Visionen vom Gehirn

13. April 2008 von Katja Schwab in Klassiker

Die schöne neue Neuro-Welt in aller Kürze

Unter der Annahme, dass Erleben mit neuronalen Prozessen zu begründen ist, zweifeln einige  Hirnforscher nicht daran, dem "zweieinhalb Pfund schweren Organ mit seinen 100 Milliarden Nervenzellen irgendwann auch die letzten Geheimnisse“ zu entlocken. „Die Vorgänge im Gehirn liegen ebenso in der Reichweite der Wissenschaft wie der Ursprung des Universums“, urteilt Antonio Damasio, Leiter des neurologischen Instituts der University of Iowa (Update: seit 2005 an der University of Southern California) und einer der prominentesten Vertreter seiner Zunft. Bald werden wir wissen, wie wir Glück, Trauer, Lust und Schmerz erfahren, und selbst die Mechanismen des Bewusstseins werden uns keine Rätsel mehr aufgeben“. (1)

Gehirndoping

Immer wieder liest man hier und dort dass bereits Mittel zur kognitiven Leistungssteigerung an Schulen und in Unternehmen im Umlauf sind. Ritalin ist in aller Munde, ein Medikament, das bei der Therapie von hyperaktiven Kindern eingesetzt wird. Es wird intensiv nach Substanzen geforscht, welche die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern könnten. Die Wissenschaft hofft heilende Mittel im Kampf gegen Krankheiten zu finden und die Pharmaindustrie wittert das große Geschäft. Eine Untersuchung von Yesavage testete die Wirkung eines Alzheimermedikaments auf Piloten und dokumentiert eine entscheidende Verbesserung der kognitiven Leistung bei den geistig vollkommen gesunden Testpersonen.

Noch gibt es die wundersamen Psycho-Pillen noch nicht beim Apothekertresen "und die Meinungen gehen darüber auseinander, ob sie in Sicht sind.“ (3)

Neuroethik

Es ist sehr wahrscheinlich, dass unser zunehmendes Vermögen, im Gehirn zu lesen, auch in anderen Bereichen genutzt wird. Um geeignete Bewerber für einen Job auszuwählen, um Krankheiten zu diagnostizieren und zu behandeln, um festzustellen, wer wirklich Anspruch auf Schwerstbehindertenrente hat (...)“ Arthur Caplan, Bioethiker an der University of Pennsylvania (1)

Zumindest das noch junge Fachgebiet der Neuroethik zeigt, dass eine Entwicklung in diese Richtung durchaus ernst zu nehmen ist. Auch wenn man die Wirksamkeit bezweifeln mag, so ist ein fMRT-basierter Lügendetektor bereits Bestandteil der Produkt-Palette amerikanischer Firmen.

Zukunftsmusik

Es gibt in der Wissenschaft aber noch ganz andere Visionen. Die University of Southern California erforscht, inwieweit der Hippocampus durch einen Computership ausgetauscht werden kann. Der Hippocampus spielt eine entscheidende Rolle bei der Speicherung von Gedächtnisinhalten, bei der emotionalen Bewertung von Informationen. Sollte dieses Vorhaben gelingen, lassen sich kognitive Fähigkeiten in ungekannter Weise erweitern.

Laut Rudolph, Projektleiter bei Darpa, ist die aus Science-Fiktion-Filmen altbekannte Idee vom Mensch-Maschine-Wesen kein Tabu mehr. Der Autor nimmt an, dass diese so genannten Cyborgs dem "rein biologischen Menschen überlegen wären" und das Selbstverständnis des Menschen als Krone der Schöpfung gefährlich ins Wanken bringen könnten. Diese Vermutung scheint gar nicht so abwegig verfolgt man den Wortwechsel zwischen dem Halbvulkanier Mr. Spock und Kaptain Kirk im Raumschiff Enterprise:

Mr. Spock: Ich bin kein Mensch.
Kaptain Kirk: Wir sind doch alle Menschen.
Mr. Spock: Ich finde diese Aussage beleidigend.

Ganz schön frech ...

Quellen:
(1) Gehirn und Geist, Ulrich Kraft: „Schöne neue Neuro-Welt
(2) Gehirn und Geist: Manifest der Hirnforschung
(3) Menschenbilder, Stephan Schleim: Denkdoping und Gedankenlesen
(4) Braincast, Arvid Leyh: Gehirnzellen und Die Antwort auf alle Fragen
(5) Grenzen, Vinzenz Schönfelder: Teamgeist


19 Kommentare zu “Visionen vom Gehirn”

  1. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    Schöner Abriss...

    ...über die "Neurorevolution".

    Von NoLieMRI hörte ich kürzlich übrigens, sie planten einen Einstieg in den europäischen Markt; allerdings entpuppte sich das dann wohl doch als heiße Luft. Ich schätze auch, dass sie eher dringend auf der Suche nach Investoren sind, weil ihnen in den USA vielleicht immer weniger Leute ihre hohen Versprechungen abkaufen (man schaue nur mal auf die zitierte Firmen-Homepage) -- im wahrsten Sinne des Wortes.

    Ach ja, Damasio hat 2005 den Mittleren Westen hinter sich gelassen und ist seitdem an der University of Spoilt Children, ähem, verzeihung, an der University of Southern California. Vielleicht arbeitet er da ja mit an dem Hippocampus-Chip?

  2. Katja Schwab Antworten | Permalink

    @ Stephan

    Vielen, vielen Dank für Deine Anmerkungen. Werde ich so schnell wie möglich verbessern. Zum Glück haben wir bei den brainlogs zu diesem Thema eine Menge Experten.

  3. Melanie Burghardt Antworten | Permalink

    Cyborgs

    Die Menschheit hat ein rasantes Tempo erreicht in Forschung und Fortschritt. Nur hege ich die Befürchtung, dass unser ethisches Bewusstsein bei weitem nicht so schnell reift, wie unsere technischen, medizinischen Entwicklungen. Nicht alles, was möglich ist, sollte auch möglich gemacht werden. Wir schreiten voran, ohne einmal innezuhalten und uns zu überlegen, welche Folgen unser Tun in zwei, drei oder gar fünf Generationen haben könnte.
    Unser Gehirn und die Tiefsee haben eines gemeinsam, der größte Teil ist noch immer unerforscht.
    Es gibt Grenzen, die sollten nicht überschritten werden. Die Mensch - Maschine ist eine solche Grenze. Von da ist es auch nicht weit zum Klon als biologisches Ersatzteilager.

  4. Melanie Burghardt Antworten | Permalink

    Cyborgs Nachtrag

    Mensch zu Maschine,
    Blut zu Öl,
    das haben vor einigen Jahren Geothes Erben gesungen. Immer wenn ich mir dieses Lied anhöre, klingt es sehr beklemmend und beängstigend.

  5. Katja Schwab Antworten | Permalink

    @ Melanie

    "Es gibt Grenzen, die sollten nicht überschritten werden. Die Mensch - Maschine ist eine solche Grenze."

    Was ist mit z.B. Neuroprothesen? Neuroprothesen könnten eines Tages beispielsweise Alzheimer-Patienten und Schlaganfallopfer wieder in den Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten bringen. Schädigungen im Hippocampus könnten durch implantierte "Gedächtnisstützen aus Silizium" gemindert wenn nicht sogar beseitigt werden. Wie sieht es mit einer Anwendung im medizinischen Bereich aus?

  6. Dietmar Hilsebein Antworten | Permalink

    "rein biologischen Menschen überlegen wären" (Laut Rudolph)und dann das hier:

    "Neuroprothesen könnten eines Tages beispielsweise Alzheimer-Patienten und Schlaganfallopfer wieder in den Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten bringen."

    Ich fürchte, daß diese Argumentation der Hilfe für Kranke immer gerne vorgeschoben wird -gibt dem ganzen Unsinn doch so einen wunderbar menschlichen, ja fast religiösen Anstrich. Die Frage ist immer die, woher die Gelder für die Forschung kommen. Begriffe wie Cyborg deuten eher auf militärisches Interesse hin. Die Hilfe für die Kranken ist dann eher ein zufälliges Nebenprodukt -wie die Teflonpfanne oder das Internet.

  7. Dietmar Hilsebein Antworten | Permalink

    @ Darpa...

    Schulligung, hab' ich jetzt erst gesehen.
    ...ist eine Behörde des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten. Dann zahlt es halt der Steuerzahler. Sind wir erst Maschinen, dann sterben wir nicht mehr, sondern dämmern in den Tod. Glück auf.

    "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." (Einstein)

  8. Dietmar Hilsebein Antworten | Permalink

    "In jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen, aber nicht finden; sie werden sterben wollen, aber der Tod wird vor ihnen fliehen." (Offb.9,6)

    Und ich dachte immer, der wäre auf einem Trip hängen geblieben. Naja...

  9. Helmut Wicht Antworten | Permalink

    @ Schwab @ Burghardt (Cyborgs und Ethik)

    Um ehrlich zu sein: um den Menschen mach' ich mir in der Cyborg-Debatte wenig Sorgen. Eher um die Cyborgs.

    Mal angenommen, wir kämen wirklich so weit, JENSEITS des Cyborgs den kompletten Androiden zu bauen, oder von mir aus einen Computer mit "echter KI" - wer, zum Geier, gibt uns das RECHT dazu? Wenn diese Wesen so elend wären, wie wir es sind, würden sie nicht mit den Fingern auf uns zeigen, so wie wir auf den Demiurgen zeigen, unser Elend in ihm verfluchend? Müssen wir wirklich dem Schöpfungspfusch, dem wir selbst entstammen, noch eins obendraufsetzen?

    Zu negativ?

    Na - wie soll es denn funktionieren, das Bewusstsein des glücklichen Androiden? Was geben wir ihm, was nicht? Lassen wir Angst und Schmerz weg? Oder die Verzweiflung? Und geben ihm nur das Wahre, Schöne, Angenehme mit auf den Weg? Ein Zombie im Dauer-High? Ziemlich unbrauchbar, so ein Android...

    Also wird man ihm ALLES geben müssen, im Guten wie im Schlechten. Uns selbst wenn man das Sein (anders als ich..) für ein "Nullsummen-Spiel" hält, in dem sich Positives und Negatives die Waage halten, so wird doch jener Android - der ja "leistungsfähiger" sein soll als wir - dieses Nullsummenspiel mit viel höheren Einsätzen spielen müssen. Es wird Formen der Verzweiflung geben, gegen die unsere Depressionen wie Heiterkeitsanfälle wirken und es wird Formen des Frohsinns geben, die unser Lachen als Trauer werden scheinen lassen.

    Ich weiss, ich wiederhole mich: wer hat je festgestellt, dass ein Bewusstsein eine so grossartige Sache ist, dass man's auch noch weiter aufblasen und und auf anderen Plattformen installieren muss?

    (jaja - wahrscheinlich hab' ich zu oft "Blade Runner" geguckt)

  10. Melanie Burghardt Antworten | Permalink

    Helfen oder Verbessrn?

    Schon heute helfen künstliche Implantate den Menschen, Herzschrittmacher, künstliches Hüftgelenk, Arm - Beinprothesen. Ein Chip, um dem Alzheimerkranken sein Gedächtnis zurückzugeben, Neoruprothesen, all das hilft uns Menschen und es ist eine gute Sache. Aber die Idee, dass der Cyborg dem rein biologischen Menschen überlegen ist, macht mir Sorgen. Wer braucht dann noch Menschen, wenn Cyborgs die Arbeit machen können, viel besser als "reine Menschen". Sie, Katja, haben eine kurze Sequenz aus Star - Track zitiert, ein Gespräch zwischen Mr. Spok und Kaptain Kirk. Ich möchte auch auf Star - Track zurückgreifen, aus der Reihe: "Die nächste Generation". Der Android Data sollte abgeschaltet werden, damit ein Wissenschaftler dessen positronisches Gehirn untersuchen könne. Das hätte zur Folge gehabt, dass irrebarable Schäden Data zerstört hätten. Aber der sei nur eine Maschine und jeder Mensch hätte das Recht dies abzuschalten. Es kam zu einem Verfahren, das sollte feststellen, ob Data, der KI, Menschenrechte zugesprochen bekommen dürfe, oder ob er als reine Maschine zu behandeln sei. Da kamen Fragen zur Sprache, ob eine Maschine Erinerungen haben könne, wie ein Mensch, die diese dann auch emotional abrufen kann. Wenn Data, der Android, das jedoch könne, ist er dann noch eine Maschine? Im Film ging es gut aus, das Urteil fiel für die KI aus, Data durfte weiter sein. Doch wie sieht die Realität aus? Welche Rechte würden wir, die richtigen, biologeschen Menschen, den Cyborgs einräumen; würden wir diesen überhaupt Rechte einräumen? Wir Menschen sind doch nicht einmal in der Lage uns untereinander dieselben Rechte einzuräumen, die so oft als Menschenrechte im Munde geführt werden. Helfen ist das eine und das ist etwas gutes, aber auch nur dann, wenn allen Menschen diese Fortschritte zur Verfügung stünden. Aber die menschliche Rasse "verbessern", starke Arme durch, vom biologischen Nervensystem gesteuerte, Hydraulik oder Pneumatik, schnellere Reaktion, durch genetische Veränderungen, das "menschliche System aufrüsten". Bei allem Fortschritt müssen wir das immer im Auge behalten. Die Literatur hat sich schon mit diesem Thema beschäftig, auch "Blade Runner", ich fürchte, das ist heute gar nicht mehr so unmöglich. Helfen ja, aber verbessern?

  11. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    @ Helmut @ Hilsebein

    Helmut, kennst du etwa nicht das Beispiel aus "Per Anhalter durch die Galaxis", in dem Zaphod Beeblebrox (oder war es Ford Prefect?) den kleinen Wachroboter mit einem Handtuch einfängt und dann seinen Glücksschaltkreis kurzschließt? Danach findet das kleine fliegende Ding alles fantastisch, so wie auf Ecstasy.

    Herr Hilsebein, es ist eine beliebte Strategie für DARPA-Anträge, wie ich mir sagen ließ, nicht nur einen militärischen, sondern auch einen anderen ökonomischen (z.B. medizinischen) Nutzen zu beschreiben, frei nach dem Motto: Auch wenn das Projekt militärisch nicht klappt, ist es so gut und vielseitig, dass wir es trotzdem noch verkaufen können.

  12. Helmut Wicht Antworten | Permalink

    @ Schleim

    Stephan,

    ich hab (*schäm*) den "Anhalter" nie gelesen und meine Erfahrungen mit Drogen beschränken sich auf eine Dosis Opiate nach einem Motorradunfall. Das Gefühl war angenehm, aber weitaus weniger intensiv als die Sehnsucht nach traumlosem Schlaf, die mich regelmässig überfällt, wenn ich wach bin.

    Und wie soll er funktionieren, der "Happy Cyborg"? Ich kann mir beim besten Willen kein Bewusstsein vorstellen, das ausschliesslich mit positiven Affekten arbeitet - als Erinnerung wenigstens müsste der Schmerz präsent sein, um die Lust zu erkennen.

    Und ein affektFREIES Bewusstsein kann ich mir auch nicht recht vorstellen. Wenn ich - in meinen kläglichen Übungen zur Meditation - ab und zu mal soweit komme, dass die Affekte sich legen, die Konzentration sich löst und die Aufmerksamkeit nicht mehr umherwandert - dann hat der Zustand, der sich dann einstellt relativ wenig mit "Bewusstsein" zu tun. Es ist mehr so eine Art von Wachheit, die sich selber träumt. Definitiv jedenfalls näher am Weltuntergang als an irgendeiner Alltagswirklichkeit. Aber das ist ja Sinn der Übung.

    Cui bono? Wem zu gefallen, sollen wir bewusste Wesen de novo schaffen? Wem sollen sie nutzen? Sollen es Kampfandroiden werden, die uns und sich gegenseitig schlachten? Sollen sie technologische Plattformen sein, denen wir unser Bewusstsein implantieren, in der Hoffnung unsterblich zu werden? Oder sollen sie nicht eigentlich - und das ist mein Verdacht - uns zu den Göttern werden, die wir so vermissen: die ÜBERLEGENE Intelligenz, die uns alle Fragen beantworten wird.

    Um Nietzsche zu paraphrasieren: ich möchte meinen Privategoismus nicht so weit treiben, um seinetwillen für die Erschaffung einer ganzen Götterwelt verantwortlich zu sein.

  13. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    @ Helmut

    Also der glückliche Roboter wird im Anhalter (dafür ist man übrigens nie zu alt; ich fürchte jedoch, dass es für dich keine lateinische Ausgabe gibt, im Gegensatz zu Asterix & Obelix) damit zur Funktion getrieben, dass man ihm androht, die Glücksschaltkreise wieder in Ordnung zu bringen, wenn er spurt; soviel "Rationalität" ist in ihm also noch vorhanden, dass er seien Glückszustand beibehalten will.

    Kennst du eigentlich schon Metzingers Argument gegen die Entwicklung bewusster Roboter? Da scheint es mir Parallelen zu deiner Denke zu geben: Er meint nämlich, man solle von dieser Forschung Abstand nehmen, um nämlich genau das zu vermeiden, leidende Roboter zu erschaffen; er meint, aufgrund unserer mangelhaften Fähigkeiten müssten diese Roboter wenigstens am Anfang sehr schlimme Bewusstseinszustände haben -- so vielleicht wie du nach deinem Motorradunfall; aber ob es dann ein Opium-Äquivalent für sie gibt? :-)

    Cui bono? Du sagste es ja: Kampfroboter (Terminator 1-3), Unsterblichkeit (Ray Kurzweil), Götter (Isaac Asimov).

  14. Helmut Wicht Antworten | Permalink

    @ Schleim

    Stephan,

    freut mich zu hören, dass meine Bauchkritik sich mit der von Leuten deckt, die mit dem Kopfe denken.

    Androiden sind ja nun in gewisser Weise wie Kinder. SCNR, ich muss den alten Witz vom (kinderlosen) Thales von Milet nachschieben. Gefragt, warum er keine Kinder habe, antwortete er: "Aus Liebe zu den Kindern."

  15. Marcel Arnold Antworten | Permalink

    evolution?

    wenn man sich die aktuellen entwicklungen in den neurowissnschaftlichen beriechen anschaut und dazu parallel betrachtend den fortschritt des technisch machbaren, dann kann man angst bekommen. das streben nach perfektion - die wahre spitze der evolution zu erreichen, scheint wohl nur dadurch zu gelingen, dass wir uns 'künstlich optimieren'. ich würde diesen ganzen prozess schon fast als "enthumanisierung" titulieren. wenn es jedoch dabei bleibt, dass wir uns mithilfe von beispielsweise neuroprothesen oder neurotransmitter optimierenden stoffen weiterentwickeln, dann begrüße ich das - jedoch zeigt sich mehr ein bild, dass darauf hinweist, dass der mensch sich immer mehr zu einem maschinellem wesen artifiziert, was unseres gleichen komplett entfremdet ist, fernab von ethik und humanität.

    mir wäre es lieber - wie naiv - dass der mensch mehr mensch wird und sich im einklang der wissenschaftlichen fortschritte "evolutionär humanisiert" ...

  16. Uwe Kauffmann Antworten | Permalink

    An der eigenen Aroganz eingehen

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    wenn uns dieser Schritt gelingt (Cyborg/KI),
    sind wir nur noch Energieverschwendung.
    Wir sollten uns dann auch nicht auf den Humanismus der Maschienen verlassen, denn deren
    Entwicklung, wird schneller verlaufen als unsere. Maschienenmoral, Maschienenweltsicht wird sich mit einer Geschwindigkeit entwickeln, mit der der Mensch nicht mithalten können wird.
    Und bei ganz viel Pech werden wir aussterben und unsere Nachkommen an einem verdeckten Konstruktionfehler eingehen.
    Na dann hat zumindest die Erde erst mal ein paar milionen Jahre ruhe vor dem dähmlichsten Wesen, daß je auf ihr herumlief.
    Nicht zufrieden damit zu sein ein Teil der Evelution zu sein, sondern zielgerichtet Evelution zu spielen, ist wohl die dümste Art sich überflüßig zu machen.

    Gruß Uwe Kauffmann

  17. Wolf Hardt Antworten | Permalink

    Forscher-Hybris

    Zu erwägen, „ inwieweit der Hippocampus durch einen Computership ausgetauscht werden kann.“ klingt nicht wirklich nach University of Southern California, das kommt eindeutig aus Absurdistan. Man bedenke, dass bisher noch kein Hirnforscher eine Ahnung hat, wie z.B. das Gedächtnis funktioniert. Sagt Wolf Singer. Und wenn Antonio Damasio sagt „Die Vorgänge im Gehirn liegen ebenso in der Reichweite der Wissenschaft wie der Ursprung des Universums“, ist er sich wohl bewußt, dass es niemals möglich sein wird, den Ursprung des Universums zu erforschen.

  18. Richard Antworten | Permalink

    ärtzliche Fehldiagnose als Wissensbasis

    Der gute Dr. Moody hat mit seinem Buch ´Leben nach dem Tod´ einfach lebende Menschen für Tod erklärt - und deren ´Nahtod´-Erlebnisse einer angeblichen Jenseitwelt zugeordnet.
    Seitdem hat sich die Gehirnforschung nicht mehr ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt. Dabei kann man bei diesen Erlebnissen dem eigenen Gehirn live(!) dabei zusehen, wie es einen Scan des episodischen Gedächtnisses macht und die Erinnerungen neu bewertet.
    Man darf daran zweifeln, dass die Neurologie wirklich gute Zukunftsprojekte entwickelt, wenn ihr solche Fehler unterlaufen.

  19. Volker Halstenberg Antworten | Permalink

    Unvermeidliche Entwicklungen

    Ich denke, dass die Fortschritte in und das interdisziplinäre Zusammenspiel zwischen Neurowissenschaften, Nanotechnologie, Genetic Engineering, Bioinformatik, AI, Quantenmechanik und Robotik zwangsläufig zu "getunten" Menschen und Mensch-Maschine-Wesen, also Androiden oder Cyborgs führen wird.
    Die wären übrigens im Vergleich zum puren Maschinendesign und zum rein genetisch getunten Menschen um Vieles leistungs- und widerstandsfähiger. Ray Kurzweil hat sich sehr kurzweilig mit derartigen Themen beschäftigt.
    http://www.kurzweiltech.com/aboutray.html

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