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„Zuerst“ bedeutet nicht „wenige Tage danach“

20. März 2010 von Anatol Stefanowitsch

Nachdem ich Vorgestern auf die im Netzauftritt des VDS nachzulesende, frei erfundene Behauptung hingewiesen habe, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung sei zuerst auf Deutsch veröffentlicht worden, ist diese Behauptung gestern still und leise korrigiert worden. Gut zu wissen, dass man beim VDS das Sprachlog liest und manchmal sogar versteht, was ich hier schreibe. Vielleicht dringt auf diese Weise etwas Vernunft in die irrationale Phantasiewelt der Anglizismenjäger ein. Etwas verstörend, allerdings, dass man Fehler korrigiert ohne sie einzugestehen. So sah die Seite Vorgestern... weiter

 

Erfolgte die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auf Deutsch?

18. März 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ist gerade Vollmond, oder was lockt die VDS'ler in Scharen unter den Steinen hervor, unter denen sie normalerweise leben? Nach dem reizenden Kommentar, den Regionalleiter Lietz mir am Wochenende hier hinterlassen hat, finde ich heute morgen diese deutlich höflicher und orthografisch korrektere E-Mail in meinem Postfach: Sehr ungeehrter Juniorprofessor! Als Englischprofessor ist Ihnen die deutsche Sprache natürlich nichts wert, mit ihr können Sie sich nicht brüsten. Wer befangen ist, sollte einfach schweigen! Für einen Professor sind Sie außerdem ziemlich ungebildet.... weiter

 

Von der Rechtschreibprüfung in die Provinz verbannt

13. März 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ich bin ein großer Freund der „Korrektor“-Software aus dem Hause Duden, die es als Plug-In für OpenOffice.org und StarOffice gibt und der neben einer sehr guten Rechtschreibprüfung und einer sehr flexibel einstellbaren Silbentrennung auch eine passable Stil- und Grammatikprüfung bietet. Noch schöner wäre es, wenn man das Plug-In auch unter Firefox verwenden könnte, aber ich bin auch so zufrieden. Nur eine Sache irritiert mich sehr. Jedesmal, wenn ich das Wort Bremen tippe, und das ist nun einmal relativ häufig, unterstreicht... weiter

 

Die Deutsche Bahn, Bewahrerin der englischen Sprache

8. März 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ich bin ja zurzeit viel mit der Deutschen Bahn unterwegs und nutze, um die Reisezeit optimal zu verwerten, die Durchsagen als Forschungsobjekt. Deshalb habe ich mich natürlich besonders über den aktuellen Beitrag in Kristin Kopfs „Schplock“ gefreut, in dem sie sich mit einer Besonderheit des Bahnenglisch befasst, die deutlich interessanter ist als die Frage, ob „Call-a-Bike“ besser „Ruf-ein-Rad“ heißen sollte: Fast jedes Mal, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin, fällt mir eine kleine Eigenheit im Bahnenglisch auf: “Ladies and... weiter

 

Weltliterarische Illusionen

5. März 2010 von Anatol Stefanowitsch

Die „Aktion Lebendiges Deutsch“, bei der vier Obersprachnörgler jeden Monat nach Alternativen für englische Lehnwörter suchen, scheint zu schwächeln. Seit Ende November steht auf der Webseite der Aktion unverändert folgender Aufruf: Von „Statements“ werden wir umzingelt, Feststellungen also, mehr oder weniger wichtigen Verlautbarungen, zumal von Politikern. Sollte sich dafür nicht ein schlichteres, ein saftiges deutsches Wort finden lassen? Angebote bitte bis 18.12.2009. Die deutsche Sprache würde es verkraften, wenn die Aktion einschliefe, aber für mich wäre es eine mittlere Katastrophe:... weiter

 

Verzählt

27. Februar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Da wende ich dem Wissenschaftsfeuilleton nur kurz den Rücken zu, um mich ein paar Tage lang auf einer der wichtigsten Konferenzen der deutschen Sprachwissenschaft herumzutreiben, und verpasse dabei glatt die sprachwissenschaftliche Sensation des Jahrhunderts. Holger Dambeck weiß auf Spiegel Online nämlich Folgendes zu berichten: So sehr sich amerikanische und europäische Kinder in Mathe-Tests anstrengen – ihre Altersgenossen aus China sind besser. Dank eines einfacheren Zahlensystems können sie schon früh besser zählen und rechnen. Sprachforscher glauben, dass die Methodik auch deutschen... weiter

 

Unterwegs

21. Februar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ich komme gerade von einer Konferenz aus Kiel und sitze im Zug nach Nürnberg. Von da aus muss ich in eine kleine Universitätsstadt in der Nähe, wo ich einen Tag lang zu tun habe bevor ich auf die Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft in Berlin weiterfahre. Kurz danach muss ich dann schon nach Mannheim auf die Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache; vorher schaue ich vielleicht noch auf dem jährlichen Treffen der SciLogger vorbei, um meine neuen Mitblogger/innen persönlich kennenzulernen.... weiter

 

Die Spiegelung eines Plagiats in der Erschaffung von Wörtern

13. Februar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ich wollte nicht noch einmal auf den Fall Hegemann zurückkommen. Die ganze Angelegenheit wirkt mir inzwischen zu inszeniert -- die völlige Abwesenheit eines Unrechtsbewusstseins, die die Plagiatorin in jedem Interview demonstriert, die schmunzelnde Komplizenschaft des Feuilletons und das Beharren auf dem literarischen Talent der Plagiatorin mit dem immer gleichen Argument, dass Abschreiben „im Internet“ nun einmal normal und im Falle Hegemann sowieso eine Kunstform sei, das trotzige Festhalten an der Nominierung des Plagiats für den Preis der Leipziger Buchmesse. Der... weiter

 

Verstrahlte SMS-Kürzel [Wiederabdruck]

11. Februar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Die Ergebnisse der Auslese 2009 sind da, und das Bremer Sprachblog ist unter den Gewinnern. Der Beitrag „Verstrahlte SMS-Kürzel“ wurden von der Jury sogar als einer von zwei „absoluten Favoriten“ ausgewählt. Das freut mich natürlich unglaublich, denn Anerkennung ist das Beste, was einem als Wissenschaftsblogger passieren kann. Die anderen Sieger gehören für mich zu den Wegweisern der deutschen Wissenschaftsbloglandschaft und zur täglichen Lektüre und ich bin stolz darauf, mich in ihrer Gesellschaft wiederzufinden. Zur Feier des Tages möchte ich den... weiter

 

Intertextuelle Illusionen

10. Februar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Eine Siebzehnjährige schreibt einen Roman, der inhaltlich und sprachlich weit über ihren Erfahrungshorizont hinausgeht. Da es um Sex und Drogen geht und die Siebzehnjährige blond und – nun ja, siebzehn ist, kann sich das deutsche Literaturfeuilleton kaum einkriegen vor erregten Lobpreisungen. Sie bescheinigen ihr eine „ernste Wildheit, die in eine expressive Sprachgewalt drängt“ (Saarbrücker Zeitung), bezeichnen das Buch als „literarischen Kugelblitz“ (Die ZEIT) und „großen Coming-of-age-Roman der Nullerjahre“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und behaupten ohne Ironie, dass sich „wohl alle deutschsprachigen... weiter