Terror und Realpolitik – einige weitere Überlegungen

19. Juli 2014 von Yoav Sapir in Israel

Vor etlichen Jahren saß ich bei einem Charlottenburger Österreicher mit einem Freund. Wir hatten beide einen exzellenten Tafelspitz und diskutierten über die jüdische Scheu vor dem eigenen Terror.

Gemeint ist damit zweierlei: sowohl die Zwanghaftigkeit, mit der mögliche, selten auch tatsächliche Terrorangriffe jüdischerseits abgelehnt werden; wie auch die Verdrängung der eigenen Geschichte von den eigenen Terroristen, von Samson bis Ben-Gurion.

Der heutige Durchschnittsjude empfindet also den Terror als Unkultur, als etwas, was sich nicht gehört und dem weniger entwickelten Orient, dem Gegner, zugeschrieben wird. "Wir" aber sollten besser, überlegen sein.

Mir scheint aber, die jüdische Scheu hat vor allem mit Angst zu tun: Was würden uns die anderen nachsagen? Was würden sie von uns halten? Seit dem 18. Jahrhundert will das Judentum andere Völker beeindrucken. Dies ist der rote Faden, der von Moses Mendelssohn über Abraham Geiger und Fritz Haber bis zu Ben-Gurion und 1967 führt: unterschiedliche Ausdrucksweisen derselben Botschaft, unterschiedliche Mittel zum selben Zweck.

Dazu gehört auch die heutige Vorstellung vom israelischen Militär als "äußerst moralisch", obwohl es überhaupt nicht die Aufgabe eines Militärs ist, moralisch zu sein (wenn schon, dann eher erfolgreich und effizient zu sein). Denn der Jude ist, nein: der Jude hat weise, stark und vor allem anständig zu sein.

Da Terror nun doch nicht so viel mit Anstand zu tun hat, scheut sich der Durchschnittsjude davor, denn das könnte zum Verlust des Respekts oder der Zuneigung anderer Völker führen (wobei ich mich frage, warum und wozu wir immer noch so viel Wert darauf legen, was andere von uns halten).

Nun stellt sich die Frage, ob die obige Befürchtung überhaupt begründet ist - also ob die Verwendung von Terror tatsächlich notwendigerweise zum Verlust von Unterstützung führt. Teilweise ist das wohl der Fall (man denke etwa an die abgeschossene Maschine über der Ostukraine), aber ist das immer, zwingend der Fall?

Wenn man sich die lange Geschichte des arabischen Terrorismus anschaut, drängt einem ein anderer Eindruck auf. Der seit dem 19. Jahrhundert andauernde Terror gegen die Juden hat den arabischen Tätern noch kaum geschadet. Im Gegenteil: Der Terror scheint ihnen realpolitische Gewinne gebracht zu haben, indem er ihr Narrativ bekannt gemacht und medial aufrecht erhalten hat.

Dazu kommt aber ein weiterer Aspekt: Die jahrzehntelange Berichterstattung über arabische Terroristen hat größtenteils nicht dazu geführt, dass man sich vom Konstrukt eines judenfreien Palästina distanziert hätte. Ganz im Gegenteil: Die Täter scheinen einen gewissen Charme, eine gewisse Aura gehabt zu haben, der viele Europäer anheim gefallen sind. Je mehr Terror, umso mehr Unterstützung haben die Täter erhalten, bis hin zu tatkräftiger Komplizenschaft von Europäern, wie etwa 1972 bei Olympia in München oder 1976 bei der Entführung der Maschine nach Entebbe.

Diese Entwicklung in der realpolitischen Praxis widerspricht vehement den oben erwähnten, theoretisch fundierten Erwartungen, dass Terrorismus negative Auswirkungen auf die Täter nach sich zöge. Dieser Widerspruch will erklärt werden und ich vermute, er hat mit den Widersprüchlichkeiten der menschlichen Psychologie zu tun.

Es scheint nämlich so, dass etwas Gewisses den Tätern immer wieder einen Hauch von Heldentum verleiht, der ihrer Sache wiederum umso mehr "wohlwollende" Unterstützer bringt. Was könnte dieses etwas sein? Meiner Meinung nach ist es eben ihre Handlungsweise, also der Terror. Genauer gesagt: Es geht hier um eine dialektische, scheinbar absurde Auswirkung, verursacht durch die Bereitwilligkeit der Täter zu terroristischen Angriffen - aber nicht trotz, sondern gerade aufgrund der negativen Bewertung solcher Handlungen. Dass der Täter - angeblich allein "um seiner Sache willen" - sich nicht das "Privileg" gönnt, dem anstandslosen Dreck des Terrors fernzubleiben, zeigt seinen Opfergeist, sein Heldentum. Dass er trotz allen Ekels in diesen Dreck eintaucht, macht seine Sache umso edler.

Wir haben es hier folglich mit einer cleveren Verdrehung zu tun, bei der der Terrorist nicht mehr Täter ist, sondern aufgrund seines Opfersinns (man denke etwa an Selbstmordattentäter) zu dem eigentlichen, sozusagen erstrangigen Opfer wird. Der terroristische "Märtyrer" wird in diesem (wohl weitgehend unbewussten) Interpretationsmuster von seinem Gegner - sprich: von seinen direkten Opfern - dazu genötigt, das zu tun, was er angeblich "gegen seinen eigentlichen Willen" tun müsse. So gesehen habe der Täter keine andere Wahl als ein Terrorist zu werden. Schuld daran sei der Gegner, die ihm keine andere Wahl ermögliche, als seinen Anstand zu opfern und den Gegner mit Terror anzugreifen. So wird nicht nur der Täter zum Opfer, sondern auch das Opfer zum Täter. Die Verdrehung ist nun vollzogen: Die eine Sache, die den Terror "erzwingt", sei böse; die andere Sache, für die sich der Terrorist "opfert", sei gut.

Ob das keine Einladung ist, sich nicht vom Terror fernzuhalten? Mir scheint, dass immer mehr Juden beginnen, diese schreckliche Wahrheit zu begreifen und von den Arabern etwas über Realpolitik zu lernen, was wir früher auch gut konnten und inzwischen fast verlernt haben: ein Samson zu sein, Terroristen, Selbstmordattentäter.

 


22 Kommentare zu “Terror und Realpolitik – einige weitere Überlegungen”

  1. doublemoth Antworten | Permalink

    Das hat nichts mit dem Terror zu tun. Es ist einfach ein Kampf David gegen Goliath, wobei Goliath hier witzigerweise Israel ist. Und der große Goliath ist immer der Böse in den Köpfen der Menschen. Ob es jetzt Unternehmen, Staaten, Personen oder sogar größere Tiere sind, die Leute schlagen sich meist auf die Seite des vermeintlich Schwächeren. Hinzu kommt noch ein latenter Antisemitismus in Europa und schon haben wir wieder die bösen Juden.

  2. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Für eine gerechte Sache Gewalt bis zur Selbstaufopferung zu leisten gilt in Europa schon lange als gerechtfertigt und sogar für ehrenvoll, ja heldenmütig. Für eine bessere Zukunft und um das Joch der Sklaverei abzuwerfen wurden zuerst in der französischen Revolution fast der ganze Adelsstand und später sogar Bürger, die als Verräter an der Sache galten, liquidiert.
    Widerstandsbewegungen wie die Résistance im besetzten Frankreich arbeiteten mit terroristischen Mitteln, kaum jemand hat das später kritisiert - im Gegenteil. Und jetzt sehen viele Europäer die Hamas oder Fatah als Widerstandsbewegungen, eine Sicht die ihnen automatisch eine gewisse Legitimät verleiht. Nicht wenige hier denken wohl, die Hamas vertrete die legitimen Interessen der Bewohner des Gazastreifens - und das obwohl hier durchaus auch bekannt ist, dass die Hamas auch gegenüber den Gazabewohnern hart auftritt und ihnen das Leben schwer macht. Eine Widerstansbewegung, deren Sache als gerecht gilt, kann sich vieles erlauben. Dazu kommt noch die Empathie mit den scheinbar machtlosen und gegenüber den Israeli Ohnmächtigen, deren viele Raketen nicht treffen und den Israelis nichts anhaben können. Besonders deutlich hab ich diese Solidarität mit den Palästinensern bei einem SPON-Artikel von Jakob Augstein gespürt (nicht aktuell, sondern vor 1,2 Jahren), wo er sich darüber echauffierte, dass die Bild-Zeitung die Bewohner Tel Avivs mit denen Berlins verglich, was ihn veranlasste, die ultraorthodoxen Juden in die geistige Nähe von Terroristen zu rücken und zwar nur deshalb weil er ein Mitfühlen mit den von den Raketen bedrohten Bewohnern Tel Avivs verhindern wollte.
    Wenn Terrorismus einmal akzeptiert ist, weil eine gerechte Sache dahintersteht, dann ist Terrorismus auch ein Mittel um sich in Erinnerung zu rufen. Wenn keiner hier in Europa mehr an die Hamas denkt, dann kann sie sich mit einem terroristischen Akt zurückmelden.

    Den Israeli steht der Terrorismus als Kampfmittel aber nicht offen, denn dazu bräuchten sie zuerst ein Narrativ und eine Situation in der Terrorismus als letzte Option erscheint.

    • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

      @ Herr Holzherr :

      Für eine gerechte Sache Gewalt bis zur Selbstaufopferung zu leisten gilt in Europa schon lange als gerechtfertigt und sogar für ehrenvoll, ja heldenmütig.

      Das Fachwort lautet hier Tyrannenmord. Der ist "ein wenig" in abrede gestellt durch modische neomarxistische Entwicklung, zum Vergleich könnte hier der sogenannte Haustyrannenmord herangezogen werden; nichtsdestotrotz gilt er auch heute noch als angemessen in bestimmten Kreisen.
      Ewald von Kleist-Schmenzin wusste zum Beispiel seinen Sohn auf ein mögliches Hitler-Attentat bezugnehmend wie folgt zu beraten: 'Ja, das musst du tun. Wer in einem solchen Moment versagt, wird nie wieder froh in seinem Leben.'
      Funktionieren tut derartige Selbstopferung am besten in intakten Familienverhältnissen, dort wo noch in Generationen gedacht wird, Stauffi und so.
      Nicht schlecht natürlich auch die Abreise und nachfolgende Bekämpfung eines Diktators, wie bspw. von Willy Brandt oder Marlene Dietrich vorgenommen, Herbert Wehner soll an dieser Stelle einmal nachrangig bearbeitet werden.

      Heute natürlich fast undenkbar.

      MFG
      Dr. W

  3. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Der heutige Durchschnittsjude empfindet also den Terror als Unkultur, als etwas, was sich nicht gehört und dem weniger entwickelten Orient, dem Gegner, zugeschrieben wird. "Wir" aber sollten besser, überlegen sein.

    Rechtsstaaten, die im Sinne der Ideen und Werte der Aufklärung gesellschaftlich implementiert haben, greifen in der Regel [1] nicht zum Terror(ismus), anzunehmender Grund: um besser zu sein.
    Das hängt auch mit der Terror-Definition zusammen, die in ihrer üblichen Form grob besagt, dass die Verbreitung von Schrecken durch massenhafte und ungezielte Tötung von Gegnern, kein oder nur ein letztes Mittel aufklärerischer Politik sein kann.

    Insofern scheint man in Israel außerordentlich geduldig und beim Einsatz der Mittel ethisch anspruchsvoll, wogegen nichts zu sprechen scheint, solange der islamis(tistis)che Gegner vom Einsatz bekannter Massenvernichtungsmittel zurückschreckt.

    Diese Frage lässt sich auch ohne Täter-Opfer-Umkehr und ohne großflächiger Psychologisierung bearbeiten. [2]

    MFG
    Dr. W

    [1] geht es in Kriegen um das Große und Ganze, auch um zu vermeidende hohe Opferzahlen auf eigener Seite (die ja idR Söhne betreffend), geht es zuvörderst darum den Krieg zu gewinnen, sieht es erfahrungsgemäß schon anders aus
    [2] dass sich in "westlichen" Staaten die Medienlage auf Israel bezogen oft ungünstig gibt, liegt auch daran, dass der Gegner mit seinem Motivationsimperativ, der schon immer religiöser Art war, nicht klar beschrieben wird - viele denken ja noch, dass auf gegnerischer Seite progressive Kräfte am Werke sind, die sich gegen Unterdrückung wehren

  4. jaboe Antworten | Permalink

    Ich würde gerne aufgeklärt werden, was es mit dem Wort "Terror" nun wirklich auf sich hat. Man hat doch durch die Medien immer wieder "gelernt", dass Terror von irgendwelchen Asozialen verübt wird, deren Gesichter meist irgendwie verhüllt sind und die aus Gründen agieren, die keiner so richtig versteht.

    Nun verüben also doch Regierungen Terroranschläge? Oder wie muss ich das verstehen?

    • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

      Ich würde gerne aufgeklärt werden, was es mit dem Wort "Terror" nun wirklich auf sich hat.

      'Terror' oder (Er-)Schrecken gibt es regelmäßig, ist eine Folge des Menschseins, bspw. hat das Tōhoku-Erdbeben 2011, das in D anscheinend primär als Nuklear-Katastrophe politisch und medial verkauft worden ist, vielen Schrecken eingejagt (und zum sogenannten Atomausstieg geführt).

      Die saubere Unterscheidung zwischen 'Terror' und 'Terrorismus' schien im WebLog-Artikel ein wenig kurz gekommen zu sein, insofern bliebe zu erläutern, ob sich da vielleicht jemand für den Einsatz von Terrorismus ausgesprochen hat.

      Der Terrorismus ist grob wie folgt definiert:
      'Terrorismus' liegt vor, wenn das Erreichen von meist politischen Zielen durch die Verbreitung von Schrecken angestrebt wird, wobei ausdrücklich die Androhung und Ausübung von Gewalt als Mittel genutzt wird, die Verbreitung von Terror sozusagen zu einem (politischen) Lehrsystem ("Ismus") wird.

      Lenin hat bspw. in die Marxsche Theorie den Terror als Ismus eingegossen, Stalin hat's perfektioniert; Adolf hat den Terror immer als politische Maßgabe verstanden und die heutzutage besonders relevant werdende Religion kennt verschiedene Konzepte und religiöse Anweisungen um Terror als politisches Durchsetzungsmittel, als Ismus, zu nutzen.

      HTH
      Dr. W

      • jaboe Antworten | Permalink

        Ah wow. vielen Dank, das ist einiges, was ich nicht wusste, wie die Unterscheidung zwischen Terror und Terrorismus. Die ganze Sache mit dem Kommunismus finde ich auch interessant. Aus meiner Sicht nicht etwa als ernstzunehmendes Lebenskonzept, sondern vielmehr geschichtlich. Vielleicht führ ich mir die Marxsche Theorie mal zu Gemüte um die Geschichte zu verstehen, wenn ich viel Zeit nebenbei hab. Ich persönlich glaube allerdings nicht, dass jemand aus religiösen Gründen Terroranschläge verübt. Es sind und bleiben politische Gründe. Wenn man das vermischt läuft man Gefahr sich von einer Religion "terrorisieren" zu lassen, was in sich eig. ein Widerspruch sein sollte.

  5. Paul Stefan Antworten | Permalink

    Ich habe einmal einen Historiker im Radio sagen hören, dass Terrorismus die Waffe der Schwachen ist. Wenn die Hamas Israel in offener Feldschlacht besiegen könnte, würde sie es tun. Die Wahl der Mittel richtet sich also weniger nach Moral, Gesetz oder internationalem Recht, dass alle einhalten sollten, sondern nach den Möglichkeiten.
    Israel begeht nach landläufigem Verständnis zwar keinen Terrorismus mehr, aber gezielte Tötungen, die Absperrung des Gaza-Streifens und der chronische fortschreitende Siedlungsausbau sind natürlich auch nach internationalem Recht verbotene Gewalttaten. Israel übt eine strukturelle Gewalt gegenüber den sog. Palästinensern aus, im Gazastreifen, in Ostjerusalem und im Westjordanland.
    Beide Seiten sehen sich aber vornehmlich als Opfer gegenüber einem mächtigeren Gegner, Israel gegenüber der viel größeren arabischen Welt, die Palästinenser und Araber gegenüber der viel stärkeren israelischen Armee, nicht aber als Täter.

    • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

      Die Wahl der Mittel richtet sich also weniger nach Moral, Gesetz oder internationalem Recht, dass alle einhalten sollten, sondern nach den Möglichkeiten.

      Die Wahl der Mittel ist eine moralische Frage, wenn sie bereit steht; Israel steht diese "Wahl" als Gesellschaft bereit, weil es den Ideen und Werten der Aufklärung folgend implementiert hat und demzufolge, beziehungsweise auf Grund der Schaffung von besonderem Mehrwert durch die "Schwarmintelligenz", einen wirtschaftlich-technologischen und sittlichen Vorsprung besitzt.
      Nicht möglich scheint es leider, so wie sich dies einige wohl vorstellen, diese Herausforderung rein strafrechtlich zu bearbeiten.

  6. Karsten Kruschel Antworten | Permalink

    Das "Konstrukt eines judenfreien Palästina" wird im übrigen von jedem Kommentator implizit mitgedacht, der das Wort "Palästinenser" benutzt und dabei lediglich die arabischen-stämmigen Bewohner des Landstrichs meint - und alle Israelis ausschließt, die (und das seit Generationen) in Palästina geboren sind.

    • Paul Stefan Antworten | Permalink

      "Das "Konstrukt eines judenfreien Palästina" wird im übrigen von jedem Kommentator implizit mitgedacht, der das Wort "Palästinenser" benutzt und dabei lediglich die arabischen-stämmigen Bewohner des Landstrichs meint - und alle Israelis ausschließt, die (und das seit Generationen) in Palästina geboren sind."

      Bitte keine Unterstellungen. Genauso gut könnte man sagen, dass die Bezeichnung Israels als "jüdischer Staat" einen "araberfreien" Staat Israel mitdenkt. Und es gibt bestimmt auch einige Juden in Israel, die das genauso haben wollen. Und deswegen lehnen viele arab. Palästinenser dies wohl auch ab.
      Das Wort "Palästinenser" hat sich in den letzten Jahrzehnten zur Bezeichnung für die arabischstämmigen Einwohner dieser Region entwickelt, der Staat Israel hat ja offensichtlich auf die Bezeichnung "Palästina" verzichtet. Insofern ist die Bezeichnung frei geworden.

      Das Wort "judenfrei" hat übrigens auch seine ungute Geschichte, mit der Verwendung wird, Ihrer Logik folgend, der Nationalsozialismus "mitgedacht".

      Hier ein Beitrag des Deutschlandfunks zum Thema "Moral" beim Kriegführen in Israel:

      http://www.deutschlandfunk.de/israels-medien-und-der-krieg-ruhe-wir-schiessen.1773.de.html?dram:article_id=292337

      • Yoav Sapir Antworten | Permalink

        Bitte keine Unterstellungen. Genauso gut könnte man sagen, dass die Bezeichnung Israels als "jüdischer Staat" einen "araberfreien" Staat Israel mitdenkt. Und es gibt bestimmt auch einige Juden in Israel, die das genauso haben wollen. Und deswegen lehnen viele arab. Palästinenser dies wohl auch ab.

        Wenn ich mich einmischen darf: Das ist keine Unterstellung sondern die Realität. Palästinenser bedeutet so viel wie Mitteleuropäer oder Südamerikaner etc., wird aber heute so gebraucht, dass die jüdischen Einwohner ausgeschlossen werden. Man wird aber sowohl Deutscher als auch Mitteleuropäer, sowohl Israeli als auch Palästinenser sein dürfen, oder?

        Und warum sollte "jüdischer Staat" so etwas wie "araberfrei" bedeuten? Ist denn *Deutsch*-Land rein deutsch? In jedem Nationalstaat gibt es Minderheiten. "Jüdischer Staat" sollte so viel bedeuten wie: Hier sollten die Araber eine Minderheit sein und bleiben.

        Kurzum, hier ist kein Platz für die Floskeln der arabischen Propagandamaschinerie.

        • Paul Stefan Antworten | Permalink

          "Wenn ich mich einmischen darf: Das ist keine Unterstellung sondern die Realität. Palästinenser bedeutet so viel wie Mitteleuropäer oder Südamerikaner etc., wird aber heute so gebraucht, dass die jüdischen Einwohner ausgeschlossen werden."

          Das ist die Interpretation von gewissen Palästinensern, aber nicht von mir, auch nicht von vielen anderen in Europa. Es geht nicht an, mir zu unterstellen, ich würde den Begriff genauso verwenden, wie ihn die radikale palästinensische Propaganda gebraucht.
          Es gibt durchaus verschiedene und noch andere Bedeutungen des Wortes "Palästina".
          Man kann ihn regional benutzen, man kann ihn im Sinne des britischen Mandatsgebietes benutzen, man kann ihn auf das Gebiet der palästinensischen Autonomie beziehen, auch inklusive des Gazastreifens und Ostjerusalems.

          Seit wann weißt Du so genau, was "Realität" ist? Hast Du das Richteramt über die einzige und wahre Bedeutung des Wortes "Palästina"? Ich denke, dieser Begriff hat eine komplexe Geschichte, vielfältige Bedeutungen und er entwickelt sich weiter, das weißt Du als Historiker mindestens genauso wie ich. (nur als Beispiel: http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stina)

          Wenn Du über "Deutschland" und "deutsch" sprichst, hast Du keine Probleme, fast alles zu relativieren und "subjektiv" zu sehen, aber beim Wort "Palästina" und "Palästinenser" ist Schluss damit. Da bist Du durch Betroffenheit befangen.

          • Dr. Webbaer | Permalink

            Seit wann weißt Du so genau, was "Realität" ist? Hast Du das Richteramt über die einzige und wahre Bedeutung des Wortes "Palästina"? Ich denke, dieser Begriff hat eine komplexe Geschichte, vielfältige Bedeutungen und er entwickelt sich weiter, das weißt Du als Historiker mindestens genauso wie ich.

            Um hier einmal kurz auszuhelfen, der Realismus meint die Realitas ("Sachlichkeit") als Ismus (grob: "Lehrsystem"), es gibt hier Spezifika wie bspw. den 'Organismus' und andere Pseudo-Ismen, die aber an dieser Stelle nicht beleuchtet werden müssen.

            Dieser Begriff entwickelt sich zwar irgendwie weiter, Herr Dr. Honerkamp spricht oder schreibt bspw. von bestimmten Beschreibungsebenen, die nur auf eine bestimmte Systemgranularität (das Fachwort, Dr. W) angewendet werden können, vgl. mit dieser kleinen NASA-Animimation:
            -> http://apod.nasa.gov/apod/ap120312.html

            ... abär es scheint schon so zu sein, dass sich eine gewisse Dichte den Begriff meinend und dessen Theoretisierung eingestellt hat, die es weiterhin jedem erlaubt sachlich und "istisch" zu argumentieren.

            MFG + SCNR
            Dr. W

      • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

        Das Wort "Palästinenser" hat sich in den letzten Jahrzehnten zur Bezeichnung für die arabischstämmigen Einwohner dieser Region entwickelt, der Staat Israel hat ja offensichtlich auf die Bezeichnung "Palästina" verzichtet. Insofern ist die Bezeichnung frei geworden.

        Diese Bezeichnung für in dieser Region lebende Araber ist 'frei geworden', nachdem im Rahmen eines Friedensprozesses (sic) ein "palästinensisches" Volk anerkannt worden ist seitens Israel:
        -> http://en.wikipedia.org/wiki/Oslo_Accords

        HTH
        Dr. W

  7. Lars Fischer Antworten | Permalink

    Ich würde zu dieser Frage eine andere These vertreten: Terror, bzw die Terrororganisationen, die ihn ausüben, sind eine Bedrohung für den eigenen Laden. Regierungen und Staaten, die Terroristen und Paramilitärs an ihrer Peripherie herumwuseln lassen, kriegen früher oder später Probleme, wenn der Terror grad nicht mehr politisch opportun ist. Sie haben nämlich nicht mehr wirklich Kontrolle darüber, was die Terroristen anstellen.

    Israel hat das Problem ganz pragmatisch gelöst und die eigenen Terroristen mit Gewalt zur Räson gebracht. Und deswegen kann Israel auch zum Beispiel einen Waffenstillstand vereinbaren und einhalten, während die Palästinenser da der Gnade ihrer Splittergruppen ausgeliefert sind. Die Grundvoraussetzung jeder Staatlichkeit ist zentrale Kontrolle. Und deswegen muss ein Staat extrem vorsichtig sein, wenn er für bestimmte Gruppen einfach alle Regeln außer Kraft setzt.

    • Yoav Sapir Antworten | Permalink

      "Die Grundvoraussetzung jeder Staatlichkeit ist zentrale Kontrolle." - kann auch schnell in Faschismus münden.

      • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

        "Die Grundvoraussetzung jeder Staatlichkeit ist zentrale Kontrolle." - kann auch schnell in Faschismus münden.

        Das sahen einige so und in der BRD vor einigen Jahren, nichtsdestototz kann die Staatlichkeit nicht ohne einem gewissem Maß an Kontrolle, an staatlicher Kontrolle auskommen, die Gesetzmäßigkeiten und die Sittlichkeit meinend.
        In den modern gesellschaftlich implementiert habenden Systemen kann 'schnell' nichts 'in Faschismus münden', es sind zähe Systeme, die Einzelnen nicht die Möglichkeit bietet sich im Negativen zu offenbaren.
        Insofern scheint bspw. in I auch alles seinen gerechten Weg zu gehen.
        MFG
        Dr. W (der natürlich nichts, aber auch gar nichts, dagegen hat, dass Sie bedarfsweise zu diesem Thema ein wenig mehr hinausgehen)

      • Paul Stefan Antworten | Permalink

        Das Fachwort ist m.W. "Gewaltmonopol". Der Staat muss (wenigstens in wesentlichen Dingen) über das Gewaltmonopol verfügen, sonst ist es ein gescheiterter Staat. Faschismus (oder allg. Totalitarismus) droht, wenn das Gewaltmonopol des Staates nicht durch diverse demokratische Institutionen kontrolliert wird.

        • Yoav Sapir Antworten | Permalink

          Meine Betonung lag eigentlich auf "zentral", ich wollte darauf hinaus, dass Zentralismus gefährlicher ist als Föderalismus.

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