AKTUELLE POSTS RSS

 

Quarks und Co zu Glauben, Wissen und der Evolution von Religion

22. April 2014 von Michael Blume

Wie wahrscheinlich viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatte ich seit meiner Jugend viele glückliche Stunden vor Wissenssendungen verbracht, die mit der richtigen Mischung aus Unterhaltung und Information in Forschungswelten einführten. Sie können sich also mein Herzklopfen vorstellen, als eines Tages ein Mitarbeiter der WDR-Wissenssendung Quarks & Co. bei mir anrief und erläuterte, dass sie sich zum ersten Mal in ihrer Sendegeschichte mit dem Thema Religion aus naturwissenschaftlicher (d.h. evolutionärer) Perspektive befassen wollten. Ob ich bereit wäre, dabei mitzuwirken? Natürlich war ich... weiter

 

Die Anthropodizee-Frage. Wer den Himmel leerräumt, schafft die Menschheit ab

21. April 2014 von Michael Blume

Als ich es schon nicht mehr wirklich zu hoffen gewagt hatte, erwartete mich in den Forschungen zu Religion & Demografie eine handfeste und aufregende Entdeckung - und zwar dort, wo ich am wenigsten damit gerechnet hätte: In der Philosophie. Wenn Sie etwas Zeit und Lust haben, möchte ich Sie heute daran teilhaben lassen. Aber Vorsicht - das Gefundene hat auch mich schockiert und ich habe lange gebraucht, um es zu akzeptieren. Als ich vor über zehn Jahren meine religionsdemografischen Studien eröffnete, hatte ich eine einfache Grundthese: Aktive Mitglieder von Religionsgemeinschaften hätten demnach durchschnittlich "etwas mehr" Kinder als Konfessionslose. Wenn "nach Abzug aller anderen Faktoren" ein Reproduktionsvorteil von wenigen Prozentpunkten übrig geblieben wäre, so wäre dies ja aus der Perspektive der Evolutionsforschung mehr als genug gewesen. Doch umso mehr ich außer quantitativen (statistischen) Daten auch qualitative Beobachtungen (Fallstudien) einbezog, umso klarer wurde, dass die Lage viel gravierender war, als ich anfangs gedacht hatte - und sehen wollte. Inzwischen akzeptiere ich als empirischen (also überprüfbaren) Befund: Religionen – und nur Religionen! – vermögen Menschen in ausreichender Zahl zu dem Verzicht zu bewegen, den Familien mit mehr als zwei Kindern bedeuten. Wir kennen heute Dutzende religiöse Traditionen wie  die orthodoxen Juden, Amish, Hutterer, Mormonen usw., die über Generationen hinweg kinderreich geblieben sind; aber keine einzige nichtreligiöse Population, Gruppe oder Gemeinschaft, die auch nur ein Jahrhundert lang die Bestandserhaltungsgrenze von wenigstens zwei Kindern pro Frau hätte halten können. Religiöse Traditionen können demografisch scheitern (z.B. auch durch allzu starren Familien-Traditionalismus); aber nichtreligiöse Populationen scheiterten bislang... weiter

 

Name missbraucht und Homepage down – Ein Erfahrungsbericht

16. April 2014 von Michael Blume

In der letzten Woche war meine Homepage www.blume-religionswissenschaft.de gesperrt gewesen - und ich habe selber einige Zeit gebraucht, heraus zu finden, was eigentlich los war. Weil so etwas vielen und gerade auch Bloggenden geschehen kann, habe ich mich entschieden, kurz zu schildern, was vorgefallen ist. Also: Schon vor einigen Jahren hatte ich mich entschlossen, auf einer ganz einfach gestalteten Homepage ein paar Grundinfos und religionswissenschaftliche Arbeiten im pdf-Format frei verfügbar zu machen. Weil es eben einerseits ein persönliches Angebot und... weiter

 

Religion und Demografie – Schluss-Bilanz nach einem Jahrzehnt Forschung

13. April 2014 von Michael Blume

Es fühlt sich an, als hätte ich ein Schiff mit den Ergebnissen vieler Jahre harter Arbeit beladen und stünde nun am Hafen, als es ablegt und sich entfernt. Und so ähnlich ist es ja auch gelaufen: Vor über zehn Jahren stieß ich durch ein Argument des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) auf die Frage, ob und wenn ja wie "Religiosität" mit Kinderreichtum zusammen hängt. Die Forschungsfrage faszinierte mich, wenn ich auch anfangs noch überhaupt nicht überblicken konnte, wie komplex sie sein würde. Es folgten mehrere Tausend Arbeitsstunden, erhebliche, auch finanzielle Kosten, Dutzende von verschiedenen Veröffentlichungen, Vorträgen und Diskussionen im In- und Ausland sowie auch zahlreiche Blogposts mit oft intensiven Debatten über manchmal Hunderte von Kommentare hinweg. Strecken voller aufregenden Entdeckungen wechselten mit Durststrecken - hinter jeder empirisch gesicherten Antwort tauchten immer wieder neue Fragen auf: Wurden Religiöse eher kinderreich; oder Kinderreiche eher religiös? Wiesen alle Religionsgemeinschaften vergleichbar erhöhte Geburtenraten auf, oder waren manche kinderreicher als andere? Welche Rolle spielten Bildung, Einkommen, Sozialstaat? Warum hatten traditionell religiös geprägte Staaten wie Italien oder Griechenland deutlich niedrigere Geburtenraten als stärker „progressive“ Gesellschaften wie Frankreich oder Schweden? Vertraten nicht verschiedene Statistiker wie Hans Rosling oder Herwig Birg je widersprüchliche Befunde? Welche Rolle spielte das Verbot von Verhütungsmitteln? Und warum verzichtete in einigen religiösen Traditionen ausgerechnet das Führungspersonal per Zölibat auf eigene Familien? Es ist wohl gut, dass ich am Anfang der Forschungen nicht wusste, welche Berge mich erwarten würden, sonst hätte ich es vielleicht kaum gewagt... ... weiter

 

Luke Skywalker heiratet. Wirklich. Star Wars mit Brautkleid

13. April 2014 von Michael Blume

Zu meinen bevorzugten Jagdgebieten als Religionswissenschaftler gehören Bahnhofsbuchhandlungen. Nirgendwo tritt einem die Buntheit und Vielfalt menschlicher Sehnsüchte und Mythen so unmittelbar gegenüber. Doch neben der Neugier ist auch Mut gefordert - denn die Wege der Menschheit sind voller Überraschungen in allen Schattierungen. Nachdem ich zuletzt einige (mormonische) Hintergründe der Twilight-Vampirsaga beleuchtet hatte, war ich bereit für neue Herausforderungen. Aber niemand bereitete mich auf das Kommende vor... Denn es begab sich, dass ich auf eine Fortschreibung des Star Wars-Mythos traf, der - auf dem Wurzelgrund von Christentum, Buddhismus, Gothic & Science Fiction - etwa um die Zeit meiner Geburt entstanden war und seitdem Milliarden Menschen erreicht und berührt hat. (Der Held meiner Jugend war übrigens der verwegene Han Solo und sein "Falcon".) Aber jetzt... ist alles anders! Möge die Macht mit uns sein - Luke Skywalker hat geheiratet! ... weiter

 

Wieviel Mormonenglaube steckt in der Vampirsaga Twilight von Stephenie Meyer?

10. April 2014 von Michael Blume

Heute erwartete mich zuhause eine schöne Überraschung: Mein bislang als eBook vorliegendes sciebook "Die Mormonen" (€ 1,99) lag nun auch als ab sofort erhältliches Taschenbuch (für 9,85 €) auf dem Tisch! Das ebook "Die Mormonen" (€ 1,99) liegt nun auch als Taschenbuch (für 9,85 €) vor Die Freude über das schöne Stück erinnerte mich jedoch auch an eine Frage, die mir als Religionswissenschaftler schon einige Male gestellt worden war: Wieviel Mormonismus steckt eigentlich in der Twilight-Vampirsaga (in Deutschland als "Bis(s)"-Reihe erschienen) von Stephenie Meyer? Auch als Vater einer lesehungrigen Tochter hatte ich mir dazu bereits ein fachliches, bissfestes Urteil gebildet. ... weiter

 

Ostern, seine Symbole und Rituale – Nürtinger Interview zur kulturellen Evolution des Glaubens

30. März 2014 von Michael Blume

Ostern ist das eigentliche Hochfest des christlichen Glaubens: Hier feiern Christinnen und Christen die Auferstehung und also den Sieg Jesu über den Tod. Die religionsgeschichtlichen Wurzeln sind dabei aber noch viel älter und weisen sogar über das direkt verbundene, jüdische Pessach auf mindestens bronzezeitliche Frühlingsfeste zurück: Seit vielen Jahrzehntausenden erkunden wir Menschen das Geheimnis, wie Tod und Leben notwendig zusammen hängen - sei es das zur Jagd und später Schlachtung bestimmte Tier, das Nachkommen hervorbringt, das Weizenkorn, das durch sein... weiter

 

Politikferne Staatsgründer – Die Quäker und Pennsylvania (Part 2)

27. März 2014 von Michael Blume

Es gehört zu den seltsamen Ironien der Geschichte, dass ausgerechnet den politik- und staatsfernen Quäkern (vorgestellt in Part 1 dieser kleinen Blogserie) ein Staatswesen zufiel. Auslöser dafür war der evangelische Theologe und Jurist William Penn (1644 – 1718), benannt nach seinem Vater Admiral Sir William Penn (1621 – 1670). Dieser hatte sich in der Marine einen Namen gemacht und König Charles II. nach einem Umsturz wieder ins Amt geholt. Für seine Verdienste war er zum Ritter und Admiral erhoben worden. Dass sich ausgerechnet sein Sohn diesen vermeintlich aufrührerischen, schwärmerischen Quäkern anschloss, erschütterte den alternden Kriegshelden sehr – und dennoch holte er William zweimal aus dem Gefängnis. Kurz vor seinem Tod versöhnten sich die beiden; William senior begann zu akzeptieren, dass sein Sohn seinen eigenen Weg zu Heldentaten des Friedens eingeschlagen hatte. Als der Admiral verstorben war, stand der König bei ihm dennoch in einer großen, finanziellen Schuld. Doch statt Geld erbat William junior Land in den neuen Kolonien, um dort (s)ein Ideal eines friedlichen, freien und naturnahen Staates mit dem Namen „Sylvania“ (etwa: Land der Baumlichtungen) zu ermöglichen. König Charles II. sprach ihm daraufhin 1681 ein enormes Gebiet – deutlich größer als Portugal – in Nordamerika zu und fügte den Namen des geschätzten Admirals hinzu: Pennsylvania war geboren! ... weiter

 

Her mit den Wurzeln! Wie eBooks zur Neuentdeckung von Geschichte(n) und Kunst führen

20. März 2014 von Michael Blume

"Ein Notfall, ein Notfall - ich habe alle meine Bücher ausgelesen!", ruft meine Tochter (11 J.) fröhlich und herausfordernd. Doch meine Frau bleibt gelassen: "Schieb mir mal bitte kurz den Computer rüber, Micha."... Staunend beobachte ich, wie sich die beiden auf der Seite der Stadtbibliothek einloggen und sich neun (!) eBücher auf den Tolino ziehen: Vor allem Jugendromane in fantastisch-historischen Welten des alten Rom und Ägypten, der Steinzeit sogar. Ausgeliehen für zwei Wochen, nach denen sie von selbst erlöschen, um neu... weiter

 

Soziale Kognition als Grundlage von Religiosität in der Interdisziplinären Anthropologie

15. März 2014 von Michael Blume

Anfang des Jahres 2013 schlug ein Blitz über einer europäischen Stadt in einen Blitzableiter eines hohen Gebäudes ein. Obwohl nichts und niemand zu Schaden kam, reisten Bilder und Berichte über die elektrische Entladung in Windeseile über neue und alte Medien um die Welt und auch die Hamburger Morgenpost fragte bang: „Eine Reaktion des Himmels?“ Den Hintergrund für die weltweite Aufmerksamkeit und den vielfachen Deutungen des Geschehens bildete mit Ort und Zeitpunkt der spezifische Kontext der elektrischen Entladung: Der Blitz traf das Kreuz auf dem vatikanischen Petersdom in Rom und dies nur wenige Stunden, nachdem Benedikt XVI. – als zweiter Papst der Kirchengeschichte – seinen freiwilligen Rücktritt erklärt hatte. Im Zentrum der (nicht nur von katholischen Christen und Christinnen) geführten Diskussionen stand entsprechend weniger das Ereignis des Blitzeinschlags als solches, sondern die Frage, ob „jemand“ – Gott – damit eine Reaktion, vielleicht sogar eine Botschaft ausgedrückt habe. So beginnt mein (hier als Leseprobe herunterladbarer) Beitrag zum Jahrbuch 01/2013 der "Interdisziplinären Anthropologie", herausgegeben von Prof. Gerald Hartung und Dr. Matthias Herrgen von der Universität Wuppertal, die gerade auch Gastgeber einer hervorragenden, internationalen Tagung zum Thema Anthropologie & Religiosität gewesen sind. ... weiter