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Die gefälschten Protokolle der Weisen von Zion – Vortrag bei der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs

29. Juni 2016 von Michael Blume

Als ich vor zwei Jahren über die verheerende Wirkungsgeschichte der gefälschten "Protokolle der Weisen von Zion" und in 2016 das sciebook "Verschwörungsglauben" schrieb, ging es mir vor allem um deren "zweite Karriere": Nachdem sie in der westlichen Welt vielfach widerlegt und durch den hasserfüllten Verschwörungsglauben der Nationalsozialisten diskreditiert worden waren, verbreiteten sie sich doch - mit ebenfalls furchtbaren Folgen - in der arabisch-islamischen Welt. Wenn Sie mir damals gesagt hätten, dass der Verschwörungsglauben an die "Protokolle" auch in deutsche Parlamente... weiter

 

Von Gottes Liebe getragen – Bemerkenswertes Gemeinsames Wort von ACK und Islamischen Religionsgemeinschaften in Baden-Württemberg

28. Juni 2016 von Michael Blume

Können Dialog und Begegnung inmitten eines Klimas von Ängsten, Terror und Neo-Nationalismus gedeihen? Können sich islamische Religionsgemeinschaften in Deutschland überhaupt selbst artikulieren, oder fehlt es ihnen noch immer an sachkundigem Personal, werden sie aus den Herkunftsstaaten "ferngesteuert"? Beten Christen und Muslime nach ihrem jeweiligen Selbstverständnis zum selben "Gott"? Angesichts dieser sicher nachvollziehbaren Fragen möchte ich auf ein bemerkenswertes Dokument hinweisen, das christliche und islamische Gelehrte in der Fachgruppe "Begegnung mit dem Islam" der ACK in Baden-Württemberg bis zum März 2016 gemeinsam erarbeitet und einer Landespressekonferenz vorgestellt haben. Die Katholische Nachrichtenagentur KNA veröffentlichte den Text und gab ihm - zitierend - den Titel "Von Gottes Liebe getragen". Unter anderem heißt es darin: Christen und Muslime wissen sich je auf ihre Weise von der Liebe Gottes getragen – und der Liebe zu Gott und den Menschen verpflichtet. Wenn sie sich darauf besinnen, können sie – gemeinsam – einen Beitrag leisten zur Linderung von Flüchtlingsnot, zur Überwindung von Ungerechtigkeit und Krieg, Unbarmherzigkeit und Gewalt. Sie können aus den innersten Motiven und Kräften ihres Glaubens heraus gemeinsam mithelfen bei der Lösung von zwischenmenschlichen Konflikten, aber auch von gesellschaftlichen oder globalen Krisen.   Dazu verpflichten wir uns mit diesem Gemeinsamen Wort. Wir rufen Muslime und Christen auf, sich zum gemeinsamen Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit herausfordern zu lassen." Den ganzen Text - auch mit der Liste der unterzeichnenden Kirchen und islamischen Verbände - können Sie hier als pdf herunterladen. ... weiter

 

Als Religionswissenschaftler im Kreuzfeuer von Verschwörungsmythen – Ein Aspekt von Digital Religion

21. Juni 2016 von Michael Blume

lichtung manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern werch ein illtum (Ernst Jandl) Am Freitag hatte ich ein faszinierendes - aber auch ein wenig bedrückendes - Erlebnis. Ich nahm an einem Expertenworkshop der Universität Mainz zum Thema "Digital Religion" mit der berühmten US-Forscherin Heidi Campbell teil. Verschiedene (Religions-)Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler wie Jun. Prof. Kerstin Radde-Antweiler (Uni Bremen) stellten dabei auch ihre Arbeiten vor. Das Ganze war hervorragend organisiert von Prof. Oliver Scheiding und Anja-Maria Bassimir (Uni Mainz). Und so schilderte auch ich in einer Präsentation einige Erfahrungen als religionswissenschaftlicher Blogger: Die immer wieder erfreulichen Zugriffszahlen, vielen konstruktiven Kommentaren und auch Einladungen zu Vorträgen, Artikeln und Tagungen - aber auch die zunehmende Aggressivität von Verschwörungsgläubigen, sobald es um Themen wie "Islam(isierung)" ginge. Hierbei würden Links- und Rechtsextreme sowie religiöse Fundamentalisten längst so etwas wie eine "Querfront" gegen die Ideen der liberalen Demokratie und auch gegen Medien und Wissenschaften bilden, denen sie jeweils "Beschwichtigung", "Propaganda" oder "Verschwörung" unterstellten. Und noch "während" ich in Mainz an der starken Tagung teilnahm und darüber erzählte, bemühten sich zwei Online-Aktive, je auf Facebook und hier auf dem Blog diese Beobachtungen zu belegen... Hervorragender Workshop zum Thema "Digital Religion" am 17. Juni 2016 an der Universität Mainz. Foto: Michael Blume   ... weiter

 

Allez le Blogs – Wie uns Rumänien christianisiert und was das für seine Zukunft bedeutet

19. Juni 2016 von Michael Blume

In wenigen Minuten wird das EM-Spiel meiner Allez-le-Blogs-Länder Albanien gegen Rumänien angepfiffen: Höchste Zeit, eine kleine Idee zu verwirklichen. Diese kam mir am 8. Juni beim Tag der KAS (Konrad-Adenauer-Stiftung), bei der ich an meiner ersten Online-Podiumsdiskussion teilnahm. Gemeinsam mit Birgül Akpinar vom CDU-Landesvorstand Baden-Württemberg diskutierten wir von Stuttgart aus mit Diskutanten in Berlin - und an beiden Orten gab es jeweils auch Zuschauende. Online-Podiumsdiskussion Stuttgart / Berlin am "Tag der KAS" am 8.6.2016. Foto: KAS Berlin Auch in dieser Diskussion versuchte ein Diskutant - diesmal ein Staatssekretär aus Ungarn - die Gefahr einer "Islamisierung" an die Wand zu malen und auf dieser Basis die deutsche Offenheit für Zuwanderung zu kritisieren. In einer Replik erlaubte ich mir den Hinweis darauf, dass Deutschland (und andere europäische Länder) auch eine erhebliche Zahl von Ungarn aufgenommen hätten - und dass die zweitgrößte Gruppe von Zuwandernden des Jahres 2015 nach Baden-Württemberg aus Rumänien stammte! Und so überlegte ich mir noch während der Debatte, mal ein bißchen europäische Demografie zum Nachdenken zu bloggen... ... weiter

 

Burkhard Gladigow und die europäische Religionsgeschichte von der griechischen Antike bis zu den Protokollen der Weisen von Zion

17. Juni 2016 von Michael Blume

Sehr gerne erinnere ich mich an die Seminare mit Prof. Burkhard Gladigow an der Universität Tübingen. Die Religionsgeschichte der griechischen Antike, deren Mythen und Einflüsse bis in die heutige Zeit reichen, erschienen mir damals als sehr weit entfernt, aber doch als faszinierend. Damals verstand ich noch nicht, dass Gladigow mit diesen Arbeiten ein Tor aufgestossen und die Religionswissenschaft für die europäische Religionsgeschichte geöffnet hatte. Dass wir heute - endlich und völlig selbstverständlich - beispielsweise über Säkularisierungsprozesse auch unter Muslimen, die multireligiöse Szene in Leipzig oder die post-stalinistische Epoche der Republik Albanien forschen und schreiben können, hat wesentlich auch mit den Debatten zu tun, die er einst führte und gewann. Daran erinnerte nun Prof. Christoph Auffarth in einem Interview mit KurrT: ... weiter

 

Allez les Blogs – Albanien, einst der erste atheistische Staat der Welt

10. Juni 2016 von Michael Blume

Die scilogs nutzen die Fussball-Europameisterschaft als Chance, einen Ausblick auf die faszinierende Vielfalt der europäischen Gesellschaften zu gewinnen. Ich widme mich heute der Republik Albanien: Ein Staat fast von der Größe Belgiens, aber mit nur noch unter 3 Millionen Einwohnern, der religionswissenschaftlich jede Menge zu bieten hat! So verlaufen die erste Assoziationen der meisten Europäer zu "Albanern" zunächst noch immer zu "Kosovo-Albanern", die lange von serbischen Nationalisten unterdrückt und vertrieben wurden und 2008 ihre Unabhängigkeit proklamierten (und auch zunehmend durchsetzen). Entsprechend schnell ist das Vorurteil zur Hand, "die Albaner" wären fast allesamt Muslime. Und von Muslimen "weiß man doch", dass sie mit Atheismus nichts am Hut haben können... - oder!? Ein Blick auf die Republik Albanien kann helfen, so manche religionsbezogenen Kenntnisse zu vertiefen und Vorurteile zu überwinden. Sie hatte ihre ganz eigene Geschichte und wurde 1967 sogar als "erster atheistischer Staat der Welt" proklamiert! Die Verfassung von 1998 definierte den Staat dann als "laizistische Republik". Ins Parlament wurde bei der letzten Wahl 2013 bislang auch nur eine einzige, erklärt religiöse Partei gewählt - die Christlich-Demokratische Partei Albaniens (PDK), mit einem Sitz. Klingt alles noch gar nicht so islamisch? Schauen wir uns das Land an und beginnen wir doch einfach ganz vorne - beim Wappen der Republik Albanien, das Siegel und Helm des Nationalhelden Skanderbeg (1405 - 1468) ziert. Credit: Wappen der Republik Albanien, Public Domain ... weiter

 

Die Protokolle der Weisen von Zion im baden-württembergischen Landtag

8. Juni 2016 von Michael Blume

Als ich vor zwei Jahren aus den Reihen der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft um einen Beitrag zu einer "Zusammenstellung der Hauptwerke der Unfreiheit" gebeten wurde, stand meine Wahl schnell fest: Die gefälschten "Protokolle der Weisen von Zion" hielt und halte ich für eine der verhängnisvollsten Schriften der Weltgeschichte, die alte und neue Verschwörungsmythen zu einem umfassenden Verschwörungsglauben verbanden. So trugen sie direkt zu Hass und Verleumdungen und schließlich zu Gewalt und Schoah bei, indirekt aber auch zu einer generellen Schwächung von Liberalismus und Demokratie. Denn wer an eine weltweite Superverschwörung glaubt, wird die Ideen von Freiheitsrechten, vernünftigen Diskursen und Gewaltenteilung als naiv oder sogar selbst verschwörerisch zurückweisen. Viele Liberale und Libertäre haben es noch immer nicht verstanden: Man kann nicht gleichzeitig freiheitlich und verschwörungsgläubig sein! Der sich ausbreitende Rechtspopulismus von Trump über Le Pen bis zum schnell erstarkenden, rechten AfD-Flügel ist zutiefst freiheitsfeindlich. Das fazbuch "Verlockungen zur Unfreiheit", herausgegeben 2015 von Karen Horn. Mein darin enthaltener Beitrag über die gefälschten "Protokolle der Weisen von Zion" findet sich auf S. 375 - 378 So heißt es in den "Protokollen" auch ganz direkt: Politische Freiheit ist ein Gedanke, aber keine Tatsache. [...] Diese Aufgabe ist leichter zu lösen, wenn der Gegner sich selbst schon mit der Idee der Freiheit angesteckt hat, dem sog. Liberalismus, und wegen dieser Idee geneigt ist, etwas von seiner Macht abzugeben. ... weiter

 

Von rundlichen Nashörnern zu lieblichen Einhörnern – Ein vergnügliches Detail der Religions- und Kunstgeschichte

4. Juni 2016 von Michael Blume

Selbstverständlich kann man als Religionswissenschaftler den ganzen Tag düstere Themen wie Extremismus, den sich ausbreitenden Verschwörungsglauben oder die Öl- und Glaubenskriege erforschen und beschreiben. Aber geistig wäre eine solche Einseitigkeit wohl nicht gesund (und würde im Übrigen genau den Falschen in die Hände spielen). Auch deswegen gönne ich mir hin und wieder auch mal Arbeiten zu "leichteren" Themen der Alltagskultur und Fantasie, zum Beispiel zum Glauben an Engel - oder an Einhörner. Und so musste ich doch sehr schmunzeln, als ich auf instagram eine Kalligrafie der Künstlerin Julia von www.farbcafe.de fand, die schrieb: Ich liebe Nashörner! Sie sind wie Einhörner nur dicker ... weiter

 

Verschwörungstheorien, Verschwörungsmythen, Verschwörungsglauben, neue Medien & Rechtspopulismus – Audioblog Folge 7

30. Mai 2016 von Michael Blume

Was ist eigentlich eine #Verschwörungstheorie genau? Und wie unterscheidet sie sich vom #Verschwörungsmythos? Wann läuft das Ganze schließlich auf einen #Verschwörungsglauben hinaus? Nach der Fertigstellung des sciebooks "Verschwörungsglauben. Der Reiz dunkler Mythen für Psyche und Medien" trudelten nicht nur Bestellungen, sondern auch Artikelanfragen ein. In der letzten (Urlaubs-)Woche gelang es jedoch auch, etwas Zeit frei zu schaufeln, um eine Podcast- und Audioblogfolge zu erstellen. Dabei habe ich mich auf die beispielhafte Darstellung des #Hexenglaubens sowie auf die Verschwörungsmythen zu Freimaurern, Illuminaten und schließlich Außerirdischen (vgl. #UFO-Religionen) konzentriert, außerdem den Einfluss "neuer" Medien - angefangen beim Buchdruck, dem Hexenhammer und Martin Luther - sowie schließlich den weltweiten Aufschwung des #Rechtspopulismus in den Blick genommen. Anbei also das Video, den Text als mp3-Podcast und als pdf-Text. Viel Freude & ggf. eine gute Diskussion! Link zum Audioblog-Video: ... weiter

 

Rezension zu Gideon Böss: Deutschland, deine Götter!

28. Mai 2016 von Michael Blume

Hier haben wir also einen Autor, der gar nicht erst versucht, sympathisch rüberzukommen. Schon die Widmung zeigt die eingeübte Art des Skeptikers, der der Welt und sich selbst gerne demonstriert, wie weit er über den Dingen (und Menschen) stehe: „Für Christine. Warum auch nicht.“ Und gleich der erste Satz offenbart auch den Grund des böss-schen Nichtglaubens: „Kann Gott mich nicht leiden?“ Klar, dass ein solcher Gott eigentlich undenkbar, zumindest unglaubwürdig sein muss! Was bildet der/die/das sich eigentlich ein! Und so... weiter