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Gentechnik: Die taz erklärt Wissenschaftlern die Welt

09. Februar 2012, 23:24

Die taz titelte heute „Gentechnik kein Allheilmittel – Innovationen auf dem Acker“, was bei mir alle Alarmglocken schrillen ließ, denn niemand behauptet ernsthaft, dass Gentechnik ein Allheilmittel sei, weswegen es wenig Sinn macht, diese Aussage zu widerlegen. Das ist ein argumentativer Pappkamerad, ein Strohmann, den man leicht abbrennen kann, um das Gegenüber zu diskreditieren: Man schiebt dem „Gegner“ eine unmögliche Position unter, die er nicht vertritt, um sie dann zu demontieren und sich im Recht zu fühlen.

In der Anfangszeit der Gentechnik mag dieser Enthusiasmus in Fachkreisen durchaus vorgekommen sein – man denke nur daran, welche Hoffnungen an der Sequenzierung des Humangenoms hingen – aber Wissenschaftler sind nicht die ideologisch verblendeten technikgläubigen Spinner, die erst von der Realität eingeholt werden müssen, als die sie die taz darstellt.

Forscher begreifen, dass gentechnisch veränderte Nutzpflanzen nicht ausschlaggebend sind für die Welternährung. […]

unter Wissenschaftlern hat sich klammheimlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass gentechnisch veränderte Nutzpflanzen kaum eine Rolle spielen werden, wenn es darum geht, in 40 Jahren 9 Milliarden Menschen zu ernähren, was eine Mehrproduktion von 50 Prozent bedeutet. […]

Tatsächlich diskutieren viele Wissenschaftler kaum noch mit ideologischen Scheuklappen. […]

Ein Paradigmenwechsel hat sich in den Laboren vollzogen.

Diese Aussagen sind eine unglaubliche Frechheit. Kathrin Burger sollte sich schämen, den Wissenschaftlern und technischen Kräften eine solche Position unterzujubeln, und ihnen zu sagen, dass sie endlich begreifen sollen, dass Gentechnik so furchtbar überflüssig ist. Und dass es ja viel bessere Werkzeuge gibt, mit denen man die großen Probleme der Landwirtschaft lösen könne.

Frau Burger hat ganz richtig erkannt, es geht nicht um „Bio vs. konventionelle Landwirtschaft“ oder „Gentechnik ja oder nein“ – diese dämlichen Konflikte haben in die Fachdiskussionen der Forschergemeinde nie Einzug gehalten. Das wäre auch völliger Blödsinn: Allein die so genannte „konventionelle Landwirtschaft“ umfasst ein derartig breites Spektrum an Methoden und Ansätzen, dass es eigentlich wenig Sinn macht, die alle in einen Topf zu werfen. Vielmehr muss man das beste aus allen Welten kombinieren, situationsabhängig und unter Berücksichtigung der Bedingungen im Einzelfall, um eine optimale Lösung zu finden. 

Es geht in der Forschung allgemein um die Lösung von Problemen, wie etwa wie man die Nährstoffzusammensetzung der Pflanzen verbessert; oder sie resistent gegen Pilze, Bakterien, Viren oder Insekten zu machen, um den Pestizideinsatz zu verringern; sie gegen Überflutung oder Dürre tolerant zu machen, um Ernteausfälle zu vermeiden; oder einfach einen Apfel gesünder zu machen, indem man ihn bestimmte Substanzen vermehrt herstellen lässt. Selbst die Etablierung von den vielgescholtenen Herbizidresistenzen macht Wirtschaftsformen möglich, die besonders schonend für den Ackerboden sind. 

Dass sich bestimmte Probleme mit Züchtungsmethoden schneller oder einfacher lösen lassen, als mit der Gentechnik, ist alles andere als eine neue Erkenntnis. Jeder, der nur zwei Artikel zum Thema gelesen hat, wird das kapiert haben. Hier wird durch die taz etwas als Neuigkeit verkauft, nein, als Argument gegen die ach so unnütze grüne Gentechnik, was in Fachkreisen vermutlich seit Jahrzehnten common sense ist. Dass die Verbesserung der Anbaumethoden zur Verbesserung der Nachhaltigkeit vor allem in weniger entwickelten Ländern riesiges Potential ist so offensichtlich, dass man es kaum fassen kann, dass einem die taz als etwas verkaufen will, was der gemeine Wissenschaftler erst jetzt realisiert haben soll.

Es liegt auf der Hand: Die Gentechnik macht vieles möglich, was man mit den altgedienten traditionellen Methoden zur Genom-Modifikation (also „Züchtung“), nicht erreichen konnte. Man kann mit ihr Gene zwischen sexuell inkompatiblen Spezies austauschen, sogar Gene weit erntfernter Arten kombinieren. Wer aber einmal eine Idee davon bekommen hat, wie komplex die Regulationsmechanismen in einer Pflanze sind, wird einsehen, dass die Möglichkeiten der Technologie trotzdem recht begrenzt sind. Wer ein Grundverständnis davon hat, wie verschieden sich Genprodukte in unterschiedlichen Umgebungen verhalten können, wird ein Allheilmittel-Versprechen nicht ernst nehmen können. 

Denn es ist vielmehr so, dass durch sich durch die Züchtung entscheidet, ob man einen pflanzlichen Oldtimer oder einen Formel-Eins-Wagen auf dem Acker fährt. Durch die Gentechnik kann man Heckspoiler oder andere Gimmicks anbringen, aber das Modell substanziell zu ändern, ist ziemlich schwierig. Die traditionelle Kreuzung, bei der einfach mal alle Gene gut durchgeschüttelt und ungerichtet kombiniert werden, kann bei komplexen Eigenschaften viel schneller zum Ziel führen.

Die Art des Problems bestimmt die Wahl der Werkzeuge: Es gibt einige Beispiele, wo Züchtung schlicht und einfach nicht weiterhilft. So werden Bananenpflanzen derzeit von einigen desaströsen Krankheiten heimgesucht, und weil Bananenpflanzen steril sind, kann man keine Resistenzgene einkreuzen. Deswegen liegt viel Hoffnung in transgenen Ansätzen. Über Jahre hinweg hat man versucht, eine Knollenfäule-Resistenz aus Wildkartoffeln in normale Kulturkartoffeln einzukreuzen – ohne Erfolg. Vor kurzem hat BASF nun eine Kartoffelsorte mit eben dieser Resistenz zur Zulassung eingereicht – das Wildkartoffelgen wurde aber mit gentechnischen Scheren und Pinzetten verpflanzt. Umgekehrt hat ebern auch die moderne „Präzisionszucht“ Erfolge gefeiert  – im Artikel wird der überflutungstolerante sub1-Reis genannt. Wäre dieser Reis gentechnisch erzeugt worden – hätte ihn die taz wie den Golden Rice als „Imagekampagne“ verunglimpft?

Beweist der eine oder andere Fall eine generelle Überlegenheit einer bestimmten Methode? Natürlich nicht – wie gesagt, entscheidet das konkrete Problem über die Wahl der Werkzeuge.

Die unzureichende Trennung von Agrarindustrie und staatlich finanzierter Forschung ist ein weiterer Punkt, der mich am Artikel stört. Nicht nur die Industrie forscht an Ackerpflanzen, es gibt eine Menge unabhängiger Forschung zu dem Thema! So wird richtig gesagt, dass die Entwicklung bestimmter gentechnisch modifizierter Ackerfrüchte wie Banane, Yams oder Teff für die Industrie nicht lohnenswert sind – verschweigt aber, dass daran wahrscheinlich vor allem die immensen Kosten der Zulassungsbedingungen Schuld sind. Es gibt eine Vielzahl von Merkmalen, die fertig entwickelt auf die Kommerzialisierung warten. Und dass an gentechnisch modiiziertem Maniok und Bananen schon seit vielen Jahren geforscht wird, und zwar staatlich oder von nicht-staatlichen non-profit-Organisationen finanziert – wird ebenfalls unterschlagen.

Liebe taz, es ist schön, dass ihr begriffen habt, dass die Gentechnik nicht alle Agrar-Probleme der Welt lösen kann. Die Agrarwissenschaftler, Genetiker und Pflanzenwissenschaftler dieser Welt wussten das schon etwas länger. Vielleicht hättet ihr mal früher jemanden fragen sollen, der mit dem Thema professionell befasst ist? Wissenschaftler diskutieren nämlich ungern mit euren „ideologischen Scheuklappen“, das liegt in der Natur der Sache, Probleme lösen zu wollen und Lösungsansätze möglichst unvoreingenommen zu diskutieren.

Links und Literatur



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Boykottiert Elsevier! Unterstützt Open Access!

01. Februar 2012, 22:06

Wie macht ein Wissenschaftler seine Arbeit bekannt? Er/sie publiziert zum Beispiel einen Artikel in einem Fachjournal, das Gutachter bestellt, die die Arbeit bewerten, Fehler finden und Verbesserungen vorschlagen. Weder Gutachter, noch die Editoren oder die Autoren bekommen dafür Geld. Überwiegend öffentlich finanzierte Wissenschaftler liefern Inhalt, Begutachtung, und meistens sogar die Formatierungsarbeit kostenlos an das Journal.

Wer gibt diese Fachjournale heraus? Überwiegend sind das große Verlagshäuser, die Nature Publishing Group, der Elsevier-Verlag oder Springer-Verlag gehören zu den größten und bekanntesten. Es sind die größten und bekanntesten Blutsauger!

Die Verlage praktizieren eine Kultur des Diebstahls

Diese Verlage kassieren, nicht zu knapp und vor allem für den Zugriff auf die Artikel. Sowohl der Abruf einzelner Artikel etwa durch Privatpersonen, als auch der dauerhafte Abruf durch Uni-Bibliotheken kosten viel Geld. Die Gebühren für die Abonnements sind in den letzten Jahren stark gestiegen, während die Finanzierung der Bibliotheken oft immer weiter zusammengekürzt wurde.

Sicher entstehen den Verlagen auch Kosten durch die Veröffentlichung und Bereitstellung. Da der Wechsel von gedruckten Journalen zu elektronischen Publikationen weitgehend abgeschlossen ist, kann man aber davon ausgehen, dass die Kosten eher gesunken, als gestiegen sind. Nicht ohne Grund gilt das wissenschaftliche Verlagswesen als hochprofitabel. Elsevier allein macht einen Reinprofit von mehr als einer Milliarde Dollar pro Jahr (das sind etwa 3 Millionen pro Tag!), denn schließlich kostet so ein „Instituts-Abo“ für ein einziges Journal durchschnittlich ein paar Tausender. Das teuerste, das ich finden konnte, ist Brain Research mit mehr als 21.000€ pro Jahr, nur für den Online-Zugriff. Oftmals sind die Journale nur in Paketen zu haben: Wer Cell haben will, muss für einen saftigen Aufpreis auch ein paar Ladenhüter dazu nehmen. Wer das Geld nicht hat, hat Pech oder muss jemanden finden, der das Geld hat. Auch wenn die Forschung – das, was den eigentlichen Wert der Publikation ausmacht – bereits aus öffentlicher Hand bezahlt wurde, muss man nochmals Geld in die Hand nehmen, um sich die Resultate anzusehen.

Das Verlagswesen praktiziert eine Kultur des Diebstahls. Die Verlage stehlen die Arbeitszeit der Editoren und Referees. Sie stehlen der Bevölkerung die Ergebnisse der Arbeit, die sie selbst aus eigener Tasche bezahlt haben. Und natürlich stehlen sie mit ihrer Geschäftspraxis Steuergeldern aus den Kassen der Bibliotheken. Dieses Geld wird wiederum in das Lobbying investiert, damit die Pfründe der Großen geschützt werden.

Ein öffentliches Bekenntnis

Seit einigen Jahren grollt nun der Unmut unter Wissenschaftlern und es kam wiederholt zu Boykottaufrufen gegen Elsevier. Es geht bei einer neuen Aktion TheCostOfKnowledge.com darum, Farbe zu bekennen, und öffentlich die Position zu vertretern, dass man keinen Handschlag für diese Verbrecher mehr tun wird. Die Liste der Namen ist nun gerade mal 2700 Einträge lang. Das ist viel zu wenig!

Hier unterzeichnen: 
TheCostOfKnowledge.com

Ich habe in einer Instituts-weiten Mail zum Unterzeichnen aufgerufen, und außer mir hat gerade mal eine einzige Person unterschrieben.

Ist die Kraft besser in Open Access investiert?

Vielleicht sind meine Kollegen aber auch der Meinung, dass sich die Mühe nicht lohnt. Twitterer und Neurowissenschaftler Björn Brembs findet, dass diese Art Aktionen viel zu sehr von dem Kernproblem ablenkt und ruft dazu auf, sich weniger auf Opposition gegen die großen kommerziellen Verlage zu konzentrieren, sondern seine Kraft in die Unterstützung offenerer Modelle zu investieren. Kommerzielle Verlage sollte man schlicht links liegen lassen und stattdessen Bibliotheksleiter davon überzeugen, Abonnements nicht mehr zu erneuern und von dem verfügbaren Geld ein paar Server zu kaufen, die die Literatur und Daten hosten können.

Er schreibt:

Die akademische Kommunikation muss zurück in die Hände der Wissenschaftler! Man muss die Verlage dort treffen, wo es ihnen am meisten schmerzt: in ihren Brieftaschen.*

***

* Let's bring our scholarly communication system back into our hands! Hit the publishers where it hurts: their pocketbooks.

Read on, my dear ...



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Gentechnik in Europa: BASF kapituliert

18. Januar 2012, 22:45

Nachdem sich in den letzten Jahren die Ablehnungshaltung der Europäer gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen in der Landwirtschaft verhärtete, schließt BASF nun alle entsprechenden Forschungseinrichtungen und richtet seinen Fokus auf andere Regionen. Deutschlands Äcker sind damit ab 2012 nun endgültig Gentechnik-frei. Greenpeace frohlockt und wiederholt mantraartig „Agro-Gentechnik ist keine Zukunftstechnologie“ und „Koexistenz ist nicht möglich“ – als wenn es dadurch wahr werden würde. NGOs wie Greenpeace oder Foodwatch haben maßgeblich dazu beigetragen, in der Bevölkerung und Politik eine nicht rational zu rechtfertigende Abwehrhaltung gegen alles was „Gen“ im Namen hat, aufzubauen. Der Abzug von BASF nach Nordamerika ist letztlich eine geschäftstaktische Reaktion, die ich nachvollziehen, aber nicht gutheißen kann, denn es ist eine Kapitulation vor der Unvernunft.

Demo

Nicht nur mit dieser Art von Protest musste sich BASF auseinandersetzen, Argumente spielen beim Fähnlein schwenken eine eher untergeordnete Rolle (Bildquelle: CC-BY-SA by Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg)

Ablehnung hat in den letzten Jahren zugenommen

Freilandversuche durchzuführen ist für Universitäten und Forschungsinstitute zu einem unkalkulierbaren Risiko geworden. Aktivisten zerstörten wiederholt Versuchsfelder und sabotierten damit öffentliche Forschung. Zuletzt richtete sich die Gewalt nicht nur gegen Versuchspflanzen, sondern auch gegen Menschen: Im Sommer 2011 brachen Aktivisten in den „Schaugarten Üplingen“ in Sachsen-Anhalt ein, bedrohten den Wachschutz mit Pfefferspray und zerstörten anschließend Gen-Weizen und Killer-Kartoffeln. Ein Jahr zuvor gab es Übergriffe auf das private Umfeld des ETH-Professors Wilhelm Gruissem, der Risikoforschung an gentechnisch veränderten Pflanzen betreibt. Die Militanz der Gentechnik-Gegner hatte damit definitiv ein neues Level erreicht. Damit sind die Felder inzwischen nicht nur ein finanzielles, sondern ein persönlich bedrohendes Risiko. 

Von der Kommerzialisierung von gentechnisch veränderten Ackerpflanzen kann man hierzulande nur träumen: Kleinunternehmen haben es längst aufgegeben, auf diesem Gebiet zu arbeiten. Nur die Großkonzerne mit ihren prall gefüllten Kassen können darüber nachdenken, eine neue Pflanzensorte durch den Zulassungswahnsinn zu prügeln. Selbst nach erfolgreicher Zulassung sind die Firmen nich nicht sicher: Gegen Monsantos insektenresistenten Mais MON810 gibt es in vielen europäischen Ländern politisch begründete Anbauverbote.

BASF kapituliert – das falsche Signal

Nun hat BASF als das letzte Großunternehmen, das in europäische Agrar-Gentechnik zuletzt mehr als eine Milliarde Euro investiert haben will, endgültig das Handtuch vor der Ignoranz der Europäer geworfen. Der Konzern stampft damit auch alle auf den europäischen Markt ausgerichteten Projekte ein, wie die Papierstärke-Kartoffel Amflora, die nach 13 Jahren endlich eine EU-Zulassung bekam, oder auch die mit Wildkartoffelgenen versehene Fortuna, die resistent gegen Knollenfäule ist. Amflora wollte keiner haben und wurde nach nur zwei Jahren nicht mehr vermarktet. Die Pommes-Kartoffel Fortuna, deren Zulassung erst im November 2011 beantragt wurde, wird gar nicht erst am Markt eingeführt werden.

Damit ist auch nicht zu erwarten, dass die Bürger durch den Kontakt mit dem Produkt die Scheu vor ihm verlieren.

Auch aus anderen Gründen ist der BASF-Rückzug bedauerlich: Arbeitsplätze und damit auch Perspektiven für Jungforscher in Deutschland gehen verloren, und in der Konsequenz wandert das Know-How in das Ausland ab. Ein Kommentar, den ich vor kurzem von einer „nachwachsenden“ Pflanzengenetikerin gehört habe, lautete: „Naja, dann gehe ich halt auch in die USA, um da zu arbeiten“. Nicht zuletzt waren die schlechten Perspektiven auf dem Gebiet auch für mich der Hauptgrund, weshalb ich mich nach meiner Diplomarbeit am MPI für molekulare Pflanzenphysiologie von diesem Themenfeld abwandte, um am Forschungsinstitut für molekulare Pharmakologie an einem Projekt mit medizinischer Relevanz zu arbeiten.

Natürlich ist es auch ärgerlich, dass sich der Konzern nun unter dem öffentlichen Druck gebeugt hat und die Gentechnikgegner sich gegenseitig auf die Schultern klopfen können. Die Panikmache in der Öffentlichkeit war erfolgreich. 

Wer hat Schuld an der Misere?

Ich glaube nicht, dass die Ablehnung bei entsprechender Aufklärung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten wäre – die existierenden Vorurteile richten sich meistens gar nicht gegen die Technologie an sich, und kann man sie dementsprechend auch abbauen. Leider wird der Themenkomplex von NGOs, vorgeblich „naturnah“ operierenden Unternehmen und nicht zuletzt die Politik für ihre Zwecke instrumentalisiert und missbraucht. Damit sind die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern verhärtet und die extremen Meinungen der Aktivisten beider Seiten sind in die öffentliche Meinung gesickert. Sicher kommt auch den Großkonzernen, die durch massive Lobbyarbeit und aggressive Patentpolitik auffallen, ein Teil der Schuld am Imageverlust der grünen Gentechnik zu.

Dabei liegt es auf der Hand, warum wir Gentechnik brauchen, auch in Europa. Eine Landwirtschaft, die in summa nachhaltiger ist, als die „konventionelle“ oder die „biologisch-organische“, wäre damit möglich. Ein Beispiel ist die bereits erwähnte BASF-Kartoffel Fortuna, die die Verwendung von giftigen Pilz-Pestiziden verringern könnte, deren erfolgreiche Marktzulassung nun aber wieder fraglich ist.

Stattdessen ziehen die Wohlstandsmaden am 21.01. wieder ums Rote Rathaus, demonstrieren gegen Gentechnik und für „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“. Macht dieser Slogan denn überhaupt Sinn?

Lesenswert



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Video: Von Killerzellen und AIDS

07. Januar 2012, 00:00

Wie sich das Immunsystem gegen Angriffe von Viren verteidigt, war hier im Blog schon öfters Thema. Heute habe ich ein schönes Video gefunden, das den Weg eines in kurze Stücke zerlegten Virus-Proteins an die Zelloberfläche zeigt, wie es dort von T-Killerzellen erkannt wird, und was die Killerzelle dann im Falle einer Infektion macht.

Das Video ist in englischer Sprache, aber selbst wenn man nicht alles versteht, kann man ganz gut erkennen, worum es geht.

(YouTube-Direktlink)

In einem weiteren, etwas ausführlicheren Video wird der Lebenszyklus des Humanen Immundefizienz-Virus (HIV, die Ursache für AIDS), geschildert. Es zeigt sich, weshalb bei einer Infektion mit dem HI-Virus unter anderem die Aktivität der T-Killerzellen fatal ist: Das Virus befällt CD4-tragende Zellen des Immunsystems, die anschließend unter anderem durch die oben genannten Killerzellen ausgeschaltet werden. Außerdem gehen die Zellen natürlich auch an der Virenproduktion selbst zugrunde. Die Folge ist eine allgemeine Immunschwäche, und man kann an einfachen Bagatellerkrankungen eingehen – AIDS.

(YouTube-Direktlink)

Nicht vergessen: Auch wenn die Videos recht anschaulich sind, kann man sie nicht für bare Münze nehmen. Natürlich sind die Moleküle nicht so schön bunt, vor allem ist es aber in der Zelle nicht so leer – vielmehr drängen sich dort die Biomoleküle dicht an dicht.

Quelle

Howard Hughes Medical Institute, HHMI's BioInteractive Animations: „Antigen presentation and CTL – How a cell infected by a virus signals cytotoxic T lymphocytes to kill the cell before the virus replicates and spreads“ & „HIV life cycle -- How HIV infects a cell and replicates itself using reverse transcriptase and the host's cellular machinery“. From the 2007 Holiday Lectures „AIDS – Evolution and Epidemic“



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Du weißt, Du bist Laborbiologe

11. Dezember 2011, 22:39

… wenn Du Dich hier wieder erkennst:

  • Du öffnest die Zahnpastatube mit einer Hand.
  • Du wäschst dir die Hände vor und nach dem Toilettengang.
  • Sowieso wäschst Du Dir Hände öfter als andere.
  • Du denkst bei „Medien“ an deine Zellkulturen.
  • Du hast eine Schwiele an deinem Daumen.
  • Das Wort „Aliquot“ ist in deinen allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen.
  • Du verschwindest plötzlich in der Kaffeepause, um eine Probe zu ziehen.
  • Du hast keine Angst vor Nagern, die haben Angst vor dir.
  • Das Wort „Größenordnungen“ ist in deinen allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen.
  • Du zuckst zusammen, wenn du „signifikant“ hörst.
  • Du findest, um zehn auf Arbeit zu kommen und Kaffee zu trinken, zählt als ein produktiver Tag.
  • Du verachtest die arroganten Mediziner, beneidest sie aber heimlich um ihren Job.
  • Du bist sehr gut darin, Dinge zu verdünnen.
  • Du bist auch sehr gut darin, sehr geringe Mengen von Flüssigkeiten zwischen kleinen Plastikbehältern hin- und her zu pipettieren.
  • Du hasst es, wenn Leute „Alkohol“ sagen und „Ethanol“ meinen.
  • Du denkst nicht an Zähne, wenn du „Molar“ hörst.
  • Du denkst bei „SOC“ nicht an Socken, sondern an deine Trafo.
  • Keiner in deiner Familie versteht, was du eigentlich tust.
  • Du findest, ein grüner Präsentationslaser ist das wissenschaftliche Äquivalent eines Heckspoilers.
  • Für wusstest nicht, dass „Falcon“ was mit Vögeln zu tun hat.
  • Du hast fünf von den Dingern, jedes mit einer unterschiedlichen Sorte Wasser.
  • Sitzen auf deinen Früchten Fruchtfliegen, musst du ihre Augenfarbe überprüfen.
  • Du findest, Drosophila-Genetiker haben Sinn für Humor.
  • Du besitzt T-Shirts von Invitrogen und trägst sie auch.
  • Du redest von deinen Kindern als „die F1-Generation“.
  • Du hattest eine Sehnenscheidenentzündung vom Pipettieren.
  • Du benutzt Kimwipes als Taschentücher.
  • Dich erinnert der Geruch von Latex an die Arbeit und nicht an Sexspielchen.
  • Dein Lieblingskochbuch stammt von Maniatis.
  • Du benutzt einen sehr, sehr sauberen Löffel, wenn du Marmelade aus dem Glas nimmst.
  • Vor flüssigem Stickstoff hast du längst jeden Respekt verloren.
  • Beim Kochen in der Küche sehnst du dich nach einem Magnetrührer und Parafilm.
  • Beim Abmessen von Flüssigkeiten in der Küche schaust du nach dem Meniskus und achtest auf die korrekte Augenhöhe.
  • Du würdest dir dein Gel nie in die Haare schmieren.
  • Du denkst bei „Western“ nicht an Winnetou.
  • Für dich ist Zucker nicht synonym mit Saccharose.
  • Du hantierst bei der Arbeit mit Rezepten, machst aber nichts zu Essen.
  • Trockeneis wird von dir zum Bombenbau oder zum Krach machen benutzt.
  • Du hast viele Freunde an Trockeneisbomben verloren ...

Ich bekenne: Ich bin ein Laborbiologe. ;)

Jetzt seid ihr Laborratten an der Reihe – was fehlt oben in der Liste?

Kompiliert aus den Einträgen bei D&A Lab < bayblab < chemistry blog und den Kommentaren darunter

Danke, John R.!



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Ansteckender Krebs: Hoffnung für den Beutelteufel?

23. November 2011, 22:35

Die tasmanischen Teufel, also diejenigen Beuteltiere, deren Aggressivität schon sprichwörtlich geworden ist, sind vom Aussterben bedroht. Grund dafür sind nicht etwa Nahrungskonkurrenten oder eingeschleppte Krankheiten, die andere Arten der australischen Inseln bedrohen, sondern ein seltener ansteckender Krebs, der durch die ständigen Beißereien von Teufel zu Teufel weitergegeben wird und so in den letzten 15 Jahren die Bestände um mehr als die Hälfte reduziert hat. Die infizierten Tiere einfach einzusammeln, funktioniert leider nicht.

Tasmanischer Teufel

Possierlicher Beißer: Ein Exemplar Sarcophilus harrisii
(Bild von emmettandersonCC-BY-NC)

Es wird geschätzt, dass die Art innerhalb der nächsten 25 bis 35 Jahre ausgestorben sein könnte. Jetzt gibt es vielleicht doch ein wenig Hoffnung, denn eine bestimmte Population der Tiere ist möglicherweise resistent gegenüber der Tumorerkrankung.

Eine ansteckende Krebserkrankung

Die „Beutelteufel-Gesichtstumorkrankheit“ (engl.: devil facial tumor disease, DFTD) wurde 1996 zuerst entdeckt. Typischerweise bekommen die Tiere Knoten im Gesichtsbereich, die sich bald über den gesamten Körper ausbreiten. Nach drei bis sechs Monaten ist das Tier tot, weil es nicht mehr fressen kann, die Organe aufgrund der metastasierenden Tumore versagen oder weil eine Sekundärinfektion ihr übriges tut.

800px Tasmanian Devil Facial Tumour Disease

Ein von der tödlichen Gesichtstumorkrankheit befallenes Tier.
(
Bildquelle)

Zu Beginn ging man aufgrund der Infektiösität fest davon aus, dass ein Virus die Ursache für das Auftreten der Tumore ist. Beim Menschen ist ganz analog Papillomvirus für fast alle Arten von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich, Hepatitis B und C verursachen Leberkrebs, und das Epstein-Barr-Virus ist mit Lymphomen assoziiert. So naheliegend diese Erklärung erschien, so falsch war sie auch. Es stellte sich heraus, dass alle Tumore eine entartete Vorläuferzelle in einem einzigen, schon längst verstorbenen Beutelteufel haben, und die damit keine „normale“ Krebserkrankung sind. Die Wucherungen sind vielmehr mit einem aggressiven Gewebe-Transplantat oder einem obligaten Parasiten vergleichbar. In diesem Fall sind es entartete Schwann-Zellen, die normalerweise Nervenzellen umhüllen.

Ansteckender Krebs ist äußerst selten, die einzige andere Art dieser Erkrankung ist das Sticker-Sarkom, das Hunde betrifft.

Beutelteufel sind etwas Besonderes

Zwei Eigenheiten der Beutelteufel verhalfen der Krankheit zu ihrem heutigen Status. Die Tiere beißen sich wohl bei jeder sich bietenden Gelegenheit – bei der Paarung oder beim Verteidigen des Reviers, Beißereien gehören zum Beutelteufel-typischen Sozialverhalten einfach dazu. So können die infektiösen Zellen leicht von Tier zu Tier gelangen.

Twobigpaws devildinner

Teufelfrühstück (Bild von twobigpaws, CC-BY-NC-SA)

Außerdem weisen sie eine Besonderheit in ihrem Immunsystem auf. Dieses ist unfähig, den Tumor, der ja fremdes Gewebe ist, auch als fremd zu erkennen.

Man kennt das anders: Bevor man beim Menschen eine Organtransplantation vornimmt, muss man das Gewebe auf Kompatibilität testen und nach erfolgter Transplantation mit starken Medikamente eine Abstoßungsreaktion unterbinden.

Die Moleküle, die für die Abstoßung fremder Organe verantwortlich sind, bestehen aus einer Gruppe von Genen, die der Haupthistokompatibilitätskomplex („MHC“) genannt wird. Die MHC-Proteine sitzen auf der Oberfläche der Körperzellen, und weiße Blutzellen können mit ihnen interagieren:

mhc erkannt durch tcr

Rezeptoren auf der Oberfläche von Zellen des Immunsystems interagieren mit den MHC-Molekülkomplexen auf der Oberfläche von Körperzellen. Kleine Bruchstücke von Krankheitserregern, hier rosa, können so erkannt werden.

MHC-Molekülkomplexe sind ein elementar wichtiger Bestandteil der adaptiven Immunabwehr, denn sie binden Proteinstücke von Krankheitserregern und machen sie an der Zelloberfläche für andere Zellen sichtbar. Immunzellen können diese Information auslesen und entscheiden, ob es sich um etwas „fremdes“ handelt. Ob es nur das kleine Proteinstück oder andere Teile des MHC-Komplexes sind, ist dabei unerheblich – alles, was als fremd erkannt wird, wird eliminiert.

Jeder trägt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Genen für MHC-Moleküle, und jedes Gen besitzt eine unglaubliche Variabilität innerhalb der Bevölkerung. Damit wird verhindert, dass ein bestimmter Krankheitserreger sich an die Bindeeigenschaften des MHC-Moleküls anpasst, und eben auch, dass sich Krebszellen von Individuum zu Individuum ausbreiten können. In der Tat ist eine gute Durchmischung von MHC-Genen wohl so wichtig, dass wir uns von Menschen mit stark unterschiedlicher MHC-Ausstattung angezogen fühlen und damit unsere Partnerwahl beeinflussen.

Der Beutelteufel hat in dieser Hinsicht ziemliches Pech, denn er hat zwar auch einige verschiedene MHC-Molekülvarianten, aber die Diversität innerhalb der Population ist extrem gering – alle lebenden Beutelteufel haben ein funktionell praktisch identisches Set an MHC-Genen. Damit erkennt das Immunsystem den Tumor schlicht nicht als fremdes Gewebe und seine Zellen können sich ungehindert im gesamten Organismus verteilen und Tochtergeschwüre bilden.

Neue Hoffnung: Eine Population in West-Tasmanien ist womöglich resistent

Über einige Jahre hinweg hat eine Forschergruppe um Menna E. Jones und Hamish McCallum mehrere Bestände der Beutelteufel beobachtet und dabei festgestellt, dass nicht alle Populationen gleichermaßen von der Krankheit betroffen sind.

Tasmania

Ausbreitung der Krankheit und einige Beobachtungsstützpunkte für die Forscher. Nicht eingezeichnet sind die Stützpunkte Forestier und Fentonbury
(©, Abbildung aus Jones et al. 2011)

Im Nordwesten der Insel existieren die letzten noch nicht befallenen Bestände von tasmanischen Teufeln (siehe Karte). Vor kurzem wurde herausgefunden, dass diese Tiere ein Set an MHC-Genen besitzen, das sich von denen der anderen Beutelteufelbestände unterscheidet. Damit stand die Frage im Raum, dass  diese Gruppe von Tieren immun gegen die Gesichtstumorkrankheit ist.

Das Forscherteam hat die Ausbreitung der Krankheit in vier verschiedenen Gebieten verglichen – eine davon in West Pencil Pine, und drei in Osttasmanien, wo viele Tiere betroffen sind. In West Pencil Pine gab es über vier Jahre hinweg keine schnelle Ausbreitung der Krankheit und auch keine signifikante Abnahme der Tierzahl. Infizierte Tiere überlebten die Krankheit sehr viel länger als ihre Geschwister aus dem Osten. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die Mehrzahl aller Teufel innerhalb weniger als zwanzig Jahre verendet ist.

Eine alternative Erklärung ist, dass ein anderer, unter Umständen weniger aggressiver Tumorstamm existiert, der sich in Westtasmanien langsamer ausbreitet. In der Tat wurden bereits mehrere Stämme analysiert, was abermals zeigt, dass auch der Tumor evolutionärem Druck ausgesetzt ist und sich an Resistenzen gegebenenfalls anpassen könnte. In jedem Fall ist der Krebs auf den Teufel angewiesen und eine Koevolution könnte auch zum Ergebnis haben, dass der Krebs als weniger aggressive Krankheit erhalten bleibt.

Die Möglichkeit, dass der tasmanische Teufel ausstirbt, besteht aber nach wie vor.

Ich hoffe, dass es sich bestätigt, dass es Resistenzgene sind, die die „Wessies“ immun gegen DFTD macht. Denn dann könnte man versuchen, Teufel gezielt in stark betroffenen Gebieten auszusetzen, und damit deren Gene in den Genpool der entsprechenden Populationen zu mischen.  Vielleicht könnte man so diese kuriosen und interessanten Tiere erhalten.

Devil arm

Ein <3 für Beutelteufel.
(Bild von Mozzer, CC_BY_NC_SA)

Interessante Literatur

Jones, M. E., & McCallum, H. (2011). The Devil's Cancer. Scientific American, 304(6), 72–77. (Downloadversion)

Hamede, R., Lachish, S., Belov, K., Woods, G., Kreiss, A., Pearse, A.-M., Lazenby, B., et al. (2011). Reduced Effect of Tasmanian Devil Facial Tumor Disease at the Disease Front Conservation biology : the journal of the Society for Conservation Biology.

Siddle, H. V., Marzec, J., Cheng, Y., Jones, M., & Belov, K. (2010). MHC gene copy number variation in Tasmanian devils: implications for the spread of a contagious cancer Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, 277(1690), 2001–2006.



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Video: Existiert moralische Objektivität? Woher kommt Moral?

12. November 2011, 22:12

Es gibt einen dritten Teil der „Morality“-Serie von Video-Blogger QualiaSoup, die ich hier vorgestellt hatte.

Er fragt, gibt es ein objektives Maß für moralisches Handeln? Und: was ist Quelle von Moral: Gott, die Intuition oder hat das Seiende normative Kraft für unser Handeln? Damit schneidet er zentrale Probleme an, wie eben das „sein-sollen-Problem“ von David Hume oder auch, dass wir uns intuitiv teilweise ganz falsch verhalten. Hier verweist er auf den Aufsatz von Paul Slovic „If I look at the mass I will never act – psychic numbing and genocide“, in dem ein bekanntes und verstörendes Phänomen diskutiert wird: Wir können uns sehr gut in Einzelschicksale einfühlen, aber ein Schicksal unter vielen – wie etwa bei einem Genozid – berührt uns längst nicht so stark. Das haben Hilforganisationen schon längst erkannt.

Mir fehlt im Video die Diskussion der Ansichten von Sam Harris, der in seinem Buch „The Moral Landscape“ objektive moralische Maßstäbe in der Neurobiologie sucht. Das hat im letzten Jahr ziemliche Furore in einigen Blogs verursacht.

Ein schwieriges Thema, für mich als philosophisch Unbefleckten erst recht.


Direktlink zuMorality 3: Of objectivity and oughtness



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Neue Gentech-Kartoffeln sperren sich gegen Gegnerargumente

03. November 2011, 22:16

Die Gentechnik wird häufig aufgrund irrationaler Ängste abgelehnt, wie in den achtziger Jahren, als es um die Herstellung von Insulin ging, und heute, wenn es um die Bekämpfung des mitunter tödlichen Dengue-Fieber geht.

Bei einer direkten medizinischen Anwendung wird die Notwendigkeit, im Genom von Lebewesen herumzuschneiden, von vielen Menschen noch toleriert, der Spaß hört aber spätestens auf, wenn es um die (verbesserte) Erzeugung von (verbesserten) Nahrungsmitteln geht. Dabei hängen davon natürlich auch eine Menge Schicksale ab – das Problem der Überbevölkerung unseres Planeten und des massiv steigenden Bedarfs an Nahrung ist bekannt. Wir satten westlichen Wohlstandsmaden halten es nicht für nötig, neue Wege gegen welkende Bananen, verrottende Papayas, giftigen und ungesunden Maniok oder die siechenden Ug99-infizierten Weizenfelder zu beschreiten. Uns geht es ja auch gut hier in Mitteleuropa, wir haben die Wahl zwischen gezuckerten, aromatisierten, vollkornhaltigen oder politisch korrekten Cornflakes.

Platte Parolen gegen Gentechnik

Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind für viele Menschen keine Option, zu groß ist die Angst. (Bild von Global2000, CC-BY-NC-SA)

Viel lieber schindet man immer wieder dieselben Argumente gegen die „Agro-Gentechnik“: Es fände eine unnatürliche Übertragung von Genen einer Art in die andere statt, die Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringe, man wisse nicht, was „neue Gene“ in der Nahrung im Menschen anrichten, außerdem würde der Einsatz von Pestiziden gesteigert, und sowieso will Gentechnik im Essen niemand, der noch alle Tassen im Schrank habe. 

Wie ich gerade bei transgen.de gelesen habe, gibt es eine neue gentechnisch verbesserte Kartoffelsorte von BASF, die einige dieser Argumente hinfällig macht. Es geht um eine robuste Resistenz gegen die Kartoffelfäule, hervorgerufen durch Phytophtora und Ursache von Hungersnöten im vorletzten Jahrhundert und signifikanten Ernteausfällen in heutiger Zeit:

Schon vor vielen Jahren hatten niederländische Pflanzenforscher in zwei unscheinbaren südamerikanischen Wildkartoffeln Gene entdeckt, die eine robuste Resistenz gegen den Phytophthora-Erreger bewirken. Vergeblich haben die Züchter bisher versucht, diese Resistenzgene zu nutzen: In fünfzig Jahren ist es nicht gelungen, sie in Kultursorten mit guten Anbau- und Produkteigenschaften einzukreuzen. Vor acht Jahren begann BASF Plant Science mit der Entwicklung von  Phytophthora-resistenten Kartoffeln. Dazu wurden allein die beiden Resistenzgene mit gentechnischen Verfahren auf Kulturkartoffeln übertragen - ohne den "genetischen Ballast" der für eine Kultivierung unerwünschten Eigenschaften der Wildkartoffeln.

Die Kartoffeln haben also „neue Gene“ aus Wildkartoffeln bekommen. Weder mussten dafür „Artengrenzen“ überschritten werden, noch droht die Gefahr, dass sich diese Gene unkontrolliert in der Natur oder konventionellen Kartoffelkulturen ausbreiten würden. Kartoffeln werden über die Knollen vermehrt und überleben keinen frostigen Winter. Da die natürlichen Resistenzen den Einsatz von Pestiziden direkt vermindert, fällt auch das RoundUp-Argument „Gentechnik bedeutet mehr Pestizide in der Umwelt“ weg. Greenpeace verzichtet in seinem Statement zur neuen Kartoffelsorte bezeichnenderweise gleich ganz auf Argumente.

Bleibt noch die Angst vor der Technik, mit der man die neue Sorte erzeugt hat. 

Und so muss noch einige Jahre warten, bis man in den Genuss dieses Produktes kommt. Umweltministerin Aigner hat bereits „mehrere Jahre“ langwieriger Zulassungsverfahren angekündigt.

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Wissenschaftsverlage - die Blutsauger des Wissenschaftsbetriebs

26. Oktober 2011, 22:50

Vor ein paar Jahren noch hatte ich keine Ahnung, wie es in der Wissenschaft mit dem Publizieren läuft: Dass man eine Arbeit bei einem Verlag einreicht, um ihn von „peers“ – also andere Wissenschaftler – anonym prüfen zu lassen, also ein „review“ durchführen zu lassen.

Die Lieferung der Inhalte und die Prüfung geschieht unentgeltlich durch Wissenschaftler. Die Verlage haben damit nur noch die Aufgabe, Kandidaten aus den eingereichten Arbeiten auszuwählen, das peer review zu organisieren und das fertige Endprodukt zu verteilen. Selbst die Formatierung darf man als Bewerber größtenteils selbst übernehmen.

Das wäre vielleicht alles nicht so schlimm, wenn die Verlage nicht so exorbitant hohe Summen für ihre Artikel und Zeitschriften verlangen würden. Wenn man als Privatperson einzelne Artikel herunterladen will, bezahlt man in der Regel zwischen 30 und 40 Euro. Kein Pappenstiel, jede E-Tageszeitung ist da weit billiger.

Universitätsbibliotheken verbraten einen Großteil ihres Budgets für die unfassbar hohen Kosten der Abonnements. So bezahlt man für ein Chemie-Journal durchschnittlich um die 3.000 Dollar pro Jahr, das renommierte Biochimica et Biohysica Acta verlangt sogar mehr als 20.000 Dollar. Diese Abo-Preise steigen seit Jahren an, obwohl man meinen müsste, dass die schöne neue Welt der elektronischen Distributionswege die Kosten stark senken müsste.

Zecke

Blutsauger. Bildquelle

Die ganze Misere des ökonomischen Parasitismus der Wissenschaftsverlage hat eine ganze Latte von unangenehmen Konsequenzen: Es sind natürlich vor allem öffentliche Gelder, die sich die Verlagen unter den Nagel reißen. Der Zugang zu dem Wissen, was bereits teuer erworben wurde, muss ein zweites Mal bei den Verlagen gekauft werden. Dabei sind öffentliche Gelder immer knapp. In der Regel sind die Journale mit dem höheren Renommee auch die teureren; der Ruf des Wissenschaftlers hängt damit von den Schlimmsten aus dieser Riege ab. Diese Umstände haben auch zur Folge, dass sich an weniger gut betuchten Universitäten die Mitarbeiter theoretisch noch nicht einmal ihre eigenen Publikationen einsehen können. An der Uni Potsdam hatten wir nur Zugang zu einer Handvoll Zeitschriften und wir mussten immer unsere Bekannten an MPIs und in der Industrie nach PDFs von Artikeln fragen. Dazu kommt: Arme Länder können sich die Abos nicht leisten, ganz normale Menschenvon der Straße, ohne Zugang zu Universitätsbibliotheken können sich nicht ohne Weiteres informieren, und so weiter und so fort.

Wenn man es wie Peter Murray-Rust von der Uni Cambridge zuspitzen möchte, dann kostet diese Publikationspraxis auch Leben. Denn seiner Meinung nach ist die freie Verfügbarkeit von Information eine Grundvorraussetzung für ein gut funktionierendes Gesundheitswesen, die wissenschaftlichen Verlage haben wiederum zum Geschäftsmodell, diesen Zugang zu beschränken, also bedeutet das im Endeffekt, dass eine schlechtere Gesundheitsversorgung Menschen das Leben kostet.

Der Gegenentwurf zum klassischen Publikationsmodell nennt sich „Open Access“, also „Freier Zugang“. Hier bezahlt der Einreichende eine gewisse Gebühr, um seinen Artikel zu veröffentlichen. In den letzten Jahren hat es viele neue Open-Access-Journale gegeben, von denen es vor allem diese von PLoS zu Ruhm und Ehre gebracht haben und sich recht gut neben den Traditionalisten wie Elsevier, Springer und Nature behaupten konnten. Die erhoffte Revolution, nämliche der Sturz der genannten Überkapitalisten, blieb jedoch leider aus.

Richtig aus den Socken hat es mich gehauen, als Mike Taylor vor kurzem in seinem Blog vorrechnete, dass man allein mit den Profiten der Elsevier-Gruppe sämtliche erscheinende Artikel der Publikationswelt frei verfügbar machen könnte. Wenn man die 2 Milliarden Dollar Profit, die Elsevier jedes Jahr macht, durch die Zahl der jährlich erscheinenden Arbeiten – 1,5 Millionen – teilt, landet man bei etwa 1300 Dollar. Das entspricht in etwa der Gebühr, die man sonst an das renommierte Open-Access-Journal für eine Publikation in PLoS ONE abdrücken würde.* Dabei arbeitet PLoS One profitabel und ist nicht mehr, wie in seiner Anfangszeit, auf Spenden angewiesen.

Die Revolution kostet so viel, wie ein oder zwei große Verlage an Gewinn machen. Gewinn. Ein oder zwei Verlage.

Das ist in der Tat schockierend und skandalös und schreit nach einer wie auch immer gearteten Aufarbeitung. Ich konnte es in meiner Anfangszeit vor ein paar Jahren gar nicht fassen – die Wissenschaftler machen die ganze Arbeit, die Verlage kümmern sich nicht einmal um benutzerfreundliche Zugänge zu den Publikationen, und dafür muss man auch noch bezahlen?

Die Verlage haben es in der Abhängigkeit des gesamten Wissenschaftsbetriebs sehr gemütlich und ein äußerst lukratives Geschäft daraus gemacht. Die Frage ist natürlich, wie man solche Strukturen aufbrechen kann. Boykottversuche etwa an Elsevier scheiterten.

Am wichtigsten erscheint mir,  dass sich Wissenschaftler von dem Zwang befreien müssen, möglichst nur in den renommiertesten Journals – wie Cell, Nature, Science – zu publizieren. Allerdings gilt z.B. eine Nature-Publikation als der heilige Gral und wer einmal eine hatte, wird hoch angesehen und gleichzeitig wieder danach streben, wieder „hoch“ zu publizieren. Kopf-Noten, die aus Noten/Scores der Journals errechnet werden, und nach denen die Leistung eines Wissenschaftlers oftmals berechnet wird, lassen die Forderung, weniger auf das Renommee der einzelnen Journale zu schielen, schnell zur Utopie werden.

Die öffentliche Hand sollte im eigenen Interesse Open-Access-Publikationen fördern, wo es nur geht, auch wenn dadurch erst einmal Kosten für die Publikationsgebühr entstehen. Möglicherweise ist das ein entscheidender Anreiz, auch die Qualität der Open-Access-Journals weiter zu steigern.

Zum Weiterlesen:

George Monbiot im Guardian berichtet unter dem treffenden Titel „Academic publishers make Murdoch look like a socialist“ (Verglichen mit Wissenschaftsverlagen ist Murdoch wie ein Sozialist). The Guardian, 29. August 2011

Mike Taylor rechnet vor, dass man mit den reinen Erlösen der Verlage Springer und Elsevier die gesamte Publikationswelt finanzieren könnte: „Economics of open-access publishing“, Sauropod Vertebra Picture of the Week vom 22. Oktober 2011

Anmerkungen

*Dass sich Taylor etwas verrechnet hatte, tut seinem Argument keinen Abbruch.



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Anthroposophische Weisheiten

03. Oktober 2011, 01:44

In der Heftbeilage der Frauenzeitschrift „Für Sie“ fand ich einige Schätze über die sanfteste aller Heilmethoden des Querdenkers, geheim- und geisteswissenschaftlichen Vorreiters Rudolf Steiner, der uns materialistischen Naturwissenschaftlern in so vielem voraus war. Es geht um Anthroposophische Medizin, besser gesagt, was davon kompatibel mit dem heutigen Lifestyle erscheint.

Die Erkenntnisse der modernen Immunologie bestätigen all das, was der Philosoph Rudolf Steiner und die Frauenärztin Dr. Ita Wegmann schon vor fast 90 Jahren in eine neue individuell geprägte Medizin umsetzten. [FürSie-Beilage]

Steiner war eben Hellseher, was soll ich sonst noch dazu sagen? Seine Vorraussagen sind ausnahmslos eingetroffen, wie etwa diese über die Renaissance der Quecksilbertherapie (Steiner war bekanntermaßen ein Verfechter der Heilung mit Schwermetallen, „Planetenmetallen“):

Und in Bezug auf eben diese Wirkung des Quecksilbers bei syphilitischen Erkrankungen muss man ja erwähnen, dass in der neueren Zeit vieles an die Stelle von Quecksilber gesetzt worden ist. Die berühmten neueren Mittel, die an die Stelle gesetzt worden sind, nicht wahr, sind aber schon heute durchaus erkannt in ihrer nicht ganz einwandfreien Wirksamkeit, und sehr bald wird die Medizin auch auf diesem Gebiete durchaus wiederum zu den Quecksilberkuren zurückgegangen sein. [Steiner, nach Hansson]

Das Heft empfiehlt aber gar keine Einnahme von giftigen Schwermetallen, ganz entgegen Steiners Lehre. Vielleicht sollte man anfragen, weshalb man sich so entschieden hat.

Auch über die Tatsache, dass die Anthroposophische Medizin vor allem auf dem Glauben an Ideen basiert, die sich ein gescheiterter Philosoph einfach nur ausgedacht hat, ohne sie zu überprüfen, geschweige denn, sie einer Kritik zugänglich zu machen, darüber schweigt sich das 35 Seiten starke Beilagenheftchen freilich aus.

Wichtig: Das Auseinandersetzen mit der Krankheit, nicht das Ausrotten […] „Bakterien gelten in der Anthroposophischen Medizin nicht als Ursache von Krankheit, sondern als Ausdruck gestörter Verhältnisse im Organismus, die den Erregern Gelegenheit geben, Fuß zu fassen“, so Prof. Dr. Fintelmann. Antroposophische Medizin ermuntere den Patienten vor allem, sich aktiv mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen. [FürSie-Beilage]

Diese menschenverachtende Auffassung von Krankheit – nämlich dass die Ursache für diese bei einem selbst liegt – und die geforderte „Auseinandersetzung“ als Notwendigkeit zur Menschwerdung gipfelt dann etwa in der Praxis, Kinder nicht zu impfen. Infolgedessen gibt es immer wieder Fälle von lokaler Masernepidemien, deren Ursprung man  zu Waldorfschulen und Waldorfkindergärten zurückverfolgen konnte. Dass in der Folge sogar Kinder gestorben sind, interessiert den gemeinen Anthroposophen weniger, denn die Wiedergeburt ist einem toten Kind sicher.

GA 317 30 6 1924

Nein, keine Kinderzeichnung einer Glühbirne und einer hässlichen Voodoopuppe, sondern eine Wandtafelzeichnung Steiners zur Anordnung seiner fantastischen Wesensglieder. Nach etwas Hinsehen zu erkennen: Die Anordnung der Glieder ist im Kopfbereich genau umgekehrt zur Anordnung im restlichen Körper. Weshalb das so sein muss, und weshalb sich jeder Idiot auch jede andere beliebige Erklärung hätte ausdenken können, erfährt man im Anthrowiki, von dort stammt auch dieses Bild.

Die feinstofflichen Wesensglieder kann man sich aber auch ganz anders ruinieren, etwa durch zu viel kritisches Denken und Verkopftsein:

Intellektuelle Menschen mit einem überaktiven Kopfpol etwa neigen dazu, im unteren Stoffwechsel-Gliedmaßen-System zu schwächeln. Das führt leicht mal zu Bauchweh, Durchfall oder Verstopfung. [FürSie-Beilage]

Unsere bloggenden Professoren hätten damit die Ursache ihrer ständigen Verdauungsprobleme gefunden!

Die Verdauung und Ernährung spielt natürlich eine große Rolle, wenn man nach der eigenen Schuld an einer Krankheit sucht:

Eher abgeraten wird von konservierten Nahrungsmitteln, Fertiggerichten, Weißmehlprodukten, zu viel Fleisch und Gemüse aus der Gattung der Nachtschattengewächsem wie Kartoffeln, Tomaten und Paprika. [FürSie-Beilage]

Besonders die Ablehung von Nachtschattengewächsen macht stutzig. Nach kurzer Suche findet man in Steiners Vorträgen aber die Begründung für diese Auffassung:

Also sehen Sie, während wir beim Menschen vom Bauch zum Kopfe gehen müssen, von unten herauf, müssen wir bei der Pflanze den umgekehrten Weg machen. Die Wurzel der Pflanze ist mit dem Kopf verwandt. Wenn wir das bedenken, wird uns gewissermaßen ein Licht aufgehen über die Bedeutung der Wurzel. Denn die Kartoffel, die hat Knollen; das ist etwas, was nicht ganz Wurzel geworden ist. Man ißt also, wenn man viel Kartoffel ißt, vorzugsweise Pflanzen, die nicht ganz Wurzel geworden sind. Wenn man sich also beschränkt auf das Kartoffelessen und zuviel Kartoffeln ißt, kriegt man nicht genug in den Kopf hinein. Es bleibt unten im Verdauungstrakt. So daß es also so ist, daß mit dem Kartoffelessen die Menschen in Europa ihren Kopf, ihr Gehirn vernachlässigt haben. Diesen Zusammenhang sieht man erst, wenn man Geisteswissenschaft treibt. Da sagt man sich: Seit Europa diese Kartoffelnahrung immer mehr und mehr überhand genommen hat, seit der Zeit ist der Kopf des Menschen unfähiger geworden. [Steiner, GA 350, Vortrag 18.06.1923]

Hört sich wahnsinnig einleuchtend an, oder? Zumindest für einen Wahnsinnigen tat es das wohl.

Ich kann nur vermuten, Steiner meinte damit, dass die Kartoffel eine Sprossknolle ist, und keine Wurzelknolle wie das Speicherorgan von Rettich oder Möhre. Die Kartoffelknolle ist lediglich verdickter „Stängel“, der in die Erde hineingewachsen ist. Also, liebe Blogger-Professoren: Plagt euch das nächste Mal der Magen, esst Rettich statt Kartoffeln!

Jedenfalls musste ich bei diesem abstrusen Unsinn an einen schönen Ausspruch von Karl Popper denken, den man sogar in der Wikipedia findet:

Jeder Intellektuelle hat eine ganz besondere Verantwortung. Er hatte das Privileg und die Gelegenheit, zu studieren; dafür schuldet er es seinen Mitmenschen (oder „der Gesellschaft“), die Ergebnisse seiner Studien in der einfachsten und klarsten und verständlichsten Form darzustellen. Das Schlimmste – die Sünde gegen den heiligen Geist – ist, wenn die Intellektuellen versuchen, sich ihren Mitmenschen gegenüber als große Propheten aufzuspielen und sie mit orakelnden Philosophien zu beeindrucken. Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann. […] Was ich oben (Punkt 1) die Sünde gegen den heiligen Geist genannt habe – die Anmaßung des dreiviertel Gebildeten –, das ist das Phrasendreschen, das Vorgeben einer Weisheit, die wir nicht besitzen. Das Kochrezept ist: Tautologien und Trivialitäten gewürzt mit paradoxem Unsinn. Ein anderes Kochrezept ist: Schreibe schwer verständlichen Schwulst und füge von Zeit zu Zeit Trivialitäten hinzu. Das schmeckt dem Leser, der geschmeichelt ist, in einem so ‚tiefen‘ Buch Gedanken zu finden, die er selbst schon mal gedacht hat.

Dem will ich gar nichts hinzufügen. Im Verschwurbeln von Trivialitäten und paradoxem Unsinn war Steiner ganz groß.



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