideologie der "dezentralen Energieversorgung" komplett im Weg, genauso wie die riesigen Solarfarmen.

  34. ama Antworten | Permalink

    Schluß mit der Synchronisierung!

    "Physiker q.e.d.
    10.11.2011, 17:37

    Sie sollten es aber trotzdem ihren progressiveren Kollegen so schwer wie möglich machen, indem Sie am besten auch gegen Offshore-Windparks Stellung beziehen."

    Auf keinen Fall. Man muß so viele Möglichkeiten nutzen, wie man (sinnvoll) kriegen kann. Konverter auf See sind eine gute Idee. Es gibt leider noch nicht viele gute Konstruktionen. Außer Wind kann man auch den Tidenhub UND/ODER den Tidenstrom nutzen.

    Ich bin übrigens der Progressivere, weil ich die Auftrennung in verschiedene Stromerzeugungen und -nutzungen fordere. Für sowas sind die Grünen viel zu schwach elektrifiziert. :-)

  35. Physiker Antworten | Permalink

    widewidewitt

    @ama:
    ... und ich dachte immer "dezentral" hiesse verbrauchernah (sie Wikipedia-Definition). Hat jetzt neuerdings "dezentral" eine andere Bedeutung oder sind plötzlich alle Verfechter dieses Dogmas schizophren geworden?
    Also nochmal: Windparks (off- und on-shore), Solarfarmen und Hochenthalpie-Geothermie sind nicht verbrauchernah und damit per Definition nicht dezentral.

  36. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    MPI: Atomausstieg erhöht CO2-Emissionen

    Nicht der Artikel der Zeit, der sich in Die Illusion zerplatzt sehr gründlich mit der Materie auseinandersetzt, sondern dieser Beitrag von Björn Lohmann ist letztlich eine Farce.

    Der Atomausstieg erhöht über die Kompensation durch neue fossile Kraftwerke vorübergehend den CO2-Ausstoss Deutschlands. Daran kann es kaum Zweifel geben, wie in Die Energiewende 2011 in Deutschland: Ein Vademecum für die Diskussion? der Max-Planck-Forschungsbibliothek festgehalten ist. Ich empfehle diesen Artikel des MPI jedem, der sich für die Energiewende im speziellen und für die Transformation zu einem von Erneuerbaren Energien dominierten Energiesystem im allgemeinen interessiert und der sich nicht mit Progaganda von der einen oder anderen Seite begnügen will sondern eine Sicht auf das Ganze und Grundsätzliche sucht.

    Die Hauptaussage dieses Artikels in Bezug auf den Atomausstieg lässt sich so zusammenfassen:
    - Der vollständige Atomausstieg innerhalb von 10 Jahren ist technisch möglich. Vorübergehend werden sich die CO2-Emissionen Deutschlands jedoch als Folge davon deutlich erhöhen.
    - Die vollständige Dekarbonisierung Deutschlands wird sich über bis zu 100 Jahre hinziehen. Ein vorübergehender Anstieg der CO2-Emissionen ist so gesehen vertretbar, wenn sich an der Zielrichtung nichts ändert
    - Die Speichertechnologien, die ein von EE-Energien dominiertes System benötigt sind heute noch nicht genügend entwickelt und nicht auf die notwenigen Grössenordnungen skalierbar.

    Wie kommt dieser Artikel zum Schluss, dass die CO2-Emissionen in D durch den Atomausstieg vorübergehend ansteigen?
    Ganz einfach. Der Autor vergleicht die geplanten Installationskapazitäten für Wind- und Sonnenenergie mit dem prognostizierten Energiebedarf und bemerkt zur Option Energieeinsparungen folgendes:
    Die Hypothese, dies durch Energiesparen zu kompensieren, ist ohne sehr konkrete Vorschläge dazu nicht stichhaltig. Dies muss besonders unter der Maßgabe gesehen werden, dass man an den Plänen des Energiekonzepts von 2010 festhalten will, die ohnehin enorme Einsparlasten in Bezug auf alle Verwendungsformen fossiler Energie vorsehen.
    Zur Option mehr Wind-und Sonnenenergieanlagen zu bauen um die Stromlücke zu schliessen schreibt er:
    Die Geschwindigkeit des nötigen Zubaus scheint allerdings nur schwer darstellbar zu sein, wenn man dies innerhalb eines Jahrzehnts fordert. In jedem Fall ist die Erhöhung der heimischen Installationen für die Bereitstellung von Primärelektrizität sinnvoll und nützlich, da sie tendenziell unseren Konsum an fossilen Energieträgern reduzieren hilft.
    Zu den Problemen der Erneuerbaren liest man: Ein gravierendes Problem des massiven Einsatzes regenerativer Energien ist die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit. .... Wir benötigen daher zusätzlich zu den aufgeführten Maßnahmen eine Reihe von Speicherstrategien, die Strom in unterschiedlichen Mengen für unterschiedliche Zeiten speichern, um Verbrauchsschwankungen im Zeitbereich von Stunden bis Monaten ausgleichen zu können. Eine derartige Palette von Speichern steht uns heute nicht zur Verfügung, zumindest nicht als einsetzbare Technologien.

    Der Autor des obigen Artikels befürwortet übrigens einen Totalumbau des deutschen Energiesystems hin zur Dominanz durch erneuerbare Enrgien. Er sieht nur den Zeitraum, in dem das realisiert werden kann eher in Zeiteinheiten von Jahrzehnten als in Zeiteinheiten von Jahren wie das ein voll durch EE kompensierter Atomausstieg nötig machen würde.

    Wenn man den Autoren von Die Illusion zerplatzt einen Vorwurf machen kann, dann höchstens den, das sie vielleicht das Kind mit dem Bad ausschütten. Nur weil D wegen dem Atomausstieg vorübergehend mehr CO2 ausstösst muss dies am grundsätzlich eingeschlagenen Pfad hin zu sehr viel mehr EE nichts ändern. Vor allem wenn man berücksichtigt, dass der Atomausstieg ohnehin beschlossene Sache war und nur sein Zeitpunkt vorverlegt wurde.

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