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Wie man Männer zu Affen macht

25. Juni 2012 von Anatol Stefanowitsch

Die Rheinische Post hat gestern mit der Behauptung „Männer ähneln Affen mehr als Frauen“ die schlechteste Schlagzeile eines populärwissenschaftlichen Artikels geliefert, die mir in diesem Jahr untergekommen ist. Sie ist nicht nur falsch (was selbst biologisch nur schwach gebildeten Menschen intuitiv klar sein dürfte), sie beruht außerdem auf einem tief verwurzelten sexistischen Denkmuster. Aber von Anfang an. Die falsche Aussage und der sexistische Denkfehler stammen gar nicht von der Rheinischen Post selbst, sondern aus einer aktuellen Reportage des National Geographic... weiter

 

Special Woman sucht vielfliegenden Kreditgeber. Oder: Wie die Lufthansa die Welt sieht.

20. Juni 2012 von Anatol Stefanowitsch

Es gibt schlechte Werbung. Es gibt dumme Werbung. Und es gibt gefährliche Werbung. Ein Beispiel, das alle drei Kriterien erfüllt, ist eine aktuelle Mailingkampagne der Lufthansa, auf die mich jemand über diesen Blogbeitrag aufmerkam gemacht hat. Die Lufthansa verschickt in diesen Tagen folgendes Schreiben an die Inhaber von Miles-and-More-Kreditkarten: Die Verantwortlichen bei Lufthansa zeigen mit dieser Kampagne, dass sie an mindestens drei Stellen in den fünfziger Jahren hängengeblieben sind: mit ihrem Frauenbild, mit ihrem Rollenbild von Frauen in Beziehungen, und... weiter

 

Musikalische Männergefühle

19. Juni 2012 von Anatol Stefanowitsch

Vor ein paar Tagen gab es einige Aufregung um eine Werbekampagne des Musikversands Thomann, genauer gesagt, um ein Motiv daraus, das sich akkurat mit dem Fachbegriff „sexistische Kackscheiße“ beschreiben lässt. Die Werbekampagne präsentiert eine Reihe von Motiven, bei denen jeweils zwei unterschiedliche Bilder so zusammengefügt werden, dass das untere Bild eine Fortsetzung des oberen darstellt. Das obere Bild stellt dabei jeweils eine/n Musiker/in beim Musizieren (hauptsächlich Musiker, darauf komme ich dann auch gleich) dar, und ist mit dem Claim „PLAY... weiter

 

Sprachbrocken 23/2012

15. Juni 2012 von Anatol Stefanowitsch

Die Lübecker Nachrichten waren diese Woche ein solcher Quell sprachlicher Freuden, dass ich für die Sprachbrocken woanders gar nicht mehr suchen musste. Da schreibt ein Peter Intelmann zum Beispiel begeistert, aber anlass- und auch etwas ziellos über die polnische Sprache. Und die verwirrt ihn sehr, denn sie benutzt zwar das lateinische Alphabet, „aber es sind eben lateinische Buchstaben mit polnischem Migrationshintergrund“: Sie sind mit merkwürdigen Balken, Punkten und Häkchen verziert! Außerdem spricht man die Wörter gar nicht so aus, wie... weiter

 

Glückssucht und die Einsamkeit des Joachim Gauck

13. Juni 2012 von Anatol Stefanowitsch

Jedes Wort, das man an den Prediger der Eitelkeit verschenkt, der zu Zeit den Bundespräsidenten gibt, ist ja eines zu viel. Aber ganz unkommentiert möchte ich seine Kritik der Glückssucht doch nicht lassen. Was diese Kritik so interessant macht, ist, dass sie ungeplant war, und deshalb einen besseren Einblick in das Denken des Joachim Gauck bietet, als die sorgfältig geplanten und gegengelesenen Äußerungen, die er sonst so von sich gibt und die ja auch schon von einer bewusst kultivierten Herzlosigkeit... weiter

 

Die Wissenschaft und der Geist von ACTA

10. Juni 2012 von Anatol Stefanowitsch

Gestern habe ich auf der Berliner Anti-ACTA-Demonstration darüber gesprochen, warum man als Wissenschaftler/in ACTA und vor allem die dahinterstehende Ideologie strikt ablehnen sollte. Eine Aufzeichnung der Rede findet sich hier (ca. ab Minute 3:00). Hier ist der Text meiner Rede (da ich nicht Wort für Wort abgelesen habe, stimmt er mit der Aufzeichnung nicht haargenau, aber doch ziemlich weitgehend überein). Ich bin heute hier, um als Wissenschaftler und als Urheber über ACTA zu reden. Wenn ich mit Kollegen an der Uni... weiter

 

Sind Piratinnen Piraten?

5. Juni 2012 von Anatol Stefanowitsch

In einem Text, in dem ständig über eine oder mehrere gemischtgeschlechtliche Personengruppen geredet wird, muss man eine Lösung dafür finden, wie diese zu bezeichnen sind. Vor diesem Problem steht im Moment die Piratenpartei mit ihrer Satzung, in der durchgängig von Piraten die Rede ist, obwohl natürlich auch Piratinnen gemeint sind. Eine Reihe von Liquid-Feedback-Inititativen befasst sich aktuell mit der Frage, wie dieses Problem zu lösen ist, und Miriam Seyffarth hat mich über Twitter gefragt, wie ich diese Inititativen bewerte und... weiter

 

Sprachbrocken 21.2/2012

27. Mai 2012 von Anatol Stefanowitsch

Die Bibel ist nicht nur eins der am meisten verkauften und am wenigsten gelesenen, sondern auch eins der am häufigsten übersetzten Bücher. In über 400 Sprachen ist sie übertragen worden, und seit kurzem, so meldet die Süddeutsche Zeitung, zählt zu diesen Sprachen auch die Sprache der kanadischen Inuit. Einfach war es wohl nicht, diese Übersetzung anzufertigen, denn das Inuktitut hat keine Wörter für zentrale biblische Konzepte wie den „Esel“ auf dem Jesus reitet, die „Schäfchen“ (wie die Follower des „guten... weiter

 

Sprachbrocken 21.1/2012

25. Mai 2012 von Anatol Stefanowitsch

Manchmal quäle ich mich ja etwas, um für diese Kolumne interessante oder kuriose Meldungen über Sprache und Sprachen zusammenzuklauben, aber diese Woche war die Ausbeute so reichhaltig, dass sie für zwei Mal Sprachbrocken reicht. Und da ich zur Zeit sonst nicht viel schreibe, bekommen die geschätzen Leser/innen des Sprachlogs deshalb heute und morgen eine Portion. Der erste Gang steht dabei ganz im Zeichen unserer Freunde vom Verein Deutsche Sprache, die ihr fehlendes Wissen über Sprache ja stets sehr lobenswert durch... weiter

 

Sprachbrocken 19-20/2012

19. Mai 2012 von Anatol Stefanowitsch

Da gibt es eine winzige sprachliche Minderheit, die sich nicht nur weigert, die Sprache der Mehrheit zu lernen, sondern die es sogar geschafft hat, ihre Sprache durch Gesetze schützen zu lassen. Und jetzt beschwert sich diese Minderheit, die nur knapp 0,7 Prozent der Bevölkerung stellt, dass die Rettungsstellen nicht rund um die Uhr mit Leuten besetzt sind, die ihre Sprache sprechen. Sie werden wohl lernen müssen, dass Minderheiten der Mehrheit ihre Sprache nicht aufzwingen können – diese integrationsunwilligen Deutschsprachigen in... weiter