Lieber den Spatz in der Hand

1. Oktober 2010 von Stefanie Reinberger in Allgemein

...als die Taube auf dem Dach, sagt man. Und ich zitiere die alte Redensart nicht nur, weil ich Tauben nicht besonders gerne mag. Ich würde den kleinen braunen Gesellen nämlich überall gerne sehen, nur nicht auf der Roten Liste. Genau dort hält er aber Einzug, weshalb ich ihn beim Blogkarneval der bedrohten Arten als meinen Kandidaten ins Rennen schicke.

Noch gibt es Spatzen in rauhen Mengen, sollte man meinen: Zwischen 5,5 und 11 Millionen Vertreter des Haussperlings (Passer domesticus) flattern durch die Bundesrepublik, beim Feldsperling (Passer montanus) sollen es 1 bis 1,6 Millionen sein. Trotzdem sind Tierschützer alarmiert: Denn der Bestand ist rückläufig – so stark dass die Flattermänner auf der Vorwarnliste zur Roten Liste gelandet sind. Diese so genannte Kategorie V zählt Arten auf, die derzeit noch nicht gefährdet sind, deren Bestände aber merklich zurück gehen.

Haussperling Foto: NABU/R.Siegel
Haussperling Foto: NABU/R.Siegel

Vielerorts hat sich die Sperlingspopulation seit den 1980er-Jahren um bis zu 50 Prozent reduziert. Besonders schwer tut sich der Spatz in europäischen Großstädten: In London ist er kaum noch anzutreffen, Hamburg verzeichnet nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung einen Rückgang um 85 Prozent. Auch in anderen Städten wie Düsseldorf, Köln oder Dortmund macht er sich langsam rar, und selbst in der Spatzenhochburg Berlin sind die Zahlen rückläufig.

Der Spatz mag keinen Klimaschutz
Problem Nummer eins für den Spatz: Er findet immer weniger Nistmöglichkeiten. Denn gedämmte Fassaden und dichte Dächer senken zwar die Heizkosten und schützen das Klima, doch wo keine Nischen, Mauerlöcher und lose Dachpfannen zu finden sind, können die Höhlenbrüter nicht mehr nisten.

Außerdem scheint es den kleinen Kerlchen in unseren Städten zu ordentlich zu sein: Je mehr verwilderte Grünflächen den ästhetischen Ansprüchen von Städteplanern und Co zum Opfer fallen, desto knapper wird das Nahrungsangebot für den Spatzen. Der Einsatz von Pestiziden tut ein Übriges dazu. Zwar sind erwachsene Tiere Allesfresser, eine gesunde Brut braucht aber proteinreiche Nahrung wie fette Würmer oder zarte Insekten und deren Larven.

Helfen könnte daher tatsächlich ein bisschen weniger Ordnung, sowie Nistkästen, die dem Spatz das Brüten erleichtern – bevor aus dem Allerweltsvogel irgendwann eine Rarität wird. Sonst heißt es irgendwann, das alte Sprichwort umzudrehen. Der Volksmund nennt den Spatz nämlich als Synonym für Alltägliches, während die Taube das Besondere, Wertvolle verkörpert. Aber soweit werden wir es hoffentlich nicht kommen lassen...

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