Keine Chance für Doofe

8. September 2010 von Stefanie Reinberger in Sex

Dumm fickt gut, heißt es. Ob da was dran ist, darf jeder selbst ausprobieren. Sicher ist aber: Minderbemittelte tun's weniger erfolgreich – zumindest bei Mäusen. Das haben Max-Planck-Wissenschaftler aus Dresden und Leipzig herausgefunden.

Die Forscher untersuchten Mäuse, mit defekten Aspm-Gen. Schäden in dieser Erbanlage können beim Menschen zu Mikroenzephalie führen – einer dramatischen Verkleinerung von Kopf und Gehirn, die mit einer geistigen Behinderung einhergeht. Auch bei Mäusen führt ein Defekt in diesem Gen dazu, dass das Denkorgan zu klein gerät, wenn auch nicht so extrem wie beim Menschen.

Doch nicht nur das: Nager mit verstümmeltem Aspm-Gen besitzen auch mickrige Hoden und Eierstöcke. Außerdem haben sie weniger Nachkommen: Weibchen werden seltener trächtig und die Mausböcke (Ja!! Das heißt so!!!) produzierten zehnmal weniger Spermien als ihre gesunden Artgenossen. Demnach, stört ein Ausfall von Aspm bei den Tieren auch die Entwicklung der Geschlechtsorgane und sorgt dafür, dass doofe Mäuse sich schlechter vermehren.

Ob Mutationen im ASPM-Gen des Menschen einen ähnlichen Effekt haben, muss sich noch zeigen. Viel interessanter ist die Frage, wie sich der mögliche Zusammenhang zwischen Minihirn und Mickerhoden auf die Evolution auswirkte. Bislang war man davon ausgegangen, dass bestimmte Varianten im ASPM-Gen einen Selektionsvorteil boten, weil sie mit einem größeren Gehirn einhergingen. Nach den neusten Ergebnissen könnte man aber auch folgern, dass die Schlauermeier einfach fruchtbarer waren und sich deswegen auch Varianten für dicke Denkorgane besser durchsetzen konnten.

Mir macht das Ganze ja ein bisschen Angst: Wenn ich mich nachher auf dem Heimweg in der U-Bahn nach Köln-Mülheim umschaue, werde ich mich sicher fragen, wie schlimm es noch hätte kommen können...


8 Kommentare zu “Keine Chance für Doofe”

  1. T. Antworten | Permalink

    Newton für Dummies:

    Da haben Sie ja ein jahrhuntertealtes Rätsel der Wissenschaftsgeschichte aufgeklärt ;-) : Newton's seltsam danebengegangene Frauengeschichten ...

    Denn Newton war leicht mikrozephal, was ein führender Newtonspezialist durch den Vergleich von Newton-Bildern und Statuen mit von ihm benutzten Kleidungsstücken, Stühlen und Spazierstöcken rekonstruierte. Üblicherweise wird ja berichtet, Newton sei infolge seiner Frühgeburt sehr klein usw. gewesen, der engl. Newtonforscher meinte, dies und seine sonstigen Eigenheiten wie die mutmaßliche Mikrozephalie seien wohl eher durch den Alkoholkonsum seiner Mutter während der Schwangerschaft entstanden.

  2. Michael Khan Antworten | Permalink

    Brilliante Einleitung!

    Titel und Einleitung sind rekordverdächtig. Der Aufforderung zum Selbstversuch ...

    Ob da was dran ist, darf jeder selbst ausprobieren.

    ... steht ein praktisches Problem entgegen, und zwar das Naturgesetz, dass nichts auf der Welt so gerecht verteilt ist wie die Intelligenz, denn jeder meint, er habe genug davon.

  3. Joe Dramiga Antworten | Permalink

    Heterozygot oder Homozygot?

    Wenn ich Dich richtig verstehe, waren die Mäuse mit defektem Aspm-Gen heterozygot.

    Was ist mit den Mäusen die homozygot für das defekte Aspm-Gen sind?
    Ist das lethal?
    Wenn es nich lethal ist, können die sich überhaupt fortpflanzen?

  4. Dr. Möller-Kraubler Antworten | Permalink

    Sehr geehrter Herr Khan,

    Sie vergaßen zu vermerken, dass es sich bei dem von Ihnen zitierten "Naturgesetz" um ein altes Französisches Sprichwort handelt.

    MfG Dr. Möller-Kraubler

  5. Stefanie Reinberger Antworten | Permalink

    homozygote Mäuse

    Hallo Joe, die Mäuse sind tatsächlich homozygot.

    Hier die Originalpublikation:
    Jeremy N. Pulvers et al (2010) Mutatuins in mouse Aspm (abnormal spindle-like microencephaly as-soiated) cause not only microencephaly but also major defects in the germline. PNAS Early Edition 6. September 2010

  6. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    Dumme Mäuse?

    Na, sind damit jetzt Herrn Sarazins Thesen zur Bevölkerungsentwicklung wiederlegt oder was?

    Nein, das Kernproblem ist, dass diese Beobachtung gerade keinen kausalen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Fortpflanzung nahelegt, sondern dass in diesen Mäusen sowohl das Gehirn als auch die Fortpflanzungsorgane durch das Gen geschädigt scheinen.

    Dass man sich mit geschädigten Fortpflanzungsorganen schlechter fortpflanzen kann, für diese Erkenntnis hat man sicher kein Experiment nötig.

  7. Stefanie Reinberger Antworten | Permalink

    Spaß muss sein

    Kann man Wissenschaft nicht auch mal mit einem Augenzwinkern kommentieren? Ganz ehrlich: ich finde, bloggen soll Spaß machen. Für bierernste Artikel nehme ich Geld... ;-)

  8. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    Augenzwinkern

    Natürlich kann man das; das Augenzwinkern habe ich persönlich hier allerdings nicht wahrgenommen. Muss wohl an meinen mangelnden Humorgenen liegen. ;-)

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