Kein Szenario mehr – Zoos als letzte Refugien

31. Januar 2015 von Sören Schewe in Nashörner

1215 Tiere - das ist die Ansage, die sich Artenschützer, NGOs und andere Aktivisten ganz dick einrahmen sollten, ist diese Zahl doch Zeichen für ein Komplett-Versagen sämtlicher Protagonisten. Wurden 2007 in Südafrika lediglich 13 Nashörner gewildert, werden seitdem immer neue Rekorde verzeichnet. Vermutlich bin ich nicht der einzige mit der Befürchtung, dass das 2014 nicht der letzte Rekord war, schließlich läuft das Geschäft der Wilderei blendend.

2011 hatte ich eine kleine Artikel-Debatte mit dem Tierrechtler Colin Goldner, der Zoos nicht nur kritisiert, sondern ganz konsequent ihre Abschaffung fordert. In einem meiner Beiträge dazu schrieb ich am Ende, dass Zoos als letzte Refugieen für unsere Wildtiere in niemandes Interesse seien. Auf genau diese Situation steuern wir aber gerade sehenden Auges zu.

Natürlich wird seitdem auch diskutiert, wie sich der ungehemmte Markt, also die steigende Nachfrage nach dem Horn der Nashörner, kontrollieren ließe. Ein beliebter und immer wieder neu diskutierter Ansatz ist hier die Legalisierung des Handels. Das Ziel dieser Idee ist es dem Schwarzmarkt die Relevanz zu entziehen. Klingt doch super - wenn da nicht der kleine aber wichtige Umstand wäre, dass der Erfolg dieser Idee eine 100%ige Kontrolle des Marktes voraussetzt. Nicht nur, dass diese Idee unter dieser Voraussetzung tatsächlich völlig Banane klingt, sie ist in der Vergangenheit schon umgesetzt worden - so versuchte man die Nachfrage nach Elfenbein in den Griff zu bekommen - und die Legalisierung war ein voller Erfolg. Die Gewinne des Schwarzmarktes gingen durch die Decke. Niemand konnte mehr nachvollziehen, ob das Angebot nun aus legalen kontrollierten Beständen oder aus der Wilderei stammte. Letztlich brach also das Vertrauen der Käufer, dass das nun als seine Richtigkeit habe, den Elefanten das Genick.

Dann wäre da noch das Setzen von Zeichen. Wir verbrennen sichergestelltes Horn oder Elfenbein, um es so dem Markt zu entziehen und zu zeigen, dass wir das alle voll doof finden. Thumbs up! Falls jemand schon wieder vergessen hat, was passiert, wenn das Lager einen Durchhänger hat: 1215 Tiere!!!

Bleibt uns also noch die Möglichkeit abzuwarten bis das letzte Nashorn sein Leben ausgehaucht hat, oder? Nicht ganz. Debatten sind super. Aber angesichts der Realität sind Debatten um den grundsätzlichen Sinn von Zoos totaler Bullshit. Wir können gerne über Probleme der Zoo-Tierhaltung diskutieren, sogar bei Nashörnern. Aber Phrasen über Freiheit für Wildtiere, während diese in eben jener Freiheit selbst in bewachten Reservaten ohne Wenn und Aber abgemurkst werden, sind nur noch albern. Tatsächlich ist nur ein im Zoo lebendes Nashorn wirklich frei - nicht grenzenlos frei, aber frei von Schmerzen und Jagd. Ein Nashorn-Baby kann entspannt aufwachsen ohne befürchten zu müssen, dass die eigene Mutter plötzlich im Kugelhagel verreckt.

Zum anderen sollten wir realisieren, dass die Rolle der Ranger nicht vergleichbar ist mit jener eines Hausmeisters, der hin und wieder mal nach dem Rechten sieht, während er die Waffe nur für jenen unwahrscheinlichen Fall trägt, das ihm mal ein Löwe auf die Schulter klopft. Das ist auch kein Kindergeburtstag für Schulabgânger auf Selbstfindungstrip unter afrikanischer Sonne. Oder Baumschmuser.

Das ist Krieg.

Wer 2015 noch gegen Zoos kämpft, hat 2014 exakt 1215 Schüsse nicht gehört.

In diesem Sinne


Anmerkung

Der WWF Schweiz hatte in seiner Meldung einen Verlauf der Abschusszahlen der letzten Jahre in Südafrika integriert. Ich zitiere mal:

Anzahl gewilderter Nashörner in Südafrika zwischen 2007 und 2014:
2007: 13 Nashörner
2008: 83 Nashörner
2009: 122 Nashörner
2010: 333 Nashörner
2011: 448 Nashörner
2012: 668 Nashörner
2013: 1‘004 Nashörner
2014: 1‘215 Nashörner

(Quelle)

Weitere Verweise


18 Kommentare zu “Kein Szenario mehr – Zoos als letzte Refugien”

  1. Kathrin S. Antworten | Permalink

    Das ist der ewige Widerspruch zwischen weltfremden Idealen und einer Wirklichkeit, in der eben auch ausgerechnet die hierzulande in ihrer Wirkung über- und ihrer Gefährlichkeit unterschätzen und völlig zu Unrecht idealisierten sog. traditionellen Medizin mit dazu führt, dass Nashörner gejagt und ausgerottet werden.

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Hallo Kathrin,

      ich weiß gerade gar nicht wie verbreitet die Medizin hier ist. Wenn ich mich recht entsinne, besteht der Hauptanbsatz-Mark bzw. die größte Nachfrage in China.

  2. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Trotz Zunahme der Wilderei gibt es in Südafrika noch fast 20'000 Breitmaulnashörner, also deutlich mehr als Ende des 19. Jahrhunderts als es nur noch einige hundert gab. Auch die anderen Nashornarten scheinen zahlenmässig stabil geblieben zu sein, wobei es beim Java-Nashorna aber nur noch 50 Exemplare gibt.
    Wenn allerdings die Wilderei im bisherigen Mass gleichbleibt oder gar zunimmt, dann wird wohl bald schon auch die Gesamtpopulation der südafrikanischen Nashhörner schrumpfen. Scheinbar ist die Zunahme der Nashornwilderei gerade ein aktuelles Thema über das beispielsweise in Ungebremste Jagd auf Nashörner berichtet wird.

    Die sehr hohen Preise, die von asiatischen Kunden für Nashorn gezahlt werden sind wohl der Grund für die zunehmende Wilderei und eine bessere Kontrolle an den Grenzen könnte die Wilderei möglicherweise eindämmen.

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Hallo Herr Holzherr,

      in Java ist die Situation nochmal etwas anders. Da sorgt auch oder vor allem die Zerstörung des Lebensraumes durch Palmöl-Plantagen für größere Probleme. Die Lebensräume der Tiere werden zersplittert und das Finden von Partnern zur Fortpflanzung erschwert.

      Bzgl. Ihrer These zu stärkeren Kontrollen: dann hätte auch das Verbrennen sichergestellter Ware etwas bewirken müssen - was ich jetzt nicht direkt bemerke. Es sei denn, ohne diese Aktionen wären es 2014 vielleicht 2000 Nashörner geworden.

      • Martin Holzherr Antworten | Permalink

        Um Restbestände von Arten zu erhalten. gilt es schnell auf Bedrohungen wie Wilderei zu reagieren, denn ausgestorben ist ausgestorben.
        Mir scheint heute gibt es mehr Technologien und mehr global wirksame Massnahmen umd dem Rhinosterben ein Ende zu machen, als früher. Die Bestände der Nashörner kann man mit Sendern und Drohnen überwachen und Drohnen könnten auch Wilderer orten. Den illegalen Verkauf von Rhinohorn könnte man durch V-Männer und systematische Kontrollen beim Import erfassen.

        • Sören Schewe Antworten | Permalink

          Die Idee, Tiere mit Sendern zu versehen, wurde schon umgesetzt. Zumindest weiß ich das ziemlich sicher von den vier nördlichen Breitmaulnashörnern. Das Problem dabei: wenn über Ihnen ein Hubschrauber ins Reservat fliegt und die Tiere erschießt, haben Sie nicht viele Möglichkeiten.

          Eine derart strikte Überwachung halte ich lokal wie auch global für kaum bzw. schwer umsetzbar. Wenn etwas verkauft werden soll und es ist da, wird es auch verkauft.

  3. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Sir Richard Branson: The best way to prevent rhino extinction? Educate

    We need to support lawmakers in implementing and enforcing a complete ban in Vietnam and increasing enforcement efforts in China. We need to make the conservation and protection of rhinos more valuable than the sale of their horns.
    We need to end this horrific trade before it is too late.
    My fellow WildAid ambassadors, The Duke of Cambridge, David Beckham and Yao Ming, have thrown their support behind efforts to end the illegal wildlife trade.
    When the buying stops, the killing will too. People are the problem, but people are also the solution

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Die Idee, den Schutz der Tiere wirtschaftlich wie auch gesellschaftlich relevanter zu positionieren, halte ich tatsächlich für die viel versprechendste Variante dabei. Alles, was in Richtung Beherrschung des Marktes geht, hat aber noch nie funktioniert, weil sich illegale Machenschaften nicht regulieren lassen.

  4. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Letztlich sind das Fragen der Kultur, in einigen Regionen kann halt nicht mit den Mitteln des Strafrechts und einer „Gefahrenabwehr“ hinreichend sichergestellt werden, dass nicht gewildert wird.

    Insofern wären zoologische Anlagen, die auch mit strengen Eigentümerrechten versehen werden dürfen, auch Reservate, die auf der Hand liegende Konsequenz, die aber in bestimmten Regionen nicht umsetzbar scheint.

    Wobei derartige Feststellung nicht so-o schlecht klingt:

    'In neuerer Zeit gibt es allerdings wieder eine leichte Bestandserholung einiger Arten. In Afrika lebten Ende 2010 wieder mehr als 20.400 Breitmaul- und über 5.000 Spitzmaulnashörner. Beide Bestände haben sich seit 1995 fast verdoppelt' (Quelle)

    'Krieg' muss nicht vorliegen.

    MFG
    Dr. W (der durch die Zahlenangaben im Artikel, verglichen mit den obigen Wikipedia-Angaben, ein wenig irritiert ist)

    • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

      Persönlich gehaltene Anmerkung oder Kommentar:

      Frau Gyssler ist womöglich generell ökologistisch [1] unterwegs angelegt wie verlautbarend:

      WWF Schweiz empfiehlt deshalb, Fisch als Delikatesse zu betrachten und höchsten zwei Mal pro Monat Fisch zu essen. «Und dann sollten die Fische aus Zuchten mit dem Bio-Label kommen», erklärt Corina Gyssler gegenüber «Espresso» auf Radio SRF 1. (Quelle)

      Insofern rät Ihr Kommentatorenfreund an dieser Verlautbarungslage eher nicht zu folgen, auch weil diese anscheinend beim WWF Schweiz „geschöpft“ worden ist, auf keine Beleglage verweist.

      [1] Der Ökologismus meint im Gegensatz zum angemessenen Bemühen um (für den Menschen) sinnhaftes Ökologieverständnis und ökologisch sinnhafte Anwendung eine Art Religion, im Sinne des Biozentrismus.

      • Sören Schewe Antworten | Permalink

        Ich kenne Ihren ökologistischen Tick mittlerweile, aber das tut hier nichts zur Sache, weil ich mich hier auf eine Presse-Mitteilung beziehe, die Frau Gyssler geschrieben hat, nicht aber ihre persönliche Meinung wiedergibt. Ich hätte natürlich auch den Standard zitieren können. An den Zahlen, um die es mir ging, hätte das nichts geändert.

        • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

          Werter Herr Schewe, es wären denn doch womöglich bei WWF Schweiz 'geschöpfte' Datenlage und allgemein verfügbare zu integrieren.

          Wobei der WWF Schweiz und die stellvertretend sprechende Person womöglich abzufragen wären, woher die genannten Zahlen eigentlich kommen.


          Diese scheinen so irre, jedenfalls für diejenigen, die die Wilderei im südlichen Afrika seit geraumer Zeit verfolgen, dass zumindest Ihr Kommentatorenfreund hier nur blass gucken kann, vgl. :
          http://de.wikipedia.org/wiki/Nash%C3%B6rner#cite_note-86

          MFG
          Dr. W

          • Sören | Permalink

            Danke Ihnen,

            werde mir das ansehen, erwarten Sie aber keine Reaktion in der nächsten Zeit. Bin gerade gut ausgelastet.

          • Gast | Permalink

            Mir ist völlig unklar, inwiefern die Zahlen aus dem Wikipedia Zitat 86 "African Rhino Specialist Group Chair report" die hier genannten als viel zu hoch ausweisen sollten.

            Der Bericht ist von März 2011 und sagt " The country
            reports indicated that well-equipped, sophisticated
            organized crime syndicates have killed more than
            800 African rhinos in the past three years."

            Die hier angegebenen Zahlen kommen für die 3 Jahre 2008, 2009 und 2010 hingegen nur auf 537 gewilderte Nashörner.

            Wenn die Abschusszahlen nur noch wenige Jahre weiter so steigen, ist die Bestandserholung seit 1995 innerhalb kürzester Zeit Makulatur.
            Ansonsten kann ich dem Hrn. Webbaer sehr empfehlen doch einfach mal dem Link zu folgen den Hr. Holzherr am 31.01. hier gepostet hat.

          • Dr. Webbaer | Permalink

            @ Gast:
            Mal hier - http://www.nzz.ch/data/ungebremste-jagd-auf-rhinos-1.18472308 – in der ersten Visualisierung auf 'Traffic' klicken, dann kommt ein bemerkenswerter Report hoch.

            Zynisch formuliert könnte eine Nashornplage vorliegen.

            Die Abschusszahlen per Wilderei, wie im Artikel beschrieben, bleiben allerdings klar unglaubwürdig, jedenfalls den Anstieg betreffend.
            MFG
            Dr. W

      • Martin Holzherr Antworten | Permalink

        Wer gesund altern will sollte möglichst viel Fisch essen.

        Research over the past few decades has shown that the nutrients and minerals in fish, and particularly the omega 3 fatty acids found in pelagic fishes, are heart-friendly and can make improvements in brain development and reproduction. This has highlighted the role for fish in the functionality of the human body.[7]

        Die ideale lebensverlängernde Diät besteht aus viel Fisch, viel Früchten und Gemüsen, etwas (Vollkorn-)Getreide und genügend Kaffe (3 bis 6 Tassen pro Tag) als Genussmittel. Speziell gesundheitsfördernd scheinen Nüsse und dunkle Schokolade zu sein. Vermieden werden sollte zuviel Salz, zuviel Zucker und rotes Fleisch. Es gibt zudem Hinweise, dass leichtes Untergewicht das Leben verlängert.
        Wer diese Diät mit einem regen sozialen Leben verbindet, einer Gemeinschaft, bei der nicht Alkohohl, sondern eher Tee als gemeinsames Genussmittel aufgetischt wird, der hat gute Chance nicht unnötig Lebensjahre zu verschenken.

        Übrigens: Nashorn gehört nicht zu den lebensverländernden Ingredienzien.

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Kulturelle Gründe sehe ich da weniger. Süd-Afrika gilt nicht gerade als Hochburg der TCM.

      Was die Zahlen angeht, muss ich mir die mal genauer anschauen.

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