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Auch in 2012 darf man „in 2012“ sagen

23. Dezember 2011 von Anatol Stefanowitsch

Im Zuge der Nominierungen zum Anglizismus des Jahres ist auch die Verwendung von in mit Jahreszahlen nominiert. „Es ist für mich der kleinste aber widerwärtigste Anglizismus, den jedes halbakademische Bullshitbingoopfer in jeder Besprechung allzu häufig verwendet“, schreibt der Nominierende. „Warum müssen wir in unserem Sprachgebrauch ein Wort einfügen, wo es bei uns gar nicht notwendig ist? Das hatten wir bereits 2010 diskutiert und nicht in 2010 – meinetwegen im Jahre 2010.“ Mit dieser Abneigung ist er nicht allein. Immer wieder... weiter

 

Dreh den Stresstest auf

17. Dezember 2011 von Anatol Stefanowitsch

Ohne Wörterwahlen wäre die Welt vielleicht kein besserer, aber ganz sicher auch kein schlechterer Ort -- aber da ich selbst in verantwortlicher Position an einer Wörterwahl beteiligt bin, fühle ich mich verpflichtet, auch die Arbeit der anderen wohlwollend zu kommentieren. Vom Jugendwort des Jahres war ich ja durchschnittlich angetan (wobei die Jury selbst noch weniger begeistert wirkte). Ich will aber klarstellen (das habe ich in meinem Beitrag letzte Woche versäumt), dass das Jugendwort 2011 -- swag -- bei Weitem das... weiter

 

Kritiklos abgeschrieben?

16. Dezember 2011 von Anatol Stefanowitsch

In der letzten Woche hat Spiegel Online über ein Gerichtsverfahren berichtet, in dem es um die Journalistin Irene Meichsner und den Potsdamer Professor Stefan Rahmstorf, Klimafoscher und Mit-SciLogger (Klimalounge) ging. Meichsner hatte Rahmstorf wegen bestimmter Aussagen in einem Blogbeitrag verklagt, in dem der sie wegen eines Artikels in der Frankfurter Rundschau und im Kölner Stadt-Anzeiger kritisiert hatte. Meichsner sah sich durch drei von Rahmstorfs Aussagen in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt, und das Gericht gab ihr in zwei von drei Fällen recht.... weiter

 

Frauen natürlich ausgenommen

14. Dezember 2011 von Anatol Stefanowitsch

Nachdem ich vor einigen Wochen über die grundsätzlich diskriminierende Struktur von Sprache geschrieben habe, möchte ich heute auf ein spezielles Problem des Deutschen (und vieler anderer Sprachen) zurückkommen, das auch hier im Sprachlog schon mehrfach zu erhitzten Debatten geführt hat: Das sogenannte „generische Maskulinum“. Es hält sich, sowohl im Sprachgebrauch selbst als auch in der Diskussion über Sprache, hartnäckig das Gerücht, man könne bei geschlechtlich gemischten Gruppen von Menschen einfach maskuline Bezeichnungen verwenden, also etwa eine Gruppe von Studentinnen und... weiter

 

Anglizismus des Jahres: Zwischenmeldung

8. Dezember 2011 von Anatol Stefanowitsch

Obwohl die Nominierungen zum Anglizismus des Jahres noch bis zum 31. Dezember laufen, ist es höchste Zeit für eine Zwischenmeldung. Bis heute sind nämlich bereits 46 Wortvorschläge eingegange (einige davon mehrfach). Zum Vergleich: Im letzten Jahr wurden bis Ende Dezember nur 38 Wörter nominiert. Bei den Themenbereichen, aus denen die nominierten Wörter stammen, gibt es einen auffälligen Unterschied zum letzten Jahr: Die Finanzkrise, die uns ja eigentlich schon länger beschäftigt, ist mittlerweile offensichtlich so präsent, dass sie sich in einer... weiter

 

Swaghalsige Jugendwörter

6. Dezember 2011 von Anatol Stefanowitsch

Der Langenscheidt-Verlag, der es als Herausgeber exzellenter Wörterbücher eigentlich nicht nötig hätte, macht sich seit 2008 jedes Jahr mit der Wahl zum „Jugendwort des Jahres“ zum Affen. Nicht, weil es keine Jugendwörter gäbe -- die gibt es, und sie werden auch sprachwissenschaftlich untersucht (zum Einstieg empfehle ich Schlobinski 2002). Sondern, weil der Langenscheidt-Verlag kein Interesse an Jugendwörtern hat, und sich folgerichtig auch nicht bemüht, etwas über Jugendwörter herauszufinden -- oder wenigstens Jugendwörter zu finden. Statt dessen wird einer Jury aus... weiter

 

Sprache diskriminiert

30. November 2011 von Anatol Stefanowitsch

Gestern habe ich an einer Podiumsdiskussion der Bundeszentrale für politische Bildung mit dem Thema „Wort und Wirklichkeit: Kann Sprache diskriminieren?“ teilgenommen, deren Ergebnisse ich auf vielfachen Wunsch in einigen Blogbeiträgen aufarbeiten möchte. Ich beginne heute mit den Gedanken, die ich mir vor der Diskussion zu der Frage „Kann Sprache diskriminieren“ gemacht und notiert hatte. Das lateinische Verb discriminare bedeutet „trennen“, „unterscheiden“, und in dieser Bedeutung wurde es im 17. Jahrhundert in verschiedene europäische Sprachen entlehnt. Im Deutschen findet es sich... weiter

 

Wortschatzerweiterungen

24. November 2011 von Anatol Stefanowitsch

Ab und zu fehlen selbst den eloquentesten Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft die Worte -- dann nämlich, wenn deren Sprache für einen bestimmten Sachverhalt schlicht kein Wort bereitstellt. In der Sprachwissenschaft spricht man hier allgemein von lacunae, oder, weniger latinisiert, von „lexikalischen Lücken“. Interessant sind diese Lücken natürlich nur dann, wenn ein Wort für einen an sich bekannten Sachverhalt fehlt, und nicht dann, wenn ein Wort fehlt, weil das zu Bezeichnende selbst unbekannt ist. Das Deutsche hatte bis in die 1990er Jahre... weiter

 

Der Ekel des Hofmedicus vor kecken Studentinnen

21. November 2011 von Anatol Stefanowitsch

Im Zusammenhang mit meiner kleinen Untersuchung zu Aufstieg und Fall des Wortes Studierende habe ich auch nach frühen Verwendungen des Wortes Studentin gesucht, und dabei dieses Juwel entdeckt: Henrich Matthias Marcard, Königlich Großbrittanischer Hofmedicus zu Hannover, Mitglied der Königlichen Großbrittannischen und Königlichen Dänischen Gesellschaften der Aerzte zu Edinburg und zu Copenhagen, der Goettingischen Societät der Wissenschaften Correspondenten, beschreibt junge Menschen, die er in Pyrmont beobachtet hat. Um es mal so zu sagen, er hat für junge Leute nicht viel übrig... weiter

 

Langlebige Studierende

18. November 2011 von Anatol Stefanowitsch

In einem kurzen Anflug von Verwaltungsfrust habe ich gestern nostalgisch folgenden Satz getweeted: „Wisst ihr noch, früher, als die Univerwaltung für die Lehrenden und Studierenden gearbeitet hat?“. Kein bedeutsamer Satz, denn einen kurzen Anflug von Verwaltungsfrust hat jede/r Universitätsmitarbeiter/in (inklusive derer in der Verwaltung) etwa drei Mal pro Minute. Neben viel Zustimmung kam kurz darauf aber auch die Antwort „Früher hießen die auch noch Professoren und Studenten und nicht Lehrende und Studierende.“ Denn nichts löst so zuverlässig Kopfschütteln aus, wie... weiter