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Die demografische Traditionalismusfalle – und warum Thilo Sarrazin schummeln musste (n-tv 4)

27. September 2014 von Michael Blume

Mit der Erläuterung der Traditionalismusfalle möchte ich die kleine Reihe zu den Fragen nach dem n-tv-Interview zu Religion & Demografie schließen. Wenn Leute über die Zusammenhänge von Religiosität und Kinderzahl nachdenken, so fällt den meisten bald auf, dass es sehr traditional-religiös geprägte Gesellschaften wie Italien, Polen oder Griechenland mit niedrigen Geburtenraten gibt - und dann wiederum stärker säkulare wie Frankreich oder Schweden mit höheren Geburtenraten. Ob das nicht dem Religion-Demografie-Zusammenhang widerspreche? Nein, selbstverständlich nicht. Denn hier werden Mikro- und Makroebenen... weiter

 

Warum der Rationalismus evolutionäre Prozesse nicht ersetzen und nicht einmal verstehen kann

21. September 2014 von Michael Blume

Viele Menschen glauben noch immer, man könne gleichzeitig die Evolutionstheorie bejahen und zugleich völlig "rationalistisch" (z.B. als Sozialistin, Keynesianer oder Homo oeconomicus-Rationalist) sein. Tatsächlich aber ist bei uns Menschen alles, was wir "Verstand" oder gar "Vernunft" bzw. "Rationalität" nennen, zutiefst mit unseren biologischen und kulturellen Traditionen verbunden: Wer diese Wurzeln, die uns mit unseren Vorfahren verbinden, ignoriert oder gar kappen möchte, täuscht sich selbst und führt auch andere in die Irre. Aus durchaus gut gemeinten Motiven können dann furchtbare Schäden... weiter

 

Wie erfolgreich war die DDR-Familienpolitik? Informationen zum Honecker-Buckel (n-tv 3)

13. September 2014 von Michael Blume

Gerade auch in Deutschland gibt es lange Traditionen der Staatsgläubigkeit, verbunden mit einem tiefen Misstrauen gegen zivilgesellschaftliche Selbstorganisationen (wie Familien, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften). Daher werde ich immer wieder - auch im n-tv-Interview - gefragt, ob der Staat denn nicht auch die familienbezogenen Funktionen von Religionsgemeinschaften "ersetzen" könne? Empirisch gesehen ist die Antwort darauf: Bestenfalls teilweise, bislang ist ihm das jedoch noch nie vollständig gelungen. Gegenüber n-tv.de hatte ich daher erläutert: Es gab auch Gesellschaften wie zum Beispiel das sozialistische Rumänien oder NS-Deutschland, in denen säkulare Ideologien versucht haben, eine höhere Geburtenrate zu erzwingen. In beiden Fällen endete es im Desaster. Wir haben noch keinen Fall, wo es einer staatlichen Ideologie gelungen wäre, auf Dauer größere Familien zu erzwingen. In Rumänien brachen die Familien zusammen, zehntausende Kinder wurden ausgesetzt. In NS-Deutschland gab es zum Schluss sogar diese wahnsinnigen "Lebensborn"-Projekte, als Himmler gemerkt hatte, dass nicht einmal die SS am Ende noch die hohen Geburtenraten erreicht. Sogar eine totalitäre Politik kommt in Familienfragen an ihre Grenzen. Einige Leserinnen und Leser ließen mich wissen, dass ich jedoch ein "Positivbeispiel" vergessen hätte: Die DDR. Gelang es der Deutschen Demokratischen Republik, durch ihre Familienpolitik die Geburtenrate dauerhaft über 2 Kinder pro Frau zu heben? Selbst wenn wir davon absehen, dass diese "Familienpolitik" mit teilweise erheblichen Freiheitsbeschränkungen verbunden war, so lautet die Antwort doch klar: Nein, auch die DDR schaffte weder die völlige Abschaffung der Religionsgemeinschaften noch den Erhalt der demografischen Bestandserhaltungsgrenze. Ihre Familienpolitik erzielte jedoch durchaus demografisch messbare Effekte. ... weiter

 

Endlich! Dank für die Auszeichnung zum “Dodo des Monats” durch die deutschen Brights!

9. September 2014 von Michael Blume

Über lange Strecken ist Wissenschaft harte, brave Arbeit. Hin und wieder eine Anerkennung oder gar Auszeichnung ist da schon etwas Ermutigendes - sogar, wenn sie eigentlich feindselig gemeint ist. So "erhielt" ich vor drei Jahren als damals jüngster Wissenschaftler einen Droh- und Steckbrief auf der rechtsextremen Seite Nürnberg 2.0 - weil ich es gewagt hatte, aufzuzeigen, dass nicht "die Muslime" mehr Kinder bekommen, sondern es den Zusammenhang zwischen Religion & Demografie quer durch alle Religionen gibt. Nun haben die deutschen Brights (die "Hellen, Erleuchteten") nachgelegt, eine von dem englischen Biologen Richard Dawkins ausgerufene, religionsfeindliche Bewegung. Dawkins hatte ja zuletzt zur Abtreibung behinderter Kinder aufgerufen und eine verunsicherte Mutter über Twitter und seine Webseite wissen lassen, es sei "unmoralisch", sich für ein Kind mit Down-Syndrom zu entscheiden. Schon Anfang 2011 hatte er sich verärgert (aber nicht mehr bestreitend) über meine Befunde geäußert, wonach Religiöse im Durchschnitt kinderreicher sind als Nichtreligiöse. Insofern fragte ich mich schon, wann denn wohl seine deutschsprachigen Jünger aktiv werden würden. Nun also ist es so weit: Der "Brightsblog" hat mir den "Dodo des Monats August" verliehen! ... weiter

 

Liebe auf den zweiten Blick – Einstein und die Religion von Markus Mühling

5. September 2014 von Michael Blume

Als ich mich vor einigen Jahren mit vielen anderen für den (inzwischen erfolgten) Wiederaufbau der Ulmer Synagoge engagierte, zu der auch der kleine Albert Einstein und seine Familie gehört hatten, wuchs mein Interesse an der Haltung des bedeutendsten Physikers und Bürgerwissenschaftlers des 20. Jahrhunderts. Ich wollte wissen, was er mit Aussagen wie "Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind" oder "Gott würfelt nicht" denn nun "genau" gemeint hatte. Was genau meinte er mit "Religion" und "lahm", mit "Gott"... weiter

 

Warum brauchen Kaninchen keine Religion, um sich erfolgreich fortzupflanzen? (n-tv 2)

31. August 2014 von Michael Blume

Es ist nicht verboten, in der Wissenschaft manchmal zu schmunzeln - und hinter manch lustiger Frage verbirgt sich auch ein ernstes Thema. So erreichten mich nach dem n-tv-Interview zur Religionsdemografie per Mail und per Twitter auch öffentliche Anfragen, warum sich denn - bitte - Tiere ohne kulturelle Glaubenstraditionen fortpflanzen könnten. ... weiter

 

Die europäischen Amish – Die laestadianischen Lutheraner in Finnland (n-tv 1)

28. August 2014 von Michael Blume

Das Interview auf n-tv.de, das inzwischen auch auf kath.net aufgegriffen wurde, löste wieder eine Vielzahl von Rückmeldungen und Rückfragen aus. Einige neuere Themen will ich in einer kleinen, lockeren Reihe hier auf dem Blog aufgreifen. Eine besonders erfreuliche Rückmeldung erhielt ich von Christoph Bein, einem Studenten der Demografie in Rostock. Ihm war aufgefallen, dass ich im Interview wieder die Amish erwähnt hatte, die von n-tv dann auch für die Bebilderung ausgewählt wurden. n-tv-Header auf meinem Google+-Account In meinem Buch Religion... weiter

 

Auch der organisierte Atheismus hat eine Entwicklungsgeschichte

24. August 2014 von Michael Blume

Als ich neulich ein Interview für n-tv.de zu Religion & Demografie gab, schloss ich mit einigen Sätzen zu den Zukunftsaussichten nichtreligiöser und besonders humanistischer Verbände. Atheistische Gesellschaften sind auch gescheitert, als es etwa in den USA schon volle Religionsfreiheit und die strikte Trennung von Staat und Kirche gab. Und, wie bereits erwähnt, sogar in Systemen, die selber atheistisch waren. Trotzdem ist natürlich klar: Empirische Befunde gelten immer nur bis heute. Es könnte natürlich sein, dass sich in Zukunft zum Beispiel... weiter

 

Wie ein Jeside bzw. Ezidi seinen Glauben versteht – Ein Gastbeitrag mit Fragemöglichkeit

22. August 2014 von Michael Blume

Auf meinen Buchauszug zur fälschlich behaupteten "Teufelsanbetung" von Jesiden habe ich eine Vielzahl überwiegend positiver Rückmeldungen bekommen. Ein Jeside wandte sich an mich und bot an, einmal aus der "religiösen Innensicht" selbst zu beschreiben, wie er seinen Glauben versteht, außerdem auf sachliche Fragen von Leserinnen und Lesern von "Natur des Glaubens" zu antworten. Das ermögliche ich gerne, hier ist also sein Gastbeitrag:   ... weiter

 

Fundamentalismus & Extremismus – Die gefährlichen Seiten des Glaubens

16. August 2014 von Michael Blume

Schon vor über 5 Jahren schrieb ich im Fazit meiner ersten Titelgeschichte "Homo religiosus", dass das enorme Potential von Religiosität auch gefährliche Seiten habe. Zu beobachten sei eben auch, "dass in besonders engen Gemeinschaften nicht nur Vertrauen und Kooperation zunehmen, son­dern genauso die Abgrenzung gegenüber An­dersgläubigen und Atheisten, die Ablehnung von Toleranz und Humor und teilweise sogar die Bereitschaft, eigene Interessen gewaltsam durchzusetzen. Auch extremistische und kriminelle Gemein­schaften nutzen religiöse Lehren und Rituale, um den inneren Zusammenhalt gegen die Au­ßenwelt... weiter