Industrialisierte Landwirtschaft gibt es nicht

6. Juni 2014 von Sören Schewe in Allgemein

Also die moderne Geflügel-Haltung sei schon ziemlich industriell. Ich saß gerade an einem Tisch, mir gegenüber der Landwirt, den ich besuchte. Wir hatten gerade einen Rundgang durch den Milchvieh-Stall beendet, wir sprachen über geplante Neuerungen, die Kosten und wie es mit dem Betrieb weitergehen könnte. Er müsse sich setzen, sagte er. "Eine alte Arbeitsverletzung am Bein".

Diese Aussage bezüglich Geflügel-Betrieben fand ich sehr spannend. Sie fiel mir wieder ein, als ich gestern den Artikel eines US-Farmers las, der selbst einen konventionellen Schweinebetrieb hatte und mit dem Wort "factory farm" wenig anfangen konnte.

Er sehe keine "Fabrik-Betriebe", sondern einfach landwirtschaftliche Betriebe, Bauernhöfe. Er sehe Kollegen und Freunde im Umfeld. Er sehe aber vor allem Betriebe, die viele Probleme der "freien" Schweinehaltung aus der Vergangenheit eliminiert haben.

Tatsächlich hat die moderne Tierhaltung in gewisser Weise zu einer meteorologischen Unabhängigkeit geführt. Tieren, die ständig im Stall leben, kann das Wetter draußen ziemlich egal sein. Sie sind vor Hitze wie auch vor Kälte geschützt und können optimal versorgt werden. Nachteile dieser Form der Tierhaltung bzw. potientielle sowie reale Verbesserungen lassen wir jetzt mal außen vor, habe ich aber schon in diesem Blog behandelt. Ich weiß um deren Existenz.

Diese Debatte um industrialisierte oder ökologische Landwirtschaft, um Groß- oder Kleinbetriebe mag für Menschen aus der Landwirtschaft vielleicht befremdlich erscheinen, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Ich kann manche Gedanken zumindest bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Milchvieh-Betriebe oder Bullenmast-Betriebe sind schlicht offener. Nähert man sich dem Betrieb, hört man die Rinder schon - und wenn man nicht gerade an einem heißen Tag aufkreuzt, sieht man sie sogar auf einer Weide, soweit vorhanden. Teilweise ist ein Blick in die Ställe möglich und wenn man die Ställe mit Erlaubnis des Landwirtes betritt, braucht man dafür nicht viel zu tun.

Ein bisschen anders stellt sich die Situation in der Schweine- oder Geflügelmast dar. Vor dem Betreten des Stalles steht die Hygiene-Schleuse. Ohne Schutzanzug und Desinfektion - bei Schweine-Betrieben muss sogar noch geduscht werden - seht Ihr keine Tiere und habt erst recht keinen Kontakt. Verständlich, dass das erstmal ein ganzes Stück weit befremdlicher oder distanzierter wirkt. Andersrum formuliert entspricht ein moderner Milchvieh-Betrieb eventuell sehr viel eher dem Bild eines Bauernhofes als die anderen beiden Varianten.

Das führt natürlich zu der spannenden Frage wie sich das Wort "industriell" ohne persönliche Befindlichkeiten im landwirtschaftlichen Kontext erklären ließe. Als ich den Artikel des US-Landwirtes auf Facebook teilte, kommentierte Lars Fischer (den kennt Ihr alle, oder) in seiner pragmatischen Art:

Industriell heißt arbeitsteilig und mechanisiert. Insofern scheint mir die ganze Diskussion etwas schräg. Da steht ein Propaganda-Bild von Industrie hinter, das in einer modernen Gesellschaft eigentlich keinen Platz haben sollte.

Da hat er natürlich vollkommen recht. Es sollte eigentlich niemanden überraschen, dass die heute existierende Landwirtschaft nicht einfach vom Himmel gefallen ist. Arbeitserleichterungen für den Landwirt, ein verbessertes Management für die Tiere - all das läuft schon sehr lange. "Die gute alte Zeit" war also in der Landwirtschaft nicht dramatisch anders als heute, der oft erwähnte Strukturwandel ist kein Phänomen der letzten 10 Jahre, sondern eher der letzten Jahrzehnte.

So gesehen war und ist natürlich auch der von mir besuchte Milchvieh-Betrieb industriell. Es herrschte Arbeitsteilung und der moderne Stall ermöglichte es den Tieren ihre potentielle Milchleistung bei optimaler Fütterung auch zu erreichen. Letztlich sind es dann wohl doch die kleinen Details wie der freie Wechsel zwischen dem Stall und der Außenwelt sowie das Grasen der Tiere, die eher einen subjektiven "Bauernhof-Eindruck" aufkommen lassen als von der Außenwelt getrennte Gebäude.



25 Kommentare zu “Industrialisierte Landwirtschaft gibt es nicht”

  1. Andreas Herzog Antworten | Permalink

    Das Bild des Stadtmenschen (zu denen ich mich zähle) zur Industrieellen und Massentierhaltung wird mangels eigener Erfahrung durch die Medien geprägt.

    Hier eine Auswahl aktueller Artikel (bewusst aus Mainstream Medien, nicht von Tierschutzorganisationen) zur Massentierhaltung, die mich schon dazu bewegen, Massentierhaltung in der gezeigten Form nicht erstrebenswert zu halten. Sind das die Einzelfälle oder die Regel?

    http://www.tivi.de/fernsehen/purplus/artikel/38850/index.html

    http://www.mdr.de/sachsenspiegel/massentierhaltung100.html

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/grosse-schweinemaester-verstossen-gegen-tierschutzverordnung-a-935579.html

    http://www.stern.de/wirtschaft/news/maerkte/massentierhaltung-das-kurze-leben-von-ferkel-0146-643451.html

    http://www.deutschlandradiokultur.de/unser-fleischkonsum-ist-nicht-zu-rechtfertigen.1005.de.html?dram:article_id=227978

    http://www.sueddeutsche.de/bayern/massentierhaltung-schweine-baron-kommt-nach-schwaben-1.1743145

    IMHO brauchen wir mehr Kontrollen gegen die "schwarzen Schafe", die Andere mit ins Gerede bringen und bessere Gesetze, die es den Landwirten erlauben, besser mit den Tieren umzugehen und nicht von jeden unterboten zu werden, die es nicht tun.

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Hallo Andreas,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Wir haben da was gemeinsam: auch ich komme nicht aus der Landwirtschaft, sondern eher aus der Stadt und habe lange nur aus den Medien von der Landwirtschaft gehört. Mein Umdenken trat dann in direktem Kontakt ein und ich stellte schnell fest, dass grundsätzliche Aussagen extrem schwer zu vertreten sind, wenn man einmal tiefer in die Industrie geschaut hat.

      Zu Deinen Links:
      Hilal Sezgin hat grundsätzlich was gegen Tierhaltung, als Referenz in einer Debatte um Tierhaltung würde ich sie lieber überspringen.
      Natürlich gibt es bei Betriebsgrößen gewisse Auswüchse, die auch kleinere Landwirte nicht erfreulich finden. Aber da bewegen wir uns hin - immer schon, aber jetzt wird das eben besonders deutlich.

      Trotzdem solltest Du nicht vergessen, dass solche Berichte nie den Alltag abdecken, der unterscheidet sich immer noch sehr.

      • Andreas Herzog Antworten | Permalink

        Hallo Sören,

        danke für Deine Antwort. (Ich bin leider sehr eingespannt und komme selten zum Antworten).

        Ich bin immer noch sehr skeptisch bei solchen Verallgemeinerungen, wie "Es gibt keine Industrialisierte Landwirtschaft" (http://de.wikipedia.org/wiki/Industrielle_Landwirtschaft). Man wird von beiden Seiten mit professionell gemachten Imagekampanien überschüttet und muss rausfinden, was wirklich passiert. Die Links, die ich rausgeschrieben habe, sollen einfach nur illustrieren, wie die öffentliche Meinung gebildet wird. Da es keine Gegendarstellungen und Proteste gegen diese Artikel gibt (zu mindestens in den Leitmedien würde ich das erwarten), wird da etwas dran sein.

        Die Statistik, ob das Einzelfälle sind oder nicht, kann ich nicht einschätzen. Denkst Du, dass Du einen ausreichenden Einblick hast, dass Du es kannst?

        Aus Kostendruck wird sich doch alles immer in Richtung Mindeststandards bewegen. Ausgenommen die Betriebe, die es zu einer Direktvermarktung geschafft haben und von den Verbrauchern dafür honoriert werden:

        http://www.agrarheute.com/hofreport-der-konradhof-setzt-auf-direktvermarktung

        Wie sieht es eigentlich im Europatischen Vergleich aus? Haben andere Länder schärfere oder schwächere Bestimmungen?

  2. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    v2,0, so schaut's gleich besser aus :
    Naja, die heutige Landwirtschaft ist industrialisiert, es tut nicht weh derart zu erkennen.

    Wir also, auch die Mitleser und vorgesehenen Rezipienten, wollen uns diesbezüglich nicht verzwergen und dementsprechend dem Mensch- wie Tierwohl folgend verlautbaren.

    Nicht spricht gegen den sinnhaften ökologischen (vs. ökologistischen) Umgang mit dem guten Tier.

    HTH
    Dr. W (der bei Bedarf zur Wortwahl weiter erklären könnte, aber auf diesbezügliche Anmeldung erst einmal wartet)

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Hallo Dr. Webbaer,

      Sie haben hier völlig recht. Es ist aber schon interessant zu reflektieren, wer was wie sieht. Denn auch Landwirte denken nicht homogen, sondern haben auch ihrerseits persönliche Vorstellungen von Tierhaltung, die sich aber meist aus wirtschaftlichen Gründen wie auch dem Geflecht aus gesetzlichen Auflagen und Kontrollen nicht immer (oder auch selten bis gar nicht) individuell realisieren lassen.

      Den ersten Kommentar habe ich mir erlaubt zu löschen, sieht so ordentlicher aus hier.

      • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

        Sehr nett, also das mit dem fehlerhaften Erst-Kommentar, Ihr Kommentatorenfreund setzt natürlich auf die Verständigkeit und ethische Angemessenheit der Landwirte, die hoffentlich ökologisch (vs. ökologistisch) bemüht ist.
        Insgesamt, solange nicht von besonderen Tier-Rechten die Rede ist, ist Ihr Kommentorenfreund weiterhin ganz bei Ihnen.
        MFG
        Dr. W

        • Sören Schewe Antworten | Permalink

          Dass ich Tierrechte befürworte, werden Sie hier so schnell nicht erleben - aus dem schlichten Grund, da sie oftmals nur symbolisch fungieren, also praktisch nutzlos sind.

  3. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Ein Landwirt der einem Familienbetrieb vorsteht wird sich sicher gegen die Bezeichnung industrialisierte Landwirtschaft, industrialisierter Betrieb wehren. Zumal das Wort "industrialisiert" seelenlos impliziert, a la Charlie Chaplin Modern Times. Industrialisiert assoziiert man auch mit rücksichtlos gegenüber den Bedürfnissen der gehaltenen Tiere. Wenn man darüber nachdenkt ist das aber nicht plausibel, denn Tiere die schlecht - rücksichtslos - gehalten werden, werden auch weniger Ertrag abwerfen, öfter krank sein, etc. Es gibt aber eine versteckte Industrialisiserung, nämlich durch die Art der Domestizierung. Diese Tiere sind bereits für einen Zweck herangezüchtet worden, also herausselektiert worden. Züchten tönt so urvertraut und harmlos. Es ist aber im Effekt eine genetische Auswahl durchaus vergleichbar mit Genmanipulation.
    Kurzgefasst: Ein moderner, industrialisierter Betrieb kann durchaus tiergerecht sein. Allerdings nur wenn die Tiere auch "Betriebsgerecht" sind. Und dass sie das sind, dafür hat der Mensch über seine Zuchtprogramme gesorgt.

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Hallo Herr Holzherr,

      bezüglich Ihrer Annahme, dass unsere Nutztiere betriebsgerecht gezüchtet wurden, höre ich schon den Widerspruch einiger Kritiker. Unsere Nutztiere wurden auf Leistung hin selektiert. Fleisch, Milch und Eier sollten möglichst viel produziert werden. Eine "betriebsgerechte" Zucht hätte sicherlich Geflügel mit anderen Schnäbeln (die das Kürzen unnötig machen) oder Schweine mit kürzeren Schwänzen entwickelt.

  4. Klaus Antworten | Permalink

    @Herzog: hallo Herr herzog. Ich neige bisweilen selber dazu, zur Bestätigung von Gesagtem Quellen anzufügen; was Sie hier als Links auffahren, ist fachlich "unterste" Schublade. Es werden Klischees und Behauptungen in die Welt gesetzt, zu denen mir seriöse Belege fehlen. Wenn TIVI sich traut, eine Freilandhaltung mit Stallhaltung zu vergleichen, ohne auf die Risiken für Tiergesundheit, Produktqualität und Umwelt einzugehen, hat das mit investigativem Journalismus kaum etwas zu tun!?

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Hallo Klaus,

      ich schätze Deine Kommentare in der Regel sehr. In diesem Falle schießt Du aber etwas daneben. Was fachlich gut oder schlecht ist, kann man als Laie wie Andreas Herzog nur selten vernünftig beurteilen. Deshalb besteht unsere Aufgabe im Erklären und Einordnen nicht in einer oberflächlichen Kritik am Journalismus.

    • Andreas Herzog Antworten | Permalink

      da ist wohl etwas falsch angekommen. Ich mache mir den Inhalt der Links nicht zu eigen.
      Was ich gemacht habe, ist nach Massentierhaltung zu suchen und die Links von großen Mainstreammedien herauszuschreiben. Die Links zu den Tierschutzorganisationen usw. habe ich dabei bewusst weggelassen.

      So stellt sich die Massentierhaltung in der Öffentlichkeit in den Leitmedien (öffentlich Rechtliche z.b. Deutschlandfunk, Dritte Programme, Kinderkanal; große Printmedien Spiegel, Stern, Süddeutsche; es lassen sich sicher noch mehr finden) dar. Bei grundsätzlich fehlerhaften Artikel würde es einen Aufschrei mit Gegendarstellung usw. geben.

      Also was ist jetzt? Gibt es keine Probleme und die Redakteure machen nur welche daraus, weil sie keine Ahnung haben oder die Leser belügen wollen? Gibt es einige wenige schwarzen Schafe die gezielt rausgepickt werden, um eine gute Story zu haben? Oder gibt es doch Probleme, die man nicht sehen kann, weil man mit einer rosaroten Brille durch die Lande fährt und sich die Bauern und Höfe ansieht, die keine Probleme sind.
      Mir fehlt noch der Überblick um das (für mich) zu entscheiden.

      • Sören Schewe Antworten | Permalink

        Hallo Andreas,

        wenn bestimmte Unternehmen angegriffen werden, gibt es tatsächlich Gegendarstellungen. Ich erinnere mich noch an die Gegendarstellung des Wiesenhof-Konzerns nach der Reportage 2011. Leider wird viel geschrieben, wenn der Tag lang ist. Auf jeden Bemerkung einzugehen, ist schlicht unmöglich. Teilweise ist es aber auch problematisch. Kürzlich lief eine sehr gute, sachliche Doku in den ÖR mit dem Titel "Armes Schwein?". Die Landwirts-Familie wurde als Belohnung für ihre Offenheit wenige Tage später von Stalleinbrechern heimgesucht.

        Das Problem vieler Berichte zum Thema Massentierhaltung ist, dass sie teils nie ganz falsch sind - aber auch eben nie ganz richtig. Wenn wir über Probleme reden, dann müssen wir da ein wenig unterschieden oder auch kategorisieren, wenn Du möchtest. Nehmen wir mal die Tiergesundheit. Da müssen wir uns immer fragen:
        1) Sind die gesundheitlichen Probleme leistungsbedingt, also ein Problem schneller Zunahmen oder einer hohen Milchleistung? Beim Geflügel wäre das zB. Immobilität kurz vor der Schlachtung. Bei der Milchkuh ist Ketose ein oft auftretendes Problem, wenn viel Milch bei noch geringer Futter-Aufnahme produziert wird.
        2) Management-bedingte Probleme: bspw. gibt es unter Schweinen in der Gruppen-Haltung immer kleinere Kämpfe, um die Rangordnung zu klären. Trotzdem sollte sich die Tiere schon aus gesundheitlichen Gründen einigermaßen verstehen. Hier ist es die Aufgabe des Landwirtes das zu erkennen und die Gruppen so zusammenzustellen, dass schlimmere Verletzungen vermieden werden. Pododermatitis (Fußballen-Läsionen) ist auch ein Problem, das sich durch gutes Temperatur- und Einstreu-Management vermeiden lässt.
        3) Krankheiten, die einfach auftreten, weil man den Tieren den Schnupfen nicht verbieten kann.

        Dass auch jedes Haltungssystem seine Vor- und Nachteile hat und Freiland auch für Tiere nicht immer eine tolle Option ist, darauf ist Klaus ja schon eingegangen.

        Letzter Abschnitt: ich glaube nicht, dass Redakteure ihre Leser und Zuschauer absichtlich belügen wollen. Ihnen fehlt einfach die Fähigkeit der Einschätzung existierender Probleme. Die Existenz von Krankheiten bedeutet NICHT, dass sie auch auftreten MÜSSEN. Und viele Probleme lassen sich durch ein ordentliches Management beheben, sind aber eben da, wenn das nicht gegeben ist. Natürlich sind in den Redaktionen auch immer ein paar sehr meinungsstarke Menschen dabei, die sich für die Realität nicht mal als Zaungast interessieren, das lässt sich nicht vermeiden.

        Konnte ich Dir damit weiterhelfen?

        • Andreas Herzog Antworten | Permalink

          Danke, ich habe Deine Antwort erst gesehen, nachdem ich das oben schon geschrieben hatte.

  5. Klaus Antworten | Permalink

    O.K., Sören, Du hast Recht! Dann versuche ich einmal eine Einordnung der Kindersendung TIVI, in der Freiland- der Stallhaltung gegenüber gestellt wird.
    Positiv:
    Auseinandersetzung mit Klimareizen stärkt das Immunsystem der Tiere
    Tiere haben i.d.R. mehr Fläche

    Negativ
    seuchenhygienische Risiken (Aujezkysche Krankheit, Milzbrand, Brucellose, Salmonellose ..) steigen
    Parasitosen (Läuse, Räude, Würmer) nehmen zu
    Produktqualität leidet (Trichinen)????
    Kontakt zu Wildtieren als Krankheitsüberträger kann nicht ausgeschlossen werden (Stichworte: Geflügelgrippe, Schweinepest ..). Risiko der Einrichtung von Sperr- und Beobachtungsgebieten steigt mit katastrophalen Auswirkungen auf die Berufskollegen mit Stallhaltung (Vermarktungsstopp)
    Im Seuchenfall besteht Aufstallungszwang
    Emissionen durch Freilandhaltung und Nitrateinträge im Grundwasser steigen
    Tierkontrolle wird erschwert
    Tierverluste (insbesondere in der Ferkelerzeugung sind nicht tolerabel)
    Sonnenschutz für Schweine evtl. nicht gegeben?
    Wenn Du willst, kann ich das alles belegen oder Herr herzog recherchiert einmal auf Animal.-Health-Online

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Danke Dir Klaus für diesen Kommentar,

      Belege sind zumindest für mich nicht nötig, kann das so bestätigen ;)

  6. Brigitta Blume Antworten | Permalink

    Mal so eine Liste der Dinge, die mir bei solchen Diskussionen immer wieder begegnen, sei es von Technikfeinden, Tierschützern oder eben: denjenigen Menschen, die "Industrie und Technik" verbinden, neulich sagte jemand "zwischen lauter Maschinen kann sich eine Kuh nicht wohlfühlen"

    - Laufställe für Rinder: rechnen sich erst ab ca 80 Tieren, der übliche "Kleine Bauernhof" hatte Anbindehaltung.
    - AMS / Melkroboter : im Gegensatz zu vielen Vorurteilen hat die Kuh hier _mehr_ Komfort als beim herkömmlichen Melkstand - sie kann sich aussuchen, wann sie gemolken werden will, anstatt nur zwei oder dreimal am Tag nach Vorgabe des Bauern gemolken zu werden.
    - Fütterung per Transponder / Automatik: gezielte Mengen Kraftfutter für _einzelne_ Tiere können über den Tag verteilt in vielen kleinen Portionen abgegeben werden, das selbe gilt für Schweinefütterung: eine automatische Fütterung kann viele Male am Tag Futter verteilen, ein Mensch nicht.
    - Durchlaufwaagen für Schweine vermeiden Streß, es muß nicht großartig Hin- Und Hergetrieben werden, das Schwein steht in keinem "fremden Kasten".
    Von Klimaanlage ,Duschen, Kuhbürsten etc braucht man ja gar nicht erst zu reden.
    Insgesamt hat in diesem Bereich also grade die "industrielle" (wenn man den Ausdruck mit Technik verbindet) Landwirtschaft den Vorteil der Tiergerechtheit.

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Hallo Brigitta,

      über die Situation beim Milchvieh brauchen wir nicht zu diskutieren, da bin ich ganz bei Dir und habe die gerade in großen modernen Ställen vorhandenen Elemente für eine tiergerechte Haltung hier auch schon öfter angesprochen.

      Deutlich schwieriger wird es beim Geflügel, hohe Standards, Gesetze usw. hin oder her. Das ist kaum tiergerecht. Klar, es ist ökonomisch und irgendwie auch genau das, was der Markt fordert. Aber schön ist was anderes. Dabei kann man - wie ich hier auch schon oft thematisiert habe - mit relativ wenigen Modifikationen bei geringem Mehrpreis viel erreichen.

      • Brigitta Blume Antworten | Permalink

        Ja. Aber es bleibt auch (und gerade!) beim Geflügel (als nicht heimische Tierart) die Tatsache, daß die Technisierung (Lichtprogramm Ca-Stoffwechsel zB) den Tieren eher hilft als schadet. Und mit "Freiland" tut man halt ausgerechnet Hühnern hier auch den allerkleinsten Gefallen (im Vergleich zu den anderen Tierarten), die "brauchen" hier eben auch die meiste "Technik".
        Was die Kosten angeht, darüber müssen wir hier denk ich nicht reden - es gibt seit 20 Jahren immer wieder irgendwelchen Programme, Ideen, Versuche. Geklappt hat noch keiner.

        • Sören Schewe Antworten | Permalink

          Es geht mir dabei auch gar nicht um Freiland oder Stall. Die konventionellen Rassen wachsen viel zu schnell, die Ställe sind kurz vor der Schlachtung rappelvoll mit kaum beweglichen Tieren und wenn der Landwirt dann noch beim Management nicht aufgepasst hat, haben wir auch noch massive Probleme mit Podomermatitis. Da hilft dann auch kein Lichtprogramm mehr.

          Die Alternative ist da, Holland setzt etwas sehr ähnliches um. Ich bin da optimistisch, dass ein Weg gefunden wird.

  7. Grathwohl Hans Antworten | Permalink

    Hallo...
    Nun ich bin in einem Dorf groß geworden...und sah Kühe täglich auf der Weide...was man ja heute nicht mehr sieht oder selten....Und wo sind die Kühe ? ein Leben lang an der Kette um optimale Milchleistung zu erzielen....?
    Bei Schweinen (die ja schnüffler sind) sterile Boxen oder ähnliches...
    das ist Tierquälerei und keine Art gerechte Haltung...!
    habe als Tierfreund meine Ernährung auf Fleischlos umgestellt!

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Da bist Du aber schwer auf dem Holzweg. Anbinde-Haltung ist nicht neu, sondern ein Relikt der Vergangenheit. Tatsächlich war es früher durchaus üblich, Kühe im Stall anzubinden. Seit den 80ern hält der Freilaufstall Einzug in die Milchvieh-Haltung. Die heute noch existierenden Betriebe mit Anbinde-Haltung sind Kleinst-Betriebe (auch Bio), die sich eine Umstellung nicht leisten können.

      Schweine leben in gewisser Weise in einer sterilen Umgebung - allerdings auch zu ihrem besten. So wird Parasitenbefall vermieden, ebenso sind die Ferkelverluste deutlich geringer als in der Biohaltung. Schwarz/Weiß gibt es nicht. Oftmals ist die Sache ganz schön grau.

  8. Alter Narr Antworten | Permalink

    Ist die Zahl der Tiere wirklich ein Problem oder die Lebensbedingungen. In meine Familie hat 1955in einer Siedlung gebaut. Die Grundstücke waren 1000m2 und es gab keine Garage, aber ein Stallgebäude mit 2 Koben. Darin wurden 2 Schweine für die Hausschlachtung gemästet. Auf Stroh, aber ohne Auslauf. Die Koben waren max 2,5x2,5 m, das heisst die ausgewachsenen Tiere hatten kaum Platz zum Bewegen. Die Haltung war sicher nicht industriell, aber auch nicht tiergerecht.
    Beim Kleinbauern nebenan ging es auch nicht wie im Bilderbuch zu.

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Hallo alter Narr,

      die Zahl ist nicht direkt das Problem. Wie Du selbst schreibst, ging es den lediglich zwei Schweinen keineswegs besser, womöglich sogar schlechter. Allerdings gibt es auch bei der Tierzahl einen limitierenden Faktor: die Besatzdichte. In diesem Punkt kann in der Gruppenhaltung bei Schweinen oder auch in der Geflügelmast Stress entstehen, der dann in Streitereien, Verletzungen oder explizit beim Geflügel in Federpicken endet. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die Zahl der Tiere nichts mit Tierwohl zu tun hat. Gerade große Betriebe können sich die modernste Technik leisten, die den Tieren viele Annehmlichkeiten bietet.

  9. Alter Narr Antworten | Permalink

    Noch etwas aus der guten alten Zeit.
    Kühe wurden, wenn sie auf der Weide waren "geknieseilt".
    Wenn Kühe laufen, heben sie den Kopf. Mit einem kurzen Strick zwischen Hörnern und Knie wurde das verhindert. So konnte man sie schneller auf der Wiese einfangen, z. B. um sie abends in den Stall zu bringen.

Einen Kommentar schreiben


× eins = 4