Vorbereitung auf den Castor

4. November 2010 von Björn Lohmann in Energie

Am Wochenende rollen wieder Atommülltransporte durch die Republik. Aufgrund der Politik der Bundesregierung dürfte nicht nur die Demo im Vorfeld am Samstag dem Wendland einen neuen Protestrekord bescheren. Auch der zivile Widerstand am Sonntag könnte umfangreicher ausfallen als in den Vorjahren. Damit die Konfrontation trotzdem gewaltfrei abläuft, hat x-tausendmal quer Trainings für Demonstranten abgehalten. Weil ich diesen Ansatz gut und wichtig finde, möchte ich auf das nachfolgende Video hinweisen, das dazu einige Tipps enthält.

Noch präziser bringt es die Blockadefibel (PDF) auf den Punkt.

Und weil ich es ganz nett finde, gibt es zum Schluss noch ein Mobilisierungsvideo:

Bleibt zu hoffen, dass der von Schwarz-Gelb eskalierte Atomkonflikt nicht dazu führt, dass es am Wochenende Schwerverletzte gibt.


45 Kommentare zu “Vorbereitung auf den Castor”

  1. Torben Hoffmeister Antworten | Permalink

    Bleibt zu hoffen, dass der von Schwarz-Gelb eskalierte Atomkonflikt nicht dazu führt, dass es am Wochenende Schwerverletzte gibt.

    Was soll das ? Wer eskaliert hier ? Schwarz-Gelb hat das eindeutig vor der Wahl so als Programm herausgegeben - was für eine politische Partei selten genug ist, eher macht sie danach das Gegenteil - und wurden mehrheitlich (auch) dafür gewählt. Wenn es einige gibt, die sich aus jeglichen Protestformen einen Sport gemacht haben, sind die Konsequenzen ihr Problem ! Warum geht es nicht nach Finnland zum neuen AKW-Bau ? Vielleicht weil es da die Rücksichtnahme einer deutschen Polizei nicht gibt ?

    Gruß
    Torben Hoffmeister

  2. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    @Hoffmeister: Wahlprogramm

    Die Regierung wurde nicht wegen, sondern trotz ihrer Atompläne gewählt, das zeigen alle Umfragen, die dazu in letzter Zeit veröffentlicht wurden. Zwei Drittel der Bevölkerung sind gegen die Atomkraft, und ein Großteil des verbleibenden Drittels akzeptiert sie nur aus Klimaschutzgründen - was ein geschickt von den Energiekonzernen gestreutes Falschargument ist; jene Konzerne, die den Ausstieg mit einer früheren Regierung vertraglich vereinbart hatten.

  3. Stefan Taube Antworten | Permalink

    Schon kurios...

    wie hier eine wissenschaftliche Blogplattform zur Hetze genutzt wird. Wenn es Schwerverletzte gibt, dann doch nur, weil Leser dem Aufruf von Herrn Lohmann folge leisten.
    Ich finde der Autor und seine Gesinnungsgenossen sollten mal etwas mehr Respekt vor dem Wähler haben.

    Ich finde diese grüne Protestunkultur extrem antidemokratisch. Wo kommen wir denn hin, wenn wir jetzt Politik nach irgendwelchen Umfrageergebnissen machen würden? Gehören dazu dann auch die Umfrageergebnisse die dem Autor nicht ins Konzept passen?

  4. Torben Hoffmeister Antworten | Permalink

    Castorproteste und anderes

    Ich habe mir mal die übrigen Beiträge von öko-logisch angesehen und da war doch tatsächlich diese unselige Meldung von greenpeace zur Pestizidbelastung von Johannisbeeren in Juni des Jahres mit dabei, den - ungewöhnlich schnell und ungewöhnlich deutlich für Behörden - BVL und BfR verrissen haben. Da bekannt ist, dass es greenpeace mit der Wissenschaft nicht so genau nimmt, ist eine Abbildung dieser Meldung eines Wissenschaftsblogs unwürdig.
    Aber es reiht sich ein in die übrigen Beiträge. Unabhängigkeit und vor allem wissenschaftlicher Anspruch sind da nicht zu entdecken, wohl aber jede Menge Populismus und Propaganda.

    Gruß
    Torben Hoffmeister

  5. Thiede Antworten | Permalink

    von Schwarz-Gelb eskalierte Atomkonflikt

    Vor der Wahl angekündigt und dennoch gewählt worden. So ist das in einer Demokratie eben.
    Nach der nächsten Wahl kann sich das Blatt ja wieder wenden.

    Auch die Kritik an der umgehung des Bundesrates kann ich nicht ganz nachvollziehen, wenn der Ausstieg ohne Bundesrat beschlossen werden konnte, dann doch wohl auch der austieg aus dem ausstieg?

    Kernenergie ist zwar nicht optimal, aber mir immer noch lieber als Kohlekraftwerke.

  6. Stefan Taube Antworten | Permalink

    @Thiede

    "Kernenergie ist zwar nicht optimal, aber mir immer noch lieber als Kohlekraftwerke."

    Ich persönlich habe gar keine feste Meinung zu diesem sehr komplexen Thema, ich maße mir das nicht an. Was mich an Leuten wie den Blogautor stört ist diese gefestigte Besserwisserei. Mich stören einfach Leute, die so dermaßen überzeugt sind zu wissen, wie man Energie produziert, Bahnhöfe baut und Kinder erzieht, dass sie es für legitim halten beschlüsse gewählter Parlamente zu ignorieren und Straftaten zu begehen oder dazu aufzurufen. Ich halte das für eine Form von Größenwahn oder für eine nihilistische Kränkung.

  7. Martin Ballaschk Antworten | Permalink

    @Torben Hoffmeister
    Ach, kommen Sie. Jeder greift mal ins Klo und immerhin hat Herr Lohmann seine Aussagen in den Kommentaren zum Johannisbeer-Artikel relativiert. Als Blogger muss man nicht den Anspruch haben, vollständig neutral zu berichten – Wissenschaft hin oder her. Für Polemiken muss auch Platz sein, und wenn man ein rein polemisches Blog betreibt, warum nicht? Das sorgt immerhin für eine lebhafte Diskussion.

    @alle
    Was ist denn überhaupt der Sinn einer Blockade eines Atommüllttransports? Ich meine, durch diese Art von „Aktionen“ soll wohl so etwas wie ein Zeichen gesetzt werden, aber ist es im Endeffekt nicht eher kontraproduktiv? Ich meine, durch die Verzögerung und Behinderung des Transports steigt doch auch eine Gefahr für den Transport und somit ein Risiko, dass radioaktives Material freigesetzt wird?

    Also: Machen solche Blockaden den Transport unsicherer?

  8. Carolin Liefke Antworten | Permalink

    Atomkraft - ja bitte!

    Sicherheit ist ein Nebenaspekt - die Demonstranten können dem Behälter so schnell nichts anhaben und ihn auch nicht aufhalten. Aber der Transport wird teurer, und das natürlich auf Kosten des Steuerzahlers. Aber genau das ist ja der Grund des Protestes. Und weil es sich in den Medien hübsch macht, wenn die bösen Polizisten in dicker Schutzkleidung mit dem Bolzenschneider kommen und die Leute wegtragen.

    Die beste Variante wäre daher, das Teil klammheimlich ein paar Tage vorher in einem klapprigen alten Laster zu verstecken und zu seinem Bestimmungsort zu bringen und den Demonstranten eine lange Nase zu drehen. Auf diese Idee kommt nur leider niemand.

    Noch besser wärs, wenn die Medien dem Theater geschlossen die kalte Schulter zeigen würden und die Leute da alleine in der Pampa bei Novemberwetter frieren lassen würden.

  9. Maulwurf Antworten | Permalink

    viel Betreff

    @Martin Ballaschk
    Deine Kritik an der Aussage von Torben Hoffmeister kann ich nicht ganz verstehen. Niemand verlangt von einem Wissenschaftsblogger vollständig neutral zu berichten. Doch nachdem ich den betreffenden Artikel von Herr Lohmann nochmals durchgelesen habe, konnte ich keine Richtigstellung bzw. Relativierung im Blogeintrag feststellen (und nicht jeder hat die Lust alle Kommentare durchzulesen). Desweitern ist Herr Lohmann nach eigener Aussage ein Wissenschaftsjournalist. Da stelle ich mir schon die Frage, ob für diese andere Regeln gelten als für Wissenschaftler. Denn wenn eine Theorie bzw. Aussage nicht korrekt ist, dann erwartet man von den Wissenschaftlern das diese die alte Theorie überarbeiten oder für ungültig erklärt wird. Gilt dies etwa nicht für einen Wissenschaftsjournalisten? (Ganz abgesehen davon, dass nach meiner Meinung alle Beiträge von Herr Lohmann Greenpeace-Blog Niveau haben)
    Zu deiner zweiten Frage.
    Die Castoren sind verdammt stabil gebaut:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Castor_(Kerntechnik)
    Wenn die Greenpeace-Kobolde nicht gerade mit Sprengstoff etc. den Transport angreifen passiert bzgl. Castor nichts.
    Der Sinn solcher Aktionen ist leicht ersichtlich. Gr€€npeace & Co braucht $penden. Die Castoren werden eh ins (End)-Lager geliefert, das wissen auch alle. Doch die Demos sind günstige Propaganda für neue Spenden auf kosten des Steuerzahler.
    @Björn Lohmann
    Als Wissenschaftsjounalist sollte man schon wissen das Umfragen nicht repräsentativ sind. Vorallem dann nicht wenn die Menschen durch z.B. auch ihre Texte desinformiert werden. Über wissenschaftliche Erkenntnisse wird auch nicht demokratisch abgestimmt. Anstelle zum Aufruf von Straftaten könnten sie doch mal einen fairen Bericht über die Energieerzeugung und den Verbrauch der Zukunft schreiben. Am besten orientieren sie sich an einem Kommentar von Erna Müller:
    BNN 08.10.2010
    Energieziele verfehlt
    Die selbst ernannte Umwelthauptstadt Freiburg, die sich weltweit an “Green City” vermarktet, ist gar nicht so grün, wie sie selbst gern sein möchte. Beim Stromverbrauch und dem Ausbau der erneuerbaren Energien blieb sie hinter den gesteckten Zielen zurück….
    Basis war ein Konzept des renomierten Freiburger Öko-Instituts. Freiburg wollte zehn Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen und den Stromverbrauch ebenfalls um zehn Prozent (Anm.: Von 1992-2010) senken. Statt zehn werden es nur 3,7 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt; und der Verbrauch ist nicht gesunken, sondern um drei Prozent gestiegen.

    (Aus http://blog.greenpeace.de/...-x-100-2050/#comments)

  10. Markus A. Dahlem Antworten | Permalink

    Meinungsäußerungen

    Wie andere vor mir angemerkt haben, hat sich Björn Lohmann auf seiner "zur Person"-Seite als freier Wissenschaftsjournalist ausgegeben und dies hier ist sein Blog. In einem Wissenschaftsblog, den ein Wissenschaftsjournalist betreibt, halte ich Kommentare als Beiträge, also die Äußerung der persönlichen Meinung, für erlaubt.

    Wenn ich dieses Satz lese, ist für mich die persönliche Meinung gut gekennzeichnet:

    "Weil ich diesen Ansatz gut und wichtig finde, möchte ich auf das nachfolgende Video hinweisen, ..."

    Wieweit mit solchen Meinungsäußerungen und Aufrufen den SciLogs ein Gefallen getan wird, ist aber fraglich. Dieser Beitrag hat offensichtlich seine Leser verstört. Insofern hätte der Autor vielleicht noch klarer dies als einen Kommentar kennzeichnen können.

  11. Carolin Liefke Antworten | Permalink

    Re: Meinungsäußerungen

    Ein Blog ist keine Zeitung, auf deren Titelseite sowas wie "überparteilich, unabhängig" prangt (und die es dennoch häufig nicht sind). Blogs sind naturgemäß persönlich geprägt, egal ob nun Wissenschaftsblog oder nicht. Insofern finde ich es völlig legitim, wenn Björn als Kernenergie-Gegner (nicht Atomkraft...) auftritt, so wie ich an seiner Stelle als Befürworter auftreten würde.

    Ob und wie sehr "politisch gefärbt" man seine Beiträge verfaßt, wird die Leserschaft eines Blogs schnell merken - und entweder mit dem Blogger diskutieren oder sich aus der Runde verabschieden. Welchen Weg man da wählt, hängt an jedem Einzelnen und natürlich auch vom Stil des Bloggers ab.

    Wie sich ein Blog wiederum in ein Portal wie die Scilogs einfügt, sei mal dahingestellt. Ein gewisses Maß an Seriösität gehört aber immer dazu.

    Gegen das Endlagern von Atommüll demonstrieren oder sich in einem Blog öffentlich gegen Kernenergie aussprechen darf jeder, wir sind in einem freien Land. Aufrufe zu Straftaten stehen dagegen auf einem anderen Blatt. Die beginnen für mich in diesem Fall übrigens nicht erst bei gewalttätigen Ausschreitungen, sondern schon bei Sachbeschädigung, wenn Demonstranten die Gleise aufreißen oder dergleichen.

  12. Martin Huhn Antworten | Permalink

    @ Dahlem @Liefke

    Ich kann Euch beiden da nur zustimmen. Selbstverständlich ist ein Blog persönlich und dementsprechend mit der persönlichen Meinung des Bloggers gefärbt. Ich dachte bislang, das wäre auch jedem Leser klar, wenn er einen Blog durchliest. Und ich halte es in einer Demokratie durchaus zumutbar, wenn jemand seine Meinung äußert. Ich stimme auch nicht mit allen hier überein, was die Blogger schreiben. Und ich akzeptiere gewisse Meinungen nicht, aber ich toleriere sie. Aber eigentlich sind das Selbstverständlichkeiten.

    Aufruf zu Straftaten, Beleidigungen etc. wären hier natürlich nicht hinnehmbar. Oder auch wenn ein Blogger bewußt Lügen verbreiten würde, da müßte drüber zu reden sein. Ich persönlich bin aber ganz zufrieden wie das hier auf den SciLogs mit den Äußerungen der Blogger läuft. Manch einer übertreibt mal oder "verrennt" sich und dann gibt es entsprechende Kommentare zur Orientierungshilfe, ;-) die meist auch angenommen wird.

    Ein bißchen Gelassenheit schadet bei der Meinungsäußerung nie.

  13. Weber Online Antworten | Permalink

    Schwarz Gelb

    Ich habe diese Frage im internet gelesen auf der Tagesschau seite.
    Mich interessiert diese Frage auch sehr.

    Was mich interessieren würde:

    Werden bei solchen Umfragen auch der Anteil an Nichtwähler erfasst?

    Und warum fasst man alle restlichen Parteien unter "Sonsitge" zusammen?
    Meiner Meinung nach sollten Partein ab einem Prozentpunkt zumindest namentlich erwähnt werden...

    Sie können mich auch per E-Mail kontaktieren.

  14. Elmar Diederichs Antworten | Permalink

    @all: sehr bedenktlich

    Ich frage mich, ob die Kombattanten hier genau lesen:

    Wenn ich das richtig sehe, dann hat sich Björn - wenn überhaupt für etwas - dann dafür eingesetzt, daß die politische Konfrontation mit dem Staat durch eine seiner Exekutiven, die Polizei, möglichst gewaltfrei abläuft. Das ist keine Äußerung, der man einen Ort innerhalb eines politischen Spekrums zuweisen kann.

    Ich kann bei keinem Beitrag hier erkennen, daß das erkannt wurde.

    Im Einzelnen möchte ich folgendes sagen:

    Stefan Taube: Da es sich um einen Spektrummitarbeiter handelt, gibt es eine arbeitsrechtliche Pflicht des Mitarbeiters, sich nicht geschäftsschädigend zu verhalten. Das war nicht der Fall: Stefan Taube hat in fahrlässig vorsätzlicher Weise eine Proäußerung zur Gewaltlosigkeit als anti-demokratisch verunglimpft und setzt offenbar darauf, daß seine Stellung als Spektrummitarbeiter, dieser Verunglimpfung zusätzliches Gewicht verleiht

    Was man angesichts der demokratischen Grundidee politisch davon halten mag, daß ökonomische und politische Macht getrennt sein müssen, mag dahingestellt bleiben. Tatsache ist, daß sein Verhalten als Mitarbeiter der blog-Kultur schädlich ist.

    Ich fordere Spektrum daher auf, diesem Mitarbeiter zum Schweigen zu bringen oder sich von ihm zu trennen.

    Zur Frage der Unparteilichkeit stehe ich auf folgendem Standpunkt: Daß blogs gut recheriert sein müssen, ist selbstverständlich. Daß sie persönlich sind auch. Sie sollen eine bestimmte Sichtweise wiedergeben, ein ganz persönliches Licht auf eine Sache werfen, damit die Leser und Kommentatoren u.a. mit Hilfe der bereitgestellten Informationen diskutieren und wirklich eine Sache durchdringen können. Vor Gericht z.B. wird dies seit langem und mit gutem Grund praktiziert.

    Es ist auch nicht - im Gegensatz zu bezahlten Mitarbeitern - Aufgabe der unabhängiger Blogger, SciLogs einen Gefallen zu tun. Daß Beiträge verstören, ist sinnvoll und in einer auf kontinuierliche Erneuerung des gesellschaftlichen Konsens angewiesenen Gesellschaft unentbehrlich: Man muß polarisieren, damit die gelebten Kompromisse nicht nur befolgt, sondern auch bejaht werden.
    Insofern halte ich den Standpunkt von Markus Dahlem für völlig falsch.

  15. Martin Ballaschk Antworten | Permalink

    @Maulwurf

    Ich stimme da Carolin, Markus und Martin Huhn zu – bei einem Blog muss man mit Meinungen rechnen, die einem gefallen können, oder nicht. Ich selber habe ja auch so meine Probleme mit Björn Lohmanns Meinungen, aber darüber kann man sich ja immerhin streiten. Beschimpfungen bringen auf jeden Fall nichts.

    @Elmar Diederichs

    Kombattanten? Ernsthaft? Sie fordern die Entlassung eines Kommentators, weil sie seine Position nicht mögen? Ernsthaft?

    Stefan Taube hat in fahrlässig vorsätzlicher Weise eine Proäußerung zur Gewaltlosigkeit als anti-demokratisch verunglimpft und setzt offenbar darauf, daß seine Stellung als Spektrummitarbeiter, dieser Verunglimpfung zusätzliches Gewicht verleiht

    Ist das Satire? Weder hat Stefan Taube hervorgehoben, bei Spektrum angestellt zu sein, noch hat er den Aufruf nach Gewaltlosigkeit in Frage gestellt. ich weiß nicht, was für ein Problem sie eigentlich haben ... ernsthaft.

  16. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    Einige Antworten

    Viele emotionale Reaktionen, da will ich erst einmal zu meiner Arbeit Stellung nehmen: Die meisten Autoren der Scilogs, die selbst Wissenschaftler sind, schreiben über ihre Arbeit. Ich schreibe bedingt durch meinen Hintergrund über die Arbeit anderer, und - wie die Leserzahlen der einzelnen Beiträge zeigen - es sind vor allem die ökologischen Themen mit politischem Bezug, die meine Leser interessieren. Sobald man aber in einem politischen Kontext Stellung bezieht, entstehen Zweifel an der Objektivität, selbst dort, wo die Thesen wissenschaftlich belegt sind. Und es stimmt sicherlich, dass ich es - anders als bei meiner Arbeit für "normale" Medien - nicht immer auf Neutralität anlege.

    Wissenschaftlich belegt (seitens der Elektrotechnik wie seitens der Wirtschaft) ist, dass längere Atomlaufzeiten die Entwicklung der Erneuerbaren Energien ausbremsen (Stichwort Netzblockade). Politisch wie volkswirtschaftlich sind aber die EE interessanter als Atomkraftwerke, selbst wenn man Sicherheit der Kraftwerke und Endlagerung ausblendet. Dazu gibt es seriöse Studien und sogar Aussagen von Mitarbeitern der Netz-Steuerzentralen, das ist kein Greenpeace-Lobbyismus. Ich verstehe, wenn jemand wie Carolin Liefke oder Michael Khan sich für die Atomkraft ausspricht. Aus wissenschaftlicher Sicht hat sie sicher Potenzial und man mag das Risiko eines Super-GAUs nüchterner beurteilen. Aber energie-, geo- und wirtschaftspolitisch spricht einfach zu viel gegen die Atomenergie.

    Und nun konkret zu diesem Eintrag hier: Weil die Scilogs den Rahmen dieses Blogs bilden, habe ich ganz bewusst nicht zu einer Teilnahme an illegalen Aktionen aufgerufen, nicht einmal zum zivilen Ungehorsam. Ich habe persönliche Erfahrungen mit konfrontativen Demos und weiß daher, dass die absolut friedlich und problemlos ablaufen und aufgelöst werden, wenn auf beiden Seiten "Profis" aktiv sind, dass sie aber auch ruckzuck eskalieren, wenn sich eine Seite unprofessionell verhält. Aufgrund der Regierungspolitik rechne ich damit, dass nicht nur die alljährlichen "Standardgäste" sich dem Castor entgegenstellen, und deshalb möchte ich dazu beitragen, dass sich möglichst viele Demonstranten professionell verhalten und Schaden vermieden wird. Und unter den Lesern eines Ökoblogs vermute ich eben auch so manchen Atomkraftgegner. ;-)

    Ein Wort noch zum "undemokratischen" Protest: Werter Maulwurf, repräsentative Umfragen heißen so, weil sie repräsentativ sind. Die Zweidrittelmehrheit der Deutschen lehnt Atomenergie bedingungslos ab. Und wenn Sie mal nachrechnen, wie viele Menschen unsere Bundesregierung gewählt haben, dann kommen Sie bei rund einem Viertel der Bevölkerung an. Davon hat ein ganzer Teil - wie schon geschrieben - die Atompläne in Kauf genommen, nicht gutgeheißen. Und was die Frage betrifft, weshalb der Atomausstieg nicht durch den Bundesrat musste: Weil er nicht zu Lasten der Länder ging. Eine Laufzeitverlängerung hingegen bedeutet u.a., dass die Länder länger eine Atomaufsicht finanzieren müssen.

    Vielleicht doch noch ein Satz an Stefan Taube zu Gewissheit und Größenwahn: Wenn ich zu kontroversen Themen Stellung beziehe, schaue ich mir gut an, welche Studien es zu einem Thema gibt. Wenn die einzigen Studien, die zu einer abweichenden Meinung kommen, jene sind, die von denen in Auftrag gegeben wurden, die als einzige von einer abweichenden Meinung profitieren, entscheide ich mich im Zweifel für die unabhängige Studie. Aus dem gleichen Prinzip vertrete ich die Evolution anstelle des Kreationismus, halte Rauchen für ungesund und würde Krebs nicht homöopathisch behandeln lassen.

  17. buch leser Antworten | Permalink

    Castor

    Der Castor rollt wieder. Er ist kurz nach seinem Start in Frankreich von Atomkraftgegnern aufgehalten worden. In der Nähe von Caen in der Normandie hätten sich vier Atomkraftgegner an die Gleise gekettet, sagte ein Polizeisprecher. Insgesamt seien rund 30 Aktivisten an der Aktion beteiligt.
    Das wird wieder ein sehr teurer Transport. Ich frage mich nur, wer zahlt diesen. Die AKW Betreiber oder wieder der Steuerzahler?

  18. Elmar Diederichs Antworten | Permalink

    @Martin Ballaschk: keine Satire

    "Kombattanten? Ernsthaft? Sie fordern die Entlassung eines Kommentators, weil sie seine Position nicht mögen? Ernsthaft?"

    Danke, daß Sie mir Gelegenheit geben, das Wesentliche meines Kommentars noch einmal herauszustreichen: Wenn Sie meinen Kommentar aufmerksam lesen, dann werden Sie sicher bemerken, daß die politischen Ansichten von Herrn Taube gar nicht Gegenstand meines Kommentars ist, sondern die Verletzung von arbeitsrechtlichen Verpflichtungen. Wie das abgestellt wird, ist mir - auch das sage ich in meinem Kommentar - im Grunde egal. Entlassung ist - wie üblich - die ultima ratio.

    >ernsthaft.
    Dann bekommen Sie natürlich auch eine ernsthafte Antwort - das ist doch selbstverständlich.

    "Weder hat Stefan Taube hervorgehoben, bei Spektrum angestellt zu sein,"

    Doch. Sein Name ist mit "science-shop.de" verlinkt. Das genügt, um den Anschein zu erwecken, im Namen von Spektrum zu schreiben. Und das geht nicht. Täte Herr Taube das ohne link - sozusagen privat - würde ich kein Problem sehen.

    "noch hat er den Aufruf nach Gewaltlosigkeit in Frage gestellt."

    Doch. Er bezeichnet sie als "Hetze" und fügt hinzu "Wenn es Schwerverletzte gibt, dann doch nur, weil Leser dem Aufruf von Herrn Lohmann folge leisten.". In einer politischen Auseinandersetzung - die ich hier nicht führe - würde ich sehr viel drastischer auf solche wirren Entgleisungen reagieren. Hier bei SciLogs kommt es darauf an, daß blogger nicht gegängelt und unter Druck gesetzt werden.

    Doch genau das sind die Folge von Kommentaren, wie sie Herr Taube in die Welt setzt.

    "ich weiß nicht, was für ein Problem sie eigentlich haben ... "

    Ich hoffe, meine Position ist nun verständlicher.

  19. Richard Zinken Antworten | Permalink

    @elmar

    Hallo Elmar

    ich denke, wir sollten alle mal wieder auf den Teppich kommen. Stefan Taube hat hier eine erkennbar persönliche Äußerung geschrieben, egal, worauf sein Name verlinkt. Punktum.

    Mit besten Grüßen,

    Richard (Zinken)
    Verlagsleiter Spektrum der Wissenschaft

  20. Elmar Diederichs Antworten | Permalink

    @Richard Zinken

    "ich denke, wir sollten alle mal wieder auf den Teppich kommen. Stefan Taube hat hier eine erkennbar persönliche Äußerung geschrieben, egal, worauf sein Name verlinkt. Punktum."

    Ich halte deinen Standpunkt - aus den genannten Gründen - für falsch und einen Kommentar mit "Punktum" zu beenden für autoritär und unhöflich.

    Welche Eskaltion wird hier von dir gewünscht?

  21. Martin Ballaschk Antworten | Permalink

    @ Elmar Diederichs

    Mir fällt es jetzt wirklich leichter, Ihre Position nachzuvollziehen. Danke für die Klarstellung.

    Trotzdem finde ich, dass Sie ihm ein wenig zu viel unterstellen, wir haben keinen Grund, davon auszugehen, dass er bewusst mit schlechten Absichten gehandelt hat.

    Ich habe den Eindruck, Stefan Taube hat mit der „Hetze“ die in seinen Augen vermutlich unreflektierte Opposition gegen den Castortransport gemeint. Zumindest habe ich das so verstanden. Mir fällt es auch sehr schwer, „Hetze“ und „Gewaltlosigkeit“ zu vereinbaren, somit habe die von Ihnen kritisierte Reaktiongar nicht so wahrgenommen. Ich will mal vom besten ausgehen und seinen Standpunkt dahingehend werten, dass er die generelle Herangehensweise an die hier behandelten Fragestellungen nicht mag.

    Und dass sein Name mit Science-Shop.de verlinkt ist, fällt mir jetzt erst auf, nachdem Sie es sagen. Auch hier würde ich nicht davon ausgehen, dass das als bewusstes Statement eingesetzt wurde, Stefan Taube scheint ja öfter hier zu kommentieren und das Formular merkt sich schließlich die Daten. Hätte er den Link für diesen Kommentar entfernen sollen?

    Auf der anderen Seite finde ich es gut, dass er offengelegt hat, dass er mit dem Verlag in Verbindung steht. Das fühlt sich für mich nach Transparenz an.

    Aber ich will hier nicht so viel heruminterpretieren.

  22. Elmar Diederichs Antworten | Permalink

    @Martin Ballaschk: Die Jenninger-Affaire

    "wir haben keinen Grund, davon auszugehen, dass er bewusst mit schlechten Absichten gehandelt hat."

    Nun ja ... etwas als Hetze zu bezeichnen ..... kann man das auch mit guten Absichten tun, wenn es um Vermeidung von Gewalt geht?

    Sie sind schon sehr optimistisch.

    "Ich habe den Eindruck, Stefan Taube hat mit der „Hetze“ die in seinen Augen vermutlich unreflektierte Opposition gegen den Castortransport gemeint."

    Das würde mich wundern. Schließlich spricht er davon, daß SciLogs zur Hetze benutzt wird. Damit referiert er auf den post von Björn Lehmann.

    Aber das wird man natürlich nur von ihm selbst erfahren können. Im Moment scheint sich Stefan Taube hinter Richard Zinken zu verstecken, anstatt zu diskutieren.

    "Ich will mal vom besten ausgehen und seinen Standpunkt dahingehend werten, dass er die generelle Herangehensweise an die hier behandelten Fragestellungen nicht mag."

    Man könnte sich natürlich darauf einigen, daß politische Themen und Gegenstände auf SciLogs nicht behandelt werden dürfen. Ich würde das nicht gut finden, könnte aber damit leben. Doch auch das sollte ganz offen behandelt werden.

    "Hätte er den Link für diesen Kommentar entfernen sollen?"

    Nach meiner Meinung wäre das ausreichend gewesen, um alle Schwierigkeiten zu vermeiden. Ich hab grade mal in der politischen Zeitgeschichte gegraben und die Geschichte von Philipp Jenninger gefunden, der als Bundespräsident 1988 gehen mußte, weil er nicht ausreichend kenntlich machte, daß er nicht in seinem, sondern in der Rolle eine advocatus diaboli antisemitische Voruteile zu bedienen schien - obwohl er das wohl auch nicht intendierte. Damit ging Jenninger, weil der die politischen Konsequenzen übernahm unabhängig von seinen Absichten. Sogar der damalige Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland Galinski hat damals bestätigt, daß er Jenninger nichts persönlich vorwirft, sondern nur die politischen Konsequenzen seiner Rede im Blick hat.

    Ich finde den jetzigen Fall ganz analog.

    "Auf der anderen Seite finde ich es gut, dass er offengelegt hat, dass er mit dem Verlag in Verbindung steht. Das fühlt sich für mich nach Transparenz an."

    Ich bin mir da nicht so sicher. Ich kann mir Fälle vorstellen, in denen Sie recht haben, und andere - wie hier - in denen das richtig scheisse ist.

    Aber vielleicht trägt unsere Diskussion ja auch dazu bei, solche Zwischenfälle zu vermeiden.

    Jedenfalls wäre ich auch nicht auf die Idee gekommen, auf solche Dinge zu achten, wenn mich Markus Dahlems Initiative der Blogger-Regeln nicht angestachelt hätten. Manchmal hat eine Idee ungeahnte Konsequenzen .... ;-)

  23. Martin Ballaschk Antworten | Permalink

    Ohne Stefan Taube verteidigen zu müssen oder zu wollen, ich nehme an, er hat sich nur im Tonfall vergriffen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man einiges an Ärger vermeidet, wenn man nicht jede Aussage als Angriff oder Bösartigkeit wertet (im weitesten Sinn von Hanlon's Razor).

    Wenn ich mir den Kommentar nochmal anschaue, kommt mir das auch komisch vor. Herr Taube scheint sehr aufgeregt gewesen zu sein, als er den Kommentar verfasst hat, insofern kann man ihm schon verzeihen, dass er eine unpassende Vokabel gewählt hat.

    Wenn ich es richtig sehe, meint er, dass durch ausgelöst durch die Anweisungen aus den Videos im Blogpost „Schwerverletzte“ geben könnte. Das bezieht sich doch offensichtlich nicht auf die Gewaltfreiheit, sondern auf den Protest an sich. Vermutlich sieht er das als Form der passiven Gewalt und kritisiert in diesem Zusammenhang, dass eine angebliche Minderheit ihre Positionen mit dieser Gewalt durchdrücken möchte. Das bekräftigt er noch einmal hier, wo er auf „Beschlüsse gewählter Parlamente" verweist.

    Man kann von dieser Argumentationsweise halten, was man will – ich stimme dem auch nicht zu – aber dass er in „fahrlässig vorsätzlicher Weise eine Proäußerung zur Gewaltlosigkeit als anti-demokratisch verunglimpft“ hätte, halte ich schon als ziemlich hineininterpretiert.

    Wie auch immer, das kann nur Herr Taube selbst aufklären. Wäre schön, wenn er sich selbst verteidigen würde.

    Ich bin übrigens dagegen, politische Themen von Scilogs auszuklammern. Wenn es nicht gerade eskaliert, wie hier, dann kann das sicher zur Erweiterung des Horizonts beitragen. Ich äußere mich in gewisser Weise auch politisch, wenn ich bei mir grüne Gentechnik diskutiere.

    In jedem Fall muss ich mir die Blogger-Regeln ansehen, die kannte ich noch nicht. Dafür bin ich einfach noch nicht lange genug dabei ... Danke für den Hinweis also.

  24. Elmar Diederichs Antworten | Permalink

    Martin Ballaschk: Grünes

    "Ich äußere mich in gewisser Weise auch politisch, wenn ich bei mir grüne Gentechnik diskutiere."

    Das ist ein Punkt. Wir sollten versuchen, daß irgendwie in dem blogger-codex zu berücksichtigen.

    Im übrigen glaube ich nicht, daß sich Stefan Taube so einfach, wie Sie es ihm machen möchten, wird herausreden können.

  25. Maulwurf Antworten | Permalink

    Umfrage?

    @Björn Lohmann
    Wie verhält sich dann ihrer Aussage zu dieser Umfrage?
    http://www.tagesspiegel.de/...politik/1968720.html
    Wer hat jetzt recht?

    @Martin, Carolin, Markus und Martin Huhn und Björn Lohmann
    Ich verlange nicht von einem Blog das dieser 100% objektiv ist, wäre ja auch langweilig und man könnte keine Kommentare dazu schreiben. Denn auch meine Kommentare sind nicht objektiv. Der Johannisbeer-Artikel ist missfiel mir nicht deshalb weil die eigenen Meinung vertreten wurde sondern weil er einfach Unwahrheiten enthält.
    Der Ökoanbau, gerade im Obst, Beeren und Gemüseanbau funkioniert nicht ohne Chemie. Dort werden zwar keine synthetische Gifte eingesetzt, doch die zugelassenen Gifte sind auch nicht ohne Gefahr.

  26. Stefan Taube Antworten | Permalink

    @Elmar Diederichs

    Sorry, dass ich mich erst jetzt wieder melde, aber ich verbringe meine Freitagabende normalerweise nicht vor dem Computer. Mit verstecken hat das nichts zu tun, ich bin einfach nicht dauerpräsent.

    Ich will meinen Standpunkt nochmal kurz darstellen. Wie schon erwähnt geht es mir gar nicht um die Frage, ob Kernenergie gut oder schlecht ist, sondern um das Politikverständnis, das in diesem Blogpost zum Ausdruck kommt. Darüber ärgere ich mich in der Tat sehr. Es wird darin mit einer für mich sehr kurios anmutenden Selbstverständlichkeit für zivilen "Widerstand" gegen eine demokratisch gewählte Regierungen geworben und dieser dann die "Eskalation" in die Schuhe geschoben, zu der es unweigerlich kommen wird, auch weil dieser Post den Widerstand hoffähig macht (nettes Mobilisierungsvideo). Als Legitimation dienen Umfragewerte, die offenbar schwerer wiegen als Wahlergebnisse. Es wird also gefordert, dass Politiker nicht mehr ihrem Wissen und Gewissen verpflichtet sind, sondern in Einzelfragen ihr Fähnchen jeweils in den Wind hängen. Verlässlichkeit und Vertragstreue spielen keine Rolle mehr, wenn sich nur genügend Widerständler finden. Konkrete Sachthemen wie Bahnhofsbau oder Energiepolitik werden darüber hinaus jedesmal zur Generalabrechnung oder zur Bühne der Dagensein-Protestkultur. Mir bereitet diese Entwicklung Sorgen und ich finde, der Blogpost heizt die Stimmung an.
    Das ist meine Meinung und zu der stehe ich auch.

    Nie käme ich aber auf die Idee für die Einschränkung des Demonstrationsrecht zu sein. Meine Freiheit ist die Freiheit der anderen. Mir persönlich sind aber Menschen sehr unsympathisch, die meinen mit ihrem Aktivismus, ihrer Protestkultur der schweigenden Mehrheit der Bevölkerung ihre "Weisheit" aufdrücken zu müssen. Ich empfinde das als Größenwahn.
    Die Person des Bloggers wollte ich damit natürlich nicht charakterisieren. Wenn Björn Lohmann das so verstanden haben sollte, möchte ich mich bei ihm entschuldigen.

  27. Lars Fischer Antworten | Permalink

    Protestkultur

    Ich kann die Probleme, die Stefan Taube mit den Castor-Protesten hat, sehr gut nachvollziehen - zumal der Müll ja irgendwo hin muss, und wo das sein soll, darauf haben die Protestler genauso wenig eine Antwort wie alle anderen.

    Aber wir reden ja hier - anders als Stefan dauernd behauptet - eben nicht über einen demokratisch legitimierten sachlich vertretbaren Beschluss. Politik und Betreiber haben sich einfach ein politisch opportunes Loch im Boden gesucht und diese Entscheidung mit schmutzigen Tricks, Gefälligkeitsgutachten, dreisten Lügen und einer unfassbaren drauf-geschissen-Mentalität gegen alle Bedenken durchgesetzt. Es gab nie auch nur einen ernsthaften Versuch, das Zeug sachgerecht zu lagern.

    Jeder Chemiker, der mit seinen Abfälle so fahrlässig umgeht wie die deutschen Regierungen mit ihrem radioaktiven Müll, wird völlig zu Recht an den Ohren aufgehängt. Und es ist ja nicht so, dass irgendwer mal z.B. aus dem Asse-Debakel was gelernt hätte. Die drauf-geschissen-Mentalität ist immer noch die gleiche.

    Insofern ist der Widerstand gegen die Endlagerung vielleicht nicht vollständig Rational, aber absolut berechtigt. Und die Verantwortung für den ganzen Ärger, die Kosten und eine eventuelle Eskalation liegen voll und ganz bei der Politik.

    Himmel, ja, Gleise schottern ist Sachbeschädigung. Was ist das, was die ganze Zeit mit dem leidigen Atommüll passiert?

  28. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    Umfragen und Wahlen

    @Maulwurf: Ich finde leider die Originalstudie mit den Fragen nicht, daher kann ich nur ausgehende von den Formulierungen von Maroldt spekulieren: Es gibt keine einzige klare Aussage zu der Frage der Laufzeitverlängerung, lediglich das Ergebnis, dass 80 Prozent nicht glauben, dass auf Atomkraft verzichtet werden kann. Aber ab wann? Heute? 2020? 2050? Interessanterweise ist das aber genau das, was ich ja auch schon in einem früheren Kommentar geschrieben habe: Ein Großteil der Befürworter der Atomenergie ist nur deshalb dafür, weil er glaubt, ohne hätten wir eine Versorgungslücke. Diesen Blödsinn haben Lobbyisten der vier Energieoligopolisten und unsere Bundeskanzlerin verbreitet. Neben vielen Studien von Grünen, Greenpeace und Co. gibt es auch unabhängige Untersuchungen, die die Stromlücke als Märchen outen. Womit ich beim nächsten Punkt bin.

    @Stefan Taube: Ich teile zunächst die Einschätzung, dass Politik nicht nach Umfragen gemacht werden sollte. [An der Stelle ein Einschub: Auch eine Wahl ist eine Umfrage, mit dem Nachteil(!), dass der Bürger nur sehr pauschale Urteile treffen kann; den Volkswillen trifft eine konkrete Umfrage daher besser als eine Wahl!] [Und noch ein Einschub: Auch eine demokratisch gewählte Regierung kann Mist machen, sodass ziviler Ungehorsam nicht nur legitim sondern sogar notwendig sein kann; ich glaube, das illustrieren Gestalten wie Bush und Berlusconi gut genug, ohne dass man zum Totschlagargument NSDAP greifen muss.] [Letzter Einschub: Die von Ihnen geforderte "Vertragstreue" ist ja genau das, was die Atomindustrie gerade nicht einhält. Auch Rot-Grün hatte den Atomausstieg im Wahlprogramm und wurde - u.a. - dafür gewählt.]

    Zurück dazu, wie Politik gemacht werden sollte: "Wissen und Gewissen" schreiben Sie, und da sind wir ganz einer Meinung. Aber ist es da klug, den Vorstandschef von einem der vier Atomkonzerne, der obendrein den Einstieg in die Erneuerbaren verpennt hat, als Energiepolitikberater zu holen? Die Studien unabhängiger Ingenieurbüros und Wirtschaftsprüfungsunternehmen zu ignorieren? Wer würde denn Porsche fragen, ob auf Autobahnen Tempo 100 gelten soll? Ich - und offensichtlich Millionen Deutsche mit mir - habe Zweifel, ob eine Regierung das Richtige tut, wenn ausschließlich die, die unmittelbar davon profitieren, die Notwendigkeit sehen, Experten, die keine monetären Interessen daran haben, aber das Gegenteil raten. Das stinkt nach Lobbypolitik, nicht nach Wissen und Gewissen. Und an der Stelle ist in meinen Augen - egal um welches Thema es geht - gewaltfreier ziviler Ungehorsam absolut legitim, wenn nicht gar gefordert. Die Betonung sollte aber dennoch auf gewaltfrei liegen, und das ist das Anliegen dieses Blogeintrags gewesen.

  29. Maulwurf Antworten | Permalink

    Fragen über Fragen

    @Lars Fischer
    "Jeder Chemiker, der mit seinen Abfälle so fahrlässig umgeht wie die deutschen Regierungen mit ihrem radioaktiven Müll, wird völlig zu Recht an den Ohren aufgehängt."
    Da übertreiben sie aber maßlos. Dann erklären sie mir doch einfach mal den Unterschied warum Gorleben seit nahezu 30 Jahre untersucht wird, während z.B. Herfa-Neurode seit ca. 40 Jahre im Betrieb ist. Von der Deponie Schönberg/Ihlenberg oder Deponie Münchehagen oder Deponie Bonfol um nur einige zu nennen ganz zu schweigen. Welche Chemiker wurden da aufgehängt? Kann es sein das sie von Müllentsorgung in der Chemie keine Ahnung haben?
    Wenn man solche Behauptungen aufstellt, dann sollte man wenigstens Wissen wie es in der Chemie gehandhabt wird. Übrigens ich kenne mich mit chemischen Abfällen auch etwas aus, bin ja schließlich von Beruf Chemiker. Über die kleinen Verunreinigunen mit chlorierten Lösungsmitteln die so jedes Jahr in jeder Uni durch die Studenten vorkommen wollen wir mal nicht reden! Auch ihren Vorwurf die Regierung würde sich undemokratisch Verhalten kann ich nicht nachvollziehen. Nach mW waren die Pläne der Laufzeitverlängerung vor der Bundestagswahl bekannt. Werden jetzt Parteien kristisiert, falls sie versuchen Teile ihres Wahlprogramms umzusetzen?
    Auch und ihre Relativierung der Gleisbeschädigung sehe ich kritisch. Finden sie es in Ordnung Verbrechen durch andere Verbrechen zu bekämpfen? Dies ist schon ein interessantes Rechtsverständnis, dass ich nicht teile.
    @ Björn Lohmann
    Ich möchte garnicht von ihnen die Orginalumfrage. Ich möchte nur das keine Umfragen als Beweis für demokratiefeindliches Verhalten aufgeführt werden. Denn nicht nur die Fragestellung ist bei einer Umfrage interessant, sondern auch wann sie durchgeführt wurde und z.B. wie lauteten die Überschriften zu dem Zeitpunkt auf SPON oder Bildonline etc.. Deshalb können sie max. ein Hinweis sein. Das berühmte Bsp. Todesstrafe ja/nein sollte man immer im Hinterkopf behalten.
    Auch schreiben sie, falls ich mich nicht Irre, Studien zeigen das 100% EE 2050 möglich ist. Doch warum wird in den Studien immer von einem Energieverbrauch von heute ausgegangen? Wollen sie etwa alle iPods, iPads und sonstige neue elektronische Spielzeuge in Zukunft verbieten?
    Wie schaut es mit den eAutos aus? Von den ganzen Bürgerprotesten ganz zu schweigen wenn es um Windräder, Biogasanlagen, Freiflächen-PV Anlagen, Stauspeicherkraftwerke etc. geht. Deshalb mein Hinweis auf Freiburg. Da sieht man auch sehr schön die Proteste gegen Windrädchen, Speicherkraftwerke etc. Wollen sich etwa die EE-Befürworter in diesem idylischen Städtchen mit der guten North Face Survival-Bekleidung nicht ihren Sonntagsspaziergang durch diese Dinge "verderben" lassen?
    Fragen über Fragen

  30. Joachim Schulz Antworten | Permalink

    @Lars Fischer

    "Insofern ist der Widerstand gegen die Endlagerung vielleicht nicht vollständig Rational, aber absolut berechtigt."

    Aber es handelt sich hier ja nicht um einen Widerstand gegen die Endlagerung, sondern um den Versuch, den Transport des radioaktiven Materials in das Zwischenlager zu verhindern.

    Nur, wohin soll denn das Zeug sonst? Soll es statt dessen in Frankreich bleiben?

    Politischer Widerstand ist legitim, aber er wird hier von Seiten der Atomkraftgegner sehr destruktiv betrieben. Zielführender wäre es, die Demos in den Großstädten durchzuführen, wo die Bürger und Politiker, die Kernkraft befürworten, leben. So könnte man auf eine demokratische Entscheidung hinwirken. Der Versuch, einen notwendigen Transport zu verhindern, ist destruktiv.

    Was ist denn der Gegenvorschlag der Atomkraftgegner für eine besser geeignete Endlagerstätte?

  31. Stefan Taube Antworten | Permalink

    @Lars @Björn

    Ich gebe zu, dass ich mich mit der Materie sicherlich nicht so gut befasst habe wie Du. Ich gelobe auch, mehr zu den von Dir angesprochenen Sauereien zu lesen. Dennoch kann ich einfach den Vorwurf des nicht demokratisch Legitimiertseins des Ausstiegs aus dem Ausstieg nicht nachvollziehen. Wir hatten selten eine Bundestagswahl, in der ein politisches Thema so glasklar war, wie dieses. Jeder wusste, wenn wir schwarz-gelb wählen kommt der Ausstieg aus dem Ausstieg und die Bürger haben sich eben so entschieden. Die Castordemo hat daher für mich auch etwas kindisch-trotziges. Vielleicht ist aber so ein Ventil auch notwendig.

    Was mich eben auch stört, ist wie insbesondere die Grünen in diesem Protestteich fischen und dabei Geister rufen, die sie nicht mehr loswerden, wenn sie dank der Geister erstmal in Regierungsmacht sind. War das nicht ein merkwürdiges Bild, wie die Grünen als zuständige Minister Castortransporte durchgeführt und gleichzeitig dagegen demonstriert haben? Wir erleben dasselbe gerade in Ba-Wü mit S21. Der Protest bringt den Grünen sensationelle Umfragewerte. Mag sein, dass Ba-Wü den ersten grünen Ministerpräsident stellen wird. Doch die Grünen wissen natürlich genau, dass sie den Bahnhofsbau auch nicht stoppen können und es geht schon die Furcht vor dem Wahlsieg um. Wir werden einen grünen Ministerpräsidenten erleben, der am Bauzaun von grünen Demonstranten ausgepfiffen wird.

    @Björn: Auch den Vergleich mit Porsche kann ich nicht so ganz nachvollziehen, genauso wenig, wie die Kritik daran, dass Frau Merkel sich mit Energiekonzernbossen trifft. Als Kanzlerin soll sie mit allen beteiligten reden. Wenn es um das Thema Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen geht, ist Porsche natürlich auch zu hören. Auch Porsche hat legitime Interessen, und auch die Mitarbeiter und Kunden sind Bürger. Das schreibe ich, obwohl ich sogar für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen wäre. Es ist aber nicht klug, immer nur mit den Leuten zu reden, die sowieso dieselbe Meinung haben, oder?

    Ich habe übrigens festgestellt, dass ich mit Björn Lohmann schon mal eine ganz ähnliche Grundsatzdiskussion hatte und damit es nicht zu langweilig wird, klinke ich mich aus der Diskussion aus, verfolge aber gerne noch Eure Argumente.

  32. Lars Fischer Antworten | Permalink

    @Joachim

    Ich habe diese kleine Feinheit gleich im ersten Satz meines Kommentars angesprochen. Überlesen?

    Und natürlich ist es nur mäßig sinnig, diesen einen speziellen Transport zu verhindern. Mehr als ein symbolischer Akt ist das nicht, aber mit Symbolen wird Politik gemacht.

    Und glaubst du ernsthaft, ganz ernsthaft, dass eine Demo irgendwo auf dem Rathausmarkt in irgendeiner Sache heutzutage mehr bringt als kalte Füße?

    @maulwurf
    "Kann es sein das sie von Müllentsorgung in der Chemie keine Ahnung haben?"

    Ich habe sowohl in der chemischen Analytik als auch in der Forschung gearbeitet. Insofern weiß ich, wie man Chemikalien entsorgt. Belehrungen (zumal von anonymer Seite - Ich bin der Kaiser von China, weißte?) sind hier nicht nötig.

    Ich denke da an so eine unselige Geschichte mit einem Balkon eines gewissen chemischen Instituts. Hat einen ziemlichen Wirbel gegeben, damals, und die Einstellung war die gleiche wie mit dem Atommüll: Abfall? Wen interessiert Abfall? Hauptsache weg damit.
    Geht heute so nicht mehr.

    Und was die dreißig Jahre "Forschung" angeht, siehe meinen ersten Kommentar. Wie toll diese politisch motivierte Endlagerforschung funktioniert hat, können wir am Forschungsberkwerg Asse II zur Genüge besichtigen.

  33. Lars Fischer Antworten | Permalink

    @Stefan

    "Dennoch kann ich einfach den Vorwurf des nicht demokratisch Legitimiertseins des Ausstiegs aus dem Ausstieg nicht nachvollziehen"

    Das habe ich auch nicht gemeint, und in dem Punkt hast du auch völlig Recht: Schwarz-Gelb ist mit diesem Programmpunkt gewählt.

    Aber ich rede auch nicht von der Nutzung der Atomkraft. Das ist ein anderes - und schwieriges - Thema, aber sowohl der Ausstieg als auch der Ausstieg aus dem Ausstieg waren beide völlig legitime demokratische Prozesse. Politik halt, genauso wie übrigens der zweifellos vorhandene Opportunismus speziell der Grünen in dieser Frage. Die CDU spielt das Spielchen halt bei der Einwanderung und die SPD bei Sozialthemen. Das gehört dazu. Es ist etwas wohlfeil, sich darüber aufzuregen, finde ich.

    Die fehlende demokratische Legitimation sehe ich eben bei der Endlagerfrage. Auch hier ist das keine schwarz-weiß-Angelegenheit (Verfahrenstricks und so sind ja generell nicht unüblich und oft einfach Realpolitik), aber das Ausmaß der veranstalteten Sauerei (in jeder Hinsicht) macht das schon zu einem wesentlichen Punkt. Und es sind ja nicht nur die Gegner, die da über die Jahre ziemlich stur geworden sind.

  34. Joachim Schulz Antworten | Permalink

    @Lars Fischer: Sinnvolle Symbole

    "Ich habe diese kleine Feinheit gleich im ersten Satz meines Kommentars angesprochen. Überlesen?"

    Nein, aber um so mehr überrascht es mich, dass du dieses "Symbol" dennoch für gerechtfertigt hältst. Wenn jemand keinen besseren Gegenvorschlag hat, dann kann ich nicht erkennen, wo er das Recht auf Widerstand hernimmt.

    "Und glaubst du ernsthaft, ganz ernsthaft, dass eine Demo irgendwo auf dem Rathausmarkt in irgendeiner Sache heutzutage mehr bringt als kalte Füße?"

    Ganz ernsthaft ja. Sonst könnten wir das Demonstrationsrecht aufheben und daraus ein Widerstandsrecht machen. Demonstrationesrecht ist ein Recht auf freie Meinungsäußerung und nicht das Recht, notfalls mit Gewalt die Ausführung demokratisch beschlossene Projekte zu verhindern.

    Eine regelmäßige Demonstration gegen oder besser noch für politische Entscheidungen helfen, das Thema in der Presse und in der öffentlichen Wahrnehmung zu halten. So können Wahlen gewonnen werden. Das ganze bringt aber nichts, wenn die Argumente und die Gegenvorschläge fehlen.

    Letztlich wird es das Ziel sein müssen, ein Konzept für eine bessere Energiepolitik zu erarbeiten und für die nächste Wahl eine Mehrheit dafür zu finden. Nur so geht Demokratie. Wenn nach jeder politischen Entscheidung die unterlegenen Parteien zum aktiven Widerstand aufruft, dann werden damit keine Probleme gelöst.

    Und das sage ich nicht als Schwarz-Gelb-Wähler. Ich selbst habe gegen diese Regierung gewählt und zähle darauf, dass die nächste Bundesregierung viele Fehler der jetzigen Regierung beheben wird.

  35. Maulwurf Antworten | Permalink

    @ Lars Fischer
    mag sein das ich hier Anonym schreibe. Auch war das Bsp. der Uni nicht ideal.
    Dennoch gibt es die Chemiedeponien. Und ja dort wird Müll entsorgt. Auch wenn sie mich bzw. meinen Beruf in Frage stellen (eine einfache Methode um eine Meinung zu diskreditieren), so sollten doch die existierenden Chemiedeponien beachtete werden. Dies kann auch jeder nachlesen, dazu ist keine Erfahrung in der Chemie nötig! Nur dort macht niemand so ein Wirbel um die Giftmülltransporte.
    Auch die Erwähnung von Asse ist mE nach hier Unsinnig. Denn es sollte schon beachtete werden welcher und wann der Müll dort eingelagert wurde (zw. 1967 und 1978). Auch muss beachtet werden das es sich hierbei um ein altes Bergwerk handelt und was die eigentliche Fragestellung dieses Projekts war. So sehr ich ihren Blog auch schätze, ihre Behauptungen bzgl. Giftmüll und die "verantwortungsvolle" Entsorgung sind schlichtweg falsch.

  36. Lars Fischer Antworten | Permalink

    @maulwurf

    Ich habe natürlich Verständnis für anonyme Kommentatoren. Ich mag nur nicht, wenn mich so einer unter Hinweis auf die eigene Expertise belehren will...

    Mhm, ich würde hier zum Beispiel sagen, dass der Hinweis auf die "klassischen" Deponien am Kern der Sache vorbei geht. Für mich ist die Atommüll-Politik eher analog zum Rote Kanister auf den Balkon stellen und ganz intensiv nicht mehr dran denken, für Sie dagegen wohl vergleichbar mit der praktizierten Deponierung.

  37. Maulwurf Antworten | Permalink

    @ Lars Fischer
    wenn sie mir jetzt noch erklären können worin der Unterschied zwischen Atommüll vergraben und Giftmüll vergraben liegt dann bin ich zufrieden.
    Bitte Antworten sie jetzt nicht das chemischer Müll besser händelbar ist. Das stimmt einfach nicht. Vorallem wenn man nicht von Gramm-Mengen ausgeht (5g radiaktiver Müll sind auch leicht händelbar) sondern von mehreren tausend Tonnen. Genau um diese Art von Antwort zu vermeiden erfolgte mein Hinweis das ich Chemiker bin.
    Vielleicht könnten sie auch noch in ihre Antwort mit einfliesen lassen weshalb beim Atommüll der in Gorleben gelagert werden soll, die radioaktive Belastung geringer für die Menschen sein soll (laut Berechnungen) als die natürliche Belastung durch Radon im Schwarzwald, Bayerische Wald, Fichtelgebirge oder Erzgebirge. Um provokativ zu fragen: wo sind die ganzen Demonstranten die sich auf die Schienen ketten damit keine Touristen mehr in diesen Landschaften durch radioaktive Strahlung gefährdet werden?

  38. Lars Fischer Antworten | Permalink

    @maulwurf:

    wenn sie mir jetzt noch erklären können worin der Unterschied zwischen Atommüll vergraben und Giftmüll vergraben liegt dann bin ich zufrieden.

    Der durchschnittliche chemische Sondermüll hält halt keine 15000 Jahre. Ich finde das rechtfertigt ein höheres Maß an Sorgfalt beim Atommüll. Außerdem werden Radioisotope nicht biologisch oder chemisch abgebaut. Nach 500 Jahren im Grundwasser ist Chlorbenzol weg - Plutonium nicht.

    Ehrlich gesagt wär's mir ziemlich Banane, wenn sie solchen Kram wie leicht verstrahlte Arbeitshandschuhe oder so auf ne normale Mülldeponie kippen würden, aber die Brennstäbe sollen bitte sicher gelagert werden. Und sicher heißt nicht "bis zur nächsten Legislaturperiode kommt vielleicht kein Wasser ran".

    Vielleicht könnten sie auch noch in ihre Antwort mit einfliesen lassen weshalb beim Atommüll der in Gorleben gelagert werden soll, die radioaktive Belastung geringer für die Menschen sein soll (laut Berechnungen) als die natürliche Belastung durch Radon im Schwarzwald, Bayerische Wald, Fichtelgebirge oder Erzgebirge.

    Oh, ein Optimist... Klar, wenn wir davon ausgehen, dass schon nichts schiefgehen wird, kann man so einiges berechnen. Ich halte das da eher mit Murphy.

  39. Maulwurf Antworten | Permalink

    @ Lars Fischer
    Sie kenne sicher das Buch Good Omens von Neil Gaiman und Terry Pratchett. Wenn ja, dann können sie auch sicher die Aussage von Pollution über Arsen. (gilt natürlich auch für die anderen Schwermetalle)
    Als kleine interessante Lektüre empfehle ich zudem http://kerngedanken.wordpress.com/
    Dann muss man am Ende auch nicht mit Murphy (warum eigentlich nicht mit Hamlet) argumentieren.

  40. Lars Fischer Antworten | Permalink

    @maulwurf

    Ich hoffe Sie sind sich darüber im Klaren, dass es eine Straftat ist, Leuten hinterherzuspionieren. Mal ganz davon abgesehen, dass ich sowas überhaupt nicht witzig finde. Lassen Sie das bitte in Zukunft, oder es wird Konsequenzen haben.

  41. Maulwurf Antworten | Permalink

    @ Lars Fischer

    Lieber Herr Fischer,
    wo und wie soll ich ihnen hinterher spioniert haben? Was soll mir das bringen? Wie kommen sie eigentlich auf diese absurde Unterstellung?
    Nur weil ich ein Buch erwähnte? Wenn ich mir z.B. den Esowatchblog anschaue (bzw. die Namen der Kommentatoren dort - nein ich weis nicht wer sich dahinter verbirgt und es ist mir auch sch...egal und ich will es auch nicht wissen) und dies mit meinen eigenen Erfahrungen bzgl. Terry Pratchett verbinde, so denke ich, dass ein großer Teil der Naturwissenschaftler sehr wohl seine Bücher kennen. Wären sie auch zu diesem Vorwurf gekommen wenn ich sie gefragt hätte ob sie z.B. ein Buch von Goethe kennen?
    Oder hat sie meine Erwähnung von Hamlet auf die Palme gebracht? Weshalb ich ihnen mit dieser Frage hinterher spioniert haben soll weis ich beim besten Willen nicht?
    Oder stört es sie einfach das jemand ihre Aussagen bzgl. Giftmüll hinterfragt und sie auf tatsächliche Fehler in ihrer Argumentation hinweist? Mich störte ihre erste Aussage bzgl. des Giftmülls, weil diese Behauptung "man würde die Chemiker an den Ohren aufhängen wenn er sich so verhalten würde" einfach nicht stimmt. Auch wenn ich Anonym hier schreibe bedeutet dies nicht, dass ich keine Ahnung habe.
    Um es zu Ende nochmals klarzustellen. Ich habe ihnen nicht hinterher spioniert und wäre nicht einmal auf diese absurde Idee gekommen. Ich finde es auch nicht witzig wenn man so eine infame Unterstellung äußert.

  42. Lars Fischer Antworten | Permalink

    Zufall?

    Sie haben da aus exakt dem Buch zitiert, das ich gestern Abend gelesen habe. Nach einer Nacht drüber schlafen bin ich zumindest bereit, an einen seltsamen Zufall zu glauben. Ich glaube aber auch an seltsame Leute im Internet.

  43. Maulwurf Antworten | Permalink

    @ Lars Fischer

    Hallo,
    Sie können glauben was immer sie wollen. Das ist mir gelinde gesagt sch...egal. Ich könnte ihnen jetzt aufzählen weshalb ihre infame Unterstellung, ich hätte ihnen nachspioniert, sogar unmöglich war, doch dazu habe ich jetzt keine Lust mehr. Ich kann verstehen, dass man bei so einem seltsamen Zufall zuerst geschockt ist. Doch nach einer Nacht darüber schlafen, dann nochmals Unterstellungen äußern empfinde ich als unverschämt.

  44. Eddy Antworten | Permalink

    Spektrum der Wissenschaft?

    Genau wegen solchen Blogposts im Namen des "Spektrum der Wissenschaft" habe ich das Oekofanatikerblatt abbestellt.

    Das Verständnis des Bloginhabers bezüglich Demonstrationsrecht und Demokratie halte ich für ziemlich überarbeitungsbedürftig.

    Einige wenige wollen alles überall für immer bestimmen. So etwas nennt man gemeinhin "Diktatur".

    Mein ehemaligen Helden von Greenpeace sind heute zahnlose Papiertiger mit einer bedingungslosen Gefolgschaft von Oekofanatikern.

    Schade drum. Es gäbe noch soviel zu tun! :-(

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