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Wörterwahl nach Wutsherrenart

18. Dezember 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ich habe ja nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich wenig Begeisterung für die Wahl von Wörtern zum Wort, Unwort, Jugendwort oder überflüssigsten Wort des Jahres oder Monats, zum schönsten ausgewanderten oder eingewanderten oder zum schönsten Wort überhaupt aufbringen kann. Ich habe ja nichts gegen Wörter. Viele meiner besten Freunde sind Wörter. Aber, das wird man ja wohl noch sagen dürfen, auszeichnen sollte man keins von ihnen. Wörter sollen ihre Arbeit erledigen, nämlich, uns beim Reden zu helfen, und davon... weiter

 

Nen kurzer Nachtrag

15. Dezember 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ein kurzer Nachtrag zu nen: Ein Kommentator dort hat im Digitalen Wenker-Atlas nachgeschlagen und darin Belege für nen bisschen gefunden (diese Phrase taucht dort in Satz 31 auf und die Formen des indefiniten Artikels sind auf Karte 432 zusammengetragen). Ich habe diesen Dialektatlas, in dem der Dialektologe Georg Wenker die Ergebnisse einer Fragebogenerhebung festhielt, die er 1887 durchgeführt hatte, daraufhin noch einmal systematisch durchsucht und die Belege für nen bisschen in eine Google-Karte übertragen (dabei bin ich nach Augenmaß vorgegangen,... weiter

 

Schneewittchen does Peking

12. Dezember 2010 von Anatol Stefanowitsch

Durch einen Tweet vom exzellenten Markus Trapp bin ich eben auf eine AFP-Meldung aus China aufmerksam geworden, die seit ein paar Tagen durch die westliche Presse geistert und in der es um einen scheinbar peinlichen Fehler bei der Übersetzung von Grimms Märchen ins Chinesische geht. Hier die deutsche Version der Meldung: Peking — Eine neue Auflage der Grimmschen Märchen ist in Windeseile aus den Kinderbuchregalen in China genommen worden, weil der zuständige Verlag aus Versehen eine pornografische Variante des weltbekannten... weiter

 

Muschi gesucht

10. Dezember 2010 von Anatol Stefanowitsch

Was ist Edmund Stoiber für den Kosenamen verlacht worden, den er seiner Frau gibt. Während des Wahlkampfes zur Bundestagswahl 2002 hatte man tageweise den Eindruck, sein (scheinbar) unglücklich gewähltes „Muschi“ sei das eigentliche Problem, und nicht, dass er damals schon die katastrophale Politik gemacht hätte, die die schwarzgelbe Koalition heute macht. Aber war der Spott gerechtfertigt? Oder war es nur unsere kollektive schmutzige Phantasie, die ein unschuldiges Wort für kleine Kätzchen mit einer neckischen Bezeichnung für das primäre weibliche Geschlechtsorgan... weiter

 

Kein Bock auf nen interessantes grammatisches Phänomen?

6. Dezember 2010 von Anatol Stefanowitsch

Vor einigen Wochen hat mir Kathrin Passig die folgende, mit der Betreffzeile „Ich hab nen Haus, nen Äffchen und nen Pferd“ versehene sprachwissenschaftliche Frage gestellt: Etwa einmal im Jahr versuche ich zu ergoogeln, ob inzwischen jemand eine Erklärung für den Vormarsch des „nen“ gefunden hat, das an die Stelle von „n“ tritt. Ich weiß nicht einmal, ob es sich um ein regionales Phänomen handelt; in Berlin ist es jedenfalls häufig zu hören. Leider bleiben meine Googleversuche ergebnislos bis auf das... weiter

 

Was hast du getan, Google?

18. November 2010 von Anatol Stefanowitsch

Heute hat Google den Dienst Street View in Deutschland gestartet. Nachdem ja bereits bekannt war, dass etwa 250 000 Menschen die Verpixelung ihrer Häuser und Wohnungen beantragt hatten, war ich auf das Schlimmste gefasst, als ich mich auf einen virtuellen Spaziergang durch meine Geburtsstadt Berlin begeben habe. Aber ich habe dabei unterschätzt, wie sehr die Straßenansichten durch die Verpixelung tatsächlich entstellt werden. Die eingetrübten Vier- und Vielecke, die einem alle paar Schritte die Sicht versperren, sind wie ein Schlag vor... weiter

 

Gerechte Sprache und Sprachpurismus

12. November 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ich werde immer wieder dafür kritisiert, dass ich mich um politisch korrekte Sprache bemühe (siehe z.B. hier, hier und hier), obwohl dies doch im direkten Gegensatz zu meiner Grundüberzeugung stünde, dass ein normatives Herangehen an Sprache sinnlos und falsch sei. Sehr klar hat diese Kritik Sprachlogleser Gregor in einem Kommentar zu meinem Beitrag über das Wort Rehkid formuliert: Ich finde diesen Blog durchaus interessant und relevant, und obwohl ich persönlich durchaus für eine behutsame Sprachpflege bin, kann ich vieles, was... weiter

 

Affensprache

9. November 2010 von Anatol Stefanowitsch

Jedes Mal, wenn ich mich aus irgendeinem Grund auf die Webseiten des VDS begebe (was übrigens sehr selten ist: In den bisher fünfzig Beiträgen im Sprachlog werden die Dortmunder Sprachnarren nur viermal erwähnt, [1], [2], [3], [4]), finde ich neben der typischen sprachpflegerischen Wirrnis auch Kuriositäten, über die sogar andere Sprachnörgler nur den Kopf schütteln dürften. In der unteren Ecke der Startseite verlinkt der Verein per Zufallsrotation auf die Pressemeldungen des Jahres, und als ich für meinen letzten Beitrag recherchiert... weiter

 

Die vielstimmige Gesellschaft und ihre Feinde

7. November 2010 von Anatol Stefanowitsch

Der Verein Deutsche Sprache hat ja bekanntlich große Angst vor einem Verfall, wenn nicht sogar vor einem Aussterben, der deutschen Sprache. Seit Jahren agitieren die sprachlichen Kleingärtner aus Dortmund deshalb gegen die Verwendung von englischen Lehnwörtern, zum Beispiel, indem sie regelmäßig einen Prominenten für „besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache“ als Sprachpanscher des Jahres an den Sprachpranger stellen. Allerdings mit gemischtem Erfolg: Die alljährliche Wahl, die in der Anfangszeit noch ein breites Presseecho fand, schafft es inzwischen... weiter

 

Sprachverfall in deutschen Wäldern

2. November 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ich bekomme nicht mehr soviel (physische und elektronische) Post von Sprachnörglern wie zu meinen besten Sprachnörglernörgler-Zeiten, aber zwei- bis dreimal im Monat bekomme ich immernoch E-Mails, und manchmal sogar Briefe, in denen mir besorgte Mitbürger eindringlichst den apokalyptischen Zustand der deutschen Sprache vor Augen führt und mich dann mehr oder weniger freundlich auffordern, meinen sprachwissenschaftlichen Häresien abzuschwören und mich endlich dem Kampf gegen die „Anglizismen“ und das „Denglisch“ anzuschließen. Dabei argumentieren die Sprachnörgler häufig so klischeehaft, dass ich davon ausgehen... weiter